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7 Awards… zum 16. Spieltag der Premier League: Lob für Pep, Kritik für Klopp & Mourinho

11. Dezember 2017
Chris McCarthy

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7 Awards… zum 16. Spieltag der Premier League: Lob für Pep, Kritik für Klopp & Mourinho

Der 16. Spieltag der Premier League Saison 2017/2018 stand natürlich ganz unter dem Motto der Derbys, doch auch die anderen Partien vom Wochenende sorgten für Gesprächsstoff. Wir blicken zurück…

 

“Klassenunterschied” – Award

Wir könnten nach dem Manchester-Derby jetzt darüber reden, wie José Mourinho versäumte, nach einem mehr als glücklichem 3:1 beim FC Arsenal die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und seine Ausrichtung zu justieren. Wir könnten darüber philosophieren, wie Pep Guardiola sein Team taktisch hervorragend einstellte und durch ein konservativeres Offensivspiel und die tiefer aufgestellten Kevin De Bruyne und David Silva ein von Mourinho anvisiertes Konterspiel schon im Keim erstickte.

Was nach dem 2:1 der Cityzens gegen ein schwaches Manchester United jedoch übrig bleibt ist eine Erkenntnis, die schon lange in der Luft lag: Manchester City ist nach nun 14 Siegen in Folge (Rekord) die mit Abstand beste Mannschaft der Premier League Saison 2017/2018 und führt absolut verdient mit elf Punkten Vorsprung die Tabelle an.

Während United fast schon ängstlich und sehr verunsichert agierte, geriet City auch dann nicht in Panik, als das dominante Mittelfeldspiel nicht zu den gewohnten Torchancen führte und gewann ganz untypisch durch zwei Standardsituationen (David Silva; Nicolas Otamendi).

Taktische Handkniffe hin oder her, beim Duell zwischen dem Liga-Primus und dem vermeintlich größtem Verfolger wurde die qualitative, aber auch der mentale Lücke zwischen Manchester City und dem Rest der Liga offensichtlich. Wir erleben weder einen Meisterschafts-Dreikampf mit Chelsea, noch auch einen Zweikampf, sondern einen unglaublich dominanten Durchmarsch der Skyblues.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

 

“Verlierer des Tages” – Award: Christian Benteke

In einem intensiven Duell zwischen Crystal Palace und dem AFC Bournemouth gab es trotz 2:2 Endstand einen ganz großen Verlierer!

Nachdem sich die abstiegsbedrohten Eagles trotz eines frühen Rückstandes (Jermain Defoe; 10. Minute) wieder in die Partie kämpften, erst der Ausgleich per souveränem Foulelfmeter durch Luka Milivojevic und dann unmittelbar vor der Halbzeit sogar die Führung (Scott Dann; 44. Minute), war es wieder Defoe, der durch ein sehenswertes Tor von der seitlichen Grenze des Strafraums in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Dolchstoß setze.

Crystal Palace wirkte geschockt und erholte sich erst in der Schlussphase der Partie, als man dann doch noch auf den heiß ersehnten Heimsieg drängte. Schließlich erzwangen die Londoner in der 93. Minute sogar einen weiteren Elfmeter. Obwohl Milivojevic zuvor so eindrucksvoll vom Punkt verwandelte, war es zur Überraschung der Mannschaftskollegen und Trainer Roy Hodgson Christian Benteke, der sich selbstbewusst den Ball schnappte. Trotz der Überzeugungsversuche des vorherigen Schützen und einigen Diskussionen unten den Mitspielern trat der Belgier an….und scheiterte mit einem erbärmlichen, zentralen Schuss an Gäste-Keeper Asmir Begovic.

Ein sichtlich verärgerter Hodgson sagte nach dem Spiel:

“Benteke schnappte ich den Ball. Es war eine einseitige Entscheidung, niemand im Team war in der Lage, ihm den Ball abzunehmen. Wir, die Trainer, entscheiden, wer die Elfmeterschützen sind und erwarten nicht, dass Spieler diese Entscheidungen im Verlaufe des Spiels ändern. Wir sind nicht auf dem Platz. Wenn es eine Trainingseinheit gewesen wäre, hätten wir etwas dagegen tun können, aber es war ein Premier League Spiel und da sind wir weit weg.” [BBC]

Aufgrund der total egoistischen Aktion von Christian Benteke bleibt Crystal Palace auf dem letzten Platz, zwei Punkte vom rettenden Ufer entfernt – wenn diese mal nicht am Ende der Saison fehlen…

 

“Fehlende Tiefe” – Award: FC Liverpool

Zunächst einmal: Ja, der FC Liverpool war im Merseyside Derby gegen den FC Everton die dominante Mannschaft und hätte den Sieg zweifelsohne verdient.

Dass es nach einer tollpatschigen Aktion von Dejan Lovren zu einem unnötigen Elfmeter und letztendlich dem 1:1 Endstand kam, sorgte bei Jürgen Klopp für Frustrationen, allerdings wohl auch, weil so eine Entwicklung schon vor dem Anpfiff absehbar war.

Dem FC Liverpool fehlt es nämlich nicht nur Qualität, vor allem bekanntermaßen in der Abwehr, die in dem einzigen Moment, als sie gefordert wurde, versagte, sondern auch an der Tiefe im Kader. Nach einer Spielzeit, in der man sich ausschließlich auf die Liga und die lokalen Pokalwettbewerbe konzentrieren konnte, folgte durch die Qualifikation für die Champions League eine weitere, etwas unterschätzte Belastung. Für diese scheint das Ensemble des deutschen Trainer, wie auch vor der Saison befürchtet, nicht gewappnet zu sein:

Genügt das, um in der kommenden Saison einen weiteren Schritt nach vorne zu machen? Eher nicht, denn die so intensive Spielweise fordert, wie im Vorjahr schmerzlich erfahren, mehr Verletzungen und auch Energie, sodass es eigentlich eine höhere Qualität auf der Bank bedarf. (…) Auf den ersten Blick scheint der Kader nicht breit genug aufgestellt zu sein, um bei drei Wettbewerben auf Dauer (!) eine nennenswerte Rolle zu spielen.” [90PLUS Premier League Vorschau]

(Photo CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images)

In einem so prestigeträchtigem, und in Anbetracht der tabellarischen Situation, so wichtigem Derby nach gerade einmal 16 Spieltagen mit einem unerfahrenen Nachwuchsstürmer wie Dominic Solanke oder dem bisher sehr enttäuschendem Alex Oxlade-Chamberlain zu beginnen, während der schmerzlich vermisste Kreativgeist von Philippe Coutinho oder der formstarke Roberto Firmino auf der Bank sitzen, ist ebenso bedenklich wie die Tatsache, dass Dejan Lovren und Ragnan Klavan nach mehreren Transferfenstern noch immer die Stamm-Innenverteidigung bilden.

Um es noch einmal zu betonen, ja, der FC Liverpool hätte auch so gewinnen müssen, doch gerade die fehlenden Geniestreiche von Coutinho hätten gegen ein ungemein defensiv spielendes Everton schon den Unterschied gemacht, genauso, wie ein abgeklärter Innenverteidiger bei der Elfmeter-Situation in der 77. Minute.

 

“Lieblingsgegner” – Award: Stoke City

Nach nur zwei Punkten aus den letzten vier Spielen war ein Erfolgserlebnis für Tottenham dringend nötig. Zum Glück gibt es Stoke, denn die Potters sind bei drei Zählern in den letzten sechs Partien nicht nur selbst in einer schwachen Verfassung, sondern zugleich der aktuelle Lieblingsgegner der Spurs.

Der nie gefährdete 5:1 Heimerfolg der Londoner war nämlich das vierte direkte Duell in Folge, in dem sich Tottenham gegen Stoke mit mindestens vier Toren unterschied durchsetze. Just what the doctor ordered…

 

“Fremdkörper” – Award: Alexis Sanchez

Trotz der unglücklichen Niederlage gegen Manchester United gingen die Fans des FC Arsenal insgesamt recht optimistisch in die Partie beim FC Southampton. So offensiv- und charakterstark zeigten sich die Gunners in der Vorwoche aber auch in den Spielen zu vor.

Gegen die Saints schaufelten sich die Nordlondoner allerdings einmal mehr ein unnötiges Loch, aus dem sie letztendlich nicht mehr herauskamen. Per Mertesacker, der für den verletzten Shkodran Mustafi in die Startelf rückte, wirkte überfordert, zu langsam für die hoch verteidigende Dreierkette und war maßgeblich am frühen 1:0 Rückstand durch Charlie Austin beteiligt.

Ein etwas unkonzentriert wirkendes Arsenal versuchte sich anschließend wieder in das Spiel zu kämpfen, doch die Offensivaktionen ließen die letzte Entschlossenheit vermissen. Dabei wurde einmal mehr auffällig, in welch schwacher Verfassung sich der im Sommer vertragslose Alexis Sanchez befindet. Der Chilene, der letzte Spielzeit 24 Saisontore erzielte und 11 weitere vorbereitete, rennt schon seit Monaten seiner Form hinterher.

Obwohl das Energiebündel weiterhin für seine Mannschaft kämpft und sein unvergleichlicher Siegeswille nicht nachgelassen hat, sind seine Aktionen undurchdacht, erzwungen und engstirnig.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images,)

Alexis Sanchez beherzigte schon immer eine ballverliebte und risikobehaftete Spielweise, doch in dieser Saison sinkt die Torausbeute (aktuell vier), während die ohnehin schon hohe Anzahl an Ballverlusten sogar zunimmt. In einer aktuell gut aufgelegten Arsenal-Offensive, die sich vor allem durch Kurzpassspiel und schnelle Kombinationen auszeichnet, wirkt der derzeit viel zu verbissene Angreifer fast schon wie ein Fremdkörper: Unglaubliche 32 Mal verlor Sanchez gegen Southampton den Ball. An der desolaten Leistung ändert auch sein herrlicher Assist zum 1:1 Endstand durch Olivier Giroud nichts.

Dass ein Abschied im Winter für viele schon als befreiend erachtet wird, ist bezeichnend. Warum aber sollte Manchester City im Winter einen teuren Transfer forcieren, wenn Sanchez in seiner aktuellen Form wohl kein Gewinn für das eingespielte Team von Pep Guardiola wäre und im Sommer ohnehin ablösefrei zu haben ist?

 

“Harte Arbeit zahlt sich aus” – Award: West Ham United

Seit der Amtsübernahme von David Moyes zeigte sich West Ham zwar kämpferisch, doch die defensiven Nachlässigkeiten blieben bestehen. Nach nur einem Punkt und einem Torverhältnis von 2:9 in den letzten vier Spielen befürchteten die Fans der Hammers gegen den FC Chelsea trotz positiver Ansätze sicherlich das Schlimmste.

Ausgerechnet im Duell mit dem amtierenden Meister legte die schlechteste Defenisve der Liga allerdings den Schalter um und überraschte mit dem 1:0 Erfolg über die Blues die gesamte Liga. West Ham war von Anfang an wach und ging schon in der sechsten Minute durch Marko Arnautovic in Führung. Anschließend standen die Londoner insbesondere in der Zentrale überaus geordnet und ließen kaum nennenswerte Chance zu.

Dass Chelsea einen schwachen Tag erwischte, äußerst ideenlos agierte und vielleicht noch einen Elfmeter bekommen hätte können, soll die disziplinierte Leistung der tapferen Hammers in keinster Weise schmälern.

Die harte Arbeit hat sich, zumindest vorerst, ausgezahlt. Dank des Sieges befindet sich West Ham nur noch wegen des schlechteren Torverhältnisses auf einem Abstiegsplatz.

 

“Ärmste Sau” – Award: Rafael Benitez

Rafael Benitez kann einem wahrlich leid tun. Obwohl der Champions League Sieger bei seinem späten Amtsantritt in der Saison 2015/2016 den Abstieg nicht mehr abwenden konnte, blieb er den Magpies auch in der zweiten Liga treu und schaffte den direkten Wiederaufstieg. Um in der Premier League bestehen zu können, forderte Benitez Verstärkungen, wurde allerdings einmal mehr vom extrem umstrittenen Besitzer Mike Ashley enttäuscht.

Das Spiel gegen Leicester demonstriere nun eindrucksvoll, wieso der Trainer lautstark Neuzugänge verlangte, wieso Newcastle mit 15 Punkten auf Platz 16 steht und wieso der Trainer wohl der letzte Mann ist, der dafür verantwortlich ist.

Der leidenschaftlich aufspielende Aufsteiger begann mutig und ging schon früh durch Josélu in Führung. Statt dem durchaus verdientem 2:0, das nach einer viertel Stunde in der Luft lagt, folgte das 1:1 für Leicester. Nach einem furchtbaren Fehlpass von Mikel Merino, der an seine desolate Leistung bei Chelsea in der Vorwoche anknüpfte, versenkte Riyad Mahrez einen haltbaren Distanzschuss.

(Photo by Stu Forster/Getty Images)

Ab diesem Moment hatten die Gäste die Kontrolle über die Partie und erzielten nach der Halbzeit in Person von Demarai Gray die mittlerweile nicht unverdiente 1:2 Führung. Beflügelt von den treuen Anhängern kämpfte sich Newcastle am 125. Vereinsjubiläum zurück und erzwang das 2:2 in der 76. Minute durch Dwight Gayle. Die Freude hielt nicht lange, denn nur um 13 Minuten später lief Newcastle in einen Konter, der in einem Eigentor von Ayoze Perez resultierte.

Der Gastgeber zeigte viel Herz, Charakter und Wille, zahlte aber, wie schon so oft in der Saison, aufgrund der mangelnden Qualität Lehrgeld. Rafa Benitez gelingt es immer wieder, seine Mannschaft gut vorzubereiten, doch aufgrund der mangelnden individuellen Klasse sind die Fehler immer wieder nur eine Frage der Zeit. Benitez braucht neue Spieler, den ansonsten kann selbst ein so renommierter Trainer wie er den drohenden Abstieg nicht abwenden…

 

Chris McCarthy

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