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Alexis Sanchez – Schachfigur Di Marzio? Hat ManUtd ManCity wirklich überholt?

12. Januar 2018
Marius Merck

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Alexis Sanchez – Schachfigur Di Marzio? Hat ManUtd ManCity wirklich überholt?

Die sportliche Zukunft von Alexis Sanchez beschäftigt nun schon seit Monaten die Gazetten. Lange galt Manchester City als die bevorzugte Destination des Chilenen. Doch seit gestern mischt – angeblich – auch noch ein anderer Klub in dem Bieten mit: Ausgerechnet der Stadtrivale Manchester United.

 

Vorgeschichte

Der Vertrag des Chilenen läuft im kommenden Juni aus, eine Verlängerung bei Arsenal ist wohl komplett vom Tisch. Manchester City zeigte schon letzten Sommer konkretes Interesse, doch die Gunners entschieden sich erst spät doch zu verkaufen – zu spät, der Deal platzte.

Obwohl Arsene Wenger gewillt war, Sanchez nach der Saison ablösefrei ziehen zu lassen, haben sich die Umstände geändert. Der Angreifer hinkt seit Saisonbeginn seiner Form hinter her, ist übermotiviert, fahrlässig und fast schon eine Bremse in der Offensive der Nordlondoner. Darüber hinaus soll er für Unruhen in der Team-Chemie sorgen. Arsenal möchte folglich verkaufen, ohne sich in die Karten blicken zu lassen und natürlich die bestmögliche Ablöse erzielen. Auch Sanchez möchte, übereinstimmenden Medienberichten zufolge noch diesen Monat die Segel streichen.

Das Interesse der “Citizens” ist längst publik und daher galt auch im Winter das Etihad Stadium als logischstes Ziel, doch angeblich grätscht hier ausgerechnet der Stadtrivale dazwischen.

 

Das Gerücht

Plötzlich soll auch Manchester United dem Spieler eine Offerte unterbreitet haben. Daneben könnten die “Gunners” den Medienberichten zu folge mit Henrikh Mkhitaryan sofort einen annähernd adäquaten Nachfolger für Sanchez erhalten. Das Gerücht sorgte für Aufsehen und weckte den Verdacht, Arsenal wolle dem bewussten zögern der Cityzens entgegenwirken und die Meldung somit fabriziert, um Druck auszuüben.

Doch damit war noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, heute gab es ein neues Update: Die “Red Devils” sollen Manchester City im Rennen um Sanchez sogar überholt! Der englische Rekordmeister soll im Gegensatz zu seinem Stadtrivalen nämlich bereit sein, eine noch höhere Ablöse nach London zu überweisen und dem Offensivmann einen noch lukrativeren Vertrag vorzulegen.

Dies berichtet der italienische Journalist Gianluca Di Marzio exklusiv und als erster auf seiner Website.

 

Die Quelle

Bei dem “Transfer-Guru” scheiden sich die Geister. Was man ihm zugute halten muss: Er war vor fünf Jahren der erste, der das bevorstehende Engagement von Pep Guardiola beim FC Bayern München verkündete und katapultierte sich dadurch ins internationale Rampenlicht.

Wegen dieser einen Meldung (welche nun schon eine halbe Dekade zurückliegt) ihm die absolute Seriosität zu zusprechen, wäre natürlich übertrieben. Der Journalist machte in den letzten Jahren nämlich vermehrt durch Quantität, statt Qualität auf sich aufmerksam, vermeldete eventuell zu früh potentielle Neuigkeiten, traf somit seltener ins Schwarze und schadete somit, zumindest europaweit, seiner Reputation.

Zumindest bei italienischen Transferfragen ist er in der Regel allerdings besser informiert. Sanchez hat zwar mal bei Udinese Calcio in der Serie A gespielt, ein italienischer Verein ist in diese Transfer-Saga jedoch nicht involviert. Die neue Story um den Angreifer und Manchester United wurde daher zunächst sehr kritisch beäugt.

Zusammenfassend sollte man die Meldungen des Signore Di Marzio eher mit etwas Vorsicht genießen.

 

Analyse

Was auffällig ist: Di Marzio schwamm mit seiner Behauptung zunächst vollkommen gegen den Strom. Erst gestern Abend berichtete der überaus seriöse David Ornstein von der “BBC”, dass ein Wechsel zu Manchester City zu erwarten sei. Auch alle weiteren Gazetten wiesen bisher ähnliche oder sogar die gleichen Tendenzen auf – doch ein Gebot ließ weiter auf sich warten.

Ob Di Marzio in einem engen Austausch mit dem Agenten stand? Seine ersten Schritte im europäischen Fußball machte der Spieler zwar in Italien, beraten wird er jedoch von Fernando Felicevich, der vornehmlich chilenische Spieler als seine Klienten bezeichnen kann. Durch die Vergangenheit in der Serie A könnte zumindest Kontakt zwischen Journalist und Berater entstanden sein.

Und daher könnte Di Marzio hier ebenso als eine Art “Schachfigur” fungieren, um den Wechsel zu City zu forcieren. Was würde sich in diesem Zusammenhang besser eignen, als ausgerechnet der Stadtrivale, welcher auch in der Tabelle der ärgste Verfolger ist (den Vorsprung mal außen vor gelassen), als ernsthaften Mitbieter ins Spiel zu bringen, denn eines ist klar: Alexis Sanchez möchte wechseln und das Zögern macht womöglich nicht nur seinen aktuellen Arbeitgeber (wie zunächst vermutet), sondern auch ihn und seinen Berater sehr nervös.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images,)

Dennoch darf hier auch nicht außer Acht gelassen werden, dass United trotz der ursprünglichen Zweifel tatsächlich nach einem weiteren Mann für die Offensive sucht – und das schon seit Sommer. Der von José Mourinho angekündigte “vierte Neuzugang” steht immer noch aus und hätte im August eigentlich Ivan Perisic (Inter) werden sollen.

Sanchez könnte folglich sehr wohl eine ernsthafte Option beim Tabellenzweiten der Premier League sein.

 

Manchester City gelassen

Interessanterweise folgte gleich am späten Freitagnachmittag eine scheinbare Reaktion von Manchester City. “ESPN”, “Sky Sports” und der “Telegraph” berichten übereinstimmend, dass City Abstand von einer Verpflichtung nimmt.

Das finanzielle Gesamtpaket für einen bald ablösefreien 29-Jährigen sei schlichtweg zu hoch und da auch Gabriel Jesus schneller wieder zur Verfügung stehen sollte, als zunächst befürchtet, sieht Pep Guardiola bezüglich der Personalie Sanchez keine Eile.

Sollten Arsenal und der Spieler also nicht von ihren Forderungen weichen, so der “Telegraph”, würde man im Sommer ablösefrei zuschlagen. Die Gefahr, dass Manchester United dazwischen grätscht ist den Verantwortlichen ebenfalls bewusst und wird “gelassen” in Kauf genommen.

 

Fazit

Die Reaktion der “Citizens” wirkt fast schon zu gelassen, denn zumindest die finanziellen Rahmenbedingungen dürften auch vorher bekannt gewesen sein. Insgesamt kann sich das der Ligaprimus in Anbetracht seines tabellarischen Vorsprungs und der herausragenden Qualität in der Offensive tatsächlich erlauben. Zudem scheint man sich sehr sicher zu sein, dass Alexis Sanchez die sportlichen Perspektiven und die Wiedervereinigung mit seinem damaligen Barca-Trainer im himmelblauen Teil Manchesters stark favorisieren dürfte.

City wird sich, daher, ob fabriziert oder nicht, keinesfalls vom Interesse des Stadtrivalen unter Druck setzen lassen. Wo die Zukunft des Spielers also liegt, steht weiter in den Sternen… im Norden Londons jedenfalls nicht…

Marius Merck

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