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Alles Gute zum Geburtstag, Lothar Matthäus – der einzige deutsche Weltfußballer!

21. März 2017
Marius Merck

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Alles Gute zum Geburtstag, Lothar Matthäus – der einzige deutsche Weltfußballer!

Am 21. März 1961 erblickte Lothar Herbert Matthäus in Erlangen das Licht der Welt. Der Franke sollte als einer der besten Fußballer aller Zeiten in die Geschichte eingehen. 

 

 

Durchbruch bei den “Fohlen”

Seine ersten Erfahrungen im Aktivenbereich sammelte Matthäus in der Saison 1978/1979 beim 1. FC Herzogenaurach, der damalige Jungspund schoss seinen Jugendverein mit 20 Toren in 22 Spielen in die Bayernliga. Aufgrund dieser Leistungen wurde der 18-Jährige im Sommer 1979 von Borussia Mönchengladbach verpflichtet. Unter Jupp Heynckes reifte Matthäus zu einem der besten Mittelfeldspieler Deutschlands heran und feierte bereits ein Jahr darauf mit dem Gewinn der Europameisterschaft 1980 als Teil der deutschen Nationalmannschaft seinen ersten großen Titel. Bis 1984 sollte der Mittelfeldspieler das Spiel der Borussia prägen, dann folgte der Wechsel zum FC Bayern München. In seinem letzten Spiel für die “Fohlen” ging es im Finale des DFB-Pokals ausgerechnet gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber. Im Elfmeterschießen verschoss Matthäus seinen Elfmeter und war daraufhin als “Judas” bei den Gladbach-Fans verschrien.

 

Sprung in die Weltklasse in München

Beim FC Bayern etablierte sich der Franke als absoluter Leistungsträger und feierte mit den Münchenern 1985, 1986 und 1987 drei Mal hintereinander die deutsche Meisterschaft. Bei der Weltmeisterschaft 1986 zog das DFB-Team um Matthäus, Toni Schumacher, Hans-Peter Briegel oder Rudi Völler ins Finale gegen Argentinien ein. Matthäus hatte im Endspiel eine Spezialaufgabe: Die Bewachung des damals besten Spielers der Welt, Diego Maradona. Der Deutsche stellte seinen Widersacher über die meiste Zeit des Spiels kalt, dennoch ging das Finale mit 2:3 verloren. Nach dem Turnier stieg er unter Teamchef Franz Beckenbauer weiter in der Hierarchie auf und wurde 1987 Spielführer des Nationalmannschaft. Nach der Saison 1987/1988 folgte der Wechsel in das Schlaraffenland des Fußballs – die Serie A.

 

Grande Lothar: Weltmeister und Weltfußballer!

Inter Mailand überwies für den DFB-Kapitän rund 8,4 Millionen Mark – eine zur damaligen Zeit astronomische Summe. Bei den “Nerazzurri” spielte Matthäus mit seinen DFB-Kollegen Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme zusammen. Das deutsche Trio führte den Klub unter Trainer Giovanni Trapattoni direkt im ersten Jahr zur Meisterschaft. 1991 wurde der Sieg im UEFA-Pokal gefeiert.

Während seiner Zeit in Italien erlebte Matthäus zudem das erfolgreichste Jahr seiner Karriere: 1990. Bei der Weltmeisterschaft führte ein überragender Kapitän die Mannschaft ins Finale gegen Argentinien, wo im Endspiel von Rom erfolgreich Revanche für die Niederlage von 1986 genommen werden konnte. Der Inter-Star schoss während des Turniers vier Tore. Es sollten noch mehr Lorbeeren folgen: Deutschlands Fußballer des Jahres, Europas Fußballer des Jahres, Weltfußballer des Jahres! Den Weltfußballer-Titel konnte er 1991 verteidigen.

Im Frühjahr 1992 riss sich mittlerweile zum Inter-Kapitän aufgestiegene Weltstar das Kreuzband. Die Italiener rechneten nicht mit einer baldigen Rückkehr des 31-Jährigen und setzten den Antreiber auf die Transferliste. Uli Hoeneß sorgte für eine Rückkehr nach München. Entgegen den Erwartungen des Inter-Vorstandes kehrte Matthäus bereits früher auf den Platz zurück – der windige FCB-Manager wusste natürlich von dem Genesungsprozess und bezahlte lediglich rund 4 Millionen Mark Ablöse.

(Photo by Bongarts/Getty Images)

 

Zweite Epoche beim FC Bayern, Abschied nach New York

Der Rekordmeister hatte zu Beginn der 1990er Jahre etwas von seiner Vormachtstellung im deutschen Fußball eingebüßt. Mit Matthäus und dessen Ziehvater Franz Beckenbauer auf der Trainerbank wurde 1994 die erste Meisterschaft seit fast fünf Jahren gefeiert. Bis 1999 kamen zwei weitere Titel hinzu, außerdem wurden Erfolge im UEFA-Cup 1996 und im DFB-Pokal 1998 gefeiert.

In der Nationalmannschaft erlebte der mittlerweile zum Rekordnationalspieler aufgestiegene Star allerdings weniger schöne Zeiten. Nach einem erneuten Kreuzbandriss verlor Matthäus etwas den Anschluss, in seiner Abwesenheit wurde Jürgen Klinsmann zum neuen Spielführer ernannt – der Beginn einer jahrelangen Fehde. Aufgrund seiner Nähe zu deutschen Boulevard flog Matthäus vor der Europameisterschaft 1996 aus dem Kader und sah den Titelgewinn nur vor dem Fernseher. Ein Jahr darauf sorgte er erneut für einen Eklat. 1997 veröffentlichte er “Mein Tagebuch”, in welchem er allerlei Kabinen-Interna preisgab. Aus diesem Grund verlor er ebenfalls die Binde bei seinem Verein. Nach überragenden Leistungen kam es zur Weltmeisterschaft 1998 zu einem Comeback in der Landesauswahl.

Der letzte große Titel, welcher in seiner Laufbahn noch fehlte, war der Gewinn der Champions League. In der Saison 1998/1999 war der Traum zum Greifen nah, die Bayern verspielten jedoch in der Nachspielzeit gegen Manchester United eine 1:0 Führung. Matthäus hatte sich nach einer starken Partie in der 79. Minute auswechseln lassen und wurde deshalb nach dem Finale von Presse und Mitspielern heftig kritisiert. Im Frühjahr 2000 wechselte Matthäus in die MLS zu den New York Metro Stars. Im Sommer des gleichen Jahres trat Matthäus nach 150 Länderspielen nach einer enttäuschenden Europameisterschaft aus der Nationalmannschaft zurück.

 

Odyssee als Trainer, Mittelpunkt des Boulevard, TV-Experte

Nach dem Ende seiner Laufbahn versuchte sich Matthäus als Trainer. Seine Stationen in Österreich, Serbien, Brasilien und Israel waren allerdings nicht von nachhaltigen Erfolg gekrönt – einzig die Meisterschaft mit Partizan Belgrad ist hier hervorzuheben. Ebenso glücklos waren seine Engagements als Nationaltrainer von Ungarn und Bulgarien.

Mit seinen Lebensstil und seinen häufig wechselnden Partnerinnen sorgte Matthäus zu dieser Zeit häufig für Schlagzeilen in Deutschlands Klatschblättern. Diese Umstände trugen maßgeblich dazu bei, dass er niemals einen Job im deutschen Profifußball fand. Mittlerweile ist es etwas ruhiger um den bis heute einzigen deutschen Weltfußballer geworden. Seine durchaus vorhandene Expertise tut er wöchentlich als TV-Experte bei Bundesligaspielen kund.

Es ist angenehm zu sehen, dass Matthäus heutzutage höchstens durch seine (manchmal kontroversen) Einschätzungen zu dem Spiel oder gewissen Spielern in den Medien auftaucht. Denn letzten Endes gehört er auch einfach nur in dieses Metier. Wegen den Schlagzeilen in den letzten Jahren wird aktuell gerne mal vergessen, was für ein grandioser Spieler er war, wahrscheinlich der kompletteste deutsche Fußballer aller Zeiten.

In diesem Sinne: Auf die nächsten 56, Lothar!

 

Marius Merck

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