Amine Harit: Wer ist Schalkes neuer Dribbelkünstler?

Nach einigem hin und her ist der Wechsel nun fix: Der FC Schalke 04 verstärkt sich mit dem 20-jährigen Offensivspieler Amine Harit. Der französische U20-Nationalspieler, der in diesem Sommer an der Weltmeisterschaft teilgenommen hat, wechselt wohl für gut 10 Millionen Euro aus Nantes nach Gelsenkirchen und soll die Offensivabteilung beleben, ist vor allem perspektivisch ein vielversprechender Neuzugang. Trainer Domenico Tedesco bestätigte die Verpflichtung, der Medizincheck ist bestanden. Nur noch die offizielle Verkündung fehlt. 

Diese wird aber in Kürze folgen. Doch was kann man von Harit erwarten, welche Qualitäten hat der Spieler? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den neuen Schalker Transfer ausführlich.

 

Wie kam der Deal im Endeffekt zustande?

Schalke 04 war bereits früh an Amine Harit interessiert, beobachtete ihn während der U20-Weltmeisterschaft. Die Kontaktaufnahme folgte und der Spieler war interessiert an einem Wechsel nach Gelsenkirchen, auch wenn andere Vereine in Europa, unter anderem Galatasaray, am Offensivspieler interessiert waren. Nantes forderte zunächst dem Vernehmen nach eine Ablösesumme, die um 15 Millionen Euro lag. Diese Summe wollten die „Königsblauen“ nicht bezahlen, Harit blieb zum Auftakt vom Training des FC Nantes fern und die Geschichte drohte schmutzig zu werden. Nach einigen Tagen beruhigten sich die Gemüter, Harit fuhr mit in das Trainingslager nach Annecy.

(Photo by CHARLY TRIBALLEAU/AFP/Getty Images)

Doch der 20-jährige bekräftigte seinen Wechselwunsch, Nantes reduzierte die Forderungen etwas und war bereit den Spieler für eine Ablösesumme, die sich um die 10 Millionen Euro bewegt, ziehen zu lassen. Trainer Claudio Ranieri soll intern kommuniziert haben, dass er nur mit Spielern zusammenarbeiten möchte, die sich 100 %ig mit dem Verein identifizieren und alles geben, um erfolgreich zu sein. Das war wohl der Hauptgrund für den Wechsel. Denn wenn Harit bei Nantes geblieben wäre, hätte das Wechseltheater im Winter erneut beginnen können. Zudem wäre der mediale Druck, beispielsweise bei schwankenden Leistungen, gestiegen, die Berichterstattung hätte sich verändert. Im Endeffekt ist der Verkauf wohl für alle Seiten die richtige Entscheidung.

 

Wer ist eigentlich Amine Harit?

Der flexibel einsetzbare offensive Mittelfeldspieler wurde im französischen Pontoise geboren und hat marokkanische Vorfahren. Vor seiner Zeit beim FC Nantes spielte er in der Jugend unter anderem im Paris und Argenteuil, schloss sich 2012 dann Nantes an. Dort spielte er in der Jugend, bis er im Januar 2016 ins B-Team der Franzosen befördert wurde. Seit Beginn der Saison 2016/17 gehörte er der Profitabteilung dauerhaft an. Harit spielte für die U18-, U19- und schließlich für die U20-Nationalmannschaft Frankreichs, mit der er bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr, bei der ihm ein Treffer und eine Torvorlage gelangen, im Achtelfinale an Italien scheiterte.

Der 1,79m große Harit spielte in der abgelaufenen Saison eine gute Rolle in Nantes, stand insgesamt etwas über 2400 Minuten auf dem Platz, absolvierte 30 Spiele in der Ligue 1. Dabei gelang ihm ein Treffer und eine Vorlage – Zahlen, die man nicht überbewerten sollte. Der Franzose spielte überwiegend im linken Mittelfeld, kam aber gerade zu Beginn der Saison häufig im Zentrum zum Einsatz, spielte vereinzelt sogar auf der rechten Seite. Der Rechtsfuß ist also flexibel einsetzbar und könnte bei Schalke verschiedene Positionen übernehmen.

 

Welche Qualitäten hat Harit?

Amine Harit ist ein technisch versierter Spieler, der auf dem Platz eine unheimliche Spielfreude ausstrahlt. Mit seinen 20 Jahren ist er noch etwas ungeschliffen und es fehlt ih, ein wenig die Konstanz und die Effizienz. Allerdings ist davon auszugehen, dass er, sofern Domenico Tedesco es schafft, eine homogene Struktur auf Schalke zu installieren, den nächsten Schritt in der Bundesliga gehen kann. Harit ist ein dribbelstarker Spieler, der Situationen auf engstem Raum hervorragend lösen und seine Mitspieler in Szene setzen kann. Am stärksten ist der 20-jährige wohl auf dem linken Flügel, aber er bringt auch die Fähigkeiten mit um in der Zentrale zu wirbeln. Sein Passspiel ist gut, die Quote liegt bei über 82 % und ist damit durchaus positiv zu bewerten, gerade weil er im letzten Drittel häufiger einen riskanten Pass zu spielen versucht.

(Photo by DAMIEN MEYER/AFP/Getty Images)

Der Spieler bringt alles mit, um ein wichtiges Element im Schalker Spiel darzustellen. Seine Übersicht ist gut, er kann Kreativität ausstrahlen und mit seiner Schnelligkeit auch aus der Tiefe Angriffe initiieren, indem er den Ball nach vorne treibt, seine Gegner ausdribbelt und seine Mitspieler in Szene setzt. Natürlich muss er an seinen Schwächen arbeiten, beispielsweise muss das Defensivverhalten weiterhin geschult werden, seine Zweikämpfe müssen robuster und erfolgreicher werden und auch bei den Hereingaben fehlt ihm mitunter die Genauigkeit. Harit hat die Qualität, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Die schnellen Haken, der gute Antritt, die erfolgreichen Dribblings lassen die Fans häufig mit der Zunge schnalzen.

 

Sind 10 Millionen Euro für ihn zu viel?

Nein. Gerade bei jungen Spielern bezahlt man immer auch für ein gewisses Entwicklungspotenzial. Harit hatte noch einen langfristigen Vertrag, besitzt Erfahrung in den Juniorenauswahlteams seines Landes und kann den nächsten Schritt machen. 10 Millionen Euro sind ein absolut marktgerechter Preis. Für Schalke sprach bei den Ablöseverhandlungen auch, dass der Spieler gerne nach Gelsenkirchen wechseln wollte, die Konkurrenz also nicht zu einem Wettbieten gedrängt wurde. Auf Schalke muss man natürlich Geduld mit dem Spieler haben, darf in der ersten Halbserie noch keine Glanzleistungen erwarten. Harit muss sich akklimatisieren, die neue Sprache kennenlernen und benötigt überdies auch Erfolgserlebnisse auf dem Platz.

Beobachtet man Harit, fällt auf, dass der Spieler offenbar manchmal noch gar nicht weiß, wie gut er wirklich ist. Mitunter geht der Franzose zu selten ins Risiko, spielt eher einmal einen sicheren Pass und tritt eher im Hintergrund auf, obwohl er umfassende Qualitäten und herausragende Anlagen hat. Dass er geniale Pässe spielen und zahlreiche Gegner ausdribbeln kann, hat er bereits mehrfach bewiesen. Sollte er auf Schalke einen Qualitätssprung machen und er regelmäßig spielen, seinen Rhythmus finden und beibehalten, dann könnte sich Harit langfristig als Schnäppchen für Heidel & co. herausstellen.

 

Wie plant Schalke mit ihm?

Domenico Tedesco ließ bei seiner letzten Station, Erzgebirge Aue, einen sehr flexiblen, offensiv ausgerichteten und spielerisch mitunter sehr feinen Fußball spielen lassen. Ein Rezept, das im Abstiegskampf eher ungewöhnlich ist, aber zum Erfolg geführt hat. Dort ließ er häufig in einem 5-4-1-System spielen, allerdings hatte Tedesco keine Gelegenheit, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammenzubauen und „musste“ mit dem Kader arbeiten, den er zur Verfügung hatte. Auf Schalke wird sich noch herausstellen, ob Tedesco ebenfalls mit einer 5er-Abwehr aufläuft, ob er das System flexibel wechselt oder ob er in einem 4-5-1 spielen lässt. In allen Formationen gibt es Positionen und Aufgaben, die Harit übernehmen könnte.

(Photo by Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images)

Denkbar ist vor allem, dass Harit häufig auf der linken Seite eingesetzt wird. Hier fehlt Choupo-Moting, dessen auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde. Auch im Zentrum könnte Harit Einsatzchancen bekommen, grundsätzlich darf davon ausgegangen werden, dass die Offensivpositionen unter Tedesco eine sehr fluide Interpretation genießen, die Spieler ihre Freiheiten bekommen. Der 20-jährige könnte davon profitieren, zudem könnte er gut mit den anderen Offensivspielern harmonieren. Gerade die Rückkehr von Breel Embolo sollte einen positiven Effekt auf das gesamte Angriffsspiel der Schalker haben, da er ein Spieler ist, der auch von der Außenbahn sehr torgefährlich ist. Für ihn wird wichtig sein, dass er fit bleibt. Das gilt auch für Harit. Er soll den Schalkern langfristig helfen und einer der wichtigsten Faktoren des Umbruches werden.

 

Welche Auswirkungen hat der Transfer?

Die Schalker haben bekanntermaßen in dieser Saison finanziell nicht gerade die allergrößten Mittel zur Verfügung. Pablo Insua kostete 3 Millionen Euro, man zahlt 20 Millionen Euro an Verbindlichkeiten zurück, die festen Transfers von Konoplyanka und Bentaleb belasteten die Kasse mit über 30 Millionen Euro und die Einnahmen aus dem Europapokal fehlen ebenfalls. Das bedeutet, dass Schalke nach dem Transfer von Harit keinen riesengroßen Spielraum mehr hat, sofern nicht noch der ein oder andere Spieler den Verein gegen eine Ablösesumme verlässt. Zwar gibt es Gerüchte um Max Meyer und auch um Abwehrspieler Nastasic, aber derzeit sind diese zumindest nicht konkret genug. Gerade Max Meyer könnte aber im Verlauf des Sommers noch eine interessante Personalie werden.

Einerseits ist nicht geklärt, ob es die für Meyer ideale Position im zentralen offensiven Mittelfeld gibt, andererseits könnte der flexible, dribbelstarke Harit ohnehin besser in das Offensivgefüge passen. Sollte Meyer noch ein Jahr auf Schalke bleiben und sich der Herausforderung stellen wollen, müssen die Schalker auf den anderen vakanten Positionen kleinere Brötchen backen. Ein Verkauf von Sidney Sam würde wohl nur wenig Geld einbringen, andere Kandidaten scheint es eher nicht zu geben. Und Schalke sucht noch Spieler, beispielsweise auf der Position des linken Verteidigers. Der Transfer von Harit ist zwar ein guter Schritt für Schalke, alle Problemstellen sind damit aber noch nicht behoben. Im Verlauf des Sommers muss also noch weiter gearbeitet werden.

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