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Andre Silva: Hochklassiger Perspektivtransfer

13. Juni 2017
Manuel Behlert

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Andre Silva: Hochklassiger Perspektivtransfer

Am gestrigen Montag stellte der AC Mailand mit Andre Silva einen neuen Angreifer vor. Die Italiener verpflichteten zuvor bereits Kessie, Musacchio und Rodriguez, wollen das Team nach dieser Saison runderneuern. Die bisherigen Transfers haben eines gemeinsam: Sie sind durchdacht. Trainer Vincenzo Montella bekommt seine Wunschspieler, schaut sich dabei nicht auf dem Markt der absoluten Topspieler um, sondern achtet vor allem darauf, eine möglichst homogene Mannschaft zu formen. 

Weitere Neuzugänge sind in Aussicht. Neben Andrea Conti sollen auch noch Lucas Biglia und wahlweise Keita Balde Diao oder Gerard Deulofeu, der fest verpflichtet werden könnte, zu den Rossoneri wechseln. Zudem befinden sich im Kader der Mailänder bereits einige, vielversprechende Akteure, die weiter aufblühen könnten.

 

Aus der Porto-Jugend nach Mailand

2011 wechselte Andre Silva aus der U17 von Padroense zum FC Porto, spielte dort erst in der U17, dann in der U19 und schließlich im B-Team der Portugiesen. Der mittlerweile 21-jährige tastete sich punktuell an die Mannschaft heran, sammelte in der Saison 2015/16 erste Erfahrungen in der höchsten Spielklasse Portugals. Nach 14 Toren in der Reserveliga absolvierte Silva noch 11 Spiele für das Profiteam, erzielte dabei 3 Tore. In der Sommervorbereitung der gerade abgelaufenen Saison gelang ihm ein entscheidender Schritt nach vorne.

Andre Silva kam zu Beginn der Saison regelmäßig zum Einsatz, spielte gut, sammelte sukzessive mehr Selbstvertrauen und spielte sich in die Notizbücher diverser Scouts. 21 Tore und 8 Vorlagen in 44 Pflichtspielen seiner ersten, gesamten Profisaison sind eine Empfehlung, die in diesem Alter nicht jeder abgeben kann. Auch wenn Silva zum Saisonende teilweise nur noch als Joker eingesetzt wurde, sein Potenzial hat er zur Genüge angedeutet, der Wechsel ist die logische Folge.

(Photo by MIGUEL RIOPA/AFP/Getty Images)

Serie A als nächster Schritt

In der Serie A will der 1,85m große Angreifer nun den nächsten Entwicklungsschritt gehen, Teil eines spannenden Projektes werden und sich weiterhin verbessern. Dass er sich dabei erstmal mit der Europa League begnügen muss, sollte keine große Rolle spielen. Der AC Mailand hat einerseits gute Chancen in diesem Wettbewerb weit zu kommen, andererseits dürfte sich Silvas Gehaltsniveau steigern, er noch mehr im internationalen Fokus stehen. Ein Punkt, der bei diesem Wechsel nicht vergessen werden darf, ist die Tatsache, dass der FC Porto Geld benötigt.

Silva dürfte nicht der letzte Spieler sein, der die Portugiesen verlässt, die 38 (+2) Millionen Euro werden vom Vizemeister der Liga NOS gerne angenommen. Die Mannschaften aus Portugal sind traditionell auf Spielerverkäufe angewiesen, bei denen sie allerdings deutlich weniger Geld verdienen, als angenommen. Die südamerikanischen Beraterfirmen, die Benfica, Porto oder Sporting zum Teil die Spieler vermitteln, kassieren Provisionen, werden an Weiterverkäufen beteiligt. Die Ablösesumme mag relativ hoch erscheinen, allerdings zahlt der AC Mailand auch für die Perspektive, denn Silva könnte einige Jahre bei den Rossoneri verweilen und Erfolge feiern.

 

Fast kompletter Stürmer

Trotz seiner 21 Jahre und der Tatsache, dass er erst eine komplette Saison auf Profiniveau absolviert hat, bringt Andre Silva einiges mit. Er weiß seinen durchaus robusten Körper gut einzusetzen, kann lange Bälle gut behaupten und sucht gerne schnell den Abschluss. Auch hat er häufig das Auge für den Mitspieler, setzt seine Offensivkameraden gut in Szene. Überdies ist Silva bei Kopfbällen gefährlich, kann sowohl aus dem Spiel heraus als auch nach ruhenden Bällen hohe Flanken verwerten.

Auch technisch bringt er einiges mit. Ihm gelingt es häufig, sich mit der Ballannahme in eine gute Position zu bringen, außerdem nimmt er aktiv am Kombinationsspiel teil, kann als Wandspieler fungieren. Defizite hat er allerdings auch, beispielsweise im Dribbling. Auch im Defensivverhalten könnte er noch zulegen, das wird während seiner Zeit in Italien aber automatisch geschehen. Ein entscheidender Faktor wird auch die Konstanz sein. Zum Saisonende baute Silva etwas ab, die Topform der Hinrunde muss nun über eine ganze Saison konserviert werden.

 

(Photo by JANEK SKARZYNSKI/AFP/Getty Images)

Ein Mittelstürmer für Portugal

Auch in der Nationalmannschaft hat Andre Silva hervorragende Perspektiven. Die Portugiesen, die seit Jahren einen hervorragenden Mittelstürmer suchen und dort seit Pauleta oder Nuno Gomes Probleme haben, könnten endlich einen Spieler in ihren Reihen haben, der nicht nur ein klassischer Abschlussspieler ist, der technische Defizite hat oder sich nicht im schnellen Kombinationsspiel zurechtfindet. Zusammen mit weiteren jungen Spielern wie Rafa Silva, Bernardo Silva und Gelson Martins wächst in der Offensive des Europameisters eine neue Generation heran.

Der portugiesische Nationaltrainer Fernando Santos scheint außerdem ein Fan von Andre Silva zu sein, berief ihn zuletzt in die Nationalmannschaft, unter anderem zum anstehenden Confed-Cup, bei dem Portugal mit dem wohl bestmöglichen Kader aufläuft. Im Qualifikationsspiel gegen Lettland spielte Silva zusammen mit Gelson Martins und Cristiano Ronaldo in der Offensive, erzielte einen Treffer. Ein Stammplatz zur WM 2018 in Russland ist definitiv möglich, sofern sich Portugal, das derzeit auf Platz 2 hinter der Schweiz liegt, qualifiziert.

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