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Bundesliga | Irrer Batshuayi-Treffer, wirre Mainzer und ein minimalistisches Schalke

19. März 2018

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Bundesliga | Irrer Batshuayi-Treffer, wirre Mainzer und ein minimalistisches Schalke

Der 27. Spieltag der Bundesliga ist vorüber und besonders am Samstagnachmittag boten die Spiele viel Unterhaltung. Es gab erneut einige interessante Geschichten, hervorragende Szenen, absolut sehenswerte Treffer, die ein oder andere Überraschung und überdies ein breites Spektrum der Gefühlswelten, das von Tristesse bis zu Aufbruchsstimmung alles bietet. Wir blicken auf diesen Spieltag zurück, wie gewohnt mit den 7 Awards.

Pragmatik über Traumtor-Award: Petersen vs. Gomez

Das Freitagsspiel der Bundesliga wurde über weite Strecken kontrolliert von einem disziplinierten, lauf- und zweikampfstarken VfB Stuttgart, der bereits früh in Führung ging – und zwar durch Mario Gomez. Der Angreifer der Schwaben traf nach einem langen Freistoß von Aogo, weil er den Ball mit dem Kopf verlängerte. Kein Schnickschnack, kein herausragend herausgespielter Treffer, aber eine Führung, die den Gästen enorm viel Selbstvertrauen verlieh. Stuttgart ließ den SC Freiburg nicht in das Spiel kommen und die Breisgauer hatten große Probleme Torgefahr zu kreieren. Doch plötzlich hatte Nils Petersen einen Moment, der sinnbildlich für seine extrem starke Saison war. Eine der wenigen gelungenen Umschaltaktionen nach dem Ballgewinn führte zum Erfolg, als Petersen den Stuttgarter Torhüter Zieler aus einem nicht gerade idealen Winkel mit einem technisch perfekten Lupfer überwinden konnte. Doch der VfB hatte eine Antwort, natürlich durch Mario Gomez. Eine Flanke von Andreas Beck konnte Gomez auf das Tor befördern, Schwolow parierte, aber der Ball fiel Gomez sofort wieder vor die Füße, der dann keine Probleme hatte den Ball zu verwandeln. Petersen erzielte ein fantastisches Tor, Gomez zwei typische Stürmertore, nahm überdies noch die drei Zähler mit.

Wackelnder Trainerstuhl Award: Sandro Schwarz

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der FSV Mainz 05 verlor in dieser Saison nach dem desolaten Auftritt im DFB-Pokal bereits zum zweiten Mal vollkommen verdient bei Eintracht Frankfurt. Natürlich spielte die SGE gerade in der ersten Halbzeit sehr aggressiv, dynamisch und schwungvoll, war dem Gegner haushoch überlegen und war absolut überzeugt von der eigenen Ausrichtung, aber die Mainzer machten es den Frankfurtern keinesfalls schwer. Das 3:0 zur Halbzeit war folgerichtig, in der zweiten Halbzeit vergaben die Hessen noch einige Großchancen. Für Mainz wird die Luft indes immer dünner, Sandro Schwarz wirkte auch in den Interviews nach dem Spiel etwas ratlos, auch wenn er weiterhin an seine Mannschaft glaubt. Wenn die Vereinsführung des FSV noch einen frischen Impuls setzen und etwas bewegen will, dann muss das in dieser Länderspielpause passieren. In den letzten Wochen sammelte Schwarz kaum Argumente für seine eigene Person, nun gilt es in den wohl bevorstehenden Gesprächen dafür zu sorgen, dass das Vertrauen weiterhin vorherrscht. Ist das nicht der Fall, dürfte eine Trennung unausweichlich sein.

Der Minimalismus-Award: Schalke 04

Sie spielen derzeit nicht gerade schönen oder spektakulären Fußball, sie dominieren die Gegner nicht über 90 Minuten, aber sie spielen erfolgreichen Fußball und fahren die nötigen Resultate ein. So kann man den FC Schalke 04 dieser Tage gut beschreiben ohne den „Königsblauen“ zu nahe zu treten. Den Schalkern dürfte es aber auch egal sein, dass die Leistungen nicht ganz im Einklang mit den Resultaten stehen, denn die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb scheint sicher, die Champions League zumindest sehr realistisch zu sein. Auch beim abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg spielte der FC Schalke 04 nicht gerade die Sterne vom Himmel. Vieles war Stückwerk, es mussten viele Zweikämpfe geführt und der Gegner von der 1. bis zur letzten Minute bearbeitet werden. Ralf Fährmann parierte einen Elfmeter von Paul Verhaegh und nach einer Embolo-Vorarbeit profitierte Schalke von einem Knoche-Eigentor kurz vor dem Ende und brachte den 1:0-Auswärtssieg über die Zeit. Schalke bleibt damit minimalistisch auf Platz 2 und feierte nun den 5. Ligasieg in Folge.

Samstagsspekatel-Award: Gladbach vs. Hoffenheim

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Wenn ein Spiel 3:3 ausgeht, dann werden meistens auf beiden Seiten relativ viele Fehler produziert. Fehler gab es auch beim Duell zwischen der Borussia aus Mönchengladbach und der TSG 1899 Hoffenheim, aber diese beiden Mannschaften spielten auch wirklich soliden Fußball. Viele kurze Flachpässe, viele direkte Spielzüge und viel Kreativität – so kann man das Spiel am Samstagmittag beschreiben. Nach einer knappen Viertelstunde ging Hoffenheim durch Hübner in Führung, Drmic glich aus, ehe Kramaric per Elfmeter die erneute Führung für die Hoffenheimer herstellte. Stindl konnte danach seine Torflaute endlich beenden, aber Grillitsch brauchte nicht einmal zwei Minuten um die Kraichgauer schon wieder in Führung zu bringen. In der 90. Minute traf Matthias Ginter (5. Saisontor des Innenverteidigers!) zum 3:3. Der Borussia-Park bebte, aber das Spiel war noch nicht vorbei. Nico Schulz traf kurz danach mit einem fulminanten Linksschuss noch die Latte, aber es blieb beim 3:3. Ein Spiel, das eigentlich keinen Verlierer verdient hat, hatte im Endeffekt auch keinen Verlierer. Außer dem neutralen Zuschauer half dieses Resultat aber keiner Mannschaft besonders weiter. Gerne zugesehen hat man aber trotzdem!

Ernüchterungs-Award: Hamburger SV

Mit dem neuen Trainer Christian Titz wollte der Hamburger SV noch einmal einen neuen Impuls setzen und für die kommenden Wochen die bestmöglichen Resultate einführen. Titz, der mit der Amateurmannschaft hervorragende Resultate einfuhr, wollte vor allem einen spielerischen Ansatz einführen. Und zumindest in der 1. Halbzeit schien sich das auch auszuzahlen. Hamburg spielte gespickt mit jungen Spielern wie Arp, Steinmann oder Ito einen wirklich schönen Fußball, der Treffer zum 1:0 von Douglas Santos war direkt, zielstrebig und spielerisch sehr schön anzusehen und die 1:0-Führung zur Halbzeit war absolut verdient. Doch nach der Halbzeit spielte offensichtlich der mentale Aspekt eine große Rolle. Die Hertha presste plötzlich früher, griff aggressiver an und der HSV wusste offensichtlich nicht so richtig, wie man an das Spiel herangehen soll. Die spielerische Überlegenheit ging nach und nach flöten, die Berliner kamen besser ins Spiel und trafen durch Lazaro und Kalou zum 1:1 und 1:2. Die Ernüchterung beim Hamburger SV war entsprechend groß, die Enttäuschung ebenso. Mittlerweile stehen die Hanseaten auf dem 18. Tabellenplatz, die Hoffnung auf den Klassenerhalt wäre wohl lediglich bei einem Sieg gegen die Hertha noch vorhanden gewesen.

Geniestreich-Award: Michi Batshuayi

(Photo by PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Dass sich das Leihgeschäft von Michy Batshuayi vom FC Chelsea zu Borussia Dortmund lohnen könnte, war von Beginn an klar. Doch dass der Belgier tatsächlich bereits nach wenigen Wochen so wichtig für die Borussia ist, das ist durchaus beeindruckend. Batshuayi ist schon jetzt ein Publikumsliebling, trifft in wichtigen Situationen und sorgt dafür, dass der BVB weiterhin hervorragende Chancen auf die Champions League und auf das Erreichen von Tabellenplatz 2 in der Bundesliga hat. Gegen Hannover 96 begann Dortmund gut, konnte aber wieder nicht über 90 Minuten konstanten Fußball zeigen. Dass Dortmund mit 1:0 gewann lag auch an Batshuayi. Borussia Dortmund traf nach einem Eckball (!) und Batshuayi erzielte einen sehenswerten Treffer. Der Belgier lief in die Hereingabe und spielte den Ball instinktiv mit der Hacke ins lange Eck. Ein a absolut herausragender Treffer sorgte für den 1:0-Sieg der Dortmunder, Batshuayi hat noch einmal dafür gesorgt, dass Chelsea ihn im Sommer nicht gerade mit Wohlwollen abgeben wird.

Aufbruchstimmung-Award: 1. FC Köln

Das Derby gegen Bayer 04 Leverkusen war aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz so ziemlich die letzte Chance für den 1. FC Köln um sich noch einmal in eine Position zu manövrieren, die den Klassenerhalt als realistisch erscheinen lässt. Dafür brauchte man aber definitiv einen Sieg gegen die „Werkself“. In der 9. Minute begannen sich die Dinge für den Effzeh positiv zu entwickeln, als Yuya Osako das 1:0 erzielte, wobei Leverkusen-Coach Bernd Leno extrem schlecht aussah. Nach einem Platzverweis für Lucas Alario, dessen Tätlichkeit vom Videoassistenten entlarvt wurde, stiegen die Chancen für den 1. FC Köln noch einmal. Natürlich war die mentale Komponente entscheidend und es ist nicht immer einfach gegen 10 Mann zu spielen – aber Köln spielte es solide weiter. Nach einem kapitalen Bock von Aranguiz hob Simon Zoller den Ball über Bernd Leno und verwandelte dann aus kurzer Distanz mit dem Knie in das leere Tor. Der 1. FC Köln hat 7 Spieltage vor Schluss nur noch 5 Punkte Rückstand auf Platz 15 und hat noch den ein oder anderen direkten Kokurrenten vor der Brust. Spannend? Könnte es werden.

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