Champions League | Die „Alte Dame“ will vorlegen – Juventus vs. Tottenham

Die K.O.-Runde der UEFA Champions League beginnt direkt mit einem absoluten Topspiel. Am Dienstag, den 13. Februar trifft Juventus Turin zum Achtelfinalhinspiel im heimischen Allianz Stadium auf die Tottenham Hotspurs. Anstoß ist wie gewohnt um 20:45 Uhr, Schiedsrichter der Partie ist Dr. Felix Brych aus Deutschland.

Juventus will den Heimvorteil nutzen und seine ganze Erfahrung ausspielen, doch Massimiliano Allegri ist gewarnt, denn die „Spurs“ sind ein extrem unangenehmer Gegner, der definitiv in der Lage sein wird sich eine gute Ausgangspsosition für das Rückspiel zu verschaffen.

Juve „nur“ Zweiter, Spurs vor Real

Juventus Turin wurde in seiner Gruppe Zweiter hinter dem FC Barcelona, ließ Sporting und Olympiakos hinter sich. Mit 11 Punkten schloss Juventus die Gruppenphase ab, die Katalanen waren eine Nummer zu groß, ansonsten gab es keine großen Probleme. Tottenham ließ aufhorchen, da man Real Madrid hinter sich lassen konnte. 16 Punkte resultierten aus der hervorragenden Gruppenphase der Spurs, die alle Spiele gegen Borussia Dortmund und APOEL gewinnen konnten, zudem den direkten Vergleich mit den “Königlichen” für sich entschieden.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Juventus zeigte sich minimalistisch, erzielte in den 6 Gruppenspielen 7 Tore, kassierte 5. Die Spurs erzielten 14 Tore, obwohl sie mit 85 abgegebenen Schüssen einmal weniger auf das gegnerische Tor feuerten als die Italiener. Defensiv standen die Spurs sehr gut, kassierten lediglich 4 Gegentreffer. Juventus zeigte sich bei 53 % Ballbesitz im Schnitt sehr ballsicher, von den 3411 Pässen kamen 88 % an, während die Spurs im Schnitt weniger Ballbesitz als der Gegner hatten (48%). Die Passquote ist mit 85 % im Vergleich allerdings ähnlich sehenswert.

Die Form der letzten Wochen

Die letzten Wochen von Juventus sind sehr erfolgreich. Massimiliano Allegri hat seine Mannschaft auf Kurs gebracht, sich vor allem von der Konkurrenz in Italien abgesetzt. Inter und die beiden Vereine aus Rom sind distanziert, lediglich mit Neapel kämpft das Team mittlerweile noch um die Meisterschaft. 2:0 gegen die Fiorentina, 7:0 gegen Sassuolo, 1:0 gegen Atalanta, Cagliari und Genua, 2:0 gegen Chievo und den FC Turin – die “Alte Dame” ist kaum zu bezwingen, momentan kassiert Juventus nicht einmal Gegentore. Alle Räder greifen ineinander und trotzdem hat man das Gefühl, dass die Mannschaft sich noch einmal steigern kann. Die Spurs sind ebenfalls in guter Form, wenn auch nicht so unantastbar durch die nationalen Wettbewerbe marschiert wie Juventus. Am Wochenende schlug man Arsenal mit 1:0, spielte vorher 2:2 in Liverpool, gewann im FA-Cup gegen Newport, schlug zuvor Manchester United mit 2:0, patzte aber auch beim FC Southampton und musste gegen Newport in das Wiederholungsspiel. Gerüstet sind die Engländer aber definitiv!

Juventus: Erfahrung als großer Vorteil?

Die Gastgeber stellen eine insgesamt sehr erfahrene Mannschaft, das Durchschnittsalter im Kader liegt bei 28,8 Jahren. Das könnte zumindest gegen eine international eben nicht so erfahrene Mannschaft der Spurs ein großer Vorteil sein. Spieler wie Chiellini, Barzagli, Buffon, aber auch Marchisio, Mandzukic oder Higuain haben in ihrer Karriere sehr viel erlebt, große Titel gewonnen und wissen genau, wie man sich auf solche Spiele vorbereitet. Juventus lebt von seiner taktischen Disziplin, der Kompaktheit und den Automatismen, auf die Allegri sehr viel Wert legt. Im Winter tätigte die “Alte Dame” keine signifikanten Transfers, die Anpassungen wie Douglas Costa, Matuidi oder Bernardeschi im Sommer haben den Kader ausreichend verstärkt.

(Photo by Gabriele Maltinti/Getty Images)

Die Duelle mit den Spurs sind keinesfalls ein lockerer Aufgalopp in die K.O.-Runden, sonder es geht bereits jetzt in jeder Sekunde um alles. Da die Engländer sich in der Gruppenphase ebenfalls durch eine hervorragende Balance und taktische Disziplin auszeichneten, ist eine längere Abtastphase, in der Juventus zunächst einmal analysiert, wie Tottenham auftritt, sehr gut denkbar. Allegri wird im “Ingame-Coaching” extrem gefordert sein, muss seine Mannschaft aber auch schon vorher auf mögliche Anpassungen oder Reaktionen der Spurs vorbereiten. Taktische Flexibilität ist immens wichtig, das Duell könnte einem Schachspiel ähneln.

Rechtsverteidigerproblematik und Schlüsselspieler Dybala

Der Kader von Juventus Turin weist keine signifikanten Schwächen auf, ist offensiv vor allem noch variabler geworden. Aber: Auf einer Position herrscht ein großer Qualitätsunterschied im Vergleich zur vergangenen Saison. Und das ist die Rechtsverteidigerposition. Dani Alves’ Abgang konnte nicht kompensiert werden, neben Lichtsteiner, der seit 2011 im Aufgebot von Juventus steht, wurde Mattia de Sciglio verpflichtet, der eher als Backup zum Einsatz kommt. Zwar ist Lichtsteiner ein Spieler, der seine Defensivaufgaben gewissenhaft erledigt, aber offensiv kann er nicht die Akzente eines Alves setzen, das gewisse Etwas fehlt einfach.

(Photo by MARCO BERTORELLO/AFP/Getty Images)

Ein Schlüsselspieler für Juventus Turin könnte natürlich der Argentinier Paulo Dybala sein. Nach seiner Oberschenkelverletzung ist aber noch nicht sicher, ob der 24-jährige im Hinspiel wieder zur Verfügung stehen kann. In dieser Saison erzielte Dybala bisher 17 Tore in 28 Pflichtspielen, die Rolle hinter der Spitze passt extrem gut zu ihm. Seine Technik ist hervorragend, sein Spielverständnis ebenso – Dybala ist der ideale Spieler für diese Position und könnte, selbst wenn er nur von der Bank kommt, einen entscheidenden Einfluss auf das Spiel haben. Gerade gegen das dichte Zentrum der Spurs ist seine Beweglichkeit ein Pluspunkt, zudem kann er auch aus der zweiten Reihe den Abschluss suchen, tritt sehr gute Standards und hat nicht nur das Auge für den Mitspieler, sondern auch die Klasse die Pässe punktgenau an den Mann zu bringen. Sein Einsatz würde die Dynamik des Spiels verändern, zuletzt zeigte Juventus aber auch ohne ihn gute Leistungen.

Tottenham: Internationale Reife beweisen

Die Spurs sind nun keinesfalls als Gegenentwurf zu Juventus Turin zu bezeichnen, das Durchschnittsalter der Pochettino-Mannschaft liegt bei 26,4 Jahren. Dennoch verfügt Tottenham nicht über die ganz große internationale Erfahrung, spielte in den letzten Jahren keine große Rolle in den späteren Runden der Champions League. Mit beeindruckenden Leistungen gegen Real Madrid in der Gruppenphase konnte man den Ruf schon etwas aufpolieren, doch richtig ernst wird es nun eben erst in den Entscheidungsspielen ab dem Achtelfinale, Tottenham will unter Beweis stellen, dass man eben doch in diesen Drucksituationen über die nötige internationale Reife verfügt.

(Photo by Dan Mullan/Getty Images)

Ein weiteres wichtiges Ziel ist natürlich die Nachhaltigkeit, die Spurs wollen sich in der Königsklasse und vor allem auch dort in der K.O.-Runde etablieren. Sich mehrere Jahre in Folge die Teilnahme an diesem Wettbewerb zu sichern wäre erstrebenswert. Dafür spricht auf jeden Fall die kontinuierliche, gute Entwicklung unter Trainer Pochettino, der seinen Spielstil sehr schnell implementieren konnte. Die Mannschaft folgt ihm, die Anpassungen auf dem Transfermarkt sind sehr klug, erfahrene Spieler gibt es ebenso wie junge, vielversprechende Talente, sowohl aus dem Ausland als auch aus der eigenen Jugend. Das Gesamtkonzept der letzten Jahre trägt also Früchte.

Auswärtstor im Visier – unterschätzter Dier

Das Ziel für das Hinspiel in Turin ist absolut klar: Die Spurs wollen definitiv ein Auswärtstor erzielen. Das kann in der Endabrechnung sehr wichtig werden, denn beide Mannschaften verfügen über eine sehr gute Defensive. Die Spurs haben die Fähigkeit selbst aus wenig Platz gefährliche Situationen zu inszenieren, die laufstarke, sehr gut aufeinander abgestimmte Mannschaft kann wie aus dem Nichts Torgefahr erzeugen. Kane, Eriksen und Son sind immer in der Lage einen Treffer zu erzielen, hinzu kommen Lamela, Llorente und natürlich Neuzugang Lucas Moura als Alternativen von der Bank. Offensivpersonal ist also genug vorhanden um einen Auswärtstreffer zu fokussieren.

(Photo by Dan Mullan/Getty Images)

Bei den Tottenham Hotspurs wird, natürlich vollkommen zurecht, vor allem über Harry Kane geredet, der eine atemberaubende Torquote vorweisen kann und aus jeder Situation ein Tor erzielen kann. Doch einer der wichtigsten Spieler der Spurs, der selten im Mittelpunkt steht, ist Eric Dier. Er sorgt als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld für die nötige Balance, hilft dabei die Defensive zu dirigieren, läuft zahlreiche Lücken zu und ist im Zweikampf sehr stark. Der 24-jährige spielt seit 2014 für die Spurs und hat sich in den vergangenen Jahren permanent steigern können. Sein Einfluss auf die Mannschaft ist immens, seine Konstanz beeindruckend, Fehler macht er fast überhaupt nicht.

Prognose zum Hinspiel

Die letzten, quasi entscheidenden Wochen vor dem Topspiel in der Champions League waren absolut typisch für Juventus Turin. Die Mannschaft von Trainer Massimiliano Allegri fand nach einigen, eher durchschnittlichen (aber erfolgreichen) Spielen plötzlich wieder zu ihrer Topform, schlug Sassuolo souverän mit 7:0, gewann am Wochenende 2:0 in Florenz. Juve ist absolut auf der Höhe und vollkommen fokussiert auf das wichtige Spiel gegen die Spurs. Für Juventus, das zuletzt kaum mehr ein Gegentor kassierte, ist dieses Spiel sehr wichtig, gerade die defensive Stabilität muss von Beginn an vorhanden sein. Beide Mannschaften zeichnen sich durch eine enorm gute Grundordnung aus, können den Gegner zu Fehlern zwingen und diese auch ausnutzen. Juventus geht aufgrund der letzten Spiele und der bereits im Artikel angesprochenen Erfahrung als Favorit in dieses Duell, die Spurs sind aber jederzeit in der Lage sich in eine gute Ausgangsposition zu manövrieren. Ein knapper Heimsieg, bei einem nahezu idealen Spurs-Auftritt auch ein Remis, ist durchaus im Rahmen des möglichen .

Personelle Lage, mögliche Aufstellungen

Wie bereits angesprochen hat Juventus vor allem Sorge um Paulo Dybala. Der Argentinier spielte am Freitag nicht, dürfte wohl erst eine Option für das Rückspiel sein. Juan Cuadrado und Blaise Matuidi fallen aus, Benedikt Höwedes ist nicht für die Champions League nominiert und Andrea Barzagli äußerst fraglich, nachdem er das Training am Sonntag nicht mitmachen konnte. Eine Sperre droht indes Miralem Pjanic bei seiner nächsten gelben Karte. Bei den Spurs sind mit Vertonghen und Aurier gleich zwei Spieler vorbelastet, ansonsten bleibt zurzeit alles beim Alten, Toby Alderweireld ist noch kein Thema für einen Einsatz.

++ Update: Die “Spurs” könnten englischen Medien zufolge heute mit einer Dreierkette auflaufen, um noch mehr Kompaktheit zu generieren!

Juventus Turin: Buffon, Lichtsteiner, Benatia, Chiellini, Alex Sandro, Khedira, Marchisio, Pjanic, Douglas Costa, Mandzukic, Higuain

Tottenham: Lloris, Aurier, Sanchez, Vertonghen, Davies (Rose), Dier, Dembele, Alli, Eriksen, Son, Kane

(wird bis kurz vor dem Spiel aktualisiert, sollten sich Neuigkeiten ergeben)

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