Champions League | Real Madrid empfängt Paris Saint-Germain

Es ist einer der ganz großen Kracher des Achtelfinals; Real Madrid empfängt als wiederholter Titelverteidiger die Gäste aus Paris. Alle Fans und neutralen Beobachter dürfen sich freuen, das Spiel wird am Mittwoch ab 20:45 Uhr live im ZDF übertragen. Die Fußballwelt schaut gespannt ins Estadio Santiago Bernabéu! Schiedsrichter der Partie ist der erfahrene Italiener Gianluca Rocchi.

 

Real Madrid überraschend Zweiter, PSG dominiert

(Photo by Denis Doyle/Getty Images)

Die Königlichen sind in ihrer Gruppe hinter Tottenham auf Platz 2 gelandet. Mit 13 Punkten und 17:7 Toren spielte man eine recht solide Gruppenphase, einzig die Niederlage in London bereitete den Madrilenen Kopfschmerzen. Gegen stark aufspielende “Spurs” war einfach kein Kraut gewachsen, das Team von Zinedine Zidane konnte bei der 3:1-Niederlage nicht das Leistungsvermögen ausschöpfen, das man sonst von der Mannschaft kennt. Somit reichte es “nur” für den zweiten Rang. Insgesamt ging es Real Madrid aber lediglich um das Weiterkommen, “Angst” vor einem großen Brocken in der K.O.-Runde hat diese Mannschaft traditionell nicht, zumal auch als Gruppensieger harte Gegner drohen würden. Ansonsten zeigte man sich sehr gefährlich vor dem gegnerischen Gehäuse, war allerdings auch immer für ein einfaches Gegentor gut, was sich nicht nur in der Königsklasse, sondern auch in der heimischen Liga bemerkbar machte. In der K.O.-Runde muss man das definitiv abstellen.

 

(Photo by FRANCK FIFE/AFP/Getty Images)

PSG zeigte sich in Gruppe B sehr souverän und landete auf einem verdienten ersten Platz. Punktgleich mit dem FC Bayern München schloss man die Gruppe mit 15 Zählern ab, konnte dabei den direkten Vergleich durch ein 3:0 im Hinspiel für sich entscheiden. Zudem erzielte man unglaubliche 25 Tore, kassierte lediglich vier Gegentreffer, drei davon im Rückspiel in München. Der neue Angriff um Neymar, Mbappé und Cavani zeigte sich stets brandgefährlich, wirbelte die gegnerischen Abwehrreihen drucheinandergerade Celtic (5:0/7:1) dürfte davon noch heute Albträume bekommen. Die Zeit dieser Kantersiege ist für den französischen Hauptstadtklub nun aber vorbei.

Die Form der letzten Wochen

Unterschiedlicher könnten die Formkurven eigentlich kaum sein. Während Paris nahezu Woche für Woche gewinnt, gleicht die Formkurve von Madrid einer Achterbahnfahrt. Zwischen zwei Kantersiegen (gegen La Coruna und Valencia) gab es das peinliche Pokalaus gegen Leganes. Anschließend folgte das Remis gegen Levante, jüngst gewann man deutlich mit 5:2 gegen Real Sociedad. Wo die Madrilenen jetzt genau stehen, ist schwer zu prognostizieren, gewiss ist aber, dass sie gerade gegen offensivere Gegner meist besser aussehen. PSG ist solch ein offensiver Gegner. In den letzten sechs Pflichtspielen schoss man lediglich einmal weniger als drei Tore (1:0-Sieg in Toulouse). Doch auch PSG ist immer für ein Gegentor gut, die Abwehrreihe ist nicht so stabil, wie es sich für ein Team mit Ambitionen auf einen Champions-League-Sieg gehören würde. Dazu ist die Ligue 1 längst kein Gradmesser für die Champions League, hierfür mangelt es an den großen Krachern.

 

Real als erneuter Titelverteidiger

Jüngstes Selbstvertrauen als Pluspunkt zur Erfahrung?

Zuletzt konnte Real Madrid zwei Mal in Folge den Henkelpott gewinnen und hat als erstes Team überhaupt den Champions-League-Titel verteidigen können. In der Transferphase versäumte man es zwar, einen Eratz für Alvaro Morata zu verpflichten, ansonsten verstärkte man sich aber auf den ersten Blick wirklich gut. Gerade die Verpflichtung von Dani Ceballos galt als eine Art Königstransfer, da man ihn mitunter dem großen Konkurrenten aus Barcelona wegschnappte. Der junge Spanier hat unter Zidane aber einen schweren Stand, absolvierte bislang lediglich sechs Spiele, in denen er zwei Tore schoss. Wie es mit dem Talent weitergeht, bleibt somit abzuwarten.

Die Erfahrung im Team ist unbestritten, mit u.a. Ramos, Modric, Kroos und Ronaldo hat man eine zentrale Achse im königlichen Spiel. Vor allem die Leistung des Letztgenannten sind – trotz schwacher La Liga-Saison – nicht zu verachten, so führt der Portugiese erneut die Torjägerliste in der Champions League an. Hinzu kommt das jüngst gewonnene Selbstvertrauen aus dem Kantersieg gegen Real Sociedad. Doch reichen diese Aspekte um PSG gefährlich zu werden? Klar ist, dass die Madrilenen ihren Kritikern zeigen wollen, dass das Team in den großen internationalen Spielen weiterhin auf dem Punkt in Topform sein kann.

(Photo by JAVIER SORIANO/AFP/Getty Images)

PSG mit dem großen Ziel

Nun auch stabiler als vergangenes Jahr?

Nicht nur Laurent Blanc musste bei den Hauptstädtern seinen Hut nehmen, weil er die Champions League nicht gewinnen konnte. Auch der aktuelle Trainer, Unai Emery, musste zum Ende der letzten Saison mächtig um seinen Job zittern. Das Ziel in Paris ist seit Jahren klar definiert, der Henkelpott soll und muss gewonnen werden, um endgültig zu den großen Klubs in Europa zu zählen. Im angesprochenen  vergangenen Jahr schien man bereit für den begehrten Pokal zu sein, schlug den FC Barcelona im heimischen Prinzenpark mit 4:0. Das Ende der Geschichte ist jedoch bekannt, durch viel Naivität und mit Pech in einigen Schiedsrichterentscheidungen verlor man im Camp Nou historisch mit 6:1, das Ausscheiden war perfekt. Im Sommer folgte der Großangriff, man bediente sich unter anderem bei der AS Monaco und beim FC Barcelona, mit Mbappé und Neymar sind zwei Spieler von Weltklasseformat verpflichtet worden. Diese sorgten von Anfang für viel Gefahr in der Offensive, vereinzelt gibt es aber weiterhin Lücken in der Defensive und individuelle Fehler, die minimiert werden müssen. Insgesamt ist die Mannschaft von Unai Emery aber stärker und konstanter als in der vergangenen Spielzeit.

(Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Prognose zum Hinspiel

Eine Prognose zu dieser Partie ist alles andere als einfach. Gerade die Spiele von Real Madrid sind schwer vorauszusagen, zu inkonstant ist die Leistung die gesamte Saison über. Hinzu kommt, dass PSG aufgrund der Dominanz in der Ligue 1 womöglich Probleme bekommt, wenn man von Beginn an gefordert und unter Druck gesetzt wird. Denn gerade im Bernabeu herrscht zumindest in der Champions League eine besondere Atmosphäre.

Entscheidend in dieser Partie dürfte sein, welche Defensive besser stehen wird. Auf beiden Seiten stehen Torhüter im Tor, die punktuell zu Aussetzern neigen. Auch die Abwehrreihen sind, wie bereits angesprochen, immer wieder löchrig, sodass die starken Offensivspieler hieraus Kapital schlagen dürften. Es ist ein Duell auf Augenhöhe zu erwarten, bei dem auch die Teamfähigkeit eine große Rolle spielen wird. Bereits im Angriff beginnt die Verteidigung, und genau dies könnte bei den Franzosen für mehr Probleme sorgen.

Trotz des Heimvorteils für Madrid ist ein Unentschieden, bei dem auf beiden Seiten Tore fallen werden, nicht unwahrscheinlich. Sollte es einen Sieger in diesem Hinspiel geben, wird es das Team sein, welches weniger individuelle Fehler begeht, denn diese werden auf dem Niveau gnadenlos bestraft. Auch die mentale Ebene spielt eine Rolle. PSG wird versuchen Real Madrid zu Fehlern zu zwingen und die unterbewusste Unsicherheit aus den unkonstanten letzten Wochen wieder hervorzuholen.

 

Personelle Lage, mögliche Aufstellungen

Die Königlichen dürften Außenverteidiger Daniel Carvajal schmerzlich vermissen, der Spanier ist am grünen Tisch für ein Spiel gesperrt worden, nachdem er im fünften Gruppenspiel gegen APOEL eine gelbe Karte bekam, ganz offensichtlich absichtlich, die ihn für das letzte Gruppenspiel sperrte. Für ihn wird aller Voraussicht nach der schnelle Achraf Hakimi in die Startelf rücken. Der 19-jährige Rechtsverteidiger kommt aus der eigenen Jugend und hat bereits zwei Champions-League-Spiele über die komplette Distanz absolviert. Allerdings könnte Zidane auch auf den flexiblen und vor allem erfahreneren Nacho setzen. Ansonsten fällt nur Innenverteidiger Vallejo verletzungsbedingt aus, Real kann also nahezu aus dem Vollen schöpfen.

Layvin Kurzawa droht ausfallen, ihn wird entweder Thomas Meunier oder Yuri Berchiche auf der linken Abwehrseite ersetzen. Thiago Motta fällt aus und obwohl Ersatzmann Lo Celso seine Rolle zuletzt extrem gut ausfüllte, könnten die Franzosen auf den routinierten Lassana Diarra setzen. Ob Angel di Maria gegen seinen Ex-Klub von Anfang an ran darf, hängt auch davon ab, ob Mittelstürmer Edinson Cavani rechtzeitig fit wird. Falls nicht würde in diesem Szenario Kylian Mbappé den Angriff anführen und eben vom formstarken Argentinier und Neymar unterstützt werden.

Real Madrid: Navas – Hakimi (Nacho), Varane, Ramos, Marcelo – Casemiro, Kroos, Modric – Bale (Vazquez), Benzema, Ronaldo

Paris Saint-Germain: Areola – Dani Alves, Marquinhos, Thiago Silva, Kurzawa – Veratti, Rabiot, Lo Celso (Diarra) – Mbappé, Cavani (di Maria), Neymar

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Steffen Gronwald

Redakteur

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