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Champions League Vorschau | Bricht jetzt die Real-Zeit an? – Der Titelverteidiger zu Gast in Amsterdam

12. Februar 2019

Champions League Vorschau | Bricht jetzt die Real-Zeit an? – Der Titelverteidiger zu Gast in Amsterdam

Real Madrid durchlebt keine leichte Saison, vielmehr schien es lange Zeit so, als wäre die glorreiche Ära der “Königlichen” am Ende. Doch pünktlich zur K.o.-Phase der Champions League befindet sich die Mannschaft in ihrer besten Verfassung in dieser Saison. Ganz anders sieht es bei Ajax aus. Die Rollen dürften also klar verteilt sein…

Ajax Amsterdam

Die Bayern geärgert

Der niederländische Rekordmeister (33 Titel) steht erstmals seit der Saison 2005/06 (damals schied Ajax gegen Inter aus) wieder im Achtelfinale der “Königsklasse” und kann schon das als ersten Erfolg werten.

In der Gruppenphase setzte sich Ajax gegen AEK Athen und Benfica durch und zog als Gruppenzweiter, hinter dem FC Bayern München, ins Achtelfinale ein. Dabei blieb die Mannschaft bemerkenswerter Weise in allen sechs Spielen ungeschlagen – drei Siege und drei Remis wurden eingefahren. In beiden Spielen gegen den FC Bayern errang die Mannschaft von Erik ten Hag, der ironischerweise einst (2013 – 2015) Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern war, ein Remis – wobei in beiden Spielen auch mehr möglich war. Diese Leistungen sind als durchaus als Warnsignal zu werten, leicht wird man es Real Madrid ganz sicherlich nicht machen.

Doch anders als bei den Duellen mit dem deutschen Rekordmeister, befindet sich Ajax derzeit nicht in Top-Form – ganz im Gegenteil. Die Amsterdamer verloren in der Eredivisie zwei der letzten drei Spiele und verpassten es so mit Tabellenführer PSV Eindhoven gleichzuziehen. Gerade das 2:6 beim Erzrivalen Feyenoord Rotterdam glich einer Bankrott-Erklärung und sorgte für enorme Kritik an Trainer und Mannschaft.

Nur zur Einordnung: Zuvor wurde in der ganzen Saison nur ein einziges Pflichtspiel verloren. Diese beiden Niederlagen bedeuten demnach schon eine ganze Menge, sollten auf der anderen Seite aber auch nicht überbewertet werden, schließlich ist bei Weitem nicht alles schlecht.

Enormes Potenzial – Erfahrung als Plus

Die Mannschaft verfügt nämlich über eine enorme Qualität und hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren nochmal deutlich weiterentwickelt. Mit Torwart Andre Onana (22), Innenverteidiger Mathijs de Ligt (19), Rechtsverteidiger Noussair Mazraoui (21), Frenkie de Jong (21, wechselt im Sommer für 75 Millionen Euro), Rechtsaußen David Neres (21) und Stürmer Kasper Dolberg (21) verfügt die Mannschaft über eine Vielzahl an absolut herausragenden Talenten. Wobei de Ligt und de Jong noch einmal klar herausstechen. (Weitere vielversprechende Spieler wie Perr Schurs, Ryan Gravenbrech, Donny van de Beek oder auch Hassane Bande noch nicht einmal mit einberechnet)

(Photo by STANLEY GONTHA/AFP/Getty Images)

Doch der Punkt, in dem sich Ajax weiterentwickelt hat, ist ein anderer: Die Mannschaft verfügt nun auch über ein gutes Grundgerüst aus erfahrenen, gestandenen Spielern, die den jüngeren Halt geben können. Hier sind vor allem Daley Blind (28), Nicolas Tagliafico (26), Dusan Tadic (30) und Klaas-Jan Huntelaar (35) zu nennen.

Darüber hinaus scheint Tadic auch so etwas wie der nötige Schlüssel zu sein, mit 13 Ligatoren (7 Assists) und fünf Toren in der Champions League (2 Assists) ist der der gefährlichste Spieler der Mannschaft und absolut unersetzbar. Er kam erst im Sommer für 11,4 Millionen Euro aus Southampton und dürfte die Ablöse bereits jetzt zurückgezahlt haben.

Defensive Schwächen?

Doch der Fakt, dass ein offensiver Mittelfeldspieler der gefährlichste Akteur der Mannschaft ist, zeigt auch, wo die Mannschaft Schwächen hat: Im Angriff. Huntelaar ist zwar abgezockt, aber mit seinen 35 Jahren schon über seinem Zenit, Youngster Dolberg bleibt zudem noch den Beweis schuldig, dass er über internationales Niveau verfügt. Die Abwesenheit eines Top-Mittelstürmers könnte sich in Spielen wie dem gegen Real Madrid rächen. Außerdem fehlt es im zentralen Mittelfeld etwas an defensiver Qualität und auch hinten rechts ist man mit Mazraoui, der vor allem offensiv sehr stark ist, oder Kristensen hin und wieder etwas luftig, was Vinicius Junior durchaus aufdecken könnte.

Abgesehen von der allgemeinen Betrachtung gilt es zu beachten, dass Innenverteidiger Lisandro Magallan, “Sechser” Carl Eiting, Linksaußen Hassane Bande und Ersatzkeeper Bruno Varela verletzt ausfallen werden. Da sie aber ohnehin nicht zum unangefochtenen Stammpersonal zählen, fällt das zunächst nicht weiter ins Gewicht.

(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Real Madrid

Zurück auf der Erfolgsspur?

Wie schon angeschnitten, verläuft die Saison für Real Madrid nicht unbedingt nach Wunsch. Die Hinrunde war äußerst unbefriedigend, sodass man die spanische Meisterschaft sogar zwischenzeitlich relativ doll abgehakt hatte.

Den Tiefpunkt erreichten die stolzen “Königlichen” am 10. Spieltag, beim 1:5 im Camp Nou gegen den FC Barcelona. Die Niederlage bedeutete den Sturz auf Rang 9 in der Tabelle und das Ende von Trainer Julen Lopetegui. Castilla-Coach Santiago Solari übernahm daraufhin interimsweise und später dann auch fest. Unter dem Argentinier stabilisierten sich die Ergebnisse, doch etwas holperte noch immer.

Erst seit dem Jahreswechsel überzeugt Real auch spielerisch wieder etwas mehr und erinnert zunehmend wieder an das Team, das in den letzten Jahren eine regelrechte Erfolgsmaschine war. Auch wenn sich der Charakter der Mannschaft ohne Superstar Cristiano Ronaldo natürlich grundlegend geändert hat.

Auf links gedreht

Ohnehin hat sich seit der Übernahme Solaris einiges geändert. Mittelfeldstar Isco wurde komplett ausgebootet und hat überhaupt keine Chance mehr, Asensio nimmt nur eine Nebenrolle ein, ähnlich wie Gareth Bale, und auch Marcelo, der zuvor absolut unangefochten war, hat seinen Stammplatz verloren. Die neuen Hoffnungsträger heißen Sergio Reguilon (Linksverteidiger, hat Marcelo verdrängt), Vinicius Junior (Linksaußen) und Lucas Vazquez (Rechtsaußen). Außerdem blüht auch Mittelstürmer Karim Benzema wieder auf und ist so torgefährlich wie seit einigen Jahren nicht mehr.

(Photo by Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)

Comfort-Zone Champions League

Insgesamt hat Real also zuletzt eine recht eigenartige Entwicklung genommen, doch der Erfolg spricht für sich: In der Liga steht man, seit dem 3:1-Sieg gegen Atletico am Samstag, wieder auf Platz 2 und hat nur noch sechs Punkte Rückstand auf den FC Barcelona, im Pokal steht man im Halbfinale und hat nach dem 1:1 im Hinspiel bei Barça gute Chancen auf den Finaleinzug und in der Champions League steht man logischerweise auch im Achtelfinale und gilt als klarer Favorit. Und nun bricht die entscheidende Phase der Saison an – eine Phase die Real sehr gut liegt.

Und wenn wir schon bei Dingen sind, die den “Königlichen” liegen, dann muss man natürlich auch die Champions League dazuzählen. Als Rekordsieger des Wettbewerbs und vier Erfolgen in den letzten fünf Auslagen (die letzten drei in Folge) muss man einfach immer mit ihnen rechnen. Auch in diesem Jahr dürfte der Titel nur über sie gehen.

In der Gruppenphase tat sich die Mannschaft allerdings nicht allzu leicht. Man wurde mit vier Siegen und 12 Punkten zwar trotzdem Gruppensieger, vor der Roma, Viktoria Pilsen und ZSKA Moskau, doch ausgerechnet gegen den Gruppenletzten aus Russland musste Real zwei Niederlagen hinnehmen. Nichtsdestotrotz zählt am Ende nur das Weiterkommen.

Gegen Ajax ist Real natürlich klarer Favorit und dürfte auch so ins Spiel gehen. Mit Luca Zidane (dritter Keeper), Jesus Vallejo (Backup-Innenverteidiger), Marcos Llorente (Sechser) und Isco fallen zwar gleich vier Spieler verletzt aus, doch die Top-Elf ist nicht betroffen. Alle Schlüsselspieler dürften fit und auch einigermaßen frisch sein.

Ein besonderes Auge sollte man auf Seiten Real vor allem auf Vinicius Junior haben, der über links für viel Unruhe sorgt und in den letzten Wochen zu einem der wichtigsten Impulsgeber der Real-Offensive geworden ist. Ihn muss Ajax, genau wie Karim Benzema, unbedingt in den Griff bekommen.

(Photo by Denis Doyle/Getty Images)

Prognose

In Amsterdam muss sich Ajax um jeden Preis eine gute Ausgangsposition verschaffen, um in diesem Vergleich eine Chance zu haben. Für die Mannschaft von ten Hag dürfte er dabei ein echter Drahtseilakt werden, die richtige Marschroute zu finden. Auf der einen Seite sollte Ajax versuchen mutig aufzutreten, um die eigenen Stärken auszuspielen und die defensiven Schwächen von Real auszunutzen, doch auf der anderen Seite gilt es auch Reals Konterspiel klein zu halten und Gegentore, die eine echte Last für das Rückspiel sein können, zu vermeiden.

Real dürfte es sich unterdessen in der Favoritenrolle gemütlich machen und ein klassisches Auswärtsspiel spielen. Durchaus offensiv und mit dem Anspruch dominant zu spielen, doch immer wieder auch mit Phasen, in denen man dem eigentlich schwächeren Gegner das Spiel überlässt, nur um dann mit viel Platz kontern zu können.

Ein Sieg des Gäste wäre, angesichts der Form und des generellen Leistungsvermögens, der wahrscheinlichste Ausgang, doch den Hausherren ist in dieser Saison auch durchaus viel zuzutrauen, sodass man als neutraler Beobachter auch durchaus zumindest auf ein Remis hoffen darf.

Die möglichen Aufstellungen

Ajax Amsterdam: Onana – Kristensen, de Ligt, Blind, Tagliafico – van de Beek, de Jong, Schöne – Ziyech, Dolberg, Tadic

Real Madrid: Courtois – Carvajal, Sergio Ramos, Varane, Reguilon – Modric, Casemiro, Kroos – Vazquez, Benzema, Vinicius Junior

(Photo by Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)

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