| Spotlight UEFA CL/EL Vorschauen

Die große CL-Vorschau (5/8) – Gruppe E: Bayern, Benfica, AEK Athen, Ajax

14. September 2018

Die große CL-Vorschau (5/8) – Gruppe E: Bayern, Benfica, AEK Athen, Ajax

Einleitung,Bayern

Am Dienstag, den 18. September, startet die Gruppenphase der UEFA Champions League. Es gibt einige Neuerungen, so zum Beispiel die verschiedenen Anstoßzeiten, denn ab der kommenden Saison werden die Spiele um 18:55 und um 21 Uhr angepfiffen. Real Madrid konnte den Wettbewerb nun dreimal in Folge gewinnen, auch diesmal versuchen 31 Teams die „Königlichen“ von ihrem Thron zu stoßen. Wir blicken ausführlich auf alle Gruppen und liefern die wichtigsten Informationen!

Heute beschäftigen wir uns mit der Gruppe E rund um den FC Bayern, SL Benfica, AEK Athen und Ajax Amsterdam.

Gruppe A: (Atletico, BVB; Monaco, Brügge)

Gruppe B: (Barcelona, Spurs, PSV, Inter)

Gruppe C: (PSG, Neapel, Roter Stern, Liverpool)

Gruppe D: (Lok. Moskau, Porto, Schalke, Galatasaray)

 

Die Champions League, live auf DAZN! (Registriere dich jetzt auf DAZN und erhalte einen Gratismonat)

 

FC Bayern München

(letzte Saison: Halbfinale CL)

Der FC Bayern München gehört traditionell zu den Kandidaten, die in der Champions League enorm weit kommen können und dies selbst auch als Ziel ausgeben. Nachdem die Mannschaft in der letzten Saison im Halbfinale stand und zumindest unglücklich ausgeschieden ist, nachdem man sich in einer vor allem zu Beginn turbulenten Spielzeit noch stabilisieren konnte, soll in dieser Saison natürlich eine Steigerung her. Doch nach dem verhaltenen Transfersommer und den gewiss nicht jünger und auch nicht mehr besser werdenden Robben und Ribery, die immer noch ein essenzieller Bestandteil des Kaders sind, gibt es zumindest einige Fragen zu beantworten. Und dann ist da mit Niko Kovac ja auch noch ein neuer Trainer, der zuvor noch nicht auf diesem Niveau trainierte und erstmals Erfahrungen in der Königsklasse sammelt. Verstecken muss sich der Rekordmeister aber keinesfalls. 

Die Transfers des Sommers

Zugänge: R. Sanches, S. Gnabry (Leihende), L. Goretzka (Schalke 04), A. Davies (Vancouver, ab Januar 2019)

Abgänge: T. Starke (Karriereende), F. Götze (Augsburg), N. Dorsch (Heidenheim), F. Benko (LASK), J. Bernat (PSG), S. Rudy (FC Schalke 04), A. Vidal (FC Barcelona), D. Costa (Juventus, fest verpflichtet)

 

„Robbery“ und ein zu kleiner Kader?

Ein dominantes Thema rund um den FC Bayern war die Flügelspielerthematik. Die Verträge mit Arjen Robben (34) und Franck Ribery (35) wurden erneut um ein Jahr verlängert, ein „großer“ Transfer, der von vielen erwartet wurde, blieb aus. Bereits in der Vorbereitung wurde deutlich, dass das Spiel, sofern Ribery und Robben auf dem Platz stehen, etwas gebremst wirkt. Individuelle Highlights dieser Spieler werden weniger, sodass Niko Kovac darauf achten sollte, neben einem dieser Spieler immer ein temporeiches Pendant auf der anderen Seite auf dem Platz stehen zu haben. Ribery und Robben können immer noch Gegenspieler binden und Räume schaffen. Wird das Spiel dann verlagert und ein Coman oder ein Gnabry haben Platz, entsteht fast immer Torgefahr. Die Abhängigkeit von „Robbery“ existiert schon lange nicht mehr, doch mittlerweile geben andere Spieler beim FC Bayern die Richtung vor, so ein Thiago, der eine wahnsinnig gute Frühform hat, ein James – oder eben ein fitter Kingsley Coman. Und das muss man in München erkennen und die Mannschaft entsprechend entwickeln und aufbauen.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Kader ist insgesamt genauso groß wie in der vergangenen Saison. Doch schon dort wurde bei Verletzungen deutlich, dass es an Alternativen mangelt. Im Halbfinale der Königsklasse gegen Real Madrid saßen kaum Offensivoptionen auf der Bank, ein Franck Ribery musste durchspielen, obwohl er nach 55-60 Minuten abbaute. Bereits zu Saisonbeginn zeigt sich durch die Verletzung von Coman und den zu Beginn noch vorherrschenden Rückstand von Serge Gnabry, dass man erneut auf Ribery und Robben bauen muss. Das soll in dieser Saison keinesfalls zum Dauerzustand werden. Das Mittelfeld ist gut besetzt, daran besteht kein Zweifel, aber der FC Bayern geht nach dem Abgang von Juan Bernat zumindest auf den Außenverteidigerpositionen ein Risiko ein, indem man Rafinha als Backup für beide Seiten sieht. Fällt hier ein Spieler aus, muss man sich zwangsläufig in der Jugend bedienen. 

 

Kovacs kleine Anpassungen

Nachdem Jupp Heynckes den FC Bayern nachhaltig stabilisiert hat geht es nun darum auf dieser guten Basis aufzubauen. Niko Kovac legte in der Vorbereitung bereits die konditionellen Grundlagen, sein Fokus auf Fitness war kaum zu übersehen, dieser Ruf eilte ihm bereits aus Frankfurt voraus. Die Spieler loben den Trainer in den ersten Interviews, sind von seiner Herangehensweise überzeugt. Ein neuer Trainer bedeutet immer, dass dieser seine eigenen Vorstellungen hat. Niko Kovac dreht beim FC Bayern gewiss nicht jeden Stein um, plant keine große Revolution, das sieht man alleine bei der Betrachtung des Kaders. Aber er dreht an den kleinen Stellschrauben, die er als elementar erachtet. Die Ansätze zu Saisonbeginn waren positiv, die Skeptiker werden nach vier Pflichtspielen aber kaum umgestimmt sein, es wartet also noch viel Arbeit auf den Kroaten.

Doch Kovac lebt die dazugehörige Mentalität vor. Er gilt als akribischer Arbeiter, der von seinen Spielern eben jene Bereitschaft zur täglichen, harten Arbeit fordert. In Frankfurt zogen die Spieler mit, feierten am Saisonende Erfolge. Und genau das muss nun auch das Ziel in München sein. Die Art und Weise ist nicht unwichtig, am Ende zählen aber nur Resultate und Titel. Kovac hat die Chance seinen Kritikern zu beweisen, dass er auch mit der Situation in München, zu Beginn eines Umbruchs, mit hohen Erwartungen und wenig eigener Erfahrung auf diesem Niveau, umzugehen weiß. Vor allem will Kovac aber auch sich selbst beweisen, dass er in der Lage ist sich anzupassen, seine Methoden weiterzuentwickeln und dem FC Bayern neues Leben einzuhauchen, den Umbruch mit der nötigen Unterstützung voranzutreiben. 

 

Schlüsselfaktor Mittelfeldzentrum

Schon zu Beginn der Saison ist klar, dass das Mittelfeldzentrum für den FC Bayern sehr wichtig wird. Wenn Ribery und Robben spielen, muss das Zentrum ohnehin der dominante Faktor im Spiel des FC Bayern sein. Gegen Stuttgart agierten Müller und Goretzka als sehr offensiv ausgerichtete 8er häufig in Strafraumnähe, Thiago verteilte dahinter die Bälle, war sehr dominant, spielte fast fehlerfrei. Auch mit Javi Martinez, der die Rolle als defensiver Mittelfeldspieler im Supercup und zum Saisonauftakt anders, aber sehr gut ausübte, ruhte der Fokus auf dem Zentrum. Mit Martinez respektive Thiago (der auch offensiver einsetzbar ist) als verschiedene 6er-Typen, Tolisso, Sanches und Goretzka als dynamische 8er und James, der ein enormes Spielverständnis mitbringt und jederzeit für kreative Elemente sorgen kann, ist das Mittelfeldzentrum stark besetzt. Auch Thomas Müller, der zu Saisonbeginn seine Effizienz wiedergefunden hat, kann eine wichtige Rolle spielen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Müller muss diese Effizienz im Saisonverlauf konstant auf den Platz bringen, das ist das wichtigste Kriterium. In der vergangenen Saison wirkte er oft unglücklich, er ist kein ausgewiesener Kombinationsspieler, fällt im Passspiel mitunter ab, muss sich auf andere Elemente besinnen. Die Qualität im Mittelfeld ist insgesamt sehr hoch, die Mischung aus verschiedenen Spielertypen ideal. Hier liegt die größte Stärke des FC Bayern in dieser Saison, hier verfügt Niko Kovac über ausreichend Alternativen zum Rotieren. Seine Aufgabe wird es sein von Gegner zu Gegner zu entscheiden welche Mittelfeldbesetzung die richtige ist und wann man gerade Renato Sanches, der zwar das Vertrauen von Kovac genießt, aber behutsam aufgebaut werden muss, einsetzt. Es ist nicht neu, dass Niko Kovac als Trainer viele Dinge gleichzeitig im Auge haben muss, neu ist lediglich, dass jede seiner Bewegungen und jede seiner Entscheidungen genau beobachtet wird. 

 

Player to Watch: Niklas Süle

Bereits in seiner Debütsaison für den FC Bayern München erfüllte Niklas Süle alle Erwartungen, die man an den Neuzugang aus Hoffenheim hatte. Süle stellte sein Können auf der großen Bühne in der Champions League unter Beweis, kam mit den noch höheren Ansprüchen in München zurecht, lernte schnell, wie man sich in der Abwehr zu verhalten hat, wenn man selten gefordert wird, aber immer hochkonzentriert agieren muss. Süle hat einen hohen Anspruch an sich selbst, ist Nationalspieler, eines der größten Talente auf seiner Position in Europa. Nun muss Süle den nächsten Schritt gehen – und hat die Rückendeckung der Vereinsverantwortlichen.

In diesem Sommer gab es Berichte wonach Süle schon in dieser Saison als Innenverteidiger Nummer 1 gelten soll. Der 23-jährige wird auch 2018/19 auf zahlreiche Einsätze kommen und will sukzessive in eine Führungsrolle hineinwachsen. Dass Süle der Abwehr-Chef der Zukunft ist, zweifelt mittlerweile kaum jemand mehr an. In der Innenverteidigung läuft der Umbruch beim Rekordmeister absolut nach Plan, mit Pavard wird aller Voraussicht nach 2019 ein Spieler verpflichtet, der auf lange Sicht mit Süle zusammen das Defensivzentrum prägen kann. Süle spielt in den Planungen des Rekordmeisters und in den Planungen von Trainer Niko Kovac eine elementare Rolle, wird immer abgeklärter, routinierter und jedes Spiel hilft ihm noch besser zu werden. Auch auf ihn wird das Scheinwerferlicht der Champions League geworfen – und das vollkommen zurecht. 

 

Die 90PLUS-Prognose 

Der FC Bayern München gehört immer zu den Anwärtern auf das Halbfinale und ab dieser Runde ist ohnehin alles möglich. Ob die Mannschaft unter Niko Kovac tatsächlich stärker einzuschätzen ist als in der vergangenen Saison bleibt abzuwarten. Der Gruppensieg ist absolute Pflicht, die wirklichen Herausforderungen warten aller Voraussicht nach erst danach. Der FC Bayern kann jeden Gegner schlagen, aber gilt, zumindest nach jetzigen Stand, nicht als der Topfavorit. Um das Finale zu erreichen oder den Wettbewerb sogar zu gewinnen müssen viele Faktoren zusammenkommen, die nicht planbar sind. Das Hauptziel sollte lauten, dass man das Viertelfinale in diesem Wettbewerb erreicht – dann entscheiden vor allem die Tagesform und Faktoren, die man nicht oder nur wenig beeinflussen kann. 

Manuel Behlert

Inhaltsverzeichnis

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.