Europa League | Leipziger Prüfung gegen Neapel – SSC Neapel vs. RB Leipzig

Am Donnerstagabend trifft RB Leipzig im Hinspiel des Sechzehntelfinals der Europa League auswärts auf den SSC Neapel. Die Italiener sind Tabellenführer in der Serie A und kommen wie Leipzig ursprünglich aus der Champions League. Für RB ist dieses Los wohl eines der schwersten überhaupt, aber gleichzeitig auch eine Prüfung, nachdem man sich in der Gruppenphase der Champions League phasenweise relativ naiv angestellt hat. 

Sehr interessant dürfte vor allem werden, wie fokussiert beide Mannschaften in dieses Duell gehen. Leipzig kämpft in der Bundesliga um die Champions League, kann es sich aber eigentlich nicht leisten die Europa League schleifen zu lassen. Der SSC Neapel indes kämpft um den ersten “Scudetto” seit zig Jahren, qualifiziert sich über die Liga ohnehin sicher für die Champions League. Die Herangehensweise beider Trainer dürfte entsprechend interessant sein.

Neapels Sehnsucht nach einem Titel

Der SSC Neapel ist ein Klub mit einer großen Historie. Viele Topspieler schnürten in der Geschichte ihre Fußballschuhe für diesen Verein, doch auf einen ganz großen Titel wartet man in Süditalien nun schon sehr lange. Den letzten internationalen Titel feierte das Team im Jahr 1989, ein Jahr später wurde man zuletzt italienischer Meister. Gerade aufgrund der Titelsehnsucht könnte der SSC Neapel in dieser Rückrunde beide Wettbewerbe ernsthaft angehen.

(Photo by Francesco Pecoraro/Getty Images)

Neapel-Coach Maurizio Sarri muss nun der Spagat zwischen Rotation und Rhythmus generieren. Im Winter versuchte der SSC Neapel mehrfach einen Offensivspieler zu verpflichten, aber weder der Transfer von Deulofeu, noch Denis Suarez oder Amin Younes, der sogar schon beim Medizincheck war, ließen sich realisieren. Zwar kehrt Arkadiusz Milik bald zurück, doch nach dessen zweiten Kreuzbandriss muss man abwarten, wie schnell er der Mannschaft wieder helfen kann. Ansonsten sind die Offensivoptionen relativ dünn. Gerade in den entscheidenden Wochen kann das zu einem wichtigen Faktor werden.

Leipziger Konstanzprobleme

Doch auch für RB Leipzig und Ralph Hasenhüttl ist die aktuelle Situation nicht einfach. Denn obwohl die vielen englischen Wochen noch gar nicht begonnen haben, hat Leipzig in der Rückrunde keine ideale Bilanz. 10 Punkte aus 5 Spielen sind in Ordnung, aber gegen den SC Freiburg (1:2-Niederlage) und den Hamburger SV (1:1) hatte man sich mehr vorgestellt. Das Polster auf Platz 5 beträgt nur 3 Punkte und jetzt stehen zunächst einmal zwei englische Wochen in Folge an, nach denen man in der Bundesliga auf Frankfurt und Köln trifft.

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Probleme in der Kaderbreite, die beim SSC Neapel angesprochen wurden, treffen auch auf RB Leipzig zu – allerdings in der Defensive. Leipzig bemühte sich um einen Halstenberg-Ersatz, schaffte es aber ebenso wie die Italiener nicht, einen Spieler zu verpflichten. Neben dem Konstanzproblem wird es also auch auf die Belastungssteuerung ankommen, sodass die wichtigsten Spieler in den wichtigsten Spielen auflaufen können. Grund zur Hoffnung machen jedenfalls die letzten beiden Spiele, die gewonnen werden konnten. Und zwar beide ohne einen Gegentreffer zu kassieren.

Duell zweier verschiedener Ausrichtungen

Das Duell dieser beiden Teams ist auch ein Duell zweier Ausrichtungen, die sich bewährt haben. Der SSC Neapel spielt unter Sarri einen technisch sehr feinen, sauberen Fußball mit einer hohen fußballerischen Klasse, einstudierten Abläufen und Spielkontrolle. Leipzig hingegen legt viel Wert darauf den Gegner zu jagen, zu Fehlern zu zwingen. Und zwar nicht primär durch viel Ballbesitz, sondern durch konsequentes, kluges Anlaufen und situatives, aggressives Pressing, das viel Aufwand erfordert, aber im Erfolgsfall auch sehr lukrative Umschaltmöglichkeiten mit sich bringt.

Viele Gegner lassen sich von diesem Spiel zumindest zeitweise beeindrucken, aber gerade in der Gruppenphase der Königsklasse war zu sehen, dass die individuell stärkeren Gegner in der Lage sind ihre Klasse ebenfalls gewinnbringend einzusetzen. So hatte Leipzig zwar einige sehr gute Chancen und das Pressing funktionierte in der Gruppenphase häufig auch sehr gut, aber eine inkonsequente Chancenverwertung, Anfälligkeit vor allem nach Standards und selbst bei Führung oftmals fehlende Souveränität und Spielkontrolle wurden RB zum Verhängnis.

(Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Und auch der SSC Neapel kann ein Gegner sein, der genau diese Probleme der international noch unerfahrenen Leipziger gnadenlos aufdeckt. Das geordnete, teilweise nahezu unfehlbare Aufbauspiel in hoher Geschwindigkeit muss auch gegen Leipzig das Rezept zum Erfolg für die Italiener sein. Der Tabellenführer der Serie A kann jede Abwehrreihe der Welt vor Probleme stellen und zeigte das auch bei den beiden Niederlagen gegen Manchester City in der Gruppenphase. Der Kader ist sehr gut auf den Sarri-Fußball zugeschnitten, die Rädchen greifen wunderbar ineinander und an einem guten Tag ist Neapel in der Lage auch große Gegner aus dem San Paolo zu schießen.

Prognose zum Hinspiel

Aufgrund der Ungewissheit mit welchem Personal beide Mannschaften in dieses Spiel gehen werden ist auch eine Prognose nicht gerade einfach. Klar ist, dass der SSC Neapel im Heimspiel gegen Leipzig als Favorit in das Spiel geht und individuell besser besetzt ist. Die Mannschaft arbeitet schon längerfristig mit Sarri zusammen und ist im Kern in den letzten Jahren zusammen geblieben. Neapel ist also eingespielt, wurde punktuell verstärkt und weiß, was der Trainer fordert. Die Favoritenrolle werden die Italiener auch annehmen und versuchen ihr typisches Spiel aufzuziehen. Die Pressingfallen der Leipziger will das Team überspielen und mit ihrem Kombinationsspiel zu Chancen kommen. Leipzig muss sehr diszipliniert agieren und versuchen Fehler zu minimieren, denn diese können tödlich sein. RBL wird Neapel das ein oder andere Mal in Verlegenheit bringen können, aber die Qualität der Italiener sollte sich durchsetzen. Ein Heimsieg ist wahrscheinlich, Leipzig hat aber die Chance auf ein Auswärtstor. Und das wäre wichtig.

Personal, Aufstellungen

Die personelle Lage beim SSC Neapel ist schnell erklärt. Faouzi Ghoulam, der auf der Linksverteidigerposition Stammspieler ist, fehlt verletzt und steht keinesfalls zur Verfügung. Gleiches gilt für Innenverteidiger Vlad Chiriches, der aber ohnehin keine allzu große Rolle spielt. Offensivtalent Leandrinho fehlt ebenfalls, auch Milik, der nach seinem Kreuzbandriss zwar wieder im Training ist, kann nicht auflaufen. Auf der Position hinten links gibt es die Optionen Mario Rui und Maggio, im Mittelfeld ist vieles möglich und vorne dürfte die Top-Dreierreihe spielen, sofern Sarri diese Begegnung und diesen Wettbewerb ernsthaft angeht.

(Photo by CARLO HERMANN/AFP/Getty Images)

Bei RB Leipzig fehlt Linksverteidiger Halstenberg mit einem Kreuzbandriss, Defensivspieler Ilsanker ist gesperrt. Gerade Stammspieler Halstenberg wäre gegen die Offensive der Italiener sehr wichtig gewesen, zuletzt hinterließen Laimer und Klostermann auf den Außenpositionen in der Defensive aber einen guten Eindruck. Wie fit Emil Forsberg nach wochenlangem Pausieren schon ist, weiß man indes nicht. Ein Kurzeinsatz ist allerdings nicht utopisch.

SSC Neapel: Reina, Hysaj, Koulibaly, Raul Albiol, Mario Rui (Maggio), Diawara, Allan, Hamsik, Insigne, Callejon (Zielinski), Mertens

RB Leipzig: Gulacsi, Laimer, Orban, Upamecano, Klostermann, Demme, Keita, Kampl, Sabitzer (Bruma), Werner, Augustin (Poulsen)

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