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HSV & Köln – oder doch Union? Aufstiegscheck 2. Bundesliga

24. März 2019
Manuel Behlert

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HSV & Köln – oder doch Union? Aufstiegscheck 2. Bundesliga

Die Länderspielpause sorgt derzeit dafür, dass die Klubs in der 2. Bundesliga ein wenig durchschauen können. Vor den letzten Wochen der Saison sind natürlich noch keine Entscheidungen im Aufstiegsrennen gefallen, auch wenn sich einige Teams sehr gut positioniert haben. Wir machen vor dem Schlussspurt den Aufstiegscheck, wer schafft es direkt in die Bundesliga und wer geht in die Relegation?

Außenseiterchancen: Die Verfolger

Der Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga zeigt: Hinter den Top-3 der Liga ist schon eine kleine Lücke auf die Verfolger entstanden. Vier Teams “jagen” die Top-3, dahinter befindet sich erneut eine Lücke auf den Achtplatzierten aus Regensburg. Doch welche Chancen haben der SC Paderborn (7.), Heidenheim (6.), Holstein Kiel (5.) und der FC St. Pauli (4.) überhaupt noch? Klar ist, dass jeder dieser Verfolger eine Serie benötigt um noch einmal oben herankommen zu können. Die Formkurve spricht bei allen aber nicht unbedingt dafür, dass eine Siegesserie zu erwarten ist.

Der SC Paderborn, der mit 41 Punkten und vor allem 58 Toren für einen Aufsteiger extrem positiv auf sich aufmerksam machen konnte, ist mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden und will mit dem sicheren Klassenerhalt im Rücken vor allem die eigenen Fans weiter begeistern. 98 Tore sind in Partien mit Beteiligung des SCP bisher gefallen, die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart spielt euphorisch nach vorne und nimmt die Nachteile dieses Spielstils bewusst in Kauf. Mit 7 Punkten aus den letzten 5 Spielen ist der Trend aber eher durchschnittlich. Auch der 1. FC Heidenheim mit Trainer Frank Schmidt und Urgestein Marc Schnatterer spielt eine fantastische Saison. Der FCH wird fast traditionell zu den Kandidaten auf einen Abstieg gezählt und überrascht nahezu jedes Jahr aufs Neue. Doch auch dem FCH fehlt die Konstanz um noch einmal oben anzugreifen, 5 Punkte aus 5 Spielen sind dafür einfach zu wenig. Der Saisonverlauf übertrifft aber dennoch alle Erwartungen.

Den Fans ein Spektakel bieten kann auch Holstein Kiel mit Trainer Tim Walter. 88 Treffer fielen in den Spielen der “Störche”, die den Powerfußball, den ihr Übungsleiter vorgibt, konsequent und rigoros umsetzen. Holstein, das letzte Saison bereits in der Relegation stand, findet aber auch nicht gegen jeden Gegner Mittel. Die letzten 4 Resultate verdeutlichen das sehr gut, denn gegen Bochum (3:1) und Aue (5:1) konnte man begeistern, gegen Union Berlin (0:2) und Darmstadt (2:3) produzierte man zu viele Fehler und wurde bestraft. Lange Zeit hatte auch der FC St. Pauli berechtigte Hoffnungen auf eine Platzierung unter den ersten 3 der 2. Liga, doch auch der Klub vom Millerntor hat Probleme. 4 der letzten 6 Spiele gingen verloren, dreimal kassierte man dabei gleich 4 Gegentreffer, womit man sich sogar noch die Tordifferenz, die nun bei -2 liegt, zerstörte. All diese Teams können nach jetzigem Stand auf eine gute bis sehr gute Spielzeit zurückblicken, der ganz große Schritt nach vorne von einem dieser Klubs würde aber überraschen.

In Lauerstellung: Union Berlin

Mit 47 Punkten steht Union Berlin nur knapp hinter den beiden Topfavoriten aus Köln und Hamburg auf Platz 2 in der Tabelle. Die “Eisernen” zeichnet in dieser Saison vor allem die sehr gute Defensive aus. Trainer Urs Fischer hat die Mannschaft noch einmal weiterentwickelt und ihr eine sehr stabile, gut funktionierende Grundordnung eingeimpft. 23 Gegentore in 26 Spielen sind beeindruckend, zumal die Offensive auch nicht gerade leidet. Zudem könnte im Schlussspurt Sebastian Polter, der lange verletzt fehlte, wieder eine Rolle spielen. Der Angreifer, der in 12 Einsätzen 5 Tore erzielte, ist auf dem Weg der Besserung und wird bald wieder zur Verfügung stehen. Für Union Berlin ist der Aufstieg ob der großen Konkurrenz kein Muss, aber nach vielen Jahren, in denen man weitgehend im oberen Drittel mitspielte ohne den großen Wurf zu schaffen sehnt man sich im Klub nach Bundesligafußball.

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Das Restprogramm von Union Berlin ist recht ausgeglichen. Man spielt zwar noch gegen den SC Paderborn und den Hamburger SV, empfängt beide Mannschaften aber an der Alten Försterei. Vor allem das Spiel gegen den HSV am 31. Spieltag könnte für Union richtungsweisend sein. Auswärts warten unter anderem mit Dresden und Darmstadt noch unangenehme Aufgaben, die aber insgesamt zu bewältigen sein dürften, auch wenn die Bilanz auf des Gegners Platz nicht ideal ist. Die Chancen auf Platz 2 und den direkten Aufstieg sind auf jeden Fall da, denn im Gegensatz zum HSV und Köln ist der Aufstieg keine Pflicht, der Druck ist etwas geringer und der Fokus liegt nicht unbedingt auf Union Berlin. Selbst wenn es am Ende der Saison Platz 3 wird, kann man zufrieden sein. Denn: Einerseits ist die Entwicklung sehr positiv, andererseits strahlt keines der Teams, das in der Bundesliga der Relegation entgegentaumelt, die ganz große Gefahr aus. Union Berlin hat eine realistische Chance auf den Aufstieg!

Der große Druck: Hamburger SV

Der erste Abstieg in der Vereinsgeschichte bedeutete für den HSV neben einer großen Enttäuschung vor allem auch in finanzieller Hinsicht Schwierigkeiten. Schon bei einem Verbleib in der Bundesliga wären die Aussichten nicht gerade rosig gewesen, entsprechend war man auf Einnahmen durch Spielerverkäufe angewiesen. Die aktuelle Tabellensituation ist okay, aber nicht mehr als das. Mit 2 Punkten vor Union Berlin steht der HSV auf Platz 2 in der Tabelle, fußballerisch wirklich überzeugen kann Hamburg aber nur selten. Der Trainerwechsel von Christian Titz zu Hannes Wolf hatte zumindest keine spektakuläre Entwicklung zur Folge, vor allem die Tordifferenz ist Nachteil gegenüber Union und dem 1. FC Köln, denn mit 38 erzielten und 29 kassierten Treffern hat der HSV hier keine überragenden Werte vorzuweisen.

Auch der Derbysieg am Millerntor, der mit 4:0 sehr deutlich ausfiel, kann nicht über die Probleme der letzten Wochen hinwegtäuschen. Zuhause gegen Darmstadt verspielte man ein 2:0 und verlor mit 2:3, gegen Heidenheim reichte es nur zu einem Remis, in Regensburg verlor man gar. 7 Punkte aus 5 Spielen bedeuteten lediglich, dass man die Verfolger einigermaßen auf Distanz halten konnte. Und, wie erwähnt, das Duell mit Union Berlin steht noch auf dem Programm, zudem muss der HSV noch nach Bochum, Paderborn und zum Tabellenführer nach Köln. Das Restprogramm ist also durchaus als knifflig zu bezeichnen und der Ausfall von Aaron Hunt tut unter diesen Voraussetzungen gleich doppelt weh.

(Photo by Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)

Trotzdem ist klar: Die Qualität in der Mannschaft ist hoch, Spieler wie Pierre-Michel Lasogga können den Unterschied machen und auch in der 2. Reihe stehen Spieler zur Verfügung, die nur darauf warten einen entscheidenden Einfluss auf den Aufstiegskampf zu haben. Mit dem Hamburger SV ist in jeder Spielsituation zu rechnen, Leistungexplosionen – im positiven wie im negativen Sinne – sind jederzeit möglich. Und genau deswegen ist es so schwer zu prognostizieren welchen Weg der Klub in den restlichen Spielen einschlagen wird. Wichtig ist es direkt nach der Länderspielpause in Bochum und im Idealfall auch noch im DFB-Pokal in Paderborn zu gewinnen. Denn den Schwung, den man mit zwei Siegen aus diesen wichtigen Spielen mitnehmen könnte, benötigt man dringend. Am Ende dürften die direkten Duelle mit dem 1. FC Köln und Union Berlin aber wohl das berühmte Zünglein an der Waage sein.

1. FC Köln: Die Pflicht erfüllen

Der 1. FC Köln wurde vor der Saison bereits als der Aufstiegskandidat Nummer 1 gehandelt. Markus Anfang sollte mit der Mannschaft einen sehr attraktiven Offensivfußball spielen und vor allem Simon Terodde zeigte sich in Torlaune. Auch der “Effzeh” war in dieser Saison aber nicht in der Lage sich einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz herauszuspielen und die Liga nach Belieben zu dominieren. Allerdings – und das ist auch eine entscheidende Qualität – schaffte es der 1. FC Köln häufig auch enge Spiele für sich zu entscheiden und ging mit Rückschlägen gut um. Ein Beispiel: Auf die 3 Niederlagen aus 4 Spielen (Bochum, Union, Paderborn) folgte eine Siegesserie, 4 Spiele in Folge wurden gewonnen. Und das bedeutet, dass die Kölner derzeit die Tabelle anführen, einen Punkt Vorsprung vor dem HSV und noch ein Nachholspiel in der Hinterhand haben.

Das Prunkstück des Teams ist natürlich die Offensive. Neben Simon Terodde sorgen auch Cordoba, Drexler und der erst seit kurzem spielberechtigte Anthony Modeste für Tore. 64 Treffer hat der 1. FC Köln in der laufenden Spielzeit erzielt, eine Tordifferenz von +33 ist, betrachtet man die Konkurrenz, quasi als Extrapunkt zu zählen. Außerdem ist auch das Restprogramm für den 1. FC Köln nicht zu problematisch. Den Hamburger SV empfängt man ebenso wie Holstein Kiel vor heimischer Kulisse, das Spiel in Heidenheim könnte noch sehr unangenehm werden. Aufgrund der aktuellen Form mit vier Siegen in Folge und der Qualität in der Mannschaft kann das Ziel für die Elf von Markus Anfang derzeit nur die Zweitligameisterschaft sein.

Prognose: Union schlägt den HSV, der in die Relegation muss

Nachdem die Ausgangslage nun deutlich geworden ist, ist es Zeit für eine Prognose. Der 1. FC Köln hat von allen Teams die beste Position und auch die meiste Qualität im Kader. Unter Berücksichtigung des Nachholspiels, das man wohl gewinnen wird, ist der Vorsprung schon recht groß. Der “Effzeh” wird also Zweitligameister und sich möglicherweise noch weiter von den Verfolgern absetzen. Wenn Union Berlin bis zum direkten Duell mit dem Hamburger SV seine Aufgaben löst, dann werden die “Eisernen” vor heimischer Kulisse den HSV auch bezwingen. Der Druck für Hamburg ist größer als für Union, die Tendenz geht (Hunt-Ausfall vs. Polter-Rückkehr) derzeit ohnehin in Richtung Union. Verliert man das direkte Duell, wird man sich beim HSV mit der Relegation anfreunden müssen. Aus der Verfolgergruppe wird es aufgrund der mangelnden Konstanz niemand mehr in die Top-3 schaffen.

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

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