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Manchester City | Eine Transfer-Chronologie der Ära Guardiola

18. Mai 2018

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Manchester City | Eine Transfer-Chronologie der Ära Guardiola

“Kann er es auch an einem verregneten Dienstag in
Stoke?”
“Wenn du Guardiola mal den VfB Stuttgart trainieren lässt, sieht sein Fußball auch nicht mehr so toll aus.” Wir alle kennen die Vorhaltungen, die Manchester Cities Trainer regelmäßig gemacht werden. Und in der Tat: Erst kürzlich scheiterte Guardiolas teures Ensemble am über 400 Mio. günstigeren Kollektiv (gemessen an den Netto-Transfersummen der letzten 2 Jahre) von Jürgen Klopp. Doch spricht das überhaupt gegen “Peps” Transferstrategie? Kostet ein Kaderumbau heutzutage nunmal so viel? Wie viele Guardiola-Transfers schlugen überhaupt ein? All das diskutieren wir in unserem nächsten Podcast. Damit ihr nachvollziehen könnt, über wen wir da sprechen, dürft ihr gerne den untenstehenden Text als “Second Screen” benutzen. 

 

Transferfenster I: Sommer 2016/17

John Stones (IV, 55 Mio.) 
Zwar mag wohl niemand so recht daran glauben, dass sich ein in Passspiel und Ballbehandlung so beschlagener Innenverteidiger ausgerechnet unter diesem Trainer nicht durchsetzen könnte, doch mit Stones wartet einer der integralen Guardiola-Transfers noch auf seinen endgültigen Durchbruch. Besonders im letzten Viertel der Vorsaison war Stones nur Zuschauer – bei saisonentscheidenden Niederlagen gegen Chelsea (2x), Leicester oder die beiden Liverpooler Clubs macht er eine schlechte Figur. Auch die aktuelle Spielzeit ist für Stones eine wechselhafte. Nach starkem Beginn warf ihn eine hartnäckige Oberschenkelverletzung lange zurück. Seither kommt Guardiolas Sorgenkind trotz wiederholten Trainerlobes nicht am robusten Duo Kompany/Otamendi vorbei – und bekam zusätzlich im Winter mit Laporte einen Mann vor die Nase gesetzt, der für ähnliche Spielattribute steht, wie Stones selbst. Wenig überraschend spielt dieser in den wichtigsten Spielen der Saison (wie schon im Vorjahr) keine Rolle. Zukunft: Offen!
Leroy Sané (LM, 50 Mio.)
Nachdem Schalkes teuerster Abgang der Vereinsgeschichte in seiner ersten England-Halbserie zunächst mit wechselnden Einsatzzeiten vorlieb nehmen musste und er nicht allzu hoch in Guardiolas zu stehen schien, ist Sané seit der zweiten Saisonhälfte 16/17 eine Stammkraft in Manchester. In dieser Spielzeit gelangen ihm immerhin 17 Torbeteiligungen in 37 Spielen. Seit der Saison 17/18 ist Sané, trotz erneuter Anlaufschwierigkeiten zum Jahresbeginn 2017, einer der Leistungsträger des Spaniers. Das schlägt sich mit 29 Torbeteiligungen in 45 Partien auch deutlich in der Statistik nieder.

 

(Photo by Michael Steele/Getty Images)
Ilkay Gündogan (ZM, 27 Mio.)
Auch in Manchester blieb Ilkay Gündogan vor allem das Verletzungspech treu. Der ehemalige Dortmunder ist, seiner Veranlagung nach, ganz offensichtlich ein Guardiola-Spieler. Nach einer Verletzungspause von über 9 Monaten musste Gündogan gleichwohl erst einmal in den Profifußball zurückfinden. Schon wieder. Dennoch ist Gündogan in seiner zweiten England-Saison bislang fit geblieben und erhält regelmäßig Einsätze (bislang 25 Auftritte in der Liga, 9 in der CL) – auch und vor allem gegen große Gegner. Zwar ist Gündogans volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft – doch seine Leistungen lassen aufhorchen und “Illy” scheint derzeit von Spiel zu Spiel immer besser zu werden. Mit Konkurrenten namens de Bruyne, David Silva oder Fernandinho ist das keine Selbstverständlichkeit!
Claudio Bravo (TW, 18 Mio.)
Nach Bravos zum Teil heftigen Aussetzern in der Vorsaison, als ihm über weite Strecken des Saisonendspurts gar Willy Caballero vorgezogen wurde, war die Verpflichtung eines teuren Konkurrenten (Ederson, ca. 40 Mio.) im Sommer 2017 keine Überraschung. Seither spielt Bravo keine Rolle mehr unter Guardiola – er kam in der aktuellen Spielzeit nur 45 Minuten lang wegen einer verletzungsbedingten Auswechslung Edersons (in der Liga) zum Einsatz.
Nolito (LA, 18 Mio.)
Spielt nach nur einer Saison, die mit dem Wort “Okay” gut beschrieben ist, wieder in Spanien beim FC Sevilla. Guardiola hatte ihn wohl immer nur als Kaderergänzung eingeplant. Für eine solche sind 11 Torbeteiligungen in 30 Spielen auf diversen Positionen eine passable Ausbeute. Einen bleibenden Eindruck hinterließ Nolito (auch aufgrund der erdrückenden Konkurrenz in der Offensive) jedoch nicht.
Marlos Moreno (LA, 6 Mio.)
Marlos wer? Der junge Kolumbianer wurde schon kurz nach seiner Ankunft in Manchester (jeweils ohne Erfolg/insgesamt nur 2 Liga-Einsätze) mehrfach verliehen. Nach einem Scheitern bei sowohl La Coruna, als auch Cities heimlichem Farmteam aus Girona, spielt Moreno derzeit auf Leihbasis für Flamengo – kommt auch dort jedoch nicht zum Zug.
Gerónimo Rulli (TW, 5 Mio.)
Umgehend zunächst an Real Sociedad verliehen und nur ein halbes Jahr später mit einer Rückkaufoption für City verkauft. Zwar ist Rulli in Spanien eine der Stammkräfte seines Clubs, eine Karriere bei City ist aufgrund der späteren Ankunft von Ederson aber so gut wie ausgeschlossen.

 

Transferfenster II: Winter 2016/17

Gabriel Jesus (ST, 32 Mio.)
Der Brasilianer hatte bislang mit so mancher Verletzung zu kämpfen: Unter anderem ein Mittelfußbruch, eine Knieverletzung sowie ein Horror-Zusammenstoß mit Teamkollege Otamendi (beim Länderspiel Brasilien gegen Argentinien) warfen das vieldiskutierte Sturmtalent zurück. “Nur” 48 Pflichtspiele in 2 Jahren stehen daher für ihn in Manchester zu Buche. Dennoch weiß der flinke Stürmer (nicht nur) Guardiola zu gefallen. Allzu oft genießt er den Vorzug vor Vereinslegende Agüero – nicht selten zum Unmut der Fans. Dennoch: 31 Torbeteiligungen sprechen eine deutliche Sprache und benötigt nicht viele Minuten, um festzustellen, wie viel Talent in dem Spieler schlummert. Von ihm wird man noch reden.

 

(Photo OLI SCARFF/AFP/Getty Images)

 

Transferfenster III: Sommer 2017/18

Benjamin Mendy (LV, 58 Mio.)
Sein Wechsel ist aufgrund einer frühen und schweren Verletzung (Mendy pausiert seit September 2017 mit einer Kreuzbandverletzung) noch nicht zu bewerten. Wie viel Zeit Mendy nach seiner Rückkehr benötigt, um wieder zu alter Stärke zu finden: Ebenso.

Kyle Walker (RV, 51 Mio.)
Viele runzelten die Stirn über die Transfersumme, die Manchester City für einen als limitiert geltenden Außenverteidiger zu zahlen bereit ist. Doch der Engländer lieferte – freilich, ohne dabei den Fußball neu zu erfinden – ab. Walker war über weite Strecken der Saison Guardiolas Dauerbrenner auf der rechten Seite und verzeichnet 7 Torvorlagen in 46 Pflichtspielen. Zudem bringt er die Körperlichkeit und Explosivität mit sich, die Guardiolas Team noch im Vorjahr abging – woraufhin dem Startrainer prompt Naivität im Umgang mit dem englischen Ligafußball vorgeworfen wurde. Walker mag nie ein Weltklassefußballer werden, doch Guardiolas Erwatungen dürfte er bislang weitestgehend erfüllt haben.

Bernardo Silva (RM, 50 Mio.)
Der junge Portugiese ist noch nicht endgültige bei Guardiola angekommen. Zwar stehen 31 Ligaspiele für den dribbel- und passstarken Linksfuß zu Buche, doch ein Drittel davon dauerte nur 10 Minuten oder weniger. Dennoch sieht Silvas Leistung mit 9 Torbeteiligungen auf dem Papier gut aus – zumal Silva zum Saisonende hin deutlich präsenter wirkte, als noch im Jahr 2017. Und doch kann der Schein trügen: Silva wurde häufig einwechselt, wenn überforderte Gegner bereits K.O. waren und konnte City über die gesamte Saison betrachtet noch nicht so deutlich seinen Stempel aufdrücken, wie z. B. Leroy Sané. Gleichwohl wirkt auch Silva wie ein klassischer Guardiola-Favorit. Mit seiner Grundveranlagung (extreme Wendigkeit, starke Ballkontrolle, sauberes Passspiel) könnte er gar mittelfristig Vereinslegende David Silva im zentralen Mittelfeld beerben.

Ederson (TW, 40 Mio.)
Ederson ist ein Torwart nach Guardiolas Geschmack: Stark am Ball, gut im Abwurf und auch weit vor dem Tor problemlos anspielbar. Zwar war der junge Portugiese bei seinem Grundhandwerk nicht immer fehlerfrei, doch Guardiola setzt auf ihn: Ederson verpasste bislang nur ein Ligaspiel und hat die Nase im Vergleich zur internen Konkurrenz (zurecht) deutlich vorn.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images,)


Danilo (RV/LV, 30 Mio.)
Den bei Real Madrid gescheiterten Brasilianer stempelten zahlreiche Fußballfreunde im Sommer als deutlich zu teuer ab. Sie dürften sich bestätigt fühlen, denn eine echte Alternative stellt der gelernte Rechtsverteidiger bislang auf keiner der zahlreichen Positionen dar, auf denen Guardiola ihn im Verlauf der Saison ersatzweise eingesetzt hat. Zwar kommt Danilo so bislang auf insgesamt 34 Pflichtspiele, doch sein Konkurrent auf rechts (Walker) sowie seine Konkurrenz auf der ungewohnten Innenpositionen (Stones, Laporte, Otamendi und Kompany) sind ihm deutlich voraus. Auf der linken Abwehrseite wurde ihm meist Fabian Delph vorgezogen – ein Spieler dem das Außenverteidigerdasein bis dato weitgehend fremd war.

Douglas Luiz (ZM, 12 Mio.)
Der 19-jährige Brasilianer wurde gleich zum “Farmteam” nach Girona weiterverliehen und fristet dort ein Dasein als Einwechselspieler.

Luka Ilic (ZM, 3 Mio.)
Der 18-jährige Kroate wurde gleich weiterverliehen und hat seither große Mühe, bei Leihklub Roter Stern einen Kaderplatz zu erobern.

Olarenwaju Kayode (ST, 4 Mio.)
Der 24-jährige Nigerianer wurde gleich weiterverliehen – und das gleich zwei mal: Zunächst landete der Zugang von Austria Wien ebenfalls in Girona, wurde jedoch schon im Winter nach vermehrten Nichtberücksichtigungen zurück nach Manchester beordert, um gleich wieder gen Donezk abzureisen. Dort konnte er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Transferfenster IV: Winter 2017/18

Aymeric Laporte (IV, 65 Mio.)
Dass der Franzose eine große Zukunft vor sich hat, bestreitet fast niemand. Dennoch hat er mit nur 9 Pflichtspieleinsätzen in seinem ersten Halbjahr noch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dass das beim taktisch wie personell experimentierfreudigen Pep Guardiola noch lange nichts heißen muss, sollte jedoch klar sein. Dass der Spanier mit Laporte, der im Saisonendspurt vermehrt den Vorzug vor John Stones erhalten hat, noch plant, ist ebenfalls unstrittig.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images,)

Jack Harrison (RA, 4 Mio.)
Der junge Engländer kam vom eng mit City verbandelten New York City FC – und wurde umgehend an Middlesbrough weitergereicht. Dort saß er fast ausnahmslos auf der Bank.

Fazit

Man kann Guardiola nicht vorwerfen, teure Einkäufe zu selten aufzustellen (Herr Ibrahimovic, hören Sie jetzt besser weg!). Freilich sind längst nicht all seine Neuzugänge voll eingeschlagen, doch bei einigen (Gündogan, Gabriel & Mendy) verhinderten Verletzungen dies eher, als etwa schwache Leistungen. Dennoch ist nach jetzigem Stand nur das bisher Geleistete zu bewerten. Insofern haben sich bislang nur Ederson, Sané und Walker felsenfest in Guardiolas Team etabliert. Davon abgesehen hat City bei günstigeren Transfers bislang kein gutes Gespür gezeigt. 

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