Nachspielzeit: Arsene Wenger und der verpasste Moment

Arsene Wenger hat beim FC Arsenal einiges erreicht. Neben neun Titeln rechnen die Anhänger der Gunners dem Franzosen vor allem seine Treue in den weniger rumreichen Jahren seiner Amtszeit an. Der Bau des Stadions warf den Verein zurück und die geplante Rückkehr verläuft schleppend. Der “verpasste Moment” könnte nach 20 Jahren an der Seitenlinie das Ende für das Trainer-Urgestein bedeuten. In unsere Kolumne kommen wir zu einem bitteren Entschluss…

 

Der verpasste Moment

19.05.2013, letzter Spieltag der Saison 2012/2013. Nach einem 1:0 Erfolg bei Newcastle United, dem achten Sieg aus den letzten zehn Spielen, sichert sich der FC Arsenal durch einen Kraftakt zum fünfzehnten Mal in Folge die Qualifikation zur Champions League. An sich keine besondere Leistung für einen Trainer, der mit den Gunners drei Meisterschaften, eine davon ungeschlagen, und sechs Pokalsiege feiern konnte.

Trotzdem war der 19. Mai 2013 ein ganz besonderer Moment. Es sollte das Ende der Zurückhaltung, des Abwartens und des Sparens bedeuten. Die (fast) abbezahlten Schulden aus dem Stadionbau und die erneute Champions League Qualifikation sollten eine neue Epoche einleiten. Endlich die eigenen Top-Spieler nicht nur halten können, man wäre sogar in der Lage neue Hochkaräter an Land zu ziehen, um zur Elite des englischen Fußballs zurückzukehren.

Garry Neville, Vereinslegende des großen Rivalen Manchester United, sagte an diesem Tag:

“In den letzten 10 Jahren hatten sie Nettoausgaben in Höhe von 9 Millionen Pfund und hielten trotzdem konstant das Level, um die Champions League zu erreichen. Sie haben ein Stadion gebaut, sie zahlen die Schulden und sie sind fast da. Wenn sie jetzt den Sprung schaffen, wäre es eine der beeindruckendsten Trainerleistungen aller Zeiten. Die Hälfte der Arsenal Fans ist wütend, da sie mehr erwarteten. Aber bei all dem Wahnsinn, der den Fußball umringt, ist das, was sie getan haben, das Richtige. Was sie jetzt, nachdem die Schulden fast bezahlt wurden, machen müssen, ist loslegen. Ich denke er weiß es, Arsene Wenger weiß, dass jetzt der Moment dafür gekommen ist.” [Sky]

Knapp vier Jahre später. Eine Mannschaft, nun gespickt mit Weltklassespielern wie Mesut Özil oder Alexis Sanchez, verliert nach einer peinlichen Heimniederlage gegen Watford auch das Auswärtsspiel beim FC Chelsea. Der Rückstand auf den Tabellenführer beträgt nun 12 Punkte. Wie in den drei Saisons zu vor, eigentlich die Zeit in der der FC Arsenal zu alter Stärke finden sollte, verabschiedet man sich vorzeitig aus dem Titelrennen. “Same old Arsenal”, sagen die Spötter. Eine Veränderung ist nicht in Sicht, das Angebot zur Vertragsverlängerung liegt dem mittlerweile stark umstrittenen Cheftrainer Arsene Wenger bereits vor…

2013 war der Moment zum greifen nahe…was ist passiert?

Der Reihe nach…

 

Heimlich geplantes Scheitern

Mit dem notwendigen Bau des Emirates Stadium, das 2006 seine Pforten öffnete, schuf sich der FC Arsenal eine massive Belastung. Die Gunners, ohne einen milliardenschweren Scheich an der Vereinsspitze, mussten die Kosten von über 500 Millionen Euro fast ausschließlich auf traditionelle Art und Weise stemmen. Zwar versprach der Verein in einem Statement, dass dieses Konzept die Fußballabteilung nicht belasten würde, doch schnell wurde klar: Das war Wunschdenken.

Der Plan war wohl, sich einige Jahre auf dem Double-Gewinn und den „Invincibles“ auszuruhen. Sportlich müsste man sich nur über Wasser halten, die Schulden abbezahlen, bis man langfristig wieder oben angreifen würde. Arsene Wenger, der Vater des Erfolgs, sollte den Verein durch diese schweren Zeiten führen.

 

Selling Club

Viele Leistungsträger erkannten, dass Arsenal in den kommenden Jahren nicht ganz oben mitspielen würde und gaben sich mit dem alljährlichen Kampf um die Champions-League Plätze nicht mehr zufrieden. Somit wurde der Verein immer mehr zum “Selling Club”. Die Gunners konnten und wollten in der aktuellen Verfassung nicht mit den Neureichen, wie Manchester City oder Chelsea, finanziell mithalten.

(Photo LEON NEAL/AFP/Getty Images)

Top-Spieler konnten also aufgrund des klammen Geldbeutels und der sportlichen Lage nicht gehalten werden. Hinzu kommt, dass die goldene Generation, beziehungsweise der Teil, der nicht das Weite suchte, in die Jahre gekommen war. Die Invincibles Freddie Ljungberg, Robert Pires, Dennis Bergkamp, Sol Campbell, Jens Lehmann, Lauren oder Edu waren natürlich alle nicht mehr auf dem Top-Level von 2004 und beendeten ihre Karrieren oder ließen diese woanders ausklingen.

Wenger war gezwungen, günstigere Spieler zu verpflichten oder junge Talente zu entdecken und diese zu Leistungsträgern zu entwickeln. Einigen packten zwar den Durchbruch (van Persie, Adebayor, Alex Song, Sagna, Vermaelen, Ramsey, Koscielny, Nasri.), benutzten die Gunners aber auch oft als Zwischenstation (Adebayor, Nasri, Song) oder konnten den hohen Erwartungen nicht gerecht werden (Denilson, Arshavin, Gervinho). Hinzu kamen katastrophale Verletzungen, die ihr Übriges taten (Abou Diaby, Jack Wilshere, Eduardo).

 

Einige namhafte Leistungsträger die während dieser Periode abgegeben wurden:

2006 Ashley Cole FC Chelsea €7,5m
2007 Thierry Henry FC Barcelona €24m
2008 Aleksandr Hleb FC Barcelona €17m
2009 Emmanuel Adebayor Manchester City €29m
2009 Kolo Toure Manchester City €19m
2011 Cesc Fabregas FC Barcelona €34m
2011 Samir Nasri Manchester City €27,5m
2011 Gael Clichy Manchester City €8m
2012 Robin van Persie Manchester United €30m
2012 Alex Song FC Barcelona €19m

 

Trotzdem führte Arsene Wenger seine Truppe jedes Jahr in die Top-4 und damit in die Champions League, was alleine schon wegen den Einnahmen für den Plan der Vereinsführung elementar war. In der Königsklasse hatte man nicht gerade Losglück. allerdings wäre man mit diesen lückenhaften Kadern aber ohnehin nicht viel weiter gekommen.

 

Warten auf den Moment

(Photo GLYN KIRK/AFP/Getty Images)

Die Fans sollten Geduld haben. Immer wieder versprach Chief Executive Ivan Gazidis den Fans, dass man ab 2014 wieder voll angreifen und vor allem finanziell mithalten würde. In der Tat schien sich bereits 2013 etwas zu ändern. Der von Garry Neville angekündigte Moment sollte eingeleitet werden, in Person von Mesut Özil.

Wenger holte mit dem deutschen Nationalspieler seinen ersten echten, bereits etablierten, Weltstar und knackte bei dem 46 Millionen Euro teurem Wechsel den vereinsinternen Transferrekord. Lange träumten die Fans von der ersten Meisterschaft seit 2004. Zum Jahreswechsel schien diese Hoffnung auch berechtigt zu sein. Trotz insgesamt 18 Spieltagen an der Tabellenspitze, verspielte man aber nach einigen Verletzungen letztendlich zwischen Februar und März (nur 12 von 27 möglichen Punkten) den Titel. Hinzu kam das alljährliche Aus in der K.O.-Phase Champions League (FC Bayern). Immerhin konnte mit dem FA Cup der erste signifikante Titel seit 2005 geholt werden. Der Pokalgewinn sollte den Anfang einer neuen Ära einläuten.

Einen Sommer später kam in Alexis Sanchez ein weiterer Spieler von Weltklasseformat. Dazu wurde der Kader mit soliden Akquisen wie Danny Welbeck und Mathieu Debuchy gezielt verstärkt. Arsene Wenger schien endlich anzugreifen. Der Moment war gekommen.

Erneut rechnete man sich Chancen aus und erneut wurde man enttäuscht.  Dieses Mal war der Absturz nicht ganz so schmerzhaft, man befand sich zu keinem Zeitpunkt an der Tabellenspitze und der FC Chelsea holte souverän seine fünfte Meisterschaft. Der Abschied aus der Champions League war allerdings so vermeidbar wie selten zu vor. Eine desolate und an Naivität nicht zu überbietenden Leistung im Hinspiel gegen den AS Monaco (1:3) besiegelte das nächste Achtelfinal-Aus.

Der Kader war endlich besser, doch es fehlte Siegermentalität, mentaler Reife und Konstanz. Der Trostpreis, der zweite aufeinanderfolgenden Pokalgewinn, wurde lange nicht so gefeiert wie im Vorjahr. Die Fans wollten endlich mehr!

 

Mangelhafte Umsetzung

2015/2016 sollte endlich der langersehnte, große Sprung folgen. Der Kader war so breit besetzt wie schon lange nicht mehr und musste keine bedeutsamen Abgänge hinnehmen. Gestärkt aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre sollte mit der Verpflichtung eines Top-Torhüters in Petr Cech (übrigens der einzige Neuzugang des Sommers) ein ernsthafter Angriff Richtung Premier League Titel unternommen werden. Die Vorzeichen waren gut, selten war der Gewinn der Meisterschaft so einfach wie im Jahr des Favoritensterbens!

Der FC Chelsea erlebte unter Jose Mourinho die schlechteste Saison der Abramovich-Ära und auch Manchester City, Manchester United und der FC Liverpool hatten nichts mit dem Titelkampf zu tun. Eine Steilvorlage für die Gunners, die sich lediglich gegen den kleinen, aber stärker werdenden Nachbarn aus Tottenham und das Überraschungsteam aus Leicester durchsetzen mussten. Nach dem Last-Minute-Sieg gegen den Tabellenführer aus Leicester machte sich wirklich jeder im roten Teil Londons große Hoffnungen auf den Titel.

Diese Träume hielten genau zwei Wochen an, denn auch diese Vorlage wurde leichtfertig verspielt. Nach einer vermeidbaren Niederlage gegen ein schwaches Manchester United, verlor man auch zuhause gegen den Abstiegskandidaten aus Swansea.

Es folgte ein Arsenal-typischer, mentaler Zusammenbruch, der binnen zwei Wochen auch noch das Ausscheiden aus dem FA Cup und das obligatorische Achtelfinal-Aus zur Folge hatte. Dass in Leicester ausgerechnet ein Team, dass nichts mit der Meisterschaft zu tun haben sollte, den Titel holte, brachte das Fass zum Überlaufen. Selbst bodenständigen Fans, denen die Umstände der Jahre 2007-2013 bewusst waren, begannen am Trainer zu zweifeln. Der Moment war gekommen, das erkannte auch der Trainer, doch er verpasste, es ihn in etwas Zählbares zu verwandeln. Es gab keine Ausreden mehr.

 

“All in”

Bei seiner letzten Vertragsverlängerung im Jahr 2015 gab sich Arsene Wenger selbst ein Ultimatum. Bis zum Ablauf seines Arbeitspapiers sollte der Titel her.

2016/2017 war demnach die letzte Chance dazu. Auf dem Transfermarkt wurde kräftigt investiert. Shkodran Mustafi und Granit Xhaka sollten für über 80 Millionen Euro die defensive Achse der Gunners stabilisieren. Darüber hinaus wurde für 20 Millionen Euro in Lucas Perez eine weitere Alternative für die Offensive verpflichtet. Der Moment war schon lange da, doch dieses Mal ging Arsene Wenger wirklich “all in”. Der Kader war, hinsichtlich der Breite, wohl der beste seit dem Ensemble der Invincibles. 

Nach dem verpatzen Auftakt gegen Liverpool, als man naiverweise eine Innenverteidigung mit insgesamt 43 Jahren Lebenserfahrung ins Rennen schickte,  folgte eine beeindruckende Serie von 14 Spielen ohne Niederlage. Eine Serie, gekrönt von einem 3:0 über Chelsea, die wieder zum Träumen anregte. Eine Illusion, wie sich bald herausstellte.

Aus nur drei Zählern Rückstand auf den Tabellenführer Chelsea wurden innerhalb von zwei Monaten ganze zwölf. Die Saison ist, Stand heute, gelaufen. Man kann sich also wieder auf Platz vier, „seinen“ FA Cup (Rekordsieger) und, zumindest zwei Wochen lang, auf das Achtelfinale der Champions League konzentrieren. Dort wartet mit dem FC Bayern mal wieder ein schwerer Brocken und das macht erfahrungsgemäß nicht gerade Hoffnung auf ein Weiterkommen.

Realistisch gesehen kann der FC Arsenal also nur auf den 13. FA Cup Sieg der Vereinsgeschichte hoffen. Gemessenen an den großen Versprechen von Chief Executive Ivan Gazidis , den kämpferischen Aussagen des Trainers und der Investitionen auf dem Transfermarkt ist das deutlich zu wenig.

Der Moment ist da, die Erfolge fehlen weiterhin…

 

Gründe

Der Kader ist also konkurrenzfähig, die Grundvoraussetzungen geschaffen und der Trainer? Der ist wohl nicht mehr in der Lage, sich der neuen wetteifernden Situation anzupassen und verpasst es aus den folgen Gründen, diesen elementaren Moment in zählbare Erfolge zu verwandeln.

  • Es fehlt der Mannschaft seit Jahren eine Siegermentalität, das Team wirkt regelrecht psychisch labil. Gerade in großen und richtungsweisenden Spielen versagt die Elf von Arsene Wenger regelmäßig und bricht ein. Es ist kein Zufall, dass man sich oft innerhalb von Wochen von sämtlichen Wettbewerben verabschiedete. Selbst im FA-Cup-Finale 2014, der Moment in dem eine neue Ära eingeläutet werden sollte, quälte man sich gegen einen Zweitligist gerade so in die Verlängerung.

Ein Beispiel: Diese Mentalität aus dem Jahre 2003, die auch durch Wenger eingehaucht wurde, ist komplett verloren gegangen.

  • Die blinde Treue zu Durchschnittsspielern, die immer wieder die Chance erhalten, tut in Sachen Mentalität ihr Übriges. Wenger ist bei seinen Spielern in der Regel äußerst beliebt. Das liegt natürlich auch daran, das seine Schützlinge nur selten mit ernsthaften Konsequenzen, wie z.B. Ersatzbank, Tribüne oder gar Verkauf, rechnen müssen. Ein Francis Coquelin ist bei all seinen kämpferischen Vorzügen zu limitiert und eine hervorragendes Beispiel für diesen Trend.
  • Das Zögern und die fehlende Risikobereitschaft auf dem Transfermarkt, was auch mit der blinden Treue zu seinen Spielern zusammenhängt, stehen der Entwicklung des gesamten Kaders im Weg. Zu oft wurde zu lange gewartet und wegen ein paar Euro gefeilscht, bis es schließlich zu spät war. Es herrschte in den letzten Jahren zu wenig Konkurrenzkampf, es fehlt weiterhin Qualität und das, obwohl die finanziellen Mittel endlich da sind.
  • Die Sturheit. Kaum ein Trainer hält so vehement an seiner Philosophie, Taktik und Konzepten fest wie der 67-Jährige Coach. Die heutigen Zeiten erfordern mehr Flexibilität.
  • Die ständigen Verletzungen. Liegt es an (veralteten) Trainingsmethoden? Setzt Wenger seine angeschlagenen Spieler zu oft und zu früh wieder ein? Trotz der Verpflichtung von DFB-Fitnesscoach Shad Forsythe gibt es pro Saison immer noch deutlich zu viele Verletzte, die insbesondere beim Schlussspurt fehlen.

Für Wenger sprechen mittlerweile nur noch Kontinuität, Sicherheit und ein Verhandlungsvorteil bei Spielerakquisen oder Vertragsverlängerungen. Insbesondere Mesut Özil bekannte sich mehrmals öffentlich zu Wenger, dessen Verbleib auch eine enorme Rolle bei seinem Wechsel und nun auch bei den Vertragsverhandlungen spielt.

Genügt das um die anscheinend nicht zu korrigierenden Probleme auszugleichen? Eher nicht. Der Verein muss endlich Risiken eingehen, um überhaupt die Möglichkeit eines weiteren Fortschritts zu erhalten.

 

 

Ehre, wem Ehre gebührt

Bevor man als “Gooner” Arsene Wenger jedoch in die Wüste schickt, sollte man sich für seine Leistungen dankbar zeigen. Der Franzose machte die Gunners zu einem Top-Klub und veränderte das komplette Image eines Vereins.

Arsene Wenger begeisterte mit seiner Art, Fußball zu spielen (“Wengerball”) ein ganzes Land. Nachdem er Anfang 2000 einen Weltklasse-Kader formte, 2004 mit Vorankündigung ungeschlagen Meister wurde und 2006 nur knapp und äußert unglücklich die Krönung im Champions League Finale verpasste, folgten die ehrenvollen, aber glanzlosen Verdienste des 67-Jährigen.

Trotz eines niedrigen Budgets und dem jährlichem Verlust von Leistungsträgern, hielt er die Nordlondoner über Wasser, das Team in der Champions League und trug einen ganzen Verein auf seinem Schultern. Auch bei einigen Angeboten von absoluten Top-Teams, die jährlich um das Tripel spielten, hielt Wenger sein Wort und blieb dem Verein treu.

(Photo ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

 

There’s only one Arsene Wenger …Arsenal FC

Die Gunners stehen vor der richtungsweisendsten Phase seit Ewigkeiten. Die Vertragsgespräche mit den Leistungsträgern Alexis Sanchez und Mesut Özil verlaufen zäh und der Trainer, der 20 Jahre für Kontinuität sorgte, will laut Times im Mai per Bauchgefühl entscheiden ob er bleibt.

Bei aller Dankbarkeit und Hochachtung (ich wiederhole mich, da ich großen Respekt vor Wengers Arbeit habe): Das Verhalten des Elsässers ist in diesem Fall schlichtweg egoistisch. Von seiner Entscheidung hängt nicht nur der Verbleib zweier Schlüsselspieler ab, sondern womöglich die sorgfältige Planung einer neuen Epoche und damit die Zukunft seines geliebten Vereins.

Dass der Vertrag unterschriftsbereit vorliegt, ist nicht seine Schuld. Die sportliche Ambition sollte hier insbesondere bei der Vereinsführung hinterfragt werden. Finanziell gesehen, ist das ständige Erreichen der Königsklasse, auch ohne Titel, für die Aktionäre recht risikofrei und lukrativ. Folglich ist der blinde Vertrauensvorschuss für den Trainer eigentlich auch keine Überraschung.

Es benötigt daher eine radikalere und ambitioniertere Denkweise, nicht nur auf dem Trainerstuhl, sondern im gesamten Verein. Die Zukunft des Arsenal Football Club darf nicht von einer Person abhängen, ganz egal, wer diese Person ist und was sie in 20 Jahren alles geleistet hat.

 

Kein Happy End…

In den letzten vier Jahren genoss Monsieur Wenger blindes Vertrauen und das ist, trotz seiner Verdienste, eine Seltenheit. Er hatte die Gelegenheit, zu beweisen, dass er auch in der modernen Fußballwelt erfolgreich sein kann. Eine neue Welt, in der Loyalität und Vertrauen leider nicht mehr an vorderste Stelle stehen.

Das ist nicht die Welt eines traditionellen Fußballromantikers, der mit dem skrupellosen und schnelllebigen Transfermarkt ebenso wenig zurecht kommt wie mit der schonungslosen Handhabe, die Loyalität zu seinen Spielern hinter den Erfolg zu stellen.

Bei allem Respekt, Dank und Anerkennung, der Verein sollte seinem Trainer-Urgestein die Entscheidung hinsichtlich der weiteren Zusammenarbeit schweren Herzens abnehmen. Aktuell gefährden die Verantwortlichen und Arsene Wenger selbst etwas, das größer ist als alles zusammen: Der Erfolg eines ganzen Vereins. Ein Verein mit viel Potential, der leider auf der Stelle tritt.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

“Arsene Wenger weiß, dass jetzt der Moment dafür gekommen ist.” , dieser Moment droht dem FC Arsenal gerade aus den Fingern zu gleiten. Für diesen Moment hat Wenger so ziemlich alles getan, was in seiner Macht steht und zugleich zu seiner strikten Philosophie passt. Was fehlt, ist der Lohn für 2o Jahre harte Arbeit, über 1100 Spiele an der Seitenlinie. Der Lohn für die Hingabe, Geduld und Loyalität. Der Lohn, der diese beeindruckende Trainerleistung, insbesondere während der ruhmlosen Zeiten, komplettieren würde. Die glorreiche Umsetzung eines jahrelang anvisierten Moments. Ein Lohn, den höchstwahrscheinlich ein Anderer ernten wird…

 

 

 

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Chris McCarthy

Chefredakteur

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