Nachspielzeit: Weitergedacht – Bayerns Pläne nach Heynckes

Zugegeben, dieser Text basiert auf keiner Information, sondern ist rein spekulativ. Er gibt lediglich die Gedanken des Redakteurs wieder, der sich mit dem Thema Jupp Heynckes und möglichen Nachfolgern im Sommer 2018 befasst hat, dabei auf kleine Zeichen und Details achtet und im Endeffekt auch ein bisschen seine Hoffnung einfließen lässt.

Wir blicken auf die mögliche Zeit nach Heynckes und führen auf, was der FC Bayern bei den möglichen Szenarien richtig machen muss, um nachhaltig den Schritt aus dieser negativen Entwicklung herauszugehen und gleichzeitig den so wichtigen Umbruch voranzutreiben.

Heynckes‘ Aufgaben bis zum Sommer

Ein Problem, das bei jeder möglichen Übergangslösung des FC Bayern bestanden hätte, ist die Tatsache, dass ein Trainer, dessen Abgang im kommenden Sommer bereits jetzt feststeht, natürlich keine große Rolle im bevorstehenden Umbruch spielen kann. Doch dazu später mehr. Jupp Heynckes hat sich aus dem Ruhestand verabschiedet, um „seinem“ FC Bayern zu helfen. Nur, wie kann er das? Welche Hebel kann der Triplesieger von 2013 in Bewegung setzen? Zuerst einmal hat er für das gewohnte Umfeld mit Peter Hermann und Hermann Gerland gesorgt. Die Abläufe sind also klar.

Fußballerisch wird Heynckes, der bereits bei seinen Überlegungen kundtat, dass er erst einmal alles analysieren muss, weil sich der Fußball während seiner Abstinenz weiterentwickelt hat, den Verein wohl kaum extrem weit nach vorne bringen. Er kann aber die Basis schaffen für einen nächsten Trainer, der dann eben den Fokus auf dieses Thema legen soll. Vielleicht hat er gerade aufgrund seiner Abstinenz auf Peter Hermann bestanden, der zuletzt mit Funkel Erfolge in Düsseldorf feierte. Bayern zahlte sogar eine Ablösesumme für den Co-Trainer, der seine Karriere dann im Sommer endgültig beenden könnte.

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Gerade zwischenmenschlich hörte man auch während seiner letzten Amtszeit nur gutes von Heynckes. Viele Spieler kennen ihn noch, er ist in der Lage auch einen größeren Kader gut zu managen. Rotationsprobleme sind eher nicht zu erwarten, die Spieler freuen sich bereits auf den Coach. Es geht nicht nur darum in dieser Saison gute Resultate einzufahren, sondern vor allem, die zwischenmannschaftlichen Probleme zu lösen. Heynckes soll die Stimmung verbessern, den Zusammenhalt stärken und der Mannschaft das gegenseitige Vertrauen zurückgeben. Was man international erreichen kann, wird man sehen. National ist die Chance auf den Titel wohl nicht wirklich gesunken.

Das Problem der Kaderplanung

Davon ausgehend, dass Heynckes der Mannschaft den Spaß zurückgibt und die Risse innerhalb des Teams wieder zusammenflicken kann, was sehr wichtig ist, rücken andere Schwierigkeiten in den Vordergrund. Es ist unklar, welche Rolle Heynckes im Umbruch des FC Bayern spielen kann. Klar, 2012, nach dem „Vize-Triple“ sprach Heynckes knallhart an, dass der Kader Verstärkungen in der Breite benötigen würde, bekam diese Verstärkungen und gewann das Triple, damals standen aber keine Schlüsselspieler vor ihren finalen Karrierejahren. Womöglich ist diese Saison für einen Franck Ribery bereits die letzte. Dies zu managen, wird sehr schwer.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Heynckes kann zwar Hoeneß und Rummenigge seine Meinung offenbaren, bei der Kaderplanung für die Saison 2018/19 wird er aber eher nicht mitwirken. Dabei muss diese relativ schnell beginnen. Der FC Bayern steht dummerweise aber ohne Kaderplaner Reschke da, Salihamidzic hat bereits genug damit zu tun, herauszufinden, ob er gerade die Meinung von Hoeneß oder Rummenigge, die ihn überdies zuletzt auch noch bei der Pressekonferenz nach dem Ancelotti-Aus im Stich ließen, vertreten soll.

Gerade wenn man keine, für das Selbstverständnis der Herren Rummenigge und Hoeneß, „absurden“ Summen ausgeben möchte, muss man schnell sein. Nicht nur was eine langfristige Planung, sondern vor allem auch deren Umsetzung betrifft. Manche Spieler, die im Sommertransferfenster in den Fokus der Topklubs rücken, die dann ein Wettbieten entfachen, wären im Februar, März oder April deutlich günstiger zu haben. Dieses Verhandeln im Hintergrund, diese innovative Herangehensweise, das schneller sein als andere Klubs, das muss der FC Bayern wieder generieren. Doch wie, wenn noch nicht klar ist, wer im Sommer überhaupt übernimmt?

Tuchel-Tweet als Zeichen?

Vielleicht ist aber bereits klar, wer den Klub im Sommer übernehmen wird. Ein interessanter Tweet des nicht gerade als vieltwitternden Thomas Tuchel sorgt zumindest dafür, dass Gedankenspiele erlaubt sind.

Das kann natürlich mehrere Dinge bedeuten. Einerseits könnte Tuchel ganz offen und ehrlich Heynckes für seinen Mut und seinen Schritt loben, andererseits aber auch hoffen, dass Heynckes den bestmöglichen Job macht, damit die Basis für die Tuchel-Übernahme im Sommer so gut wie möglich ist.

Klar ist, dass diese Annahme vollkommen spekulativ ist. Klar ist aber auch, dass der FC Bayern intensiv mit Thomas Tuchel verhandelt hat, Guardiola, der ein großer Tuchel-Freund ist, zu rate gezogen wurde und dass Tuchel einige Forderungen stellte, auch in sportlicher Hinsicht, dessen Inhalte nicht präzise genannt wurden. Könnte es nicht sein, dass eine Tuchel-Bedingung war, dass er nicht mitten in der Saison eine Mannschaft mit einer nicht gerade idealen Stimmung übernehmen wollte? Dass Tuchel die Aufgabe eher im Sommer angehen will, wenn die zwischenmenschlichen Dinge nicht mehr derart konfliktär sind?

Problem der Kaderplanung wäre gelöst

Möglicherweise hat Tuchel darum gebeten, dass er sich in Ruhe Gedanken um den Kader und diverse Veränderungen/Anpassungen machen kann, sofern ein guter Übergangstrainer gefunden wird. Die Heynckes-Gerüchte kamen erst kurz vor dessen Verpflichtung auf, eine „Absage“ gegenüber Tuchel wurde nicht kommuniziert, nicht einmal die Medien haben irgendetwas contra Tuchel gemeldet. Ganz abwegig scheint der Gedanke also nicht zu sein, gerade weil Tuchel in diesem Falle so akribisch wie eben möglich planen könnte.

Natürlich ist es genauso denkbar, dass Julian Nagelsmann oder ein ganz anderer Trainer im Sommer eine Rolle spielt. Die fachliche Klasse eines Tuchel ist aber natürlich unumstritten, die Tatsache, dass er zuletzt menschlich vielleicht etwas „komplizierter“ war, muss aber gleichermaßen nicht bedeuten, dass dies heute immer noch der Fall ist. Menschen lernen aus Fehlern, sammeln Erfahrungen und gerade Personen, die sich immer noch in einer Entwicklung befinden – und das trifft nach 2 Stationen auf Tuchel zu – können sich verändern.

Innovation als wichtigstes Kriterium

Nicht nur auf dem Transfermarkt ist die eben angesprochene Innovation ein wichtiger Faktor. Es gibt mehr finanzielle Großmächte im europäischen Fußball und immer mehr Teams sind dadurch in der Lage sich große Spieler zu kaufen, gute Trainer zu verpflichten und es werden immer früher hohe Summen für talentierte Spieler ausgegeben. Dementsprechend ist es wichtig, dass man auch in der Trainings- und Spielgestaltungen innovativ ist, die Entwicklungen im Fußball erkennt oder im Idealfall sogar selbst eben jene mitgestaltet.

(Photo by NIKOLAY DOYCHINOV/AFP/Getty Images)

Thomas Tuchel ist ein Fachmann, der mittlerweile bereits internationale Erfahrung hat und auch zumindest in einigen großen Spielen zeigen konnte, was taktisch in ihm steckt. Julian Nagelsmann ist ein Trainer der ganz jungen Generation, der die neuesten Entwicklungen bereits in der Ausbildung miterleben konnte, in Hoffenheim gute Leistungen zeigte und den Technik-Aspekt bei der Trainingsanalyse und -steuerung einfließen lässt. Innovationen und Methoden, die dem FC Bayern dem Vernehmen nach zuletzt fehlten.

Keine frühe Festlegung fahrlässig

Aufgrund dieser Dinge und des immer nich nicht gelösten Problems mit dem Umbruch wäre es fahrlässig, wenn sich der FC Bayern mit der Entscheidung über einen neuen Trainer viel Zeit lassen würde. Natürlich ist es einfach die Verträge mit Ribery und Robben bis 2019 zu verlängern, Serge Gnabry zurückzuholen und mit 1-2 Transfers zu hoffen, dass alles besser wird, eben mit einem neuen Trainer. Damit macht man es sich aber viel zu einfach und geht wieder neue Risiken, die man nicht kalkulieren kann.

Die nächsten 2-3 Transferperioden nach dem kommenden Winter könnten die entscheidenden sein. Der FC Bayern muss – und das ist klar – erkennen, dass sehr viel Arbeit vor dem Verein liegt, wenn man langfristig in der europäischen Spitze mithalten will. Wir sprachen bereits mehrfach an, dass zwar keinesfalls irgendetwas verloren ist, aber dass eine gesunde Skepsis durchaus vertretbar ist, gerade wenn man die zuletzt getroffenen Entscheidungen in Sachen Trainer, Sportdirektor und Transfers noch einmal Revue passieren lässt.

Mehr Kompetenzen in den Verein holen

Was man tun kann, ist klar: Einerseits müssen sich Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß eingestehen, dass sie Fehler gemacht haben, andererseits müssen mehr Kompetenzen, die auch eine klare Meinung vertreten, in den Verein geholt werden. Heynckes wird Dinge ansprechen, aber nicht lange genug im Klub sein, um viel zu bewirken. Tuchel wäre ein Kandidat, der auch die unangenehmen Dinge anspricht und vor allem schnell erkennt, was im Argen liegt. Natürlich gibt es, gerade in der sportlichen Führung, noch einen weiteren Kandidaten.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images)

Und zwar Philipp Lahm. Er erkannte schon zu Spieler-Zeiten, dass perspektivisch Probleme auftreten könnten. Natürlich will er Mitspracherecht und genau das würde der Verein auch benötigen. Etwaige Probleme mit den machthungrigen Vereinsbossen könnten dazu geführt haben, dass Lahm nicht bereits in Amt und Würden ist. Ob Lahm und Tuchel die Lösung schlechthin sind, kann man schwer beurteilen. Der Gedankengang ruft zumindest bei mir eine gewisse Vorfreude hervor. Und ganz ehrlich, Gespräche zwischen Philipp Lahm und Thomas Tuchel über Fußball würden definitiv auf dem höchsten Niveau stattfinden. Das wäre eine gute Basis.

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