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PL-Check I: Liverpool, ManUtd, Everton, Burnley

7. Januar 2019
Chris McCarthy

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PL-Check I: Liverpool, ManUtd, Everton, Burnley

Halbzeit in der Premier League, zumindest knapp drüber. Da am Wochenende der Pokal auf der Agenda stand, ist das für uns ein passender Augenblick, auf die bisherigen 21 Spieltage zurückzublicken und das Geleistete mit unserer ursprünglichen Prognosen vor der Saison zu vergleichen.

Den Anfang machen Liverpool, ManUtd, Everton, Burnley

FC Liverpool

(Platz 1 / 54 Punkte / 49:10 Tore)

Prognose vor der Saison

Solange die Mannschaft des FC Liverpool einen Lauf hat, kann sie jeden Gegner der Welt überwinden. Alleine durch eine intensive Spielweise ist das über eine volle Saison jedoch nicht aufrechtzuerhalten. Gelingt Klopp eine facettenreichere Spielstruktur, und dafür wurde die Grundlage im Sommer geschaffen, muss er Liverpool zum City-Verfolger Nummer eins machen.  

Zwischenanalyse:

Bereits nach 21 Spieltagen kann man zweifelsohne bestätigen, dass Jürgen Klopp die Umstellung zu einer nachhaltigeren und weniger kraftintensiven Spielstruktur gelungen ist. Die Reds begeistern weniger durch “Hurra-Fußball” – was keine Kritik ist – sondern überzeugen viel mehr durch Spielkontrolle, eine beachtliche Souveränität, Effizienz und Reife. Dadurch wurde auch das teilweise negativ behaftete “Spielglück” erzwungen, besonders sichtbar in Partien, die letzte Saison wahrscheinlich verloren gegangen wären.

(Photo PAUL ELLIS/AFP/Getty Images)

Das Aushängeschild des neuen FC Liverpool ist eine hervorragende Defensive (10 Gegentore) um Van Dijk und Keeper Alisson, die es nicht mehr zu kaschieren gilt, sondern nun als stabiles Rückgrat der kompletten Mannschaft fungiert. Darüber hinaus verfügt Klopp plötzlich über eine stark verbesserte Kadertiefe (Xherdan Shaqiri ist hier hervorzuheben) und durch den verspäteten Durchbruch von Neuzugang Fabinho auch über ein facettenreicheres Mittelfeldspiel. Ach ja, ganz nebenbei ist die Offensive um Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah nach wie vor eine der besten Europas. 

Fazit

Der FC Liverpool ist nicht nur City-Verfolger Nummer eins, sondern 2018/2019 ein ebenbürtiger Konkurrent auf den Titel. Die große Frage die sich nun stellt ist: Bleiben die Reds auch nach der ersten Saison-Niederlage – ausgerechnet gegen Manchester City – so souverän und nervenstark wie bisher oder werden sie nun beginnen, den Druck zu spüren? Wir werden sehen…

Premier League Zwischencheck, mit Uli Hebel von DAZN, als Podcast

Manchester United

(6. / 38 P. / 43:32)

Prognose vor der Saison

Trotz des tabellarischen Fortschritts ist es schwer zu bestätigen, ob Manchester United unter Mourinho wirklich auf einem guten Weg ist. In der Defensive tun sich personelle Fragezeichen auf und fokussiert sich das gesamte Team wie bisher auf die Verteidigung, mangelt es in der Offensive an Kreativität und Durchschlagskraft. Fred muss einschlagen und Pogba an seine Leistungen bei der Nationalmannschaft anknüpfen, sonst wird der zweite Platz schwer zu wiederholen sein.

Zwischenanalyse:

Zugegeben, da haben wir es in der Prognose noch sehr gut mit José Mourinho gemeint. Die Probleme in der Defensive konnten ohne personelle Nachbesserung nicht behoben werden und die Offensive fand aufgrund der gesamttaktischen Restriktionen nicht statt. Schlimmer noch, als die Meinungsverschiedenheiten zwischen Mourinho und Pogba ihren Höhepunkt fanden und der Franzose auf die Bank beordert wurde, ging ihr jegliche Kreativität verloren.

Nach dem hoffnungslosen Auftritt an der Anfield Road (1:3) am 17. Spieltag – mittlerweile elf Punkte Rückstand auf Platz vier und einem erschreckenden Torverhältnis von 29:29 – zog die Vereinsführung die Reißleine. Mourinho wurde entlassen und vorübergehend durch Ole Gunnar Solskjaer ersetzt.

(Photo by Ian MacNicol/Getty images)

Zweifelsohne die richtige Maßnahme. Nach dem Trainerwechsel wirkten die Red Devils regelrecht losgelöst von der Tristesse der Mourinho-Ära, fertigten sowohl Cardiff (5:1), Huddersfield (3:1), Bournemouth (4:1) als auch Newcastle (2:0) souverän ab. Ausschlaggebend dafür waren wohl weniger irgendwelche taktischen Handgriffe Ole Gunnar Solskjaers, sondern eher die Tatsache, dass es nicht Mourinho ist, der aktuell an der Seitenlinie steht. Die Mannschaft, allen voran Paul Pogba, hat wieder Spaß am Fußballspielen.

Fazit

Die neu eingekehrte Spielfreude wird definitiv zu einem ansehnlicheren Offensivfußball und mehr Toren führen. Die Probleme in der Hintermannschaft werden damit allerdings wohl kaum verschwinden, im Gegenteil. Die Top-Four sind in einer starken Saison an der Spitze jedenfalls außer Reichweite. Die Europa League ist das neue Ziel. 

Premier League Zwischencheck, mit Uli Hebel von DAZN, als Podcast

Everton

(11. / 27 P. / 31:31)

Prognose vor der Saison

Trotz der millionenschweren Transfers der letzten zwei Jahre, fehlt es dem Kader des FC Everton an einer stabilen Struktur. Marco Silva steht vor der schweren Aufgabe, dies durch ein durchdachtes Spielkonzept auszugleichen und eine ausbalancierte Mannschaft zu formen. Die enttäuschende Vorbereitung lässt vermuten, dass das Zeit benötigen wird. Mehr als Platz sieben und womöglich spielerische Fortschritte sind nicht drin.

Zwischenanalyse:

Nach nun 21 Spielen haben sich unsere Erwartungen vor der Saison mehr oder weniger erfüllt. Derzeit eher weniger. Die Bilanz der Toffees in den letzten fünf Spielen liest sich wie folgt: 1 Sieg, 4 Niederlagen und ein Torverhältnis von 8:12, das sogar noch von einem 5:1 über ein desolates Burnley beschönigt wird. 

(Photo by Lynne Cameron/Getty Images)

Die Defensive ist, wie unter Marco Silva zu erwarten, nicht das Prunkstück. Bereits 31 Gegentore – viele davon durch individuelle Fehler begünstigt – stehen auf dem Konto. Um so bedenklicher ist es, dass die eigentliche Stärke des portugiesischen Trainers, das Spiel nach vorne, derzeit so kränkelt. Trotz der guten Leistungen von Mittelfeldstratege Andre Gomes oder Spielmacher Gylfie Sigurdsson ist Rekordneuzugang Richarlison mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Die Offensive ist zu leicht auszurechnen. Ein Top-Stürmer fehlt schmerzlich.

Während man in der Defensive und im Mittelfeld beim FC Everton prinzipiell abwarten muss, wie sich die vielen Neuzugänge des vergangenen Sommers einspielen (Stichwort “Zeit” aus der Prognose), bedarf es im Sturm zweifelsohne externer Unterstützung. 

Fazit

Sollte dies im Winter nicht geschehen, wird es Everton wohl kaum gelingen, die löchrige Abwehr zu kompensieren und Platz sieben zu erreichen. Noch geht das in Ordnung, doch nach einem Jahr der Transition und weiteren zu erwartenden Verstärkungen im Winter/Sommer wird Silva spätestens 2019/2020 unter Zugzwang stehen. 

Burnley

(16. / 18 P. / 21:42)

Prognose vor der Saison

Die Mannschaft ist hervorragend ausbalanciert, verfügt über einen tollen Teamgeist und ist stark gecoacht. Sollten sich die Clarets jedoch wirklich für die Endrunde der Europa League qualifizieren, wird Dyche die limitierten Kräfte des Kaders klug einteilen müssen. Ganz abrutschen wird man nicht, doch ein erneuter siebter Platz ist wohl Utopie.

Zwischenanalyse:

In die Endrunde der Europa League kam der FC Burnley zwar nicht, doch alleine die Qualifikationsrunde machte dem Team von Sean Dyche zu Saisonbeginn sichtlich zu schaffen. Aus den ersten fünf Ligaspielen wurde lediglich ein Punkt geholt.

Photo by Clive Brunskill / Getty Images Sport

Obwohl die Doppelbelastung kein Faktor mehr ist, scheinen die Clarets nach dem missglückten Saisonstart etwas an Unbekümmertheit und Selbstsicherheit eingebüßt zu haben. Von der so disziplinierten, kampfstarken und effektiven Mannschaft der Vorsaison (Platz sieben) ist keine Spur mehr.

Nach 21 Spielen hat Burnley bereits mehr Gegentore (41) hinnehmen müssen als in der kompletten Spielzeit 2017/2018 (38). Bei der weiterhin kränkelnden Offensive – kein Spieler hat mehr als vier Tore erzielt – ist das eine schwer zu überwindende Hürde. 

Fazit

Dass Burnley die unglaubliche Vorsaison kaum wiederholen können würde, war absehbar. Dass eine von Top-Pragmatiker Sean Dyche trainierte aber limitierte Mannschaft einen derartigen Absturz erlebt, kommt dennoch überraschend. Die aufeinanderfolgenden Siege gegen West Ham und Huddersfield machen Hoffnung, dass man sich noch stabilisieren wird. Der Abstieg sollte zu vermeiden sein.

Teil II (ManCity, Leicester, Bournemouth, Cardiff) gibt es morgen…

Chris McCarthy

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