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PL-Check III: Tottenham, Watford, Brighton, Southampton

9. Januar 2019
Chris McCarthy

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PL-Check III: Tottenham, Watford, Brighton, Southampton

Halbzeit in der Premier League, zumindest knapp drüber. Da am Wochenende der Pokal auf der Agenda stand, ist das für uns ein passender Augenblick, auf die bisherigen 21 Spieltage zurückzublicken und das Geleistete mit unserer ursprünglichen Prognosen vor der Saison zu vergleichen.

Hier geht es zu Teil I: Liverpool, ManUtd, Everton, Burnley

Hier geht es zu Teil II: ManCity, Leicester, Bournemouth, Cardiff

Tottenham

3. Platz / 48 Punkte / 46:21 Tore

Prognose vor der Saison

Gerade nach der kraftintensiven Weltmeisterschaft und der suboptimalen Vorbereitung könnte Tottenham ohne die Vernachlässigung einer der drei großen Wettbewerbe im Rennen um die Top-Four dieses Mal die Luft ausgehen. Das ist in Anbetracht der finanziellen Umstände auch in Ordnung. Die Frage lautet eher, ob sich Harry Kane und Co. damit langfristig zufrieden geben werden…

Premier League Zwischencheck, mit Uli Hebel von DAZN, als Podcast

Zwischenanalyse:

Ohne Geld – der schleppende Stadionbau lässt grüßen- und damit ohne Neuzugänge ging der kleine und erschöpfte Kader der Spurs in die Saison 2018/2019. Die Erschöpfung war der Mannschaft spätestens Ende September auch sichtbar anzumerken. Tottenham fehlte es an Intensität, in den letzten Jahren eine große Stärke, und gerade den WM-Teilnehmern an Spitzigkeit.

(Photo by Stephen Pond/Getty Images)

Auf die Ergebnisse wirkte sich das allerdings kaum aus, denn die Mannschaft von Mauricio Pochettino verließ sich während der Schwächephase auf den neu gefundenen Pragmatismus. Mit einer kompakten Grundausrichtung, einer beeindruckenden Effizienz im Angriff, einem wiedererstarkten Moussa Sissoko, einem Heung-min Son in Top-Form und einem Harry Kane, der eben Harry Kane ist, trotzten die Londoner sowohl der Kritik als auch den müden Beinen und bissen sich in den Top-Four fest. 

Fazit

Dabei wird es 2018/2019 auch bleiben und das ist gemessen an dem kleinen, dafür aber unglaublich homogenen Kader, durchaus als Erfolg zu bewerten. Auf das Spitzenduo Liverpool und Manchester City fehlen noch einige Prozent. Prozent, die ohne externe Unterstützung nicht aufzuholen sind.

Watford

8. / 29 P. / 30:31 Tore

Prognose vor der Saison

Zaubert Watford vor Transferschluss nicht noch einen offensiven Kracher aus dem Hut, könnte es gerade im Spiel nach vorne eine lange Saison werden. Das zentrale Mittelfeld gibt Grund zum Optimismus, doch Chalobah und Doucoure müssen fit bleiben, damit die Hornets nicht plötzlich ganz tief in den Abstiegssumpf rutschen.

Zwischenanalyse:

Watford ist klammheimlich eine der positiven Überraschungen der Saison. Obwohl der oben angesprochene Kracher ausblieb, stehen die Hornets nach 21 Spieltagen auf einem mehr als zufriedenstellenden achten Tabellenplatz. 

(Photo by Stephen Pond/Getty Images)

Die Entscheidung der Vereinsführung, trotz der durchwachsenen Resultate an Trainer Javi Gracia festzuhalten, hat sich scheinbar ausgezahlt. Dem Spanier ist es gelungen, die zuvor äußerst anfällige Abwehr zu stabilisieren und wichtiger noch, ein homogenes, diszipliniertes Mannschaftsgefüge zu entwickeln. 

In allen Bereichen, sei es in der Offensive, Defensive, zuhause oder auswärts, ist Watford Durchschnitt. Gemessen an der letzten Saison und an den Befürchtungen 2018/2019 womöglich in die Abstiegszone zu rutschen, ist das bei 13 Punkten Vorsprung auf Platz 18 ein Fortschritt.

Fazit

Die Hornets könnten in der Rückrunde womöglich ein paar Plätze abrutschen. Mit dem Abstieg wird Watford jedenfalls nichts zu tun haben, dafür punktet man zu effizient gegen die Konkurrenten der unteren Tabellenhälfte.

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Brighton & Hove Albion

13. / 26 P. / 24:29 Tore

Prognose vor der Saison

Brighton hat keine signifikanten Abgänge vorzuweisen und den stabilen Kader klug und punktuell verstärkt. Prinzipiell verfügen Chris Hughton und die Seagulls über genügend Qualität, eine ruhige Saison ohne echte Abstiegssorgen zu spielen. Allerdings kommen mit Fulham und Wolverhampton zwei Aufsteiger in die Liga, die wenig mit dem Abstieg zu tun haben wollen. Es könnte knapp werden…

Zwischenanalyse:

Dass die Qualität vorhanden ist, sich auch im zweiten Jahr in der Premier League zu halten, war zu vermuten. Zweifel, dass das gute Abschneiden auch durch Anfangseuphorie und eine Prise Glück begründet war, etwa wie bei Huddersfield, bestanden dennoch.

(Photo by Nigel Roddis/Getty Images)

Um so beruhigter wird man im Süden Englands sein, dass man nach 21 Spieltagen zehn Punkte von der Abstiegszone entfernt ist. Ausschlaggebend dafür: Trainer Chris Hughton, der auch in Jahr zwei ein homogenes Kollektiv geschaffen hat und eine Mannschaft, die seine Vorgaben diszipliniert, leidenschaftlich und vor allem effektiv umsetzt. Die Seagulls verteidigen kompakt, arbeiten mit viel Energie und setzen pragmatische und gezielte Angriffe. Dabei stets im Fokus: Sturm-Routinier Glenn Murray, der sich mit 35 Jahren so torgefährlich zeigt wie nie zuvor (8 Tore).

Als würde das nicht genügen, verfügt Brighton über eine weitere große Stärke: Das heimische Amex-Stadium. Hier wurden nur zwei Spiele verloren und 18 der insgesamt 25 Punkte geholt, gleichbedeutend mit Platz sieben in der Heimtabelle. 

Fazit

Brighton & Hove Albion verfügt über eine sattelfeste Basis, eine intakte Mannschaftschemie und über einen Trainer der nicht nur weiß, wie er das Beste aus seinem Team herausholt sondern auch, wie er mit eventuellen Rückschlägen umzugehen hat. Die Seagulls sind sicher.

Southampton

Prognose vor der Saison

Southampton mangelt es in beinahe allen Mannschaftsteilen an individueller Qualität. Obwohl Hughes, bis auf das letzte Jahr in Stoke, immer wieder das Maximum aus solchen Teams herausholen konnte, war unter dem Waliser nur marginal eine Verbesserung zu erkennen. Jedenfalls nicht genug, um an ihm festzuhalten und ohne nennenswerte Verstärkungen in die neue Saison zu gehen. Ein langes Jahr bahnt sich an…

Zwischenanalyse:

Der Trend bestätigte sich und es scheint als hätte Southampton den Klassenerhalt im Vorjahr (der wohl eher der Tatsache geschuldet war, das drei Teams noch schlechter waren) überbewertet. Hätten die Saints nicht die Reißleine gezogen – auch wenn das Timing nach einem 2:2 gegen Manchester United seltsam war – würde die Zwischenanalyse hier deutlich negativer ausfallen.

(Photo ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Mit Ralph Hasenhüttl kam nämlich die Wende, zumindest der Ansatz dafür. Bereits im zweiten Spiel unter seiner Leitung, nur zehn Tage nach seiner Ankunft, demonstrierte die Mannschaft sämtliche Tugenden, für die der Österreicher in der Bundesliga bekannt war. Die Saints zwangen mit einer unglaublichen Laufleistung, aggressivem Pressing und präzisen Gegenangriffen den FC Arsenal mit 3:2 in die Knie. Ähnlich lief es beim 3:1 Erfolg im Sechspunktespiel gegen Huddersfield.

Dass der “Hasenhüttl-Effekt” so schnell Wirkung zeigen würde, war nicht zu erwarten. Die Niederlage gegen West Ham diente hier als Euphoriebremse. Doch bereits nach dem darauffolgenden 1:3 bei Manchester City holten die Saints ein beachtliches 0:0 an der Stamford Bridge.

Fazit

Die Spielphilosophie des Trainers, die mehr von der gesamttaktischen und läuferischen Leistung eines Kollektivs abhängt, kaschiert die individuellen Defizite der Saints. Eine für die Mannschaft ungewohnte Herangehensweise, die zwar zum Erfolg (Nichtabstieg) führen könnte, aber auch Kraft kosten wird. Der Klassenerhalt ist deutlich greifbarer als noch vor einem Monat. Knapp wird es dennoch…

Teil IV (Chelsea, Wolverhampton, Palace, Fulham) gibt es morgen…

Chris McCarthy

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