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PL-Check IV: Chelsea, Wolverhampton, Palace, Fulham

10. Januar 2019
Chris McCarthy

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PL-Check IV: Chelsea, Wolverhampton, Palace, Fulham

Halbzeit in der Premier League, zumindest knapp drüber. Da am Wochenende der Pokal auf der Agenda stand, ist das für uns ein passender Augenblick, auf die bisherigen 21 Spieltage zurückzublicken und das Geleistete mit unserer ursprünglichen Prognosen vor der Saison zu vergleichen.

Teil I: Liverpool, ManUtd, Everton, Burnley

Teil II: ManCity, Leicester, Bournemouth, Cardiff

Teil III: Tottenham, Watford, Brighton, Southampton

Chelsea 

4. Platz / 44 Punkte / 38:16 Tore

Prognose vor der Saison

Im Südwesten Londons bahnt sich ein Jahr der Transition an. Das 4-3-3 und die ballsichere, kurzpassorientierte Spielweise Sarris wird bei Chelsea weder über Nacht funktionieren, noch stehen dazu die geeigneten Spieler zur Verfügung. Darüber hinaus offenbart die Defensive einige personelle Fragezeichen. Ein weiteres Jahr ohne Champions League könnte sich anbahnen…

Premier League Zwischencheck, mit Uli Hebel von DAZN, als Podcast

Zwischenanalyse:

Die Umstellung auf den “Sarri-Ball” benötigte überraschend wenig Zeit. Chelsea kam mit der Spielpholosophie des italienischen Trainers sehr schnell zurecht, wofür sowohl ihm als auch der Mannschaft großes Lob gebührt. Erst am 13. Spieltag folgte in Form der ersten Saisonniederlage (1:3 gegen Tottenham) eine Erinnerung daran, dass die Blues noch ein Stück davon entfernt sind, wieder ein Titelkandidat zu sein.

(Photo by Jan Kruger/Getty Images)

Die Defensive ist wie erwartet eine Schwachstelle, die durch die hohen Ballbesitzwerte gut kaschiert wird. Gelingt es einem qualitativ hochwertigen Gegner, Taktgeber Jorginho auf der Sechs allerdings zu attackieren, ist die Hintermannschaft schnell entblößt. Darüber hinaus fehlt es den Londonern in der Offensive weiterhin an Durchschlagskraft. 38 Saisontore sind die mit Abstand wenigsten der Top-Four. 50% (!) davon gehen auf die direkte Beteiligung von Eden Hazard zurück. Dem Belgier fehlt es deutlich an Unterstützung. Weder der harmlose Sturm, noch das Mittelfeld strahlen Torgefahr aus.

Fazit

Obwohl den Blues zuletzt etwas die Luft ausging, ist man weiterhin auf Champions-League-Kurs. Viel mehr als der Kampf um einen Platz in den Top-Four war bei den Schwächen des Kaders ohnehin Utopie. Selbst wenn das nicht gelingt, dürfte man mit der Entwicklung unter Sarri zufrieden sein.

Wolverhampton

9. / 29 P. / 23:25 Tore

Prognose vor der Saison

Bei dem Kader des Aufsteigers wird manch etablierter Erstligist vor Neid erblassen. Die Abwehr wird auf höherem Niveau zwar das ein oder andere Mal entblößt werden, doch alleine was das Mittelfeld und der Angriff zu bieten haben, wird locker genügen, um sich sogar mit attraktivem Fußball in der Premier League festzubeißen.

Zwischenanalyse:

Rückblickend war die Prognose sicherlich zu vorsichtig formuliert. Einen einstelligen Tabellenplatz haben aber auch wir dem außergewöhnlichen Aufsteiger zweifelsohne zugetraut.

Nach 14 Spieltagen schien die verhaltene Prognose dennoch die richtige Wahl zu sein. Die Wolves spielten zwar sehr attraktiven Fußball, wurden aber durch ein zu naives Auftreten und die mangelhafte Chancenverwertung ein ums andere Mal um den verdienten Lohn gebracht. Die darauffolgenden Spiele dienten allerdings als Beispiel dafür, dass Trainer Nuno Espírito Santo seiner Mannschaft nicht nur guten Fußball beigebracht, sondern auch einen tollen Kampfgeist eingehaucht hat.

(Photo by David Rogers/Getty Images)

Wie auch in den Spielen selbst – Wolverhampton holte die drittmeisten Punkte nach Rückständen – meldete man sich von einer Negativserie von nur einem Punkt aus sechs Spielen eindrucksvoll mit Siegen gegen Chelsea und Tottenham zurück.

Fazit

Die Wolves haben sich schon jetzt in der Premier League mit schönem Fußball und einer erstliga-reifen Mentalität festgebissen. Der sichere Platz im Mittelfeld dürfte nur der Anfang sein.

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Crystal Palace

14. / 22 P. / 19:26 Tore

Prognose vor der Saison

Der Kader wurde punktuell verstärkt, Abgänge adäquat ersetzt. Insgesamt verfügt Crystal Palace über eine sehr ausbalancierte Mannschaft, die auf beinahe allen Positionen gleich mehrfach solide besetzt ist. Der Fußball ist pragmatisch, doch das sollte genügen, um diese Saison ohne großen Abstiegs-Schrecken erneut im Mittelfeld zu landen.

Zwischenanalyse:

Pünktlich zum Zeitpunkt dieses Zwischenchecks werden die Eagles der ursprünglichen Saisonprognose allmählich gerecht.

Nach einem durchwachsenen Saisonstart, mit acht Niederlagen aus den ersten zwölf Spielen, hat Crystal Palace die Kurve gekriegt. Aus den letzten fünf Spielen wurden zehn Zähler geholt, drei davon durch ein beeindruckendes 3:2 bei Manchester City. Der Abstand auf die Abstiegsränge beträgt mittlerweile sechs Punkte. Im Süden Londons hofft man, dass die Mannschaft von Roy Hodgson endgültig in der Saison 2018/2019 angekommen ist.

(Photo by Dan Mullan/Getty Images)

Das große Problem, das Toreschießen, sollte der englische Trainer dennoch in den Griff bekommen. Ohne den verletzten Christian Benteke fehlt Crystal Palace ein Fixpunkt für das pragmatische Offensivspiel. Darunter leidet vor allem der beste Spieler der Mannschaft: Wilfried Zaha. Der Ivorer ist im ungeliebten Sturmzentrum weitestgehend isoliert, hat erst drei Saisontore vorzuweisen und zuletzt am 15. September getroffen.

Fazit

Die Qualität und die Erfahrung der Eagles im Abstiegskampf sollte genügen, um nicht weiter rein zu rutschen. Crystal Palace wäre trotz der absehbaren Rückkehr von Benteke gut beraten, im Winter einen zuverlässigen Stürmer zu verpflichten, um auch die letzten Zweifel zu beseitigen.

Fulham 

Prognose vor der Saison

Fulham hat seinen soliden Aufstiegs-Kader nicht nur punktuell verstärkt, sondern signifikant aufgewertet. Wie auch Wolverhampton sollten die Aufsteiger aus London nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben und darüber hinaus noch einen ansehnlichen Fußball bieten können.

Zwischenanalyse:

Bei kaum einem Team lagen wir mit der Saisonprognose so weit daneben wie beim FC Fulham. Die Namen der Spieler, die im Sommer an Land gezogen wurden, waren groß. Die Anpassungsprobleme an die Premier League und vor allem innerhalb des neu zusammengewürfelten Kaders allerdings auch.

Eine schwierige Aufgabe für Aufstiegstrainer Slaviša Jokanović, der sich schwer tat, die richtige Balance zu finden. Schlimmer noch, er hatte nicht die Geduld, Kontinuität zuzulassen. Das gilt insbesondere für die Abwehr, wo der Serbe durch unzählige Veränderungen hinsichtlich Personal und Formation keine Ruhe rein bekam. Die Folge: Fünf Punkte nach zwölf Spieltagen bei einem Torverhältnis von 11:31.

(Photo IAN KINGTON/AFP/Getty Images)

Fulham zog die Reißleine und ersetzte Jokanović mit Leicester-Meistertrainer Claudio Ranieri. Die Bilanz des Italieners ist seitdem nur unwesentlich besser: Neun Punkte in neun Spielen, bei einer leicht verbesserten Defensive (8:16 Tore).

Auch wenn die Resultate bisher weitestgehend ausblieben, Ranieri deutete mit seiner simpleren und pragmatischeren Herangehensweise an, mit den Cottagers womöglich die Wende schaffen zu können.

Fazit

Garantiert ist das jedoch bei weitem nicht. Der Kader wurde über-, die damit verbundenen Anpassungen unterschätzt. In Fulham wird bis zum Ende gezittert. 

Teil V (Arsenal, West Ham, Newcastle, Huddersfield) gibt es morgen…

Chris McCarthy

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