Premier League Zwischencheck II: ManUtd, Arsenal, Watford, Crystal Palace & Stoke

Die Premier League Saison 2017/2018 hat die Halbzeitmarke bereits überschritten. Wir wollen für alle 20 Teams ein Zwischenfazit ziehen und ganz nebenbei den tatsächlichen Saisonverlauf der Mannschaften mit unseren ursprünglich getroffenen Prognosen vergleichen.

Spoiler: Wir lagen insgesamt gar nicht so weit daneben!

Teil 2: Manchester United, Arsenal, Watford, Crystal Palace, Stoke

 

Manchester United

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Dass die Teams von Mourinho in der Defensive stets überzeugen (zweitbeste Abwehr 2016/2017), ist zur Gewohnheit geworden und das sollte auch so bleiben. Die kostspielige, aber extrem systemfreundliche Verpflichtung von Lukaku wird die kränkelnde Offensive (nur 54 Tore) zwar beleben, doch mehr als 30 Tore kann auch der Belgier nicht schießen! Die langersehnte Rückkehr in die “Top-4” wird vielmehr davon abhängen, ob beispielsweise ein Pogba (24) die erhofften Fortschritte macht. Derzeit scheint einzig Henrikh Mkhitaryan (28) Kreativität zu versprühen. Platz vier ist durchaus machbar, allerdings lange nicht garantiert.

Analyse: Auf dem richtigen Weg

Die 300 Millionen Euro, die der derzeit auffällig launische José Mourinho in seinen Kader investierte, genügen eigenen Aussagen zufolge zwar nicht um mit Manchester City ernsthaft zu konkurrieren, doch der anvisierte Sprung in die “Top-4” verläuft derzeit nach Plan.

Manchester United beeindruckt zwar nicht durch attraktiven Fußball, sondern vor allem durch eiskalte Effizienz. Die Qualifikation zur Champions League scheint derzeit bei sechs Punkten Vorsprung auf Platz fünf jedenfalls garantiert zu sein und damit ist man voll im Soll. Der starke Saisonstart ließ einige Red Devils schon von der Meisterschaft träumen, doch das war aufgrund der durchaus noch vorhanden Lücken im Kader und der enormen Qualität des Stadtrivalen wohl reines Wunschdenken.

Die Offensive hat sich im Vergleich zum Vorjahr wegen dem perfektionierten Konterspiel deutlich verbessert und Romelu Lukaku konnte mit zehn Saisontoren in 21 Spielen auf dem Papier überzeugen. Die Bedenken, die die Kritiker in Anbetracht der hohen Ablösesumme (85 Millionen euro) bezüglich seines technischen Vermögens und seiner Effizienz äußerten, haben allerdings Substanz.

(Photo by OLI SCARFF/AFP/Getty Images)

Was muss besser werden?

Manchester United hat nach 22 Spieltagen zwar zwölf Tore mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr, aber gerade gegen die Top-Teams der Liga tut sich die dabei stets defensiv ausgerichtete Mannschaft von José Mourinho immer noch etwas schwer, viele Chancen zu erspielen. Um ganz oben mitzumischen benötigt es daher mehr Kreativität aus dem Mittelfeld, auch von Paul Pogba, von dem immer noch deutlich mehr erwartet werden kann.

 

Arsenal

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Die Rückkehr in die “Top-4” ist nämlich weitaus mehr wert, als eine potentiell satte Ablösesumme für den Torjäger [Alexis Sanchez]. Dies sollte, beflügelt von dem Systemwechsel, einem zusätzlich motivierten Arsene Wenger, der plötzlich hervorragenden Tiefe im Kader und einem lange vermissten reinen Knipser im Angriff auch gelingen. Talentiert genug war der Kader schon letztes Jahr. 2017 scheint das französische Urgestein fest entschlossen zu sein, die Gunners wieder auf die richtige Spur zu führen.

Analyse: Same old Arsenal

Auf dem Papier sah alles eigentlich ganz gut aus…eigentlich, denn obwohl Alexis Sanchez in Sachen Motivation und Einsatzwille trotz gescheitertem Wechsel zu Manchester City nicht nachließ, ist es ausgerechnet der formschwache Chilene, der durch seine engstirnigen Versuche, an seine Leistungen der Vorsaison anzuknüpfen, die gesamte Offensive bremst. Lediglich 40 Saisontore haben die Gunners nämlich auf dem Konto, ganze zehn weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr und das liegt weder am gut aufgelegten Mesut Özil, noch am vielversprechenden Neuzugang Alexandre Lacazette, deren Kombinationsfluss ständig unterbrochen wird.

Paart man das mit den Arsenal-typischen und eklatanten defensiven Konzentrationsschwächen, einem bisher sehr enttäuschendem Granit Xhaka und einem stark stagnierenden Petr Cech, so steht der FC Arsenal auf einem unnötigen sechsten Platz mit fünf Punkten Rückstand auf die Königsklasse, denn die teilweise durchaus ansehnlich spielenden Gunners haben unzählige Punkte in dieser Saison regelrecht verschenkt.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images,)

Was muss besser werden?

So absurd das für einen Mann mit zehn Torbeteiligungen in der laufenden Saison und ganzen 35 in der abgelaufenen Spielzeit auch klingt, aber die Gunners sollten ernsthaft in Erwägung ziehen, sich bei potentiellen Geboten für den im Sommer ablösefreien Alexis Sanchez verhandlungsbereit zu zeigen. Ohne den hitzköpfigen Chilenen, der Medienberichten zufolge nicht der beliebteste Mitspieler sein soll, wäre die potente Offensive noch direkter und der Einfluss von Spielgestalter Özil noch größer.

Ganz nebenbei wäre Arsenal gut beraten, sich nach namhaften Optionen für die Defensive umsehen. Etwas Konkurrenz könnte das Beste aus Granit Xhaka herausholen und die Innenverteidigung benötigt, auch wegen eines Laurent Koscielny, der sich mit Achillesehnenproblemen plagt und daher nicht ganz der Alte zu sein scheint, eine verlässliche Alternative.

 

 

Watford

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Seit dem Aufstieg 2015 war Watford nie wirklich in Abstiegsgefahr. Marco Silva deutete bereits bei Hull an, zu was er als Trainer in der Lage ist. Aufgrund seiner Verpflichtung und mit ein oder zwei weiteren, durchaus noch zu erwartenden Neuzugängen, sollte Watford auch in Jahr drei über genügend Qualität verfügen, um den Erstligastatus gerade so aufrecht zu erhalten.

Analyse: Abgelenkt

Lange schien der FC Watford die große Überraschung der Saison zu werden, doch dann kam der FC Everton und drohte, den damaligen Trainer-des-Jahres-Kandidaten Marco Silva abzuwerben.

Die offensive Spielweise der Hornets offenbarte zwar schon zu Saisonbeginn einige Schwächen in der Defensive, doch seitdem der Trainer nach nur wenigen Monaten im Amt mit einem Wechsel zu den Toffees liebäugelte und Mittelfeldstabilisator Nathaniel Chlobah sich am Knie verletzte, folgten Undiszipliniertheiten in Form von Platzverweisen, Vernachlässigungen der Positionen und Konzentrationsaussetzer.

Die Gerüchte um Marco Silva sind erst einmal vorbei, doch der Portugiese muss neben den Problemen in der Defensive auch den mannschaftlichen Zusammenhalt in den Griff kriegen, denn auch das Team weiß, dass ihr Trainer von einem vorzeitigen Abschied nicht abgeneigt war.

(Photo by Nigel Roddis/Getty Images)

Was muss besser werden?

Stabilität in der Mittelfeldzentrale, die gerade bei gegnerischen Kontersituationen quasi nicht existent war, ist durch die bevorstehende Rückkehr von Chalobah zwar in Aussicht, doch Watford wäre gut beraten auf dem Transfermarkt punktuell nachzulegen. Dies gilt natürlich auch für die Offensive, denn bei Top-Neuzugang Richarlison (20) ist aufgrund des intensiven Spielplans ein Leistungsabsturz wohl vorprogrammiert.

 

 

Crystal Palace

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Während wir stark davon ausgehen, dass Crystal Palace sich deutlich weiterentwickeln kann, bleibt es abzuwarten, ob die Mannschaft die ambitionierten Vorgaben von Frank De Boer direkt umsetzen kann. Qualitativ sind die Eagles mit Wilfried Zaha, Yohan Cabaye, Christian Benteke oder Scott Dann mehr als ausreichend gut besetzt, um dieses Mal nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten. Ein Platz im unteren Mittelfeld wäre realistisch und für den Start der neuen Ära auch zufriedenstellend. 

Analyse: Ungeduldig

Wir haben es ja fast befürchtet, die Mannschaft tat sich tatsächlich mit den modernen Vorgaben von Frank De Boer schwer, was den Niederländer letztendlich, nach nur vier Spieltagen und ohne einen erzielten Treffer, den Job kostete. Obwohl Crystal Palace zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hoffnung machte, dass Ruder herumreißen zu können, ist diese Entscheidung der Vereinsführung wohl zweifelsohne als ungeduldig zu bezeichnen. Wie soll eine Mannschaft, die Jahre lang vom “Kick and Rush” lebte, innerhalb weniger Wochen einen ansehnlichen, ballbesitzorientierten Fußball umsetzen?

Sei’s drum, unter Trainer-Legende Roy Hodgson kam die, zugegebenermaßen fußballerisch etwas unattraktivere, wenngleich effektive Wende. Insbesondere die Qualität von Wilfried Zaha und Co. setzt sich durch, sodass die Eagles nach nur einer Niederlage in den letzten zehn Spielen die Abstiegszone verlassen konnten und eigentlich nicht wieder in größere Gefahr rutschen sollten…eigentlich…

(Photo by Steve Bardens/Getty Images)

Was muss besser werden?

Roy Hodgson hat die defensiven Probleme scheinbar korrigiert und die Eagles sind auf einem guten Weg. Nun muss der ehemalige Nationaltrainer einen Weg finden, den hoch talentierten Ruben Loftus-Cheek in die erste Elf zu integrieren. Zuletzt kam die Leihgabe des FC Chelsea nur auf dem Flügel zum Einsatz und das, obwohl er seine Qualitäten eindeutig im Zentrum am besten unter Beweis stellen kann und hier sogar schon für die englische Nationalmannschaft starke Leistungen zeigte. Der 21-Jährige ist schlicht weg zu gut, um aus taktischen Gründen auf der Bank zu sitzen oder auf dem ungeliebten Flügel zu versauern.

 

Stoke

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Stoke muss auf dem Transfermarkt aktiv werden….sonst könnte man plötzlich ganz tief in den Abstiegskampf rutschen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass den Verantwortlichen dies – auch wenn sie sich bei der Umsetzung etwas zu viel Zeit lassen – bewusst ist. Sollten noch drei bis vier einflussreiche Neuzugänge verpflichtet werden, wird der ganz große Absturz wohl ausbleiben. Viel eher ist davon auszugehen, dass die Potters 2017/2018 erstmal auf der Stelle treten.

Analyse: Schlimmer, als befürchtet

Dass Stoke nach dem Abgang von Marko Arnautovic Probleme in der Offensive haben würde, war abzusehen. Paris-Leihgabe Jesé konnte die Lücke, die der Österreicher hinterließ, trotz Debüt-Tor gegen Arsenal nicht ansatzweise schließen und stand zuletzt nicht mehr im Kader. Der gut aufgelegte Xherdan Shaqiri und der phasenweise überzeugende Eric Maxim Choupo-Moting sind in der Offensive folglich komplett auf sich alleine gestellt.

Die überraschende Schwachstelle der laufenden Saison ist allerdings die Abwehr und das obwohl in Bruno Martins Indi und Kevin Wimmer nach unserer Vorschau noch zwei weitere Verteidiger verpflichtet wurden! Weder sie, noch der leichtsinnige Kurt Zouma konnten wirklich überzeugen und so steht Stoke im Gegensatz zu Platz neun im Vorjahr nach eben so vielen Spieltagen mit ganzen 13 Gegentoren mehr auf einem Abstiegsplatz!

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Was muss besser werden?

Wie oben bereits angeschnitten, natürlich die Defensive, aber auch die Entlastung durch das Mittelfeld und die Offensive. Es hakt an allen Ecken und Enden und da vor allem im Abwehrverbund, die eigentliche Stärke der Potters, personell genügend Qualität vorhanden ist, wird die Luft für Trainer Mark Hughes immer dünner.

UPDATE: Nach dem peinlichen Aus im FA Cup gegen Viertligisten Coventry City, musste Hughes tatsächlich einen Platz räumen.

 

 

Teil 1: Manchester City, Tottenham, Everton, Newcastle, Southampton

 

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Chris McCarthy

Chefredakteur

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