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Premier League Zwischencheck IV: Liverpool, Leicester, Brighton, West Ham & Swansea

8. Januar 2018
Chris McCarthy

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Premier League Zwischencheck IV: Liverpool, Leicester, Brighton, West Ham & Swansea

Die Premier League Saison 2017/2018 hat die Halbzeitmarke bereits überschritten. Wir wollen für alle 20 Teams ein Zwischenfazit ziehen und ganz nebenbei den tatsächlichen Saisonverlauf der Mannschaften mit unseren ursprünglich getroffenen Prognosen vergleichen.

Spoiler: Wir lagen insgesamt gar nicht so weit daneben!

Teil 4: Liverpool, Leicester, Brighton & Hove, West Ham, Swansea

 

Liverpool

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Auf den ersten Blick scheint der Kader nicht breit genug aufgestellt zu sein, um bei drei Wettbewerben auf Dauer (!) eine nennenswerte Rolle zu spielen. Hinzu kommt, dass die englische Konkurrenz nicht geschlafen und sich signifikant verstärkt hat. Falls die Reds nicht noch den ein oder anderen Kracher auf dem Transfermarkt landen, und damit ist kein potentieller Ersatz für Coutinho gemeint (unten mehr), wird es wohl schwer, wieder in die “Top-4” zu stoßen.

Analyse: Auf Kurs

Die Verpflichtung Mohamed Salahs hat sich als absoluter Volltreffer erwiesen und macht die ohnehin schon mehr als potente Offensive zu einer der gefährlichsten Europas. Wie so oft in den vergangenen Jahren täuscht diese über die ein oder andere Baustelle im Kader der Reds hinweg und auch der mittlerweile offizielle Abgang von Philippe Coutinho wird den Kader von Jürgen Klopp weiter schwächen.

Einer der weiteren Baustellen ist, neben der fehlenden Struktur im Mittelfeld, seit geraumer Zeit die wackelige Innenverteidigung. Diese Problemzone wurde in Virgil van Dijk (85 Millionen Euro Ablöse) zwar kostspielig, allerdings mehr als adäquat schon jetzt adressiert, während Naby Keita bekanntlich erst zur neuen Saison die Schaltzentrale aufwerten wird.

(Photo PAUL ELLIS/AFP/Getty Images)

Was muss besser werden?

Liverpool könnte zweifelsohne punktuelle Verstärkung gebrauchen, denn die herausragende Offensive täuscht auch über die mangelnde Breite hinweg, die den Reds aufgrund der intensiven Spielweise meistens zum Jahreswechsel zum Verhängnis wird. Darüber hinaus muss ein adäquater Nachfolger für Coutinho verpflichtet werden, auch wenn die mannschaftliche Abhängigkeit von einem Individuum, wie von Klopp erhofft, immer mehr von der mannschaftlichen Geschlossenheit verdrängt wird.

Bei aktuell vier Punkten Vorsprung auf Platz fünf ist die erneute Qualifikation zur Königsklasse auch ohne Coutinho wegen der herausragenden Offensive und der ambitionierten Verpflichtung von Virgil van Dijk eigentlich selbst herbeigeführte Pflicht, jedoch alles andere als garantiert.

 

Leicester

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Die unter Shakespeare wieder entdeckten Tugenden der Meistersaison, wie Leidenschaft, Laufbereitschaft und blitzschnelles Umschaltspiel, sollten, ohne die letztjährige Belastung durch die Champions League, dafür sorgen, dass man an die starken Leistungen vom Saisonende anknüpft. Der Kader ist, auch wenn Drinkwater und Mahrez gehen, breiter aufgestellt und qualitativ gut genug, um in die obere Tabellenhälfte zu schielen. 

Analyse: Achterbahn

Eigentlich schien Leicester unter Ranieri-Nachfolger Shakespeare auf einem guten Weg zu sein, doch wieder benötigte das Team einen Trainerwechsel, um, zumindest vorerst, in die Spur zurückzukehren. Claude Puel übernahm die Foxes, feierte erst vier Siege in Folge, ehe es vier Partien ohne Dreier gab. Irgendwie tritt man in Leicester auf der Stelle und obwohl in Harry Maguire ein hervorragender Innenverteidiger entdeckt wurde, machte zuletzt gerade die Abwehr Probleme.

Der Fußball ist seit der Verpflichtung des französischen Trainers attraktiver und direkter geworden, doch es fehlt an der defensiven Kompaktheit, um das erfolgreiche Konterspiel der Meistersaison auch heute als Basis zu nutzen.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Was muss besser werden?

Wir haben es bereits angedeutet: Die Defensive. Abhilfe ist eventuell durch den bereits im Sommer verpflichteten Adrien Silva in Sicht, der aufgrund der verpassten Sommer-Deadline erst ab Januar spielberechtigt ist und die Mittelfeldzentrale mit dem talentierten Wilfried Ndidy festigen sollte. Darüberhinaus wäre es hilfreich, wenn der im Sommer noch so hochgelobte Neuzugang Kelechi Iheanacho, für den Manchester City sogar eine Rückkaufoption in Höhe von knapp 60 Millionen Euro besitzt, endlich die erhoffte Verstärkung wird.

Ach ja, der wechselwillige Riyad Mahrez, der trotz gescheiterten Karrieresprungs sieben Tore und acht Assits beisteuerte, muss nicht nur gehalten, sondern, zumindest für die Rückrunde, ausreichend motiviert werden.

 

 

Brighton & Hove Albion

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Natürlich sind die finanziellen Möglichkeiten der Seagulls im Vergleich zu den Dauerbrennern der Liga äußerst limitiert. Seine Offensivhoffnungen allerdings ausschließlich in einen 33-Jährigen [Glenn Murray] zu setzen, könnte sich als naiv entpuppen. Die etablierten Leistungsträger des Teams, beispielsweise Steve Sidwell (34) oder Kapitän Bruno (36) sind bereits im fortgeschrittenen Alter und werden in der ersten Liga mehr Unterstützung benötigen, ansonsten droht der direkte Abstieg. Es wird ein langes Jahr für den Aufsteiger…

Analyse: Die Defensive hält

Die Offensivhoffnungen ruhen im Endeffekt tatsächlich auf dem 33-jährigen, der sechs der bescheidenen 17 Saisontore Brightons beisteuern konnte. Belebt wird der Angriff jedoch vor allem durch Schnäppchen Pascal Groß! Der deutsche Spielgestalter kam für lediglich drei Millionen Euro aus Ingolstadt und war, vor allem durch Standards, bisher an neun Treffern direkt beteiligt. Das war’s allerdings auch schon mit der “Torfabrik”.

Immerhin sind die Seagulls spritziger, variabler und etwas tiefer aufgestellt als prognostiziert, denn die Neuzugänge Davy Pröpper oder Ezequiel Schelotto sind eingeschlagen und so werden die Dienste der oben angesprochenen “alten” Aufstiegshelden kaum benötigt. All zu gemütlich sollte es sich die Mannschaft von Chris Hughton auf Platz zwölf allerdings nicht machen, denn der Abstand auf die Abstiegsplätze beträgt gerade einmal drei Zähler.

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Was muss besser werden?

Wenngleich Brighton & Hove die beste Defensive der unteren Tabellenhälfte vorzuweisen hat (27 Gegentore), ist der Angriff, wie erwartet, das große Problemkind. So gut Pascal Groß seine Rolle auch spielt, er und Anthony Knockaert, von dem man sich etwas mehr erhoffte, brauchen dynamischere Anspielstationen in der Spitze. Die Leihe von Chelsea-Stürmer “Izzy” Brown kann getrost als Flop bezeichnet werden. Wenigstens zeigen die Gerüchte um Celtic-Stürmer Moussa Dembélé, das Brighton ambitionierte Pläne hat, hier im Winter nachzulegen…das wird auch nötig sein um den Abstieg zu verhindern.

 

West Ham

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

Die Konkurrenz im Mittelfeld der Tabelle hat im Sommer jedoch nicht gerade geschlafen und bei einem Fehlstart, was bei dem Saisonauftakt von drei Auswärtsspielen in Folge (bedingt durch die Leichtathletik-WM) bei Southampton, Manchester United und Newcastle United, nicht gerade abwegig ist, könnte es schon früh zu Unruhen kommen. Die Fans der Hammers sollten daher ihre Erwartungen etwas bremsen. Ein leichter tabellarischer Fortschritt ist realistisch und nach einer Saison, in der man sogar kurzzeitig mit dem Abstiegskampf flirtete, auch absolut in Ordnung. Doch genügt auch dem Vorstand ein weiteres Jahr im Niemandsland der Tabelle oder wird Slaven Bilic vielleicht zu einem Opfer zu hoher Erwartungen?

Analyse: Erwartungen übertroffen

Die Antwort ist “Nein”, denn der Saisonstart hatte tatsächlich drei Niederlagen für die Hammers parat, von denen sich die Mannschaft und Trainer Slaven Bilic nicht erholen konnten. Der Kroate tat sich schwer, die neuen Spieler in seinem System einzubringen und verlor dementsprechend, endgültig im Abstiegskampf angekommen, am elften Spieltag seinen Job.

David Moyes übernahm und schien, nach vier sieglosen Spielen zum Auftakt, ausgerechnet beim Sieg gegen Chelsea und dem Unentschieden gegen Arsenal die Defensive repariert zu haben. Das hielt jedoch nicht lange, denn West Ham offenbart, sobald man das Spiel selbst machen muss, noch immer erhebliche Defizite im Abwehrverbund.

Bei nur einem Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge hat West Ham noch alle Hände voll zu tun.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Was muss besser werden?

Glücklicherweise sind in London finanzielle Mittel vorhanden, um im Winter punktuell nachzulegen. Qualität ist auf dem Papier zwar genügend vorhanden, um sich aus dem Tabellenkeller zu befreien, doch irgendwie laufen insbesondere die Routiniers ihrer Form hinterher. Moyes muss neben seinen Problemkindern daher vor allem die Balance zwischen Defensive und Angriff in den Griff kriegen.

 

Swansea

In unserer Saisonvorschau im August sagten wir:

So oder so, Swansea sollte nachbessern, denn auch kommende Saison wird es, trotz der guten Arbeit von Paul Clement, wohl gegen den Abstieg gehen. Der Kader bewies einen unbändigen Willen, doch das wird nicht genügen, denn die Qualität wird durch den drohenden Abgang von Sigurdsson noch weiter abnehmen. Von den Millionen mindestens zwei bis drei neue unangefochtene Stammspieler zu holen ist Pflicht, sonst könnten die Swans 2018 tatsächlich untergehen.

Analyse: Swans ertrinken…

Nach den Abgängen von Sigurdsson und Llorente war es klar, dass die bevorstehende Saison nicht einfach werden würde. Da aber auch die Neuzugänge Wilfried Bony, Sam Clucas und vor allem Renato Sanches nicht zu überzeugen wussten, steht Swansea heute mit vier Punkten Abstand auf dem letzten Tabellenplatz.

Trainer Paul Clement konnte, anders als im Vorjahr, die mangelnde Qualität nicht durch sein taktisches Konstrukt oder eingehauchten Kampfgeist ausgleichen und musste somit am 18. Spieltag seinen Posten räumen. Carlos Carvalhal übernahm, holte in seinem ersten Spiel durch zwei späte Tore gleich seinen ersten Dreier und die Mannschaft zeigte sich trotz der folgenden Niederlage gegen Tottenham deutlich verbessert.

(Photo by Stu Forster/Getty Images)

Was muss besser werden?

So düster die Hinrunde auch war, es besteht durchaus Hoffnung im Liberty Stadium. Der neue Trainer scheint etwas bewirken zu können und obwohl auch ein Renato Sanches in einer offensiveren Rollen endlich Leistung zeigt, benötigen die Waliser vom Winter-Transferfenster zweifelsohne externe Unterstützung. Noch sind die Schwäne nicht untergegangen…

 

 

 

Teil 1: Manchester City, Tottenham, Everton, Newcastle, Southampton

Teil 2: Manchester United, Arsenal, Watford, Crystal Palace, Stoke

Teil 3: Chelsea, Burnley, Huddersfield, Bournemouth, West Bromwich

Chris McCarthy

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