Reschkes erster Streich: Santiago Ascacibar im Porträt

Er ist 20 Jahre alt, geboren in La Plata, Argentinien und 1,68m groß: Santiago Ascacibar. Der zentrale Mittelfeldspieler wechselte von Estudiantes de la Plata zum VfB Stuttgart und kostete rund 8 Millionen Euro an Ablöse. Dieser Transfer dürfte zumindest in letzter Konsequenz auf Michael Reschke zurückzuführen sein. Der neue Sportchef des VfB Stuttgart hat seine Arbeit sofort akribisch aufgenommen, ist hervorragend vernetzt und der Meinung, dass dieser Spieler das Geld wert ist. 

Doch was bringt Santiago Ascacibar für Qualitäten mit? Der U20-Nationalspieler Argentiniens mag vielleicht nur Insidern bekannt sein, aber Reschke ist durchaus zuzutrauen, dass er ihn bereits seit geraumer Zeit verfolgt. Bei der U20-WM zeigte er gute Ansätze, nun geht er den Schritt nach Europa.

Lange im Heimatverein

Bereits sehr früh schloss sich Santiago Ascacibar dem größten Verein in seiner Heimatstadt, Estudiantes, an. Mit 9 Jahren spielte er schon für die Jugendabteilung des Klubs, debütierte im Februar 2016 als damals noch 18-jähriger in der höchsten argentinischen Spielklasse gegen Lanus. Bei Estudiantes de la Plata konnte er sich in Ruhe entwickeln und wurde sukzessive zu einem immer größeren und wichtigeren Bestandteil der Mannschaft.

(Photo by Buda Mendes/Getty Images)

Nebenbei wuchs er auch in den Juniorenauswahlmannschaften zu einem elementar wichtigen Spieler heran. Er nahm an den olympischen Spielen teil, wurde Mannschaftskapitän der U20-Nationalmannschaft und lernte hier früh Verantwortung zu übernehmen. Der Reifeprozess ging schnell vonstatten, auch fußballerisch war die Entwicklung zufriedenstellend.

Giftiger, laufstarker Spieler

Ascacibar ist ein Mittelfeldspieler, wie man ihn sich wünscht. Der Argentinier ist laufstark, gibt keinen Ball verloren, gewinnt viele Zweikämpfe und sorgt für eine defensive Stabilität. Schon mit seinen 20 Jahren ist er ein Leader, der seine Mitspieler mitreißen kann. Seine Mentalität ist hervorragend, passt zu Hannes Wolf und seinem intensiven Spiel. Sein Stellungsspiel ist gut, zudem antizipiert er häufig genau richtig, bereinigt Gefahrenpotenzial schon im Ansatz.

Doch nicht nur defensiv tritt Ascacibar in Erscheinung. Auch im offensiven Bereich kann er Aufgaben übernehmen. Sein Passspiel ist gut, in der argentinischen Liga brachte er über 84 % der Zuspiele an den Mann. Nach der Balleroberung spielt er gerne kurze, schnelle Pässe, um den Ballbesitz zu bewahren und gleichzeitig Konterangriffe einzuleiten, bei denen er sich mit in die Offensive einschaltet. Hier ist er in der Lage, den letzten oder vorletzten Pass zu spielen, geht gerne auch einmal ins Risiko oder versucht einen Distanzschuss.

Investition in die Zukunft

Ascacibar unterschrieb beim VfB Stuttgart einen Vertrag bis 2022, muss sich nun erst einmal an seine neue Umgebung gewöhnen. Der Argentinier wird am Wochenende noch nicht zum Einsatz kommen, benötigt ohnehin erst einmal seine Arbeitserlaubnis und ist nach Südamerika gereist. Am Wochenende wird er in Stuttgart zurückerwartet, seinen ersten Einsatz dürfte er nach der Länderspielpause bekommen. Beim VfB weiß man, dass sich eine gewisse Geduld in dieser Personalie auszahlen dürfte.

(Photo by JUAN RUIZ/AFP/Getty Images)

Der Spieler bringt alle nötigen Qualitäten, nicht nur fußballerisch, sondern auch charakterlich mit, um sich langfristig durchzusetzen. Je nach Entwicklung des VfB könnte er das Spiel der Schwaben längerfristig prägen, immer mehr Verantwortung übernehmen und sich zu einem Spieler entwickeln, der auch für andere, größere Klubs interessant ist. Über eine Ausstiegsklausel im Vertrag des 20-jährigen ist nichts bekannt, ein Weiterverkauf wäre im Falle einer erfolgreichen Eingliederung und späteren, guten Entwicklung also definitiv ein Gewinn für die Stuttgarter.

Doch daran denkt man beim VfB zurzeit überhaupt nicht. Man möchte den Spieler so schnell und so herzlich wie möglich aufnehmen und seine Qualitäten schnellstmöglich auf dem Platz sehen. Eine gewisse Eingewöhnungszeit muss man ihm geben, der Fußball in der Bundesliga ist schneller, läuferisch anspruchsvoller und es kommen noch Sprachprobleme hinzu, die zunächst überwunden werden müssen.

Mögliche Rolle beim VfB

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass die Konkurrenz im Mittelfeld der Schwaben nicht gerade klein ist. Kapitän Christian Gentner ist größtenteils gesetzt, hinzu kommen mit Grgic, Mangala, Burnic, Ofori und dem zumindest zurzeit noch im Kader stehenden Sarpei weitere, junge Optionen. Seine Hauptkonkurrenten scheinen derzeit vor allem Mangala und Ofori zu sein, BVB-Leihgabe Burnic hinterließ zumindest in der Vorbereitung einen sehr guten Eindruck.

(Photo by ALEJANDRO PAGNI/AFP/Getty Images)

Stuttgart ist durch diese breite Besetzung im zentralen Mittelfeld sehr flexibel, kann verschiedene Kernkompetenzen auf den Platz schicken. Gentner bringt vor allem eine gewisse Erfahrung mit, Ascacibar könnte neben ihm mit seiner Zweikampfstärke und der guten taktischen Ausbildung punkten, entstehende Lücken schließen und im Wechselspiel mit dem Kapitän immer wieder offensive Akzente setzen.

Aber auch in einer anderen Rolle, als alleiniger 6er vor der Abwehr in einem 3er-Mittelfeld, könnte Ascacibar einen guten Einfluss auf das Spiel des VfB haben. Mit ihm steigen auf jeden Fall die Möglichkeiten für Hannes Wolf. Im Verein ist man rundum glücklich mit diesem Neuzugang und es ist durchaus zu erwarten, dass der Argentinier die Fans des VfB ebenso schnell überzeugen wird. Die Klasse dazu bringt er auf jeden Fall mit.

 

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