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U20-WM: Favoritencheck

18. Mai 2017
Manuel Behlert

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U20-WM: Favoritencheck

Am Samstag, den 20. Mai beginnt die U20-WM in Südkorea. Einige starke Nationen mit namhaften Spielern wollen den Titel in ihr Land holen. Die verhältnismäßig kurze Vorbereitung und Spieler, die teilweise erst etwas später eintreffen, erschweren die Arbeit der Trainer. Einen Topfavoriten gibt es nicht, jedoch zahlreiche Mannschaften, die unter gewissen Umständen eine sehr gute Rolle spielen können. Der Favoritencheck!

 

Technische Finesse – Argentinien

Die argentinische Mannschaft gilt als einer der Favoriten auf den Weltmeistertitel. Vor allem das Mittelfeld besticht durch Qualität, in der Defensive muss man kleinere Abstriche machen. Die Mannschaft von Trainer Claudio Ubeda (47) trifft gleich zum Auftakt des Turniers auf Mitfavorit England. Dieses Spiel wird als Standortbestimmung dienen und den weiteren Weg für dieses Turnier ebnen. Argentinien hat traditionell eine technisch versierte Mannschaft zusammengestellt, die einiges zu bieten hat.

Das Mittelfeld mit Santiago Ascacibar in der Defensive und Lucas Rodriguez in der Offensive scheint das Prunkstück der Mannschaft zu sein. Ascacibar ist der Kapitän der Mannschaft und steht bei Estudiantes de la Plata unter Vertrag, kommt dort regelmäßig zum Einsatz. Sein Teamkollege Rodriguez bestritt in dieser Saison ebenfalls zahlreiche Spieler, ist im offensiven Mittelfeld unersetzbar und strahlt jederzeit Torgefahr aus. Er gilt aber auch als besonders guter Vorbereiter. Der Angriff um Ponce, Martinez und Conechny ist brandgefährlich, harmoniert gut miteinander und ist auch individuell auf einem hohen Niveau.

(Photo by ALEJANDRO PAGNI/AFP/Getty Images)

Argentinien gilt als individuell beste Mannschaft der starken Südamerika-Fraktion, musste aber zu Beginn des Jahres eine herbe 0:3-Niederlage in Ecuador einstecken. Wichtig wird sein, dass die Argentinier ihre Stärken gewinnbringend einsetzen und vor allem im Kollektiv versuchen, die kleinen Probleme in der Defensive zu beheben. Gelingt das, haben die Argentinier große Chancen auf ein hervorragendes Turnier.

Zahlreiche Ausnahmekönner – Frankreich

Die Franzosen müssen versuchen aus ihren individuell hervorragenden Spielern eine Einheit zu bilden, die füreinander kämpft und den Gesamterfolg im Blick hat. Mit Alban Lafont, Olivier Boscagli, Amine Harit, Christopher Nkunku, Lucas Tousart, Jean-Kevin Augustin und Issia Diop stehen in allen Mannschaftsteilen sehr vielversprechende Spieler im Aufgebot von Trainer Ludovic Batelli. In den letzten Testspielen wurde viel rotiert, die Mannschaft in verschiedenen Ausrichtungen ausprobiert – die Folge waren zwei sieglose Spiele gegen Portugal und England.

(Photo by Ronald Wittek/Bongarts/Getty Images)

Die Stärken der Franzosen sind vielschichtig. Die Mannschaft kann sowohl im Umschaltspiel für Gefahr sorgen, als auch aus dem eigenen, ruhigen Ballbesitz Chancen kreieren. Mit Tousart verfügen die Franzosen über einen sehr laufstarken Spieler, der defensivtaktisch sämtliche Kniffe beherrscht und als Abfangjäger dient. Auch Innenverteidiger wie Diop und Onguene sorgen für Ballgewinne. Sie sind robust und besitzen eine gute Physis, sind auch bei Standardsituationen sowohl defensiv als auch offensiv sehr nützlich.

Das Problem war zuletzt häufig die mangelnde Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Saint-Maximin, Augustin & co. gingen verschwenderisch mit den Gelegenheiten um, spielten nicht schnörkellos genug. Das muss sich während des Turniers ändern, wenn man eine gute Chance haben will. Die Gruppe der Franzosen mit Honduras, Neuseeland und Vietnam ist eine gute Chance den Rhythmus zu finden und sich an die Gegebenheiten zu gewöhnen. Mit Platz 1 im Rücken und dem nötigen Selbstvertrauen kann man sich schnell in einen Rausch spielen.

Talentierte Offensive – England

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Häufig gelten die Engländer bei Turnieren im Junioren- und im Herrenbereich als einer der Favoriten, häufig enttäuschen die Mannschaften dann, wenn es darauf ankommt. Die junge englische Mannschaft will das dieses Mal verhindern und mit Trainer Paul Simpson die positiven Eindrücke aus den letzten Testspielen bestätigen. Während die Abwehr noch verhältnismäßig unspektakulär daherkommt, ist das Mittelfeld und der Angriff gespickt mit hervorragenden Spielern, die in verschiedenem Umfang wichtige Erfahrungen im Profibereich sammeln konnten.

Sheyi Ojo und Ovie Ejaria zum Beispiel. Beide spielen beim FC Liverpool und werden von Jürgen Klopp in den höchsten Tönen gelobt. Vereinzelte Auftritte in der ersten Mannschaft gab es von beiden in dieser Saison. Auch Lewis Cook, Kapitän der Mannschaft und beim FC Bournemouth unter Vertrag, verfügt über großes Potenzial. Onomah von den Tottenham Hotspurs oder Maitland-Niles vom FC Arsenal könnten in den kommenden Jahren auch auf sich aufmerksam machen. Die Offensive um den eben angesprochenen Ojo, Ademola Lookman vom FC Everton, dem torgefährlichen Armstrong aus Barnsley und den talentierten Solanke und Calvert-Lewin ist gerade in der Breite mit das beste, was es in diesem Turnier gibt.

Wie immer gilt bei den Engländern, dass es hauptsächlich darauf ankommt, mannschaftliche Geschlossenheit an den Tag zu legen. Schafft es Simpson, der zuletzt gegen den Senegal und Frankreich gewann und gegen gute Portugiesen 2:2 spielte, die Truppe schnell auf das große Ziel einzuschwören, können die Engländer sehr weit kommen. Eine gute Frühform ist sehr wichtig, denn das erste Spiel findet gleich gegen Argentinien statt, die weitere Gruppe mit Guinea und Gastgeber Südkorea ist nicht einfach. Es kommen zwar auch die vier besten Gruppendritten weiter, allerdings erschwert sich der Turnierbaum dann mit hoher Wahrscheinlichkeit. England muss die offensiven Qualitäten ausspielen und in der Defensive so kompakt wie möglich stehen.

Weitere, vielversprechende Kandidaten

Überraschungsmannschaften kann es bei jedem Turnier geben. Neben den drei genauer vorgestellten Favoriten, sind einige Mannschaften bei diesem Turnier dabei, die durchaus die Chance haben, sich in eine gute Position zu spielen. Mit dabei ist natürlich auch die DFB-Auswahl, die mit einigen bundesligabekannten Spielern nach Südkorea fährt und in ihrer Gruppe Platz 1 als Ziel ausgegeben hat. Auch Portugal und Italien haben Ambitionen. Die beiden Europäer kommen ohne die großen Stars, bestechen aber durch ein gutes Kollektiv. Gerade Italien ist defensiv sehr gut, Dimarco und Mandragora sollen die Mannschaft führen. Bei den Portugiesen stehen zahlreiche Talente im Aufgebot, die an die Tür der Profimannschaften von Benfica, Sporting oder Porto stehen.

Auch die Afrikaner haben traditionell gute Juniorenmannschaften. In diesem Jahr könnte vor allem der Senegal für eine Überraschung sorgen. Einen Titelkandidat scheint es aus Afrika, zumindest im Vorfeld, nicht zu geben. Die Asiaten um Japan und Gastgeber Südkorea können vom Heimvorteil profitieren und vielleicht über sich hinauswachsen. Viel interessanter sind aber die Mannschaften aus Südamerika, vor allem Uruguay verfügt über einen sehr beachtlichen Kader um Bentancur, Schiappacasse und Canobbio. Vielleicht können überdies sogar noch die unangenehm zu spielenden Mannschaften aus den USA und Mexiko eine Rolle spielen.

Die weiteren Artikel zur U20-WM, Player to Watch, Spielplan, Porträt Guido Streichsbier findet ihr HIER (einfach anklicken).

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