Warum Leon Bailey wohl in der Premier League spielen dürfte

Seit einigen Tagen kursieren Berichte um Genk Flügelspieler Leon Bailey und Bayer 04 Leverkusen. Gestern untersuchten wir das Gerücht und kamen zu dem Entschluss, dass lediglich andere Klubs einem Wechsel zu Leverkusen jetzt noch im Wege stehen könnten. Angeblich könnte im Fall Bailey solch ein Klub aufgrund der englischen Arbeitserlaubnis kein Verein aus der Premier League sein, doch das ist nicht ganz korrekt.

 

Die englische Football Association möchte gewährleisten, dass unterdurchschnittliche Spieler aus dem Ausland nicht die Entwicklung heimischer Spieler blockieren. Aus diesem Grund verschärfte die FA 2015 die Kriterien einer Arbeitserlaubnis in England. Könnte der gefragte Leo Bailey (19) überhaupt zu Hull oder Everton in die Premier League wechseln?

 

Ausnahmefall

Um sich für eine Arbeitserlaubnis in England zu qualifizieren, muss ein Spieler in den vergangenen zwei Jahren einen gewissen Prozentsatz an Länderspielen absolviert haben. Da Leon Bailey Jamaikaner ist, kann er dieses Kriterium gar nicht erfüllen. Jamaika gehört nämlich nicht zu den Top-50 gelisteten Nationen der FIFA. Darüber hinaus hat der 19-Jährige Bailey ohnehin noch kein Länderspiel bestritten. Also erhält er zunächst einmal keine Arbeitserlaubnis.

Um für Everton oder Hull spielen zu können, müsste Leon Bailey also Einspruch einlegen. Ein Ausschuss entscheidet in solchen Fällen anhand eines Punktesystems, ob der Spieler qualifiziert genug ist, um eine Bereicherung für die englische Liga zu sein.

 

Punktesystem

Runde 1

[vtftable ] #;;;Kriterium;;;Punkte;nn;
1;;;Der Wert der Ablösesumme für den Spieler liegt innerhalb des oberen Viertels aller Transfers zu einem Premier League Klub in den vorherigen 2 Transferfenstern.;;;3;nn;
2;;;Der Wert der Ablösesumme liegt innerhalb des zweiten Viertels (50%-75%) aller Transfers zu einem Premier League Klub in den vorherigen 2 Transferfenstern.;;;2;nn;
3;;;Das Gehalt, das der Spieler bei seinem neuen Verein verdient, liegt im oberen Viertel der 30 Bestverdiener im Verein.;;;3;nn;
4;;;Das Gehalt, das der Spieler bei seinem neuen Verein verdient, liegt im zweiten Viertel (50%-75%) der 30 Bestverdiener im Verein.;;;2;nn;
5;;;Der aktuelle Verein des Spielers spielt in einer Top-Liga* und der Spieler hat mindestens 30% der Liga-Minuten absolviert.;;;1;nn;
6;;;Der aktuelle Verein des Spielers hat mindestens an der Gruppenphase der Champions oder Europa League oder der Copa Libertadores teilgenommen + Kriterium Nummer 5;;;1;nn;
[/vtftable]
  • Top Liga= Die sechs europäischen Ligen und die beiden Zentral- und Südamerikanischen Ligen, die die meisten Spieler der Top-20 Kader der FIFA Weltrangliste zur Verfügung stellen.

Damit der Ausschuss eine Empfehlung zur Arbeitsgenehmigung in Betracht zieht, muss ein Spieler mindestens 4 Punkte erzielen. Der Ausschuss kann jedoch auch ablehnen, selbst wenn diese Voraussetzung erfüllt wird.

 

Runde 2

Sollte ein Spieler die Bedingungen aus Runde 1 nicht erfüllen, kann es eine weitere Untersuchungsrunde geben. Hier kann der Spieler bei mindestens 5 erzielten Punkten die Empfehlung zu einer Genehmigung erhalten. In dieser Untersuchung erhält der Spieler beispielsweise Punkte für die Teilnahme an der K.O.-Phase der Champions-, Europa League oder Copa Libertadores innerhalb der letzten 12 Monate (wenn er zeitgleich mindestens 30% der Liga-Minuten absolviert hat).

In dieser zweiten Runde ist der Prozess etwas flexibler. Es wird gegebenenfalls unter anderem berücksichtigt, dass ein Spieler ablösefrei ist und daher Kriterien 1 oder 2 gar nicht erfüllen kann.

 

Runde 3

Konnte der Spieler in Runde 2 keine 5 Punkte erreichen, gibt es eine finale Runde, in der weitere Argumente genannt werden können. In dieser Runde werden beispielsweise längere Verletzung berücksichtigt, durch die der Spieler die vorherigen Kriterien nicht erfüllen konnte. Der Ausschuss bewertet die Argumente und entscheidet, ob sie für eine Empfehlung genügen.

(Photo credit should read ANDER GILLENEA/AFP/Getty Images)

 

Fallbeispiel Bailey

Anhand der oben genannten Kriterien hätte ein Premier League Klub unserer Meinung nach durchaus gute Chancen, dass Leon Bailey eine Arbeitserlaubnis erhalten würde.

  • Die Ablösesumme befindet sich im Bereich von ca. 20 Millionen Euro. Trotz Pogba und Co,, sind 2 Punkte hier durchaus realistisch.
  • Bailey kann bei Hull und Everton mit guten Gehältern rechnen. Verein & Beratern ist das übrigens bestimmt bewusst. Sollten die Klubs den Spieler unbedingt wollen, würde man für die elementare Arbeitserlaubnis wohl etwas drauf legen. Zumindest zwei Punkte wären hier wohl zu erreichen.

Selbst wenn es nicht zu den erforderlichen 4 Punkten genügt, kann sich der Jamaikaner immer noch Hoffnungen auf eine Arbeitsgenehmigung machen. Sein aktueller Verein KRC Genk spielte beispielsweise nicht nur in der Gruppenphase der Europa League, sondern erreichte auch die K.O.-Phase. Über die Einsatzminuten in der belgischen Liga muss sich Bailey ohnehin keine Gedanken machen.

Insgesamt kann Bailey sehr wahrscheinlich genügend Argumente liefern, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten

 

Fazit

Es ist keineswegs garantiert, dass Leon Bailey eine Arbeitserlaubnis erhält, dafür sind System und Entscheidungsgründe nicht transparent genug. Es wäre unsere Meinung nach jedoch eine Überraschung, wenn ein Wechsel in die Premier League in diesem Fall wirklich an dieser Genehmigung scheitert.

PS: Wir gehen, stand heute, immer noch davon aus, dass Bayer Leverkusen das wahrscheinlichste Ziel des talentierten Linksfußes ist.

 

Informationen zur englischen Arbeitserlaubnis via Daniel Geey

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Chris McCarthy

Chefredakteur

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