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Weißt du noch? 21. Spieltag 2004/05 | Als Bielefeld die Bayern schockte

3. Februar 2018
Manuel Behlert

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Weißt du noch? 21. Spieltag 2004/05 | Als Bielefeld die Bayern schockte

Auswärtsspiele auf der Bielefelder Alm waren traditionell häufig schwierig. Vor heimischer Kulisse war die Arminia immer mit einem besonderen Schuss Motivation ausgestattet, kämpfte auf einem Platz, der damals gerade in den Wintermonaten häufig einem Acker gleichte, sammelte wichtige Punkte für den Klassenverbleib. Das musste hin und wieder auch der große FC Bayern spüren, so zum Beispiel am 13. Februar 2005.

 

Nach dem 20. Spieltag in der Fußball-Bundesliga stand der FC Bayern München mit 41 Punkten auf Platz 1, hatte 3 Zähler Vorsprung vor Schalke 04 und ging natürlich als großer Favorit in das Auswärtsspiel in Bielefeld. Die Arminia, die zuvor ein 1:1 bei Abstiegskonkurrent Bochum einfuhr, stand auf Platz 12 – mit starken 25 Zählern.

Auf der Alm geht immer was

Arminia Bielefeld war als Aufsteiger natürlich krasser Außenseiter, wusste aber, dass der FC Bayern gerade auswärts den ein oder anderen Punkt hat liegen lassen. Die Heimelf von Trainer Uwe Rapolder hatte keine Ehrfurcht vor dem Rekordmeister, sondern lediglich einen gesunden Respekt. Bielefeld wusste, zu was man fähig ist und dass man den FC Bayern, wenn alle ihr Toplevel abrufen, gefährden kann. Arbeiter wie Kauf und Dammeier, ein mit allen Wassern gewaschener Fatmir Vata und individuelle Klasse durch Buckley, Porcello oder Owomoyela zeichneten die Arminia aus.

(Photo by Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images)

Ein Faktor, der den Gastgebern im Vorfeld auch noch in die Karten spielte, waren die interessanten Platzverhältnisse. Denn bis auf die beiden Strafräume und den Mittelkreis war das Spielfeld größtenteils von einer Schneeschicht bedeckt. Weite Teile des Platzes waren sehr rutschig, der Ball sprang mitunter hoch weg, teilweise rutschte er nur. Hochmotivierte Bielefelder, ein schwieriges Geläuf und Fans, die sich schon weit vor dem Anpfiff in Feierlaune brachten – es deutete alles auf ein schweres Spiel für die Magath-Bayern hin. Und das war es auch.

Die Aufstellungen des Spiels

Arminia Bielefeld: Hain, Lense, Borges, Gabriel, Bogusz, Kauf, Dammeier, Owomoyela, Porcello, Buckley, Vata

Bank: Eilhoff, M. Fink (73. für Dammeier), Rauw, Diego Leon (90. für Porcello), Pinto, Djalovic, Küntzel (88. für Vata)

FC Bayern München: Kahn, Salihamidzic, Lucio, R. Kovac, Lizarazu, Ballack, Sagnol, Frings, Hargreaves, Guerrero, Makaay

Bank: Rensing, Linke, Scholl (51. für Hargreaves), Jeremies, Pizarro (63. für Salihamidzic), Zé Roberto, Deisler (75. für Frings)

Tore:
1:0 Porcello 23. (Vorlage: Borges)
2:0 Buckley 61. (Vorlage: Kauf)
2:1 Lucio 80. (direkter Freistoß)
3:1 Buckley 83. (Vorlage: Fink)

 

Führung durch Standard, kein Rot für Vata

Zu Beginn des Spiels mussten sich beide Mannschaften zunächst einmal mit dem schwierigen Platz vertraut machen. Der FC Bayern stand defensiv sehr gut, ließ keine Nadelstiche der Bielefelder zu. Außerdem kontrollierte der Rekordmeister die Partie, hatte zwei kleinere Gelegenheiten, die von der Arminia-Abwehr jeweils geklärt wurden. Die Führung für die Hausherren fiel in der 23. Minute dann etwas überraschend, aber naturgemäß aus einem ruhenden Ball. Ein Freistoß von Dammeier aus dem Halbfeld wurde von Borges per Kopf auf Porcello abgelegt, der den Ball sofort auf das Tor schoss und Oliver Kahn aus kürzester Distanz keine Chance ließ.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

In der Folge erhöhten die Gäste aus München den Druck und nur kurz nach dem Führungstreffer hatte Guerrero per Flugkopfball die große Chance auf den Ausgleich. Doch nach Salihamidzic-Flanke scheiterte der Peruaner an Torhüter Hain. Vieles geschah nach dem Zufallsprinzip, Bayern versuchte zu kombinieren, Bielefeld hingegen die Lücken zu schließen und so viele Zweikämpfe wie möglich zu gewinnen. Glück hatte die Arminia in der 39. Minute als Fatmir Vata nach einem Ellbogencheck gegen den Hals von Willy Sagnol nicht mit der roten Karte vom Platz gestellt wurde. Schiedsrichter Florian Meyer übersah diese rotwürdige Aktion.

Führung ausgebaut, Lucio-Urknall

Nach der Halbzeitpause blieb Bayern dominant, aber klare Torchancen spielte man sich nicht heraus. Auch die Einwechslung von Scholl brachte nur wenig kreative Elemente. Ballack hatte eine gute Kopfballchance, aber insgesamt scheiterten zu viele Angriffe an der vielbeinigen Bielefeld-Defensive und die Arminia spielte ihrerseits immer wieder schnell nach vorne. Nach einer guten Stunde wurde einer dieser Nadelstiche belohnt, als Delron Buckley nach Vorlage von Rüdiger Kauf aus rund 14 Metern das 2:0 erzielen konnte. Die Arminia kam der Sensation wieder einen Schritt näher.

(Photo by Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images)

Bayern bemühte sich weiterhin, die Konter der Bielefelder blieben permanent gefährlich. Die Magath-Elf stand immer höher, ging immer mehr Risiko, aber spielerisch konnten nicht die entscheidenden Mittel gefunden werden. Klar, dass der Anschlusstreffer wie das 1:0 aus einem ruhenden Ball fiel. Der brasilianische Innenverteidiger Lucio hatte während des Spiels offenbar derart viel Wut in sich aufgestaut, dass er mit seinem direkten Freistoß aus knapp 25 Metern Torhüter Hain keine Chance ließ. Der Ball klatschte noch an den Innenpfosten und war definitiv unhaltbar.

Buckley-Todesstoß und die Folgen

Die Hoffnung war zurück beim FC Bayern, doch sie hielt nicht lange. Nur gut 2 Minuten später antwortete die Arminia wieder und versetzte dem FC Bayern endgültig den Todesstoß, erneut durch Delron Buckley. Ein traumhafter Steilpass von Fink konnte vom überragenden Offensivspieler verwertet werden, indem er den Ball ins Tor spitzelte und dabei noch Oliver Kahn tunnelte. Die Magath-Mimik auf der Bank passte sich nun endgültig den Platzverhältnissen an, das Spiel war verloren.

(Photo by Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images)

Die Arminia sammelte also drei ganz wichtige Zähler im Abstiegskampf, der FC Bayern musste sich die Tabellenführung nun punktgleich mit dem FC Schalke 04 teilen. Am Saisonende erreichten beide Mannschaften in der Liga ihre Ziele. Rapolders Bielefelder landeten als Aufsteiger mit guten 40 Punkten auf Platz 13, der FC Bayern holte aus den kommenden 13 Spielen 36 von 39 möglichen Zählern und wurde mit 14 Punkten Vorsprung vor dem FC Schalke 04 Meister. Das Spiel in Bielefeld könnte dafür durchaus eine Initialzündung gewesen sein.

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