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Weißt du noch? 30. März 2012 – 4:4! Spektakel zwischen Dortmund und dem VfB!

8. März 2019
Manuel Behlert

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Weißt du noch? 30. März 2012 – 4:4! Spektakel zwischen Dortmund und dem VfB!

Es gibt immer wieder Fußballspiele, von denen man noch Jahre später spricht. Im Dortmunder Signal Iduna Park trug sich am 30. März 2012 am 28. Spieltag der Bundesliga ein solches Spiel zu. Der VfB Stuttgart war zu Gast, Dortmund befand sich mitten im Titelkampf und beide Mannschaften konnten ein enorm hohes Tempo gehen. Der Rest ist schnell zusammengefasst: Wahnsinn pur! Wir blicken zurück.

Die Vorzeichen vor dem Spiel

Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart war auch das Spiel des Tabellenführers gegen den Tabellensiebten. Der BVB ging mit 62 Punkten in dieses Spiel und demonstrierte seine Stärke am Spieltag zuvor als man den 1. FC Köln auswärts mit 6:1 vom Platz fegte. Die Dortmunder befanden sich in einer guten Form, holten aus den letzten 5 Spielen 13 Punkte und hatten sehr gute Chancen den Titel in der Bundesliga ein zweites Mal in Folge zu holen. Im Transfersommer vor der Saison wurde der Kader auch in der Breite etwas verstärkt, unter anderem kamen Ivan Perisic und Ilkay Gündogan hinzu. Die Schwaben kamen indes mit einem 1:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg im Gepäck nach Dortmund und hatten ordentliche 39 Punkte auf dem Konto. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia kämpfte um den Europapokaleinzug und zeigte sich vor allem in der Offensive häufig sehr stark, stellte den viertbesten Angriff der Liga.

Vor dem Spiel war klar, dass der VfB versuchen muss den Spielfluss des BVB zu zerstören und den Schwarzgelben nicht zu viele Räume zu bieten. Denn auch ohne Mario Götze verfügte der BVB über viel Spielfreude, schnelle Spieler wie Blaszczykowski und, das war das wichtigste Element, eine eingespielte Mannschaft. Der VfB wollte also über den Kampf ins Spiel finden, aber auch selbst immer wieder Nadelstiche setzen und nach vorne spielen, keinesfalls auf ein zu null hoffen oder mauern.

Aufstellungen und Torfolge

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (67. S. Bender), Kehl, Blaszczykowski, Kagawa (81. Barrios), Großkreutz (79. Perisic) – Lewandowski

Bank: Langerak – Löwe, Owomoyela, Leitner

Trainer: Jürgen Klopp

VfB Stuttgart: Ulreich – Sakai, Maza, Niedermeier, Boka (61. Molinaro) – Kvist, Kuzmanovic, Hajnal (70. Gentner), Harnik, Schieber (84. Bah) – Ibisevic

Bank: Ziegler – Tasci, Gebhart, Traore

Trainer: Bruno Labbadia

Tore: 1:0 Kagawa (33); 2:0 Blaszczykowski (49.); 2:1 Ibisevic (71.); 2:2 Schieber (77.); 2:3 Schieber (79.); 3:3 Hummels (82.); 4:3 Perisic (87.); 4:4 Gentner (90+2.)

Druckvoller Beginn des BVB

Beide Trainer änderten ihre Startaufstellung nur auf einer Position. Jürgen Klopp spielt mit Kehl statt Sven Bender, beim VfB wurde Ibisevic nach überstandener Gelbsperre für Cacau aufgestellt, der seinerseits nun eine Sperre absitzen musste. Von Beginn an entwickelte sich das Spiel, das man erwarten konnte. Der BVB begann mit aggressivem Pressing und versuchte die Schwaben in der eigenen Hälfte einzuschnüren. Kagawa und Blaszczykowski hatten in der Anfangsphase bereits erste Gelegenheiten, auf der Gegenseite prüfte Hajnal Weidenfeller nach 8 Minuten. Der VfB war sichtlich bemüht einerseits irgendwie eine Ordnung in die eigene Defensive zu bekommen, andererseits aber auch immer wieder selbst gefährlich in Erscheinung zu treten, Ballsicherheit und Ruhe auszustrahlen.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Nach einer schwierigen Anfangsphase ging der Plan der Gäste immer mehr auf, weil man mutiger wurde. Stuttgart stand etwas höher, versuchte die Räume eng zu machen, gleichzeitig aber auch selbst immer wieder ins Pressing zu kommen, den BVB mit Zweikampfstärke vom eigenen Tor wegzuhalten. Die Folge: Der VfB hatte nach knapp 20 Minuten plötzlich die große Chance zur Führung, aber der Volley von Julian Schieber ging über das Tor. Das weckte den BVB wieder auf, der durch Lewandowski eine große Möglichkeit hatte, dessen Schuss aber von Niedermeier geklärt wurde. Nur wenige Minuten später traf Kevin Großkreutz die Latte, die Führung lag also in der Luft. Nach etwas mehr als einer halben Stunde fiel eben jene Führung dann auch. Nach einer Schmelzer-Flanke legte Sebastian Kehl den Ball mustergültig für Kagawa auf, der den Ball aus kurzer Distanz in die Maschen drosch. In der Folge dominierte Borussia Dortmund das Spiel, setzte durch Gündogans Flachschuss, der knapp vorbei ging, noch einen Akzent und ging mit einer verdienten Führung in die Halbzeit.

BVB kommt fulminant aus der Kabine, Stuttgart reagiert

Nach der Pause wollte der Gastgeber sofort nachlegen, kam mit einem extremen Tempo aus der Kabine. Dortmund spielte sofort nach vorne, hatte durch Piszczeks Pfostenschuss eine Riesenchance und traf schließlich in der 49. Minute zum 2:0. Blaszczykowski ließ Ulreich nach schöner Vorarbeit von Mats Hummels keine Chance und erhöhte, die Zeichen standen ganz klar auf Sieg. Dortmund spielte jetzt enorm schwungvoll, schaltete immer wieder blitzschnell um und der VfB musste in dieser Phase aufpassen, damit man nicht noch das 3. oder 4. Gegentor kassiert. Die Chancen für den BVB waren da, Blaszczykowski und Lewandowski scheiterten jedoch. Endlich war auch wieder Leben im Spiel des VfB Stuttgart! Die Schwaben, die in den ersten 15 Minuten nach dem Seitenwechsel sichtlich angeschlagen wirkten, fanden endlich wieder ins Spiel zurück.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Und so hatte William Kvist nach etwas mehr als einer Stunde den Weckruf für die Gäste parat, als er den Pfosten traf. Der VfB merkte, dass Dortmund an diesem Tag defensiv zu knacken war und forcierte die Offensivbemühungen deutlich. Es entwickelte sich jetzt ein packendes Spiel, in dem auch die Gäste aus Stuttgart mit offenem Visier spielten. Der BVB war fußballerisch weiter klar besser, Stuttgart ackerte und erarbeitete sich seine Gelegenheiten, wie durch Ibisevic, der in der 67. Minute knapp am Tor vorbeiköpfe. Auf der Gegenseite musste Ulreich wiederum wachsam sein, denn Dortmund fuhr zahlreiche Gegenangriffe. Labbadia reagierte, brachte Christian Gentner in die Partie. Und der sollte einen großen Einfluss haben.

Das Spektakel nimmt seinen Lauf

Denn Gentner war es, der kurz darauf den Ball zu Niedermeier spielte, der ihn wiederum für Ibisevic auflegte. Der bosnische Stürmer kam zum Abschluss und ließ Roman Weidenfeller aus kurzer Distanz keine Chance. Doch das war nur der Auftakt einer fantastischen Schlussphase! Der VfB hatte nun Lunte gerochen und wusste, dass in diesem Spiel die Überraschung möglich ist. Entsprechend erhöhten die Schwaben ihre Offensivbemühungen, die durch Julian Schieber belohnt wurden. Der Angreifer traf per Energieleistung, umdribbelte Piszczek, ließ Hummels vergeblich grätschen, kam auch noch an Torhüter Weidenfeller vorbei und erzielte dann das viel umjubelte 2:2. Der VfB war wieder da! Der VfB durfte von mehr als nur einem Punkt träumen!

(Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Und es wurde noch verrückter, wieder war Julian Schieber der Torschütze, als die Schwaben sogar in Führung gingen! Der VfB konnte den Schwung mitnehmen, den die beiden Treffer dem Gast verlieh – und nutzte die Fehler der Dortmunder! Es war Sebastian Kehl, der im Mittelfeld den Ball an den aggressiv nachsetzenden Zdravko Kuzmanovic verlor. Der erkannte sofort seine Chance und spielte den Pass steil auf Julian Schieber, dem mit einem Linksschuss durch die Beine von Roman Weidenfeller, der nicht mehr schnell genug reagieren konnte, das 2:3 gelang! Der Gästeblock war in Ekstase, Stuttgart hatte das Spiel beim Tabellenführer in nicht einmal 10 Minuten komplett gedreht und das nicht gerade zufällig!

Dortmunder Antwort und Gentner-Wahnsinn

Doch wie stabil und gefestigt diese BVB-Elf ist, zeigte sich nicht einmal 3 Minuten nach diesem Tor. Kehl, der eben den Fehler produzierte, spielte den Ball zu Mats Hummels und Dortmund versuchte nicht etwa geduldig um den 16er der Stuttgarter herumzuspielen, sondern präferierte eine radikalere Methode. Hummels legte sich den Ball vor und schloss aus der Distanz ab. Sein präziser, fester Schuss schlug links unten in der Torecke ein und nunmehr waren es die Heimfans, die in ekstatische Jubelstürme ausbrachen. Der Signal Iduna Park wollte mehr – und er bekam mehr!

Dortmund wollte, Dortmund drückte und Dortmund erhielt einen Eckball. Die Ecke von Marcel Schmelzer von der rechten Seite fiel im Strafraum herunter wie ein Stein und dabei Ivan Perisic auf die Füße. Der Kroate, der zuvor eingewechselt wurde, drosch den Ball per Dropkick in Richtung Tor und traf den Ball derart gut, dass Ulreich keine Chance hatte und das Spiel erneut komplett gedreht wurde. Im Gefühl des sicheren Sieges leistete sich der BVB aber dann doch noch eine Unaufmerksamkeit. Nach einem langen Ball des VfB köpfte Marcel Schmelzer den Ball nicht weit genug aus der Gefahrenzone und Gentner, der schon am Start der Aufholjagd beteiligt war, witterte seine Chance. Mit einem Schlenker kam er vorbei an Sebastian Kehl, verschaffte sich Raum und schloss mit links aus kurzer Distanz ab. Wiederum fand der Ball den Weg ins Tor, wiederum blieb ein Fanlager fassungslos zurück, während das andere jubeln durfte. Dieser Treffer war der Schlusspunkt eines wahnsinnigen Spiels, das beide Trainer nach dem Spiel mit Anerkennung vor den gezeigten Leistungen resümierten.

Für den BVB war dieses 4:4 kein Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft. 2 Wochen später schlugen die Schwarzgelben den FC Bayern mit 1:0 und wurden nicht nur Meister, sondern auch Pokalsieger – ebenfalls im Duell mit dem Rekordmeister. Der VfB Stuttgart wurde am Saisonende Sechster und durfte sich auf das internationale Geschäft freuen.

(Photo by PATRIK STOLLARZ/AFP/GettyImages)



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