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Weißt du noch? 7.8.2011 – Als die Neuer-Ära in München mit einem Patzer begann

5. Oktober 2018
Manuel Behlert

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Weißt du noch? 7.8.2011 – Als die Neuer-Ära in München mit einem Patzer begann

Jupp Heynckes wollte mit dem FC Bayern München so gut wie möglich in die Saison 2011/12 starten, nachdem Borussia Dortmund in der Vorsaison den Meistertitel gewinnen konnte. Zum Auftakt ging es gegen Lucien Favre und Borussia Mönchengladbach, alle Augen waren auf Topneuzugang Manuel Neuer gerichtet. Und dieser war einer der Hauptdarsteller des Spiels. Wir blicken zurück. 

 

Die Vorzeichen – Titel zurückholen

Nach der verpassten Meisterschaft und einer ohnehin relativ verkorkten Saison wollte der Rekordmeister wieder angreifen, installierte Jupp Heynckes als neuen Trainer und wurde auf dem Transfermarkt tätig. Kraft, Klose, Ekici, Ottl und Altintop verließen den Klub, Alaba kehrte von seiner Leihe zurück, Usami wurde aus Osaka geliehen, Petersen, Rafinha, Boateng und Neuer verstärkten die Mannschaft. Das Ziel war klar, das Finale der UEFA Champions League im eigenen Stadion sollte erreicht werden, überdies rückte natürlich die Meisterschaft wieder in den Fokus.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Die Borussia rettete sich in der Vorsaison kurz vor dem Ende in der Relegation, entging also knapp dem Abstieg. Lucien Favre wollte deswegen aber keinesfalls eine große Revolution ausrufen, sondern dünnte den Kader etwas aus, begnügte sich mit eher günstigen Neuzugängen wie Ring, Rupp, Zimmermann, Wendt oder Leckie. Die guten Ansätze der Endphase der Vorsaison sollten fortgeführt werden, Favre nutzte die Vorbereitung um seine Mannschaft an seinen Stil zu gewöhnen und vor allem um defensiv deutlich stabiler zu werden. Die Offensive verfügte zudem über viel Potenzial, das nur geweckt werden musste.

 

FC Bayern: Neuer, Rafinha, Boateng (76. Petersen), Badstuber, Lahm, Gustavo, Schweinsteiger, Kroos (60. Ribéry), Müller, Robben, Gomez

Bank: Butt, Alaba, van Buyten, Tymoshchuk, Usami

Trainer: Jupp Heynckes

Mönchengladbach: ter Stegen, Jantschke (90. Marx), Brouwers, Dante, Daems, Nordtveit, Neustädter, Reus (90+2. Rupp), Arango, de Camargo, Hanke (83. Herrmann)

Bank: Heimeroth, Wendt, Leckie, Bobadilla

Trainer: Lucien Favre

 

 

Dominante Bayern beißen sich die Zähne aus

Der FC Bayern ging hochmotiviert in die Partie und ließ von Beginn an den Ball gut laufen. Wer aber dachte, dass die Borussia, die Brouwers für den angeschlagenen Stranzl bringen musste, defensive Schwierigkeiten hatte, der wurde eines besseren belehrt. In der Anfangsphase sprang für den Rekordmeister, trotz des enormen Vorwärtsdrangs, nur eine Chance heraus, die Mario Gomez nicht nutzen konnte. Man merkte schon früh, dass diese Borussia nicht mehr das verunsicherte, teilweise hektische Team aus der Vorsaison ist und dass die Arbeit von Lucien Favre Früchte trägt.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images)

Der FC Bayern hatte häufig den Ball, ließ die Kugel ordentlich zirkulieren, aber es fehlte an der nötigen Explosivität. Der Defensivplan von Favre ging auf, nur selten wurde es mal brenzlig vor dem Tor von der Stegen. Nadelstiche setzten die Gäste zu Beginn allerdings noch nicht. In der Folge versuchte es der Rekordmeister punktuell mit Distanzschüssen und guten Ansätzen über Lahm und Müller, aber eine Riesenchance sprang nicht dabei heraus. Ein Ansatz der Gladbach wurde von Neuer vereitelt, der Arangos Schlenzer über die Latte lenkte. Auf der Gegenseite versuchten sich Gomez und Schweinsteiger kurz vor der Halbzeit per Kopf, aber auch diese Möglichkeiten blieben ungenutzt.

 

Folgenschwere Abstimmungsprobleme beim FC Bayern

Kurz nach dem Wiederanpfiff hatte Mario Gomez dann doch die große Chance zur Führung und zwang Marc-Andre ter Stegen zu einer Glanzparade, kurze Zeit später traf er nur den Pfosten. Dies war eine der schwierigsten Phasen, die die “Fohlen” im Spielverlauf zu überstehen hatten. Der Rekordmeister brachte kurz darauf Ribéry für Kroos und die Gladbacher Defensive um die starken Brouwers und Dante bekam weiterhin viel zu tun, produzierte aber weiterhin fast überhaupt keine Fehler. Nach etwas mehr als einer Stunde sah dies auf der Gegenseite aber anders aus – nämlich nach einem langen Ball von Roel Brouwers aus der eigenen Hälfte.

(Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Jerome Boateng und Manuel Neuer, beide neu verpflichtet, waren sich uneinig, Neuer kam raus, aber unzureichend, Boateng war auch nicht klar in seiner Aktion. Und so kam es, wie es kommen musste: Igor de Camargo nutzte die Abstimmungsprobleme und die mangelnde Kommunikation in der Defensive des FC Bayern und köpfte zum vielumjubelten 0:1 ein. Daraufhin wurden die Angriffe der Hausherren noch wütender, aber gegen die sichere Abwehr der Borussia blieb vieles Stückwerk, man war von Einzelaktionen abhängig.

Gladbach verlor niemals die Ruhe im Spiel, Favre brachte zudem in der Schlussphase mit Herrmann noch eine schnelle Alternative für die Entlastung, hob sich zudem zwei Wechsel für die Nachspielzeit auf. Arjen Robben hatte noch eine Chance und Müller erzielte noch einen Treffer, der aber absolut zurecht aufgrund einer Abseitsposition nicht zählte. Das Gladbacher Abwehrbollwerk hielt auch den verzweifelten Angriffsversuchen der letzten Minuten stand und die Borussia gewann das Spiel – und dies sollte der Auftakt zu einer tollen Saison werden.

Was geschah danach?

Vizemeister, das Endspiel im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund verloren und im Heimfinale in der Allianz Arena den Titel in der Champions League nicht gewonnen: Die Resultate am Saisonende hätte der FC Bayern gerne vergessen. Auf dem Weg dorthin spielte man häufig gut, es fehlte jedoch die Breite im Kader, was sich bei dem ein oder anderen Patzer bemerkbar machte. Diese Saison mit den vielen Enttäuschungen sollte für den FC Bayern aber der Beginn von etwas Großem sein.

Und die Borussia? Die spielte unter Favre phasenweise berauschenden Fußball mit tollen Kombinationen, gutem Umschaltspiel und Reus und Arango, die individuelle Höhepunkte setzen konnten. Nach dem Fastabstieg 2011 schaffte man in der Saison 2011/12 den 4. Platz hinter Meister Dortmund, dem FC Bayern und Schalke 04. Und das mit der zweitbesten Defensive der Liga und nur 24 Gegentreffern. Die Kehrtwende war auf jeden Fall geschafft.

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