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Weißt du noch? 19.02.2005 – Als Makaay & co. den BVB aus dem Olympiastadion wirbelten

30. März 2018

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Weißt du noch? 19.02.2005 – Als Makaay & co. den BVB aus dem Olympiastadion wirbelten

In der Historie gab es gerade zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund einige spektakuläre, hochklassige, dramatische, emotionale Duelle. In unserer Serie “Weißt du noch?” blicken wir auf ein Spiel aus dem Jahr 2005 zurück, das ganz besondere Vorzeichen hatte und bereits zur Halbzeit nach einem Offensivfeuerwerk der Bayern entschieden war. 

 

Vorzeichen: Bielefeld-Pleite vs. Finanzprobleme

Die Vorzeichen aus Sicht des FC Bayern sind verhältnismäßig schnell erklärt. Nach bisher 21 Spielen stand das Team von Trainer Felix Magath mit 41 eingefahrenen Punkten auf Platz 1 in der Bundesliga, punktgleich mit dem FC Schalke 04 und vier Punkte vor Vorjahresmeister Werder Bremen. Unter Magath spielte der FCB selten spektakulär, aber die bisherigen Resultate waren zumindest zufriedenstellend. Allerdings wurde eine Woche zuvor das Auswärtsspiel auf der Bielefelder Alm im Schneetreiben mit 1:3 verloren, Wiedergutmachung war also angesagt.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Die Lage in Dortmund war da schon weitaus komplizierter. Nachdem gut ein Jahr vorher bereits eine verheerende Halbjahresbilanz mit einem Minus von fast 30 Millionen Euro verkündet wurde, verschlechterte sich die Situation des BVB weiterhin. Seitdem wurde die Qualifikation für den Europapokal verpasst, die Namensrechte des Westfalenstadions verhältnismäßig günstig verkauft und Gehaltszahlungen fanden teilweise verzögert statt. Der Schuldenstand betrug im Oktober fast 120 Millionen Euro, Rauball ersetzte Niebaum, Watzke wurde kurz vor dem Bayern-Spiel als Geschäftsführer der KGaA installiert und der BVB gab bekannt, dass der Verein bei einer Ablehnung des Sanierungskonzeptes insolvent geht.

Die unklare Zukunft war ein großes Gesprächsthema, nicht nur in Dortmund, sondern überall in der Bundesliga. Der Saisonverlauf war überdies auch nicht zufriedenstellend, was die Unruhe noch einmal verschärfte. Zwar wurden aus den vier Spielen in der Rückrunde 10 Punkte eingefahren, das reichte aber trotzdem nur für Tabellenplatz 11. Dortmund hatte vor dem Spiel beim FC Bayern bereits 7 Punkte Rückstand auf die Europapokalplätze, zusätzliche Einnahmen aus dem internationalen Geschäft waren also auch für 2005/06 zumindest höchst fraglich. Ein positives Resultat beim FC Bayern hätte wohl zumindest für ein klein wenig Ruhe in dieser schweren Zeit gesorgt.

Die erste Halbzeit – Offensivwirbel des FCB

Doch das Spiel begann denkbar schlecht für den Gast aus Dortmund. Nach gut 4 Minuten lupfte Rechtsverteidiger Sagnol den Ball über die herausrückende Defensivreihe des BVB, Wörns verpasste den Ball, Makaay zog sofort ab. Der Versuch des Niederländers wurde abgefälscht, aber Hasan Salihamidzic drückte den Ball über die Linie. Es passierte also genau das, was nicht passieren durfte: Bayern führte früh – und das mit Wut im Bauch. Bereits zwei Minuten später spielte der FCB den nächsten schnellen Angriff, Zé Roberto bediente Makaay und der Torjäger ließ Roman Weidenfeller im Tor keine Chance. Das 2:0 nach 6 Minuten ließ die Sorgenfalten der Borussia nur noch größer werden.

(Photo by Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images)

Es ging zwar nicht in diesem Tempo weiter, aber mit einer frühen 2:0-Führung im Rücken war die Dominanz des FC Bayern kaum aufzuhalten. Der BVB selbst kam überhaupt nicht zu nennenswerten Offensivaktionen, der FC Bayern wurde von Minute zu Minute spielfreudiger und hatte keine große Mühe, sich weitere Chancen durch Makaay (17.) und Salihamidzic (20.) herauszuspielen. Nach einer guten halben Stunde kombinierte der Rekordmeister erneut schnell durch die Mitte, Makaay spielte den Ball per Kopf hervorragend in den Lauf von Sturmpartner Pizarro, der aus rund 11 Metern ins obere Eck abschloss.

Wieder nur etwas mehr als 5 Minuten später ließ Mehmet Scholl seine Klasse aufblitzen. Der Offensivspieler bediente mit dem Rücken zum Tor stehend Roy Makaay mit einem Traumpass, der vor Roman Weidenfeller an den Ball kam und diesen durch die Beine des Torhüters spitzelte. Das 4:0 resultierte, Bayern ließ den Ball bis zur Halbzeit laufen, hatte sogar noch weitere Ansätze und hätte womöglich noch höher führen können.

Mentale Auswirkungen der finanziellen Krise?

Die im Verein herrschende Unruhe und vor allem die Ungewissheit war sicherlich ein Grund für diese desolate Vorstellung des BVB. Die Spieler hatten mit Zukunftsängsten zu kämpfen, die Verantwortlichen stellten sich zum Teil neu auf, kämpften mit allen Mitteln darum, die Zukunft zumindest einigermaßen zu sichern. Das lähmte die Spieler auf dem Platz, gerade nach der schnellen 2:0-Führung der Gastgeber. Unbestritten ist, dass der FC Bayern auch fußballerisch einen guten Tag hatte und ohnehin als klarer Favorit in dieses Spiel ging, aber die Gesamtsituation sorgte dafür, dass Dortmund nicht wirklich konkurrenzfähig war, auch wenn sich das Spiel in der 2. Halbzeit etwas bessern sollte.

Die zweite Halbzeit – Hauptsache vorbei

In die zweite Hälfte startete Dortmund zwar bemüht, die Verunsicherung war den Spielern jedoch anzumerken. Einfachste Pässe fanden teilweise nicht den Mitspieler, auch die Einwechslung von Rosicky zeigte nicht den gewünschten Effekt. Der FC Bayern blieb spielbestimmend, kombinierte flüssig und erspielte sich weiterhin Torchancen. Die Entlastung des BVB war keinesfalls groß, aber zumindest überhaupt ein wenig vorhanden, sodass ein komplettes Debakel verhindert werden konnte. Nach 55 Minuten krönte Roy Makaay sein hervorragendes Spiel als er nach einem Scholl-Zuspiel Brzenska alt aussehen ließ und zum 5:0 einschob.

(Photo by Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images)

Die restliche Partie wurde zum Schaulaufen für den FCB. Magath wechselte ein wenig, gab beispielsweise dem jungen Bastian Schweinsteiger Spielpraxis und schonte Scholl und Lucio. Dortmund versuchte in der Folge noch den ein oder anderen Offensivakzent zu setzen, wenn auch eher zaghaft. Der Gastgeber hingegen hatte noch hochkarätige Chancen, aber Weidenfeller parierte zweimal glänzend. Im Endeffekt war der Sieg des FC Bayern auch in dieser Höhe verdient, der Rekordmeister konnte im Titelkampf gegen den FC Schalke 04 eindrucksvoll vorlegen und Borussia Dortmund kassierte den nächsten Nackenschlag.

Aufstellungsübersicht

FC Bayern: Kahn, Sagnol, Lucio (70. Frings), R. Kovac, Lizarazu, Demichelis, Salihamidzic (46. Deisler), Ze Roberto, Scholl (63. Schweinsteiger), Pizarro, Makaay

Bank: Rensing, Jeremies, Hargreaves, Guerrero – Trainer: Felix Magath

Borussia Dortmund: Weidenfeller, Metzelder, Brzenska, Wörns, Dede, Kehl, Kruska (46. Rosicky), Kringe, Ricken (62. Ewerthon), Smolarek, Koller

Bank: Warmuz, Bergdölmo, Demel, Fernandez, N. Jensen – Trainer: Bert van Marwijk

Torfolge1:0 Salihamidzic (4.)2:0 Makaay (6.)3:0 Pizarro (28.)4:0 Makaay (34.)5:0 Makaay (54.)

 

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