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WM 2018 – Mo Salahs Weg an die Spitze

9. Juni 2018
Julius Eid

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WM 2018 – Mo Salahs Weg an die Spitze

Ein Torrekord in der Premier League, 10 Tore in der Champions League und ein eigener Song, gesungen von den Fans des FC Liverpool. Mo Salah hat dieses Jahr den endgültigen Durchbruch in Europa geschafft. In seiner Heimat Ägypten ist er schon länger ein großer Star und mittlerweile wohl eher so etwas wie ein Nationalheld. Definitiv ist Salah einer der größten Stars, die die Weltmeisterschaft dieses Jahr aufzubieten hat.

Tränen in Kiew

Eine fantastische Saison des 25-jährigen Ägypters sollte in Kiew, zumindest was den Vereinsfußball angeht, einen dramatischen Abschluss finden. Nach gut einer halben Stunde musste der beste Spieler des FC Liverpool unter Tränen der Enttäuschung den Platz verlassen. Sergio Ramos fiel so auf seinen Arm, dass es zu einer Bänderverletzung der kam. Und so verließ Salah den Platz und der FC Liverpool das Finale mit einer 3:1-Niederlage. Der Verlust des Außenstürmers konnte nicht kompensiert werden.

 

Anfänge

Im Gegensatz zu anderen, großen afrikanischen Stars hat Mo Salah den kompletten Weg in den Profifußball in seiner Heimat bestritten.  Dies ist einer der Gründe warum Salah so einen besonderen Stellenwert in Ägypten einnimmt. Er ist ein Spieler aus dem ägyptischen Ausbildungssystem und nun an der absoluten Weltspitze angekommen. Das erfüllt die Ägypter mit Stolz. Salah ist am 15.6.1992 in Bassyoun geboren. Seit seinem 14. Lebensjahr lief er für den Arab Constractors SC auf. Erst mit zwanzig Jahren zog es den 1,75 großen Außenstürmer nach Europa. 2012 erhielt er beim FC Basel die Chance sich zu präsentieren.

 

Der Weg nach England 1

In Europa angekommen, konnte der wendige Ägypter in zwei Jahren auf sich aufmerksam machen. Seine Geschwindigkeit war schon damals atemberaubend und so war es Salah möglich, nach zwei Saisons in Brüssel, die Aufmerksamkeit einiger großer europäischer Teams auf sich zu ziehen. Unter anderem sein jetziger Trainer Jürgen Klopp soll mit seinem damaligen Verein, der Borussia aus Dortmund, an einer Verpflichtung interessiert gewesen sein. Doch obwohl die ganze Geschichte nur vier Jahre zurückliegt, war der Transfermarkt damals noch ein komplett anderer und die 16,5 Millionen Euro die am Ende für Salah fällig werden sollten, wären für den BVB zu viel Geld. Am Ende sollte der Ägypter zu Jose Mourinhos Blues an die Stamford Bridge wechseln. Diese waren bereit die Ablösesumme nach Brüssel zu überweisen. Nach 2 Jahren, in denen er in der Liga jeweils 9 Scorerpunkte beisteuern konnte, zog es den jungen Ägypter also zum ersten Mal in die Premier League.

 

Die Blues und Leihen nach Italien

Salahs Transfer zu den Londonern fiel in eine bemerkenswerte Zeit der Transferpolitik des Abromowitsch-Klubs. Für teilweise viel Geld wurden Talente aller Herren Länder nach London gelotst, nur um dann unter Mourinho nicht zum Zuge zu kommen. Unter anderem Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku scheiterten während dieser Zeit ebenfalls bei den Blues und setzten anderweitig ihren Weg zur Weltklasse fort. Auch Salah kam im ersten Jahr bei Chelsea nur zu 3 Premier League einsetzen, bevor er im Februar 2015 ein halbes Jahr zum AC Florenz verliehen wurde. Dort konnte er das erste Mal auf höherem Niveau überzeugen und noch 6 Tore und 3 Vorlagen einbringen. Dennoch war Chelsea nicht überzeugt. Im Gegensatz zu einem anderen Serie A Verein. Die Roma schlug im Sommer 2015 zu und sicherte sich Salahs Dienste per Leihe für ein Jahr. In der Saison 2015/2016 konnte der damals 23 jährige Angreifer endlich vollends überzeugen. 14 Tore und 8 Vorlagen lieferte Salah in seiner ersten kompletten Saison für einen europäischen Topklub. Trotz einer stetigen Leistungssteigerung war Salahs Beziehung mit dem FC Chelsea nicht mehr zu bieten. Und so ließen die Blues nach Ende der Leihe Salah für einen moderaten Preis von 15 Millionen fest nach Rom ziehen. Ja richtig gelesen: Chelsea hat an Salah ein Minus von 1,5 Millionen gemacht.

Photo by Gabriele Maltinti / Getty Images Sport

 

Der Durchbruch

Die Leistungssteigerung Salahs sollte konstant weitergeführt werden. Und genau so kam es dann auch. In seinem zweiten vollen Jahr bei den Römern schien Salah endlich sein gesamtes Potenzial abrufen zu können. 31 Mal wurde der Topsprinter eingesetzt, vornehmlich als Rechtsaußen. Hier könnte er nicht nur ordentliche bis starke 13 Torvorlagen aufweisen, er zeigte, welch überragender Torjäger er sein kann. 15 Serie A Tore standen am Ende zu Buche. Seine technisch herausragende Ballführung, seine hohe Geschwindigkeit und die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor machten Salah zu einem fast perfekten Gesamtpaket. Das blieb nicht unentdeckt, und so ließ sich der FC Liverpool im Sommer letzten Jahres das Gesamtpaket 42 Millionen Euro kosten. Eine mehr als gute Investition.

 

Rekordsaison bei den Reds

Nun wagte Salah also erneut den Sprung nach England. Folgen sollte eine Saison der Superlative, die Salah innerhalb eines Jahres an die Spitze aller Ranglisten schießen sollte. Im 4-3-3 von Jürgen Klopp, dass wie schon in Dortmund vor Allem durch extrem schnelles Umschaltspiel nach aggressivem Pressing fußt, war Salah von Beginn der Saison an mit seinen Fähigkeiten gut aufgehoben. Seine Schnelligkeit und seine Ballführung machten ihn zu einem starken Element von Klopps Spiel. Die Leistungsexplosion sollte nach einer kleinen taktischen Umstellung folgen. War Salah meist als klassischer Rechtsaußen eingesetzt worden, wurde er im Laufe der Saison von Klopp etwas mehr in die Mitte gezogen. Ihm war die Torgefährlichkeit des 25-Jährigen aufgefallen. Diese bestätigte der Lockenkopf dann in einer noch nie dagewesenen Premier-League-Leistung. Mit 32 Toren in einer Saison brach Salah den Rekord, der vorher von unter anderem Luis Suarez und Cristiano Ronaldo gehalten wurde. In unnachahmlicher Manier traf und traf und traf Salah. Nicht nur in der Liga, auch in der Königsklasse war Salah einer DER Hauptgründe für Liverpools Finaleinzug. Nicht nur erzielte er 10 Tore im Wettbewerb, das Weiterkommen im Halbfinale gegen seinen Ex-Klub, die Roma, sicherte Salah schon im Hinspiel mit 2 Toren und 2 Torvorlagen fast im Alleingang. Nur das oben angesprochene, tragische Ende lässt einen bitteren Beigeschmack unter der Sensationssaison des Ägypters. Spannenderweise ist Salah erst 25 und wirkt charakterlich sehr gefestigt. Es ist also, auch wenn es kaum vorstellbar scheint, möglich, dass Salahs Entwicklung noch weitergeht. Sollte das der Fall sein wird ein Ballon d‘Or wohl unausweichlich.

Photo by PAUL ELLIS / AFP

 

WM-Quali mit Ägypten / Rolle in der Nationalmannschaft

Auch wenn es hierzulande etwas untergehen mag, Ägypten ist in Afrika schon immer eine große Nummer gewesen und nicht ohne Grund Rekordsieger des African Cup of Nation. Bei Weltmeisterschaften wurde die stolze Nation allerdings zu Letzt 1990 gesichtet. Hauptgründe hierfür liegen sicherlich darin, das wenige Spieler an das Niveau europäischer Klubmannschaften heranreichen. Salah ist hier die strahlende Ausnahme. Schon in seinen Römer-Jahren  war die Mannschaft angewiesen auf diesen grandiosen Fußballer, der alle anderen ägyptischen Spieler überstrahlt. An ihm ist das System ausgerichtet, er ist der Spieler der Ägypten in den wichtigen Momenten auf ein anderes, höheres Niveau heben kann. Schon diese Rolle in der Nationalelf brachte Salah viel Liebe aus der Bevölkerung ein. Und Salah zahlte, wie immer bis jetzt, zurück. Im Spiel gegen den Kongo konnte sich Ägypten die Qualifikation zur WM mit einem Sieg sichern. Mo Salah erzielte das 1:0 sowie in der Verlängerung den 2:1 Siegtreffer per Elfmeter. Für die euphorischere Bevölkerung gibt es einen Namen, der untrennbar mit der ersehnten Rückkehr auf die große Bühne ist: Mo Salah. Die Verehrung in seinem Heimatland nimmt mittlerweile hysterische Züge an. Bei der Präsidentschaftswahl sollen mehr als eine Million Stimmzettel ungültig gewesen sein. Weil die Wähler statt einen Kandidaten zu wählen „Mo Salah“ auf ihre Stimmzettel schrieben. Salah gilt als heimatverbunden, unterstützt viele Hilfsprojekte in Ägypten, lässt Fußballplätze bauen und ist gläubiger Muslim. Einen besseren Helden hätte sich das ägyptische Volk nicht ausdenken können.

Photo by FABRICE COFFRINI / AFP

 

WM 2018

Glücklicherweise ist die Saison für Mo Salah noch nicht ganz beendet. Die Verletzung, die er sich im Duell mit Spaniens Sergio Ramos zugezogen hat, war dann schönerweise doch weniger Schlimm als direkt nach dem Spiel befürchtet. So steht also der Mann, der den größten Anteil daran hat, dass Ägypten dabei ist, bei Ägypten auf dem Platz. Jeder Fußballfan sollte sich darüber freuen, denn Salah spielen zu sehen ist immer eine Augenweide. Underdogs sind die Ägypter ganz gewiss, haben aber eine machbare Gruppe A erwischt und müssen sich wohl mit Gastgeber Russland um ein Weiterkommen streiten. Sollte Salah einen guten Tag haben ist das möglich. Und ob dann in Ägypten überhaupt irgendjemand nicht mehr Mo Salah wählt, das sei mal dahingestellt.

Julius Eid

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