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WM 2018: Player to Watch – Teil 1: Von Dolberg bis Miranchuk

10. Juni 2018
Manuel Behlert

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WM 2018: Player to Watch – Teil 1: Von Dolberg bis Miranchuk

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Bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland werden wieder zahlreiche junge Spieler im Fokus stehen und ihre ersten Erfahrungen auf der ganz großen Bühne sammeln können. Das Turnier kann einerseits ein Sprungbrett für bisher unbekannte Spieler sein, andererseits besteht für die Toptalente die Chance ihren Status zu bestätigen. 

Für unsere Rubrik “Player to Watch” haben wir uns 16 interessanten Spielern ausführlich gewidmet. Diese Spieler stellen wir in zwei verschiedenen Artikeln vor, Teil 1 dreht sich um die ersten acht Talente, angefangen bei Kasper Dolberg, über Karol Linetty bis hin zu Alexei Miranchuk. 

 

Kasper Dolberg (20, Dänemark, Stürmer)

Er ist jung, er ist zielstrebig, er ist abschlussstark und wird nicht von wenigen Experten als einer der besten jungen Angreifer im Weltfußball angesehen – Kasper Dolberg. Nach einer schwierigen Saison bei Ajax Amsterdam (9 Pflichtspieltore bei 30 Einsätzen) steht der Stürmer bei der dänischen Nationalmannschaft, insbesondere nach dem WM-Aus von Nicklas Bendtner, im Fokus und spielt seine erste Weltmeisterschaft. Die Erwartungen sind groß, dafür sorgte Dolberg mit seinen Leistungen in den vergangenen Spielzeiten selbst. In dieser Saison stoppte ihn eine langwierige Fußverletzung von Mitte Januar bis Anfang April, mittlerweile ist der 20-jährige aber wieder in Topform.

(Photo by LISELOTTE SABROE/AFP/Getty Images)

Nun ist es so, dass es Dolberg vor allem aufgrund der Bendtner-Verletzung in diese Liste geschafft hat, denn zuvor spielte er keine allzu große Rolle in der Nationalmannschaft, schaffte es zu fünf Länderspieleinsätzen. Einerseits weil das Angebot der Dänen recht groß ist (Cornelius, Jörgensen, Bendtner, Poulsen), andererseits, weil man ihn auch im Nationalteam langsam aufbauen will. Da Dolberg, ähnlich wie Bendtner, über eine gute Physis verfügt, aber nicht nur dieses Element zu seinen Stärken zählt und Bendtner eben fehlt, könnte sich Dolberg von einem Streichkandidaten zu einem wertvollen Startspieler oder Joker entwickeln, je nachdem wie Trainer Age Hareide seine Mannschaft ausrichten möchte.

Denn das Potenzial des Ajax-Stürmers ist unbestritten enorm hoch. Trotz seiner 1,87m bringt er ein sehr gutes Tempo mit, Dolberg kann die Bälle in der Offensive festmachen, sich im kombinativen Bereich beteiligen. Seine Technik ist gut, die Ausbildung bei Ajax und der offensive, direkte Spielstil, bei dem eine saubere Ballbehandlung unabdingbar ist, macht sich bemerkbar. Ihn als klassischen Abschlussstürmer zu bezeichnen wäre dementsprechend falsch, Dolberg schafft Räume, er findet Räume und er kann seine Mitspieler in Szene setzen. Gerade in der dänischen Offensive tauchen neben den genannten Stürmerkandidaten auch noch Spieler wie Pione Sisto, Superstar Eriksen oder ein aufrückender Delaney auf.

(Photo by Jonathan NACKSTRAND / AFP)

Und das ist noch nicht alles: Er kann mit beiden Beinen abschließen, sein offensives Kopfballspiel ist gut, zudem beherrscht der das Dribbling, kann einen Gegenspieler ausspielen. Überdies zieht er viele Fouls, schafft so Möglichkeiten durch Standardsituationen – und das kann bei einem Schützen wie Eriksen und Kopfballspielern wie Christensen oder Vestergaard ein wichtiges Element sein. Natürlich muss Dolberg noch viel lernen, Erfahrungen im Europapokal und mit der Nationalmannschaft sammeln, aber nicht nur die Anlagen, sondern auch die derzeitige Gesamtsituation mit einem sicheren Platz in einer hungrigen Ajax-Elf und einer verhältnismäßig jungen dänischen Mannschaft mit viel Potenzial sind vielversprechend.

 

Ellyes Skhiri (23, Tunesien, Mittelfeldspieler)

Müsste man den 23-jährigen Ellyes Skhiri in nur einem Wort beschreiben, dann wäre dieses Wort wohl: “Dauerbrenner.” Er spielt in der französischen Ligue 1 beim HSC Montpellier und gehört dort seit Sommer 2015 zum Aufgebot der Profimannschaft. In der Nationalmannschaft debütierte er zwar erst im März diesen Jahres, aber trotzdem gehört er bei der Weltmeisterschaft zu den interessantesten Spielern der tunesischen Nationalmannschaft. Und nicht nur das: Er ist auch einer der wichtigsten Spieler, dürfte auf der zentralen Position vor der Abwehrreihe unangefochten sein.

(Photo by Fabrice COFFRINI / AFP)

Die ganz großen Stars fehlen im Team der Tunesier, Skhiri ist aber ein Spieler, der diesen Weg – zumindest für tunesische Verhältnisse – gehen könnte. In einem System, das sich extrem über ein gefestigtes Zentrum definiert, agiert der 23-jährige einerseits als cleverer Ballverteiler, andererseits ist er in der Lage gegnerische Angriffe zu zerstören. Und das nicht etwa durch viele Foulspiele, sondern primär durch ein gutes Stellungsspiel, eine gelungene Antizipation und seine enorme Laufstärke. Seine Rolle im Spielaufbau ist enorm wichtig, von den Innenverteidigern wird Skhiri oft als erste Option gesehen, ist dann in der Lage mit der notwendigen Ruhe am Ball den potenziell vielversprechendsten Angriff einzuleiten.

Im Defensivverhalten verfügt er über einen guten Zugriff, kann so – auch im Kollektiv – individuelle Unterlegenheit kaschieren. Gerade in Montpellier schaltet sich Skhiri gerne in die Offensive ein, versucht sein Glück mit Schüssen aus der Distanz, erzielte 4 Saisontore. In der Nationalmannschaft spielt er etwas defensiver, kann sich als Schlüsselspieler wenige Ausflüge nach vorne erlauben. Seine Rolle bei dieser Weltmeisterschaft ist gerade deswegen so interessant, weil die Tunesier (außer gegen Panama) sehr viel Wert auf die Verteidigung legen muss. Gegen Belgien und England ist man individuell unterlegen und es wird auch von Skhiri abhängen, ob hier vielleicht eine Überraschung gelingt. Sein erster Auftritt auf der ganz großen Bühne könnte auch dafür sorgen, dass er sich ins Schaufenster für einen etwaigen Transfer im Sommer stellt. Die Anlagen dazu hat er auf jeden Fall.

Davinson Sanchez (21, Kolumbien, Verteidiger)

Schon vor seinem Wechsel von Ajax Amsterdam zu den Tottenham Hotspurs galt Davinson Sanchez als eines der größten Defensivtalente in Europa. Und daran hat sich seitdem nichts geändert. Die 40 Millionen Euro Ablöse, die die Spurs im Sommer 2017 investierten, schienen Sanchez nicht zu interessieren. Von Beginn an zeigte er im Verein, dass er über eine herausragende Qualität verfügt. Ob er in der Dreier- oder in der Viererkette eingesetzt wurde, war im egal. Sanchez schlug sofort ein, spielte eine sehr gute Saison mit 43 Pflichtspieleinsätzen und steht dabei erst am Anfang seiner Karriere. Und: Er ist Teil einer ungemein spannenden Mannschaft Kolumbiens, die in allen Mannschaftsteilen über individuell sehr gute Spieler verfügt.

(Photo by Aurelien Meunier/Getty Images)

Davinson Sanchez gehört zu einer sehr modernen Kategorie der Innenverteidiger. Genau wie sein Nationalmannschaftskollege Mina, der beim FC Barcelona spielt, ist er nicht nur gegen den Ball, sondern vor allem auch mit dem Ball, also im Spielaufbau, sehr wichtig. Seine Pässe sind sauber und präzise, sowohl kurze und lange Flachpässe als auch vereinzelte Diagonalbälle kann er punktgenau verteilen. In ein technisch insgesamt sehr hochwertig aufgestelltes kolumbianisches Team fügt er sich also ideal ein. Große Schwächen fallen in seinem Spiel nicht auf, der Defensivfokus Pochettinos im Verein half Sanchez in dieser Saison auch bei der Stabilisierung seines Spiels, Konzentrationsschwächen traten fast überhaupt nicht mehr auf, Stellungsfehler waren eine Seltenheit.

Der 1,87m große Sanchez ist stark im Antritt, hat ein gutes Timing in seinen Tacklings und begeht verhältnismäßig wenig Fouls. In der ganzen Saison 2017/18 kassierte er in über 3600 Pflichtspielminuten nur drei gelbe Karten, flog allerdings gegen Watford auch einmal vom Platz. Trotzdem ist Sanchez insgesamt ein sehr fairer Spieler, der seinen Körper sehr klug einzusetzen weiß, viele Bälle abläuft und gefährliche Situationen klärt indem er sich gerade unter Druck sehr handlungsschnell präsentiert. In der Nationalmannschaft muss er mehr Verantwortung übernehmen als bei den Spurs, aber auch dieser Aufgabe sollte er bereits gewachsen sein.

 

Hirving Lozano (22, Mexiko, Flügelspieler)

Etwas überraschend bekam die PSV aus Eindhoven im Sommer 2017 den Zuschlag im Rennen um den mexikanischen Offensivspieler Hirving Lozano. Noch überraschender war die Ablösesumme, die im Endeffekt rund 8 Millionen Euro betrug. Natürlich ist die Eredivisie eine hervorragende Anlaufstation für Talente, aber es waren dem Vernehmen auch größere Klubs an Lozano interessiert. Was damals nicht zustande kam, wird mit großer Sicherheit in der Zukunft passieren, denn der Eredivisie ist der Mexikaner bereits jetzt größtenteils entwachsen. Und das will er auch bei der Weltmeisterschaft in Russland zeigen, im Idealfall bereits zum Auftakt gegen Deutschland.

(Photo by Hector Vivas/Getty Images)

Lozano kann man durchaus als einen recht typischen mexikanischen Offensivspieler bezeichnen. Er ist schnell, dribbelstark, manchmal zu verspielt und könnte eine große Karriere hinlegen. Gleiches sagte man beispielsweise auch von Carlos Vela, dem im Endeffekt aber die letzten Prozentpunkte fehlten. Einer der Vorteile Lozanos ist die Tatsache, dass er auf beiden Flügeln eingesetzt werden kann, beidfüßig gefährlich ist. Außerdem kommt ihm die Tatsache, dass die mexikanische Mannschaft grundsätzlich sehr offensivstark ist und er mit dos Santos, Vela, Chicharito oder Jimenez technisch versierte Mitspieler hat, entgegen. Lozano passt hervorragend in das Konzept von Trainer Osorio, der ihm gewisse Freiheiten einräumt, gerade im Dribbling.

Denn das ist eine der wesentlichen Stärken Lozanos. Er gilt als Tempodribbler, der unglaublich schnell Fahrt aufnehmen und seine Gegner nahezu überrennen kann. Die Statistiken in den Niederlanden sprechen für sich: 29 Ligaspiele, 17 Tore, 11 Torvorlagen. Hinzu kommen 7 Tore in 26 Länderspielen. Man merkt ihm die Spielfreude auf dem Platz in fast jeder Situation an, er liebt es zu dribbeln, den Gegner mit seinen schnellen Haken vor Probleme zu stellen und in die Mitte zu ziehen um entweder einen Schuss abzugeben oder einen tödlichen Pass zu spielen.

Dennoch muss Lozano noch weiter reifen. Sein Passspiel ist manchmal unsauber, nach verlorenen Laufduellen oder Ballverlusten bleibt er mitunter stehen, wirkt etwas lustlos im Umschaltverhalten auf die Defensive. Gerade aufgrund des letzten Punktes ist es gut möglich, dass Lozano eher eine Option von der Bank ist. Aber selbst wenn er nur 15 oder 25 Minuten spielt – einen spielentscheidenden Moment kann er selbst dann haben. Mindestens.

 

Hier geht es weiter mit Linetty, Alexander-Arnold, Lo Celso, Miranchuk

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