| WM 2018

WM2018-Vorschau: Gruppe H: Alle mit Ambitionen! Polen, Senegal, Kolumbien, Japan

13. Juni 2018

author:

WM2018-Vorschau: Gruppe H: Alle mit Ambitionen! Polen, Senegal, Kolumbien, Japan

Polen

Polen: Viel mehr als nur Lewandowski

Mit 25 Punkten aus 10 Spielen qualifizierte sich die polnische Mannschaft souverän für die Weltmeisterschaft in Russland, ließ dabei die Dänen, Rumänien und Montenegro hinter sich und wird auch bei diesem Turnier in der Lage sein auf sich aufmerksam zu machen. Die Polen verfügen über ein gutes Team mit einigen bundesligabekannten Spielern, aber auch sonst stehen Spieler im Aufgebot, die bei Topklubs unter Vertrag stehen, weswegen eine Fokussierung auf Robert Lewandowski dem Kader insgesamt nicht gerecht wird. Die Polen gehen als Gruppenkopf in eine vermutlich sehr enge Gruppe und wissen, dass Nuancen entscheiden werden. Das Ziel ist natürlich das Erreichen des Achtelfinals – mindestens.

Der endgültige Kader

TOR: Wojciech Szczesny (Juventus), Lukasz Fabianski (Swansea City), Bartosz Bialkowski (Ipswich Town)

ABWEHR: Lukasz Piszczek (Dortmund), Kamil Glik (AS Monaco), Michal Pazdan, Artur Jedrzejczyk (Legia), Jan Bednarek (Southampton), Thiago Cionek (SPAL), Bartosz Bereszynski (Sampdoria)

MITTELFELD: Jakub Blaszczykowski (Wolfsburg), Maciej Rybus (Lok. Moskau), Piotr Zielinski (SSC Neapel), Karol Linetty (Sampdoria), Jacek Goralski (Ludogorets), Kamil Grosicki (Hull City), Rafal Kurzawa (Zabrze), Gregorz Krychowiak (West Bromwich), Slawomir Peszko (Gdansk)

ANGRIFF: Arkadiusz Milik (SSC Neapel), Robert Lewandowski (FC Bayern), Lukasz Teodorczyk (RSC Anderlecht), Dawid Kownacki (Sampdoria)

Der Trainer: Adam Nawalka

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Als aktiver Fußballer spielte Adam Nawalka lange für Wisla Krakau, später zog es ihn zum Ende seiner Karriere noch einmal in die USA. Auch als Vereinstrainer sammelte er Erfahrungen in Polen, unter anderem bei Wisla, aber auch bei Gornik Zabrze. Der 60-jährige ist seit 2013 Nationaltrainer der Polen und hat einen großen Anteil daran, dass sich die polnische Mannschaft mittlerweile in der Weltspitze wiederfindet. Die Europameisterschaft 2016 war erfolgreich, man musste sich nur dem späteren Titelträger Portugal geschlagen geben – und das auch nur im Elfmeterschießen. Seitdem hat sich die Stammelf der Polen wenig verändert und die Eingespieltheit ist ein Schlüsselelement im Spiel der Polen. Neben den Stars, die bereits vor zwei Jahren am Turnier teilnahmen, schafften es auch dieses Mal wieder junge, talentierte Spieler in das Team von Nawalka, der erneut einen guten, ausgewogenen Kader aufgestellt hat.

 

Robustes, eingespieltes Team

Die Spieler der polnischen Nationalmannschaft sind in ganz Europa verstreut, spielen in vielen verschiedenen Ligen und nur wenige sind in Polen aktiv. Gerade ohne einen entsprechenden Block, der bei einem Team spielt, ist es schwerer Automatismen zu generieren. Eben deswegen setzt Trainer Nawalka gerne nicht nur auf den gleichen Kern an Spielern, sondern versucht auch wenig in Sachen Formation. Das 4-2-3-1/4-4-1-1 ist der Standard, man testete nur selten neue Grundformationen. Die Eingespieltheit ist bei Nationalmannschaften natürlich ein Plus und könnte gerade in dieser engen Gruppe, in der Kleinigkeiten entscheiden, den Ausschlag für die Polen geben.

Insgesamt verfügen die Polen über ein sehr robustes, physisch starkes Team mit einigen großgewachsenen Spielern die sehr kopfballstark sind. Lewandowski und Milik im Sturm, Glik im Abwehrzentrum – all dieses Spieler können bei Offensivstandards für Gefahr sorgen. Kamil Glik, der bei der AS Monaco unter Vertrag steht, war nach einer Schulterverletzung in der Vorbereitung eines der Sorgenkinder im Team, wird es aber laut den letzten Untersuchungen zumindest bis zum 2. Turnierspiel in die Startelf schaffen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Vor dem starken Torhüter Szczesny sind Pazdan und Glik eher wuchtige Innenverteidiger, die zwar über eine gewisse Ruhe am Ball, aber nicht über die ganz großen, kreativen Lösungen im Spielaufbau verfügen. Unter Druck kommt es deswegen häufiger zu einem langen Ball, was aber kein Problem darstellt, denn insbesondere Lewandowski ist in der Lage diese Bälle zu verarbeiten. Rechts hinten verteidigt Dauerbrenner Piszczek, links hinten steht mit Bereszynski ein spannender Akteur von Sampdoria im Aufgebot, der mit dem Klub aus der Serie A eine sehr gute Saison spielte.

 

Lewandowski-Fokus und die Zielinski-Rolle

Vor der Abwehr spielt mit Krychowiak  ein robuster Abräumertyp, der im Passspiel sauber, aber nicht spektakulär ist. Ohnehin fehlt es dem polnischen Spiel an einer spektakulären Note, das System ist nicht extrem ausgeklügelt, aber eben stabil und gut ausbalanciert. Neben respektive etwas vor Krychowiak steht mit Linetty ein sehr spannender Spieler im Aufgebot, der sehr spielintelligent ist, Zielinski, der im offensiven Mittelfeld oder als hängende Spitze agiert, klug unterstützt und die Außen einbindet. Auch die Alternativen sind solide, ein Ausfall im Mittelfeldzentrum dürfte zu kompensieren sein, notfalls mit einer Fünferkette.

Eine ganz besondere Rolle hat Piotr Zielinski. Der 24-jährige vom SSC Neapel kann die Räume nutzen, die die Lewandowski-Bindung zweier Verteidiger ermöglicht, zudem ist Zielinski ein sehr dynamischer Antreiber, der mit seinen Dribblings gerade im so starken polnischen Umschaltspiel für Überzahlsituationen und gute Chancen sorgen kann. Er fungiert als Verbindungsspieler zwischen der Defensive und der Offensive, bindet die Flügelspieler ins Spiel ein, weicht gerne selbst aus und sorgt dafür, dass die gegnerische Defensive sich viel bewegen muss um ihn zu fassen.

(Photo by ANDRZEJ IWANCZUK / AFP)

Da die Flügelspieler im polnischen Kader vergleichsweise unscheinbar daherkommen, haben sie im Nawalka-System auch keine tragende Rolle, die sie ausüben. Im Prinzip müssen sie viel laufen, weite Wege gehen, die Breite im Spiel aufrecht erhalten und vor allem eines: Robert Lewandowski bedienen. Der 29-jährige ist der Superstar der Mannschaft und ein nahezu kompletter Stürmer, der sowohl im Strafraum als auch außerhalb, mit Platz oder ohne Raum und mit dem Fuß und dem Kopf gefährlich werden kann. Mitunter ist seine Chancenverwertung etwas zu ineffizient, wenngleich er in der Nationalmannschaft der Zielspieler überhaupt ist und sehr viel eingebunden wird. Auch seine direkten Freistöße sind mittlerweile sehr gefährlich. Auf ihn wird es ankommen!

Prognose: Der Gruppensieg ist drin

In dieser spannenden, engen Gruppe H haben die Polen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Sie sind eingespielter und beherrschen ihr System aus dem Effeff. Zudem stehen mit dem schnellen Milik, dem kopfballstarken Teodorczyk und dem physisch starken Talent Kownacki einige vielversprechende Offensivalternativen zur Verfügung. Der Kader ist nicht überragend, das System auch nicht, aber das Beherrschen der Einfachheit und individuelle Klasse, die jederzeit abgerufen werden kann, lassen Polen schon zum Favoriten auf den Gruppensieg anmuten – wenn auch knapp. 

 

Redakteur
Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.