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WM2018-Vorschau: Gruppe H: Alle mit Ambitionen! Polen, Senegal, Kolumbien, Japan

13. Juni 2018
Manuel Behlert

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WM2018-Vorschau: Gruppe H: Alle mit Ambitionen! Polen, Senegal, Kolumbien, Japan

Senegal

Senegal: Viel Qualität im Team

Der Senegal fährt mit viel individueller Klasse und einigen bekannten Gesichtern zum Turnier nach Russland und gilt bei vielen Experten als eine der interessantesten Mannschaften in diesem Turnier. Dieser Ruf eilte afrikanischen Mannschaften bereits häufiger voraus, das Resultat war oftmals enttäuschend. Damit das nicht der Fall ist, wird es viel auf die notwendige Disziplin im Team ankommen. Die Qualifikation gelang in einer vergleichsweise schwachen Gruppe ohne Niederlage gegen Kap Verde, Südafrika und Burkina Faso, die Generalproben zur Weltmeisterschaft verliefen durchwachsen (0:0 gegen Luxemburg, 2:0-Sieg gegen Südkorea). Die Gruppenphase soll unbedingt überstanden werden, von der 1. Minute an wird es um alles gehen.

Der endgültige Kader

TOR: Abdoulaye Diallo (Rennes), Khadim N’Diaye (Horoya), Alfred Gomis (Ferrara)

ABWEHR: Kalidou Koulibaly (Neapel), Lamine Gassama (Alanyaspor), Kara Mbodji (Anderlecht), Moussa Wague (Eupen), Youssouf Sabaly (Bordeaux), Salif Sane (Hannover), Saliou Ciss (Valenciennes)

MITTELFELD: Badou N’Diaye (Stoke), Cheikhou Kouyate (West Ham), Idrissa Gueye (Everton), Cheikh N’Doye (Birmingham), Alfred N’Diaye (Wolverhampton), Keita Balde (AS Monaco)

ANGRIFF: Sadio Mané (Liverpool), M’Baye Niang (FC Turin), Diafra Sakho, Ismaila Sarr (Rennes), Moussa Konate (Amiens), Mame Diouf (Stoke), Moussa Sow (Bursaspor)

 

Der Trainer: Aliou Cissé

Der 42-jährige Aliou Cisse verbrachte einen Großteil seiner aktiven Karriere in Frankreich, spielte unter anderem in Lille, Paris und Nimes, war aber auch in England tätig, spielte für Birmingham und Portsmouth. Den Job als Nationaltrainer Senegals hat er seit 2015 inne, dies ist auch sein erste Cheftrainerposten nach seinem Karriereende 2009. Bei der Afrikameisterschaft 2017 erreichte Cissé mit dem Senegal das Viertelfinale, scheiterte dort im Elfmeterschießen an Kamerun. Seitdem ist das Team reifer geworden und Cissé hofft nun, dass er Teil einer Erfolgsstory in diesem Sommer sein kann.

 

Viele offene Fragen

Aliou Cisse muss vor dem Turnier noch viele Fragen beantworten, angefangen beim Spielsystem der senegalesischen Mannschaft. In der Qualifikation, der Vorbereitung und den Testspielen Anfang des Jahres wurden verschiedene Systeme gewählt, keines davon war wirklich ideal. Es fehlt an der Eingespieltheit, zudem ist es schwierig die durchaus starken Einzelspieler in ein funktionierendes System zu integrieren. Das könnte eines der Kernprobleme der talentierten Mannschaft aus dem Senegal werden.

Vor dem soliden Torhüter Diallo stehen mit Kara Mbodji, Kalidou Koulibaly und Salif Sané gleich drei starke Optionen für die Innenverteidigung im Aufgebot. Sie können sowohl in einer Fünferkette, als auch in einer Viererkette agieren. Sollte sich Cissé für eine Vierer-Abwehr entscheiden, wäre Kara wohl der leidtragende. Die Abwehr ist robust, verfügt über einen soliden Spielaufbau und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Außenverteidiger fallen qualitativ etwas ab, erledigen ihren Job aber gewissenhaft.

(Photo by SEYLLOU / AFP)

Im zentralen Mittelfeld herrscht hingegen ein relativ großes Problem. Zwar sind Spieler wie Kouyaté oder Gueye individuell sehr stark, ihnen fehlt es aber an Kreativität und Ballkontrolle. Beide sind eher dynamisch/robust, schalten sich teilweise unbedacht in das Offensivspiel ein und so entstehen Lücken, die tödlich werden können. Einzig Badou Ndiaye kann spielmachende Elemente auf einem hohen Niveau einbringen, aber auch er ist kein dominanter Spieler, der diese grundsätzlich vorherrschende Problematik ausreichend kaschieren kann.

 

Mané benötigt Unterstützung

Auch im Offensivbereich ergeben sich offene Fragen. Sadio Mané kann als 10er, Flügelspieler und zweite Spitze eingesetzt werden, hat auf all diesen Positionen seine Stärken. Doch die Frage ist vor allem: Wie unterstützt man Mané richtig? Der 26-jährige vom FC Liverpool ist ein Spieler, der viele Offensivaktionen in einem Spiel hat, den Ball häufig fordert, ihn nach vorne treibt und den Abschluss sucht. Er benötigt sowohl Unterstützung von einem Mittelstürmer, der möglichst komplett ist, als auch von anderen Offensivakteuren, die über ein gutes Tempo und eine gewisse taktische Grunddisziplin verfügen.

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Und beides haben die Senegalesen in ihrem Kader. Auf dem Flügel ist vor allem Keita Balde von der AS Monaco ein Typ, der für Konstruktivität steht. Sein Passspiel ist sauber, seine Aktionen durchdacht und er bindet seine Mitspieler häufig sehr gut ein. M’Baye Niang ist eher ein abschlussorientierter Spieler, Ismaila Sarr ein hochveranlagter, aber noch zu unreifer, wilder Tempodribbler, der nur als Joker eine Rolle spielen wird, diese könnte aber entscheidend sein.

Im Angriffszentrum verfügt der Senegal gleich über vier Spieler. Während Diafra Sakho und Moussa Konaté eher arbeitende Spieler ohne die ganz großen, beeindruckenden Fähigkeiten sind, gehören Moussa Sow und Mame Diouf zu den eben angesprochenen Akteuren, die Mané hervorragend unterstützen können. Beide sind technisch versiert, beide können Bälle halten und auch einmal ausweichen, um Räume zu schaffen.

Prognose: Gruppenaus für den Senegal

Dennoch: Die individuelle Qualität überragt die vielen Ungereimtheiten nicht in einem entsprechenden Maß. Der Senegal wird es schwer haben die notwendigen Qualitäten für ihr Spiel adäquat einzubringen. In der engen Gruppe kann man sicher mithalten und auch vereinzelte Akzente setzen, um am Ende aber in die nächste Runde einzuziehen fehlt es an Struktur. 

 

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