Bielefeld. Der FC St. Pauli hat am Freitagabend das Spiel gemacht – und Arminia Bielefeld die Tore. Am Ende stand ein 2:2 (1:1) vor 26.750 Zuschauern auf der ausverkauften Alm, das den Gastgebern ein bisschen zu wenig und den Gästen ein bisschen zu viel war. Für den Bundesliga-Absteiger bleibt es damit beim Saisonstart ohne Sieg: drei Punkte aus vier Spielen, Platz zwölf. Bielefeld hat einen Zähler mehr und steht vorerst auf Rang acht.
Zwei Geschenke, zwei Antworten
Der Spielverlauf wiederholte sich fast auf die Minute. Beide Male ging Bielefeld durch einen St.-Pauli-Fehler in Führung, beide Male glichen die Hamburger mit einem sehenswerten Tor aus.
Das erste Geschenk kam nach 14 Minuten: Ein langer Abstoß von Arminia-Torhüter Jonas Kersken rutschte durch, David Nemeth verlor den Zweikampf gegen Jannik Rochelt, und der frühere Hannoveraner lief allein auf Ben Voll zu und lupfte ein. Mehr als ein Abschlag war für das 1:0 nicht nötig. Sechs Minuten später die Antwort: Nemeth, gerade noch der Schuldige, spielte einen starken Steilpass durch die Bielefelder Reihen auf Taichi Hara, der zum 1:1 vollendete (20.).
Nach der Pause dasselbe Muster. Rochelt brachte einen Freistoß von rechts in den Strafraum, Hara fälschte unglücklich ab, und Joel Grodowski zog aus dem Rückraum sofort ab – leicht abgefälscht von Mathias Rasmussen, unhaltbar unter die Latte (51.). Wieder ein Standard, wieder nicht sauber geklärt. Und wieder kam die Antwort: In der 65. Minute schickte Rasmussen Arkadiusz Pyrka über rechts, dessen flache Hereingabe der eingewechselte Abdoulie Ceesay aus kurzer Distanz mit der Hacke ins Tor beförderte. Das schönste Tor des Abends, und das einzige, das St. Paulis Spielanteilen gerecht wurde.
Die Debütanten kamen zu spät
Kurios der Zeitpunkt des Ausgleichs: Unmittelbar danach brachte Arminia-Trainer Oliver Kirch seine beiden Deadline-Day-Zugänge David Min (FC Utrecht) und Leon Jensen (Hertha BSC) für Rochelt und Momuluh (66.). Min, der die frühere Klos-Rückennummer 9 trägt, kam in der 81. Minute zu seinem ersten Abschluss – über das Tor. Die Führung, die sie verteidigen sollten, war da schon weg.
Kirch hatte im Vergleich zur 1:4-Niederlage in Nürnberg zwei Positionen getauscht: Marius Wörl für Sam Schreck, Arne Sicker für Tim Handwerker – exakt die Startelf des einzigen Saisonsieges, dem 3:0 gegen Cottbus. Auf St.-Pauli-Seite schickte Marcel Rapp dieselbe Elf wie beim 1:2 gegen Kaiserslautern ins Rennen. Zur zweiten Halbzeit stellte er auf ein 3-5-2 gegen den Ball um, mit Connor Metcalfe als rechtem Teil der Dreierkette. Dass die Umstellung sportliche und keine gesundheitlichen Gründe hatte, betonte Rapp anschließend: „Es war ein Wechsel für Connor und nicht gegen Brane.“
Die Zahlen hinter dem Frust
Für St. Pauli fasst ein Wert den Saisonstart zusammen: neun Gegentore in fünf Pflichtspielen, in jedem Spiel mindestens eins. Der Absteiger dominiert Partien, hat Ballbesitz und Kontrolle – und lädt den Gegner trotzdem ein. In Bielefeld reichten ein Abschlag und ein Freistoß.
„Wir hatten eine ordentliche Spielkontrolle, aber aus dieser Kontrolle heraus zu wenige Chancen kreiert“, sagte Rapp der Sportschau. Der Vorwurf gilt beiden Enden des Platzes. Vorne blieb Martijn Kaars erneut blass und musste für Ceesay weichen – jenen Ceesay, der schon gegen Kaiserslautern Sekunden nach seiner Einwechslung getroffen hatte und trotzdem wieder auf der Bank saß.
Rochelt sah es vom anderen Ende aus gelassener: „Es war ein gutes Spiel von uns. Wir hatten aber auch einige Momente, in denen wir hinten nicht so wach waren.“ Für Arminia, im Vorjahr noch Pokalfinalist und vor zwei Wochen von Drittligist Großaspach aus dem Pokal geworfen, ist der Punkt gegen einen Absteiger kein schlechtes Ergebnis.
Wie es weitergeht
Bielefeld ist am kommenden Freitag um 18.30 Uhr in Darmstadt zu Gast. St. Pauli empfängt am Samstagabend um 20.30 Uhr den VfL Wolfsburg – den Klub, der die Zweitliga-Transferbilanz des NDR als Gewinner abschloss, während St. Pauli dort als Verlierer geführt wird. Bis dahin hat Rapp eine Woche, um aus Kontrolle Chancen zu machen. Und aus Chancen keine Gegentore.

