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Bundesliga Vorschau 1/6 | Frankfurt, Düsseldorf, Wolfsburg

11. August 2019

Bundesliga Vorschau 1/6 | Frankfurt, Düsseldorf, Wolfsburg

Vorschau | Am Freitagabend startet die Bundesliga mit dem Eröffnungsspiel zwischen dem FC Bayern und Hertha BSC in die Saison 2019/20! Vorab blicken wir in unserer ausführlichen Vorschau auf alle 18 Teams, was sich im Sommer getan hat, welche Spieler besonders im Fokus stehen und geben zudem auch noch Prognosen ab!

Teil 1: Eintracht Frankfurt, Fortuna Düsseldorf, VfL Wolfsburg

Eintracht Frankfurt

(Letzte Saison: 7. Platz)

Viel erlebt in Hütters Debütsaison

Die vergangene Saison der Eintracht war eine einzige Überraschung – im Positiven, wie im Negativen. Direkt zu Saisonbeginn stolperte die SGE im DFB-Pokal über den SSV Ulm, doch dieses Pokalaus sollte schnell in Vergessenheit geraten. Frankfurt wusste mit Neu-Trainer Adi Hütter (49) zu gefallen, spielte einen durchaus ansehnlichen Fußball und konnte sowohl in der Bundesliga, als auch in der Europa League überraschen.

(Photo by Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images

Dieses Überraschungsmoment ist den Frankfurtern auch zu Beginn der Rückrunde nicht abhanden gekommen. Man steuerte schnurstracks auf die Champions League-Qualifikation zu und setzte in der Europa League gnadenlose Akzente. Der Eintracht schien einfach alles zu gelingen. Doch mit der schmerzhaften Niederlage in der Europa League gegen den späteren Gewinner Chelsea kam es auch im Schlussspurt um die Cl-Quali zu herben Punktverlusten. In der Live-Tabelle am 34. Spieltag schien die SGE sogar kurz vor dem GAU, als man nur auf Platz 8 stand. Letztendlich hatte die Eintracht aber das nötige Glück um noch auf den siebten Rang zu rutschen. Man beendete diese euphorische Saison schlussendlich mit 54 Punkten, einem Torverhältnis von 60:48 und reichlich neu gewonnenen Sympathien.

Neustart 2.0

Bereits vor der abgelaufenen Saison stand die SGE vor einem Neuanfang. Nach der Ära Niko Kovac (47) wusste niemand so recht, wie Frankfurt einzustufen war und erst Recht nach dem Pokalaus wurden die ersten kritischen Stimmen vernommen. Doch es sollte – wie bereits angesprochen – anders kommen. Dennoch steht die SGE auch vor dieser Punktrunde vor einem weiteren Neuanfang. Nach den schmerzhaften Abgängen von Luka Jovic (21) und Sebastien Haller (25) muss sich die Offensive von den Hessen zunächst neu orientieren. Die ersten Eindrücke in der Europa League-Qualifikation waren dahingehend ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem der Japaner Kamada blühte auf.

Fredi Bobic (47) schaffte es einige Stammkräfte zu halten, vom kompletten Ausverkauf blieb Eintracht Frankfurt zu ihrem Glück verschont. Die Leihgaben Filip Kostic (26), Sebastian Rode (28), Martin Hinteregger (26) und Kevin Trapp (29) wurden allesamt fest verpflichtet, zudem sind auch Ante Rebic (25) und Danny da Costa (26) noch im Kader verankert. Sinnvoll sind auch die Verpflichtungen von Dominik Kohr (25) und Djibril Sow (22). Beide sind im zentralen Mittelfeld beheimatet und dürften der Eintracht weiter geballte Stabilität verleihen.

Mit diesem Kern will Frankfurt nun in die neue Punktrunde gehen und unbedingt an die Vorsaison anknüpfen. Die Art und Weise Fußball zu spielen wird sich kaum verändern, allerdings sind die angesprochenen Personalwechsel zu beachten. Beispielsweise muss sich der treffsichere Goalgetter, den bis zuletzt Jovic darstellte, noch herauskristallisieren. Jedoch dürfte die SGE positiv stimmen, dass man aufgrund der frühen Europa League-Quali bereits im Pflichtspielbetrieb ist und eine Eingewöhnungszeit der Truppe damit hinfällig sein dürfte. Somit kann die Eintracht aus Frankfurt auch in diesem Jahr zu einer Überraschungsmannschaft aufsteigen, wenn auch unter veränderten Bedingungen.

Im Fokus: Goncalo Paciencia

Der Portugiese kam bereits im vergangenen Sommer zur Eintracht nach Frankfurt, für drei Millionen Euro wechselte Paciencia (25) vom FC Porto nach Deutschland. In seinem ersten Jahr bedurfte es aber noch einiges an Anlaufzeit. Die Hinrunde verpasste er verletzungsbedingt nahezu komplett, konnte in der Rückrunde aber in Teilen unter Beweis stellen, was er drauf hat.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Nach den namhaften Abgängen lastet der Druck nun auf neuen Schultern, auch auf denen von Goncalo Paciencia. Mit seinem Spielstil dürfte er Sebastien Haller recht nahe kommen und so versuchen, die große Lücke zu schließen. Er beweist ein großes Spielverständnis, agiert ruhig mit dem Ball am Fuß und erwies sich durchaus kaltschnäuzig vor dem gegnerischen Gehäuse. Mit ausreichend Selbstvertrauen und der eingespielten Mannschaft darf man dementsprechend viel vom 25-jährigen erwarten.

Newcomer: Dejan Joveljic

Dejan Joveljic (20) wurde nicht nur verpflichtet, weil er ähnlich klingt wie Vorgänger Luka Jovic, nein, der 20-jährige Mittelstürmer könnte sich in dieser Saison als wahrer Shootingstar beweisen. Der Serbe kam für vier Millionen Euro aus Belgrad und hat eine durchaus beeindruckende Statistik vorzuweisen. In der letzten Saison kam Joveljic auf 28 Pflichtspiele für Roter Stern und konnte dabei 14 Treffer erzielen. Für sein Alter eine bemerkenswert souveräne Ausbeute. Zudem durfte er schon Champions League-Luft schnuppern und kam mehrfach in der UEFA Youth League zum Einsatz.

Die SGE-Anhänger dürfen sich auf einen handlungsschnellen und torgefährlichen Mittelstürmer freuen, der auf jeden Fall dazu in der Lage ist die Eintracht zu bereichern. Allerdings sollten die Erwartungen zu Beginn nicht an die Marke von Luka Jovic gehängt werden, der Neuzugang muss sich erst einmal an die Bundesliga gewöhnen, sollte aber im Laufe der Saison auf reichlich Minuten kommen.

Prognose

Entscheidend wird sein, ob Eintracht Frankfurt auch in dieser Saison auf einer Euphoriewelle surfen kann. Sollte dies gelingen, können wie im vergangenen Jahr ungeahnte Kräfte freigesetzt werden, die einen durch die Saison tragen. Eine erneute Qualifikation für das internationale Geschäft ist keinesfalls ausgeschlossen, angesichts der Konkurrenz dürfte das aber alles andere als sichergestellt sein.

Steffen Gronwald

Fortuna Düsseldorf

(Letzte Saison: 10. Platz)

Nach Überraschung stabilisieren

Die Fortuna aus Düsseldorf dürfte zu den Überraschungsteams der letzten Bundesliga-Saison zählen. Als Aufsteiger mit verhältnismäßig kleinem Budget und einem Kader, der nicht mit purer individueller Qualität gefüllt war, startete man in die Saison. Und konnte souverän die Klasse halten. 44 Punkte und ein mehr als beachtenswerter Platz 10 sprechen eine deutliche Sprache. Trotz einer Streitigkeit rund um Trainer Funkel und seine Vertragsverlängerung ließ man sich nicht beirren und überzeugte vor allem durch eine konsequente taktische Ausrichtung. Dass die wichtigste Siegesserie der Fortunen auf dem Weg zum Klassenerhalt just in dem Moment ihren Lauf nahm, als verkündet wurde, dass Funkel bei Klassenerhalt Trainer bleibt, kann durchaus als weiteres Indiz für die Verbindung von Mannschaft und Coach gesehen werden.

Funkel, als ältester Bundesligatrainer, hatte seiner Mannschaft eine klare Idee und Identität mitgegeben: Mit Leidenschaft verteidigen und wenn möglich Umschaltmomente radikal ausnutzen und Tempo-Konter fahren. Was auf den ersten Blick simpel scheint, führte die Düsseldorfer zum Klassenerhalt. Denn selten hat eine Mannschaft ein solches Konzept so diszipliniert und leidenschaftlich gespielt wie die Fortunen im letzten Jahr. Funkel gilt hier natürlich das größte Kompliment. Nicht nur der Einsatzeille und die taktische Reife des Teams überzeugten.

Die Spielweise passte perfekt zum vorhandenen Spielermaterial. Achtungserfolge gegen Teams wie Bayern und Dortmund unterstrichen, dass man am Rhein genau wusste, was man zu tun hat. Diese Spiele brachten Bonuspunkte, die man für die Mission Klassenerhalt nur allzu gut gebrauchen konnte. Schnelle Stürmer wie Benito Raman (24) und Dodi Lukebakio (21) bildeten logischerweise die Grundpfeiler des temporeichen Konterspiels und sind ein gutes Beispiel, wie Funkels System die Spieler in die richtigen Situationen brachte. Beide präsentierten sich in der vergangenen Saison stark und konnten Eigenwerbung betreiben.

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Ein zweischneidiges Schwert für einen Verein wie Düsseldorf. Denn auf beide muss man in der neuen Saison verzichten. Raman wechselte zu Schalke, Lukebakio nach beendete Leihe zu Hertha BSC. Klare Schwächungen für die Düsseldorfer und die signifikantesten Abgänge des Sommers. Andere Schlüsselspieler wie Kevin Stöger hingegen konnten, Stand jetzt, gehalten werden. Und auf dem Transfermarkt zeigten sich die Verantwortlichen mal wieder einfallsreich. Erik Thommy (24) wurde vom VfB Stuttgart geliehen und bringt gemeinsam mit Nana Ampomah (23), der für vier Millionen aus Belgien kommt, das verlorene Tempo zumindest in Teilen zurück in den Kader. Auch die ablösefreien Verpflichtungen von Kelvin Ofori, einem 18-jährigen Talent und dem erfahrenen Markus Suttner sind nennenswert und könnten positiven Einfluss auf den Verlauf der nächsten Saison haben.

Im Fokus: Kaan Ayhan

Nach der letzten Saison hätte man hier gerne über Kevin Stöger (25) geschrieben, den vielleicht besten Fortunen der vergangen Saison. Doch der Mittelfeldspieler wird aufgrund eines Kreuzbandrisses lange ausfallen und überlässt diesen Platz nun Kaan Ayhan. Der 24-jährige Innenverteidiger konnte schon im letzten Jahr immer wieder zeigen, wie hochveranlagt er ist.

Zudem spielt Ayhan auf der wohl wichtigsten Position für eine Mannschaft wie Düsseldorf. Die Abgabe von Ballbesitz gegen qualitativ hochwertigere Gegner verlangt in der Abwehrzentrale hohe Disziplin und konstant starke Leistungen. Und Ayhan spielte in der vergangenen Saison konstant stark! Seine Stärke bei eigenen Standards dürfte ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Faktor sein.

Newcomer: Kelvin Ofori

Kelvin Ofori ist einer dieser Spielertypen, die sich bei einer Mannschaft wie Düsseldorf schnell einen Namen machen könnte. In einer ghanaischen Fußballakadamie ausgebildet und nun am Rhein ablösefrei unter Vertrag genommen bringt der 18-jährige einige Voraussetzungen mit um eine interessante Rolle unter Funkel einzunehmen. Der Ghaner ist schnell und technisch stark. Genau die Fähigkeiten, die Lukebakio in der letzten Saison zum Senkrechtstarter machten. Ofori könnte auf lange Sicht eine ähnliche Entwicklung nehmen und ist es definitiv wert gesondert beobachtet zu werden. 

Prognose

Für die Fortuna dürfte nach dem überraschen souveränen Klassenerhalt die zweite Saison im Oberhaus kein Stück einfacher werden. Die Verluste von Raman und Lukebakio sind eklatant. Zwar präsentierte man sich auf dem Transfermarkt einfallsreich, aber eben auch risikobehaftet. Sollten die Ideen nicht funktionieren, droht den Fortunen Liga 2. Eine Saison in der bis zum bitteren Ende gezittert werden muss scheint sicher. 

Julius Eid

VfL Wolfsburg

(Letzte Saison: 6. Platz)

Glasner muss weiterentwickeln

Die vergangene Spielzeit des VfL Wolfsburg ist schnell zusammengefasst. Nach turbulenten Jahren, in denen sich die “Wölfe” immer wieder mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen mussten, stabilisierte Bruno Labbadia die Mannschaft. Mit klugen Ergänzungen wie Roussillon (26) oder Weghorst (27) und einem wirklich ordentlichen Ballbesitzfußball schaffte es Wolfsburg nicht nur eine ruhige Saison zu verleben, sondern auch den Europapokal zu fixieren.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Unruhe, wenn man das so nennen mag, herrschte eigentlich nur als klar wurde, dass der Vertrag mit Bruno Labbadia nicht verlängert wird. Aber: Menschlich schien nicht alles zwischen Labbadia und Schmadtke zu passen, die Wege trennten sich möglicherweise zum richtigen Zeitpunkt. Bei der Wahl des Nachfolgers ließ man sich in Wolfsburg Zeit. Und diese Wahl fiel auf einen eher unbekannten Trainer: Oliver Glasner wurde aus Linz verpflichtet – und dort zeigte er, dass er durchaus etwas auf dem Kasten hat. Denn auch der LASK spielte einen ordentlichen Ballbesitzfußball, legte Wert auf viele Variationen in Sachen Tempo und war taktisch flexibel.

Nach der Stabilisation unter Labbadia könnte unter Glasner also der nächste Schritt erfolgen. Die Grundbasis soll genutzt werden und mit mehr Ideen, noch mehr Flexibilität ergänzt werden. Die Anpassungen benötigen natürlich Zeit, zudem musste der Kader noch auf Europapokalbreite getrimmt werden. Doch wieder schien man in Wolfsburg einen guten Plan in der Hinterhand zu haben – Schmadtke sei Dank.

Kluge Ergänzungen als Pluspunkt

Mit Stefaniak (24), Dimata (21), Osimhen (20), Itter (20), Seguin (24), Jung (29), Verhaegh (35) und Bazoer (22) verließen zwar einige Spieler den Klub, viele waren aber schon zuvor ausgeliehen oder spielten in der ersten Elf keine große Rolle. Lediglich bei Josip Brekalo gab es Bedenken hinsichtlich eines Abgangs, der Kroate konnte aber vom “Projekt VfL” überzeugt werden und will nun den nächsten Schritt in Wolfsburg machen.

Auf der Zugangsseite tat sich nicht viel Spektakuläres, das war aber auch nicht nötig. Paulo Otavio (24, Ingolstadt) sorgt für eine zusätzliche Option auf der Linksverteidigerposition, Joao Victor (25), den Glasner aus Linz mitbrachte, verstärkt die Offensive in der Breite. Kevin Mbabu (24) kam für rund 10 Millionen Euro aus Bern und ist sofort eine Verstärkung auf der Rechtsverteidigerposition, Xaver Schlager (21) aus Salzburg soll zukünftig das zentrale Mittelfeld beackern. Und: Aufgrund der längeren Verletzung von Ginczek wurde der 20-jährige Lukas Nmecha von Manchester City ausgeliehen. Mit seiner Wucht kann er der Offensive sicher weiterhelfen.

Der ein oder andere Spieler kann den Verein sogar noch verlassen, so zum Beispiel Ntep oder Azzaoui. Ansonsten wirkt der Kader sehr homogen. Casteels (27) ist ein sicherer Rückhalt im Tor, Brooks (26) dirigiert die Defensive und im Mittelfeld verfügt man auch wegen Schlager über viele Variationsmöglichkeiten. Man kann Wert auf Technik und Ballkontrolle legen, jedoch verfügt man mit dem angesprochenen Schlager auch über eine Menge Dynamik im Mittelfeld, außerdem könnten Spieler wie Rexhbecaj (21) oder Klaus (26) noch einen Sprung nach vorne machen. Die Arbeit im Sommer wurde also gewissenhaft erledigt. 

Im Fokus: Kevin Mbabu

(Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Bei den Young Boys in Bern war Kevin Mbabu ein absoluter  Schlüsselspieler. Er verkörpert sämtliche Fähigkeiten, die ein moderner Außenverteidiger mitbringen muss. Mbabu ist spielstark, defensiv sehr wachsam, hält die Balance auf seiner Seite sehr gut und treibt das Offensivspiel an. Als Äquivalent zu Roussillon, der eben jene Qualitäten auf der linken Seite vorzuweisen hat, könnte Mbabu eine hervorragende Wahl für die „Wölfe“ sein und die gesamte Defensive noch einmal auf ein höheres Niveau heben. 

Newcomer: Lukas Nmecha

Der U21-Nationalspieler nahm im Sommer an der Europameisterschaft in Italien und San Marino teil und sammelte den ein oder anderen Jokereinsatz. Der großgewachsene Nmecha weiß genau, wie er sich im Strafraum zu verhalten und wie er seine hervorragende Physis einzusetzen hat und könnte Weghorst in den ersten Saisonwochen sehr gut entlasten, weil er einen ähnlichen Spielstil hat. Was Nmecha nun vor allen Dingen benötigt, ist Spielpraxis auf hohem Niveau. 

Prognose

Mit der Stabilisierung der letzten Saison wurde der erste Schritt in Wolfsburg gemacht. Das Transferfenster wirkt auf den ersten Blick sehr gut und durchdacht und die Ideen, die Oliver Glasner einbringt, klingen ebenfalls vielversprechend. Entscheidend ist aber, was auf dem Platz passiert. Die Niedersachsen sind auf jeden Fall gerüstet und das Ziel, also um die Europapokalränge mitzuspielen, ist definitiv realistisch. 

Manuel Behlert

(Photo by Joosep Martinson/Getty Images)

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