Alex Meier Fußballgott – Ganz anders als Andere

Alex Meier Karriereende
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Alex Meier beendet seine aktive Karriere. Am 7. Januar ist er 37 Jahre alt geworden. Der Stürmer hat in seiner Laufbahn viel erreicht und zuverlässig Tore geschossen. Besonders ausgezeichnet haben ihn aber nicht seine konstanten Leistungen, sondern seine besondere, unaufgeregte Art.

Am 5. Mai 2018, kurz vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV, rollen die Frankfurter Ultras in ihrer Kurve ein Banner aus: „Verdienten Spielern gebührt Respekt – Vertrag für Alex!“ steht darauf geschrieben.

Ihre Forderung bezieht sich auf Alex Meier, in Frankfurt liebevoll und vor allem anerkennend „Fußballgott“ genannt.
Der Vertrag des Stürmers, zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt, läuft nach einer Saison mit bis dahin keiner Minute Einsatzzeit aus. Ein Infekt und Knöchelprobleme hatten ihn die ganze Spielzeit gekostet. Aus sportlicher Sicht eine nachvollziehbare Entscheidung, Meier keine Vertragsverlängerung in Aussicht zu stellen.

Nicht aber für die Fans, die den gebürtigen Hamburger nach 14 Jahren im Verein als ihr Idol vergöttern und ihm viel zu verdanken haben. In 379 Spielen für Eintracht Frankfurt erzielte Meier 137 Tore und bereitete 55 weitere vor. 2012 schoss er die Eintracht in der 2. Bundesliga als Torschützenkönig zum Aufstieg und gewann 2015 mit 19 Treffern die Torjägerkanone der Bundesliga.

Alex Meier Karriereende
(Photo by Ronald Wittek/Bongarts/Getty Images)

Frankfurt feiert ein Tor zum 3:0 wie im Rausch

Kurz vor Spielende passiert beim Stand von 2:0 spielerisch nicht mehr viel, als plötzlich ausufernder Jubel im Stadion ausbricht. In der 87. Spielminute läuft Meier an der Seitenlinie zur Trainerbank. Seine Einwechslung wird mit stehenden Ovationen gefeiert. Das Publikum ruft seinen Namen mit dem Zusatz „Fußballgott“ aus.

Die Eintracht kontert den HSV nun aus und wird von den Rängen jetzt noch einmal angetrieben. Ihr „Fußballgott“ hat die Zuschauer wachgeküsst. Die letzten beiden Frankfurter Angriffe werden nun gezielt auf Alex Meier gespielt, der mit dem zweiten Versuch das 3:0 erzielt und ein ganzes Stadion in Ekstase versetzt.

Meiers Treffer wird gefeiert, wie sich andernorts nicht einmal mehr über deutsche Meisterschaften gefreut wird. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen und singen das in Frankfurt berühmte Lied über den Fußballgott „Er trifft mit dem Fuß, er trifft mit dem Kopf, er trifft, wie er will – sogar mit dem Zopf. Fußballgott, Fußballgott, Alex Meier Fußballgott!“

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Plötzlich hat St. Pauli zwei Fußballgötter

Ähnlich emotionale Szenen wie bei Meiers letztem Spiel in Frankfurt spielen sich sieben Monate später am Hamburger Millerntor ab. Am 4. Februar 2019 empfängt der FC St. Pauli Union Berlin. Es ist das erste Heimspiel von Winterneuzugang Alex Meier. Nach über 15 Jahren spielt er wieder dort, wo seine Karriere begann. Für Meier war es eine Herzenssache zum FC St. Pauli zurückzukehren. „Ich wollte nur noch etwas machen, wo ich hinter stehe“, sagte er selbst über den Wechsel gegenüber dem Streamingdienst DAZN.

Schon direkt nach dem Abschluss des Transfers freuten sich die St. Pauli-Fans mit einer Aufgeregtheit über Meier, die untypisch ist für diese Fangemeinde. Schließlich stehen der Verein und seine Werte über Allem und mit Verteidiger Jan Phillip Kalla hat der Klub bereits seinen eigenen „Fußballgott“.  

Doch schon beim Ausrufen der Mannschaftsaufstellung gibt es zwei Fußballgötter, wobei der Namenszusatz bei Alex Meier noch etwas zaghaft daherkommt. Als Meier in der 63. Spielminute das 2:0 erzielt, hat er erstmals auch auf St. Pauli überzeugend den Ruf des „Fußballgottes“. Komplette Ekstase herrscht schließlich in der vierten Minute der Nachspielzeit, als Meier, eigentlich schon völlig ausgelaugt nach über 90 Minuten, leicht humpelnd zum Elfmeterpunkt schreitet, den Torwart ausguckt und den Ball ins Tor schiebt. St. Pauli gewinnt 3:2 und feiert den Stürmer.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Wie ein Relikt aus früherer Zeit

Warum aber wurde ein einzelner Spieler bei zwei verschiedenen Vereinen derart ausgelassen gefeiert und regelrecht verehrt? „Wenn ich etwas Gutes gefunden habe, reicht mir das. Dann muss ich nichts neues versuchen“, hat Alex Meier einmal zum Fußballkultur-Magazin 11Freunde gesagt. Dieser Satz bringt seine Einstellung und die bemerkenswerte Vereinstreue auf den Punkt.

Physisch ist Meier mit 1,96 Meter eine wuchtige Erscheinung, doch er spricht leise und bedacht, beschränkt sich in der Öffentlichkeit meist auf kurze Sätze und sagt ohnehin nur etwas, wenn er muss.
Er wirkt schüchtern und ruhig, strahlt viel Gelassenheit aus. Gelassenheit, die heutzutage im schnelllebigen und hysterischen Profifußball selten geworden ist. Wo junge Fußballer sich mit Anfang 20 über die sozialen Medien inszenieren, wirkt Meier mit seiner besonnenden Art und dem norddeutschen Akzent wie ein Gegenentwurf aus alten, ruhigeren Zeiten.

Aus Zeiten, in denen Vereinstreue noch keine Seltenheit war und Sätze wie „Die Vereine, für die man gespielt hat, bleiben in einem drin. Bei mir ist natürlich das meiste Eintracht, da führt auch kein weg dran vorbei“ keine Besonderheit darstellten. Heute stechen sie heraus, auch weil die Beziehung zwischen Eintracht Frankfurt und Alex Meier eine Besondere ist.

Zum Abschluss Abenteuer Australien

Nach 14 Jahren bei Eintracht und der halbjährigen Rückkehr zu seinem Jugendverein wagte der gebürtige Hamburger, der stets wusste was er hat mit 36 Jahren nochmal ein sportliches sowie kulturelles Abenteuer. In zwölf Partien in der australischen A-League gelangen ihm nochmal jeweils ein Tor und ein Assist. Ende Januar beendete er seine Karriere. Wie es für ihn weitergeht, ist noch nicht bekannt, alles andere als eine Funktion bei Eintracht Frankfurt wäre aber eine Überraschung.

(Photo by Quinn Rooney Getty Images)

Alex Meier ist ein Typ, den alle lieben. Nicht, weil er einen besonderen Torriecher hatte und seinen Abschluss mit dem rechten Innenrist während seiner langen Karriere perfektioniert hat, sondern weil er als Profi anders war als die meisten seiner Kollegen. Trotz, oder gerade wegen seiner ruhigen Art, stach er im aufgeregten Profifußball als Typ heraus, und wurde umso emotionaler dafür gefeiert.

Spieler, die so unaufgeregt und bescheiden ihrer Arbeit nachgehen, verlässlich Leistungen bringen und sich dabei stets in den Dienst der Mannschaft stellen, gibt es immer weniger. Mit Alex Meier hat nicht nur einer der besten Mittelstürmer der jüngeren Bundesliga-Geschichte seine Karriere beendet, sondern auch ein ganz besonderer Typ. Ein Fußballgott, der anders war als alle Anderen.

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(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Piet Bosse

Fasziniert von diesem einen langen Pass in die Spitze. Hat eine Schwäche für deutschen und französischen Fußball. Seit 2019 bei 90PLUS.

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