Eberl über DFB-Krise: Müssen in Ausbildung „neue Wege gehen“

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News | Max Eberl, Manager von Borussia Mönchengladbach, sieht in der aktuellen DFB-Krise auch eine Krise in der Ausbildung neuer Profi-Spieler. Laut Eberl hat Deutschland Probleme, gewisse Arten von Spielern zu entwickeln. Diese Krise begann bereits vor einigen Jahren.

Eberl: Deutschland setzte zu wenig auf Charakter

Gladbach-Manager Max Eberl (47) ist die aktuelle Krise der deutschen Nationalmannschaft ein wenig anders angegangen. Für ihn liegen die Probleme in der Spielerausbildung der letzten Jahre. „Ich habe das Problem schon vor langer Zeit gesehen. Im Fußball hat man alle 20 Jahre dieselbe Story, wir haben die EM im Jahr 2000. Wir sind in der Gruppenphase als Letzter ausgeschieden, woraufhin der DFB das Projekt der Nachwuchsleistungszentren mit den Vereinen aufbaue. Es endete mit dem WM-Sieg 2014, mit genau den Spielern, die um 2000 herum zu den Vereinen stießen“, erklärte Eberl gegenüber ESPN.

In Zeiten des Erfolges begeht man bekannterweise die größten Fehler und so erklärt Eberl, dass nach dem WM-Sieg zu sehr auf denselben Spielertyp gesetzt wurde. „Wir haben allerdings ein wenig den deutschen Stil verloren. Wir haben großartige Spieler entwickelt. Marco Reus, Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Thomas Müller, Andre Schürrle – viele Offensivspieler, aber zuvor waren Defensivspieler unsere Stärke“, so Eberls Sichtweise. „Das aktuelle Resultat: Timo Werner, Serge Gnabry, Leroy Sane, Kai Havertz. Wir haben viele Angreifer, aber wenig typisch deutsche Verteidiger. Der beste ist Joshua Kimmich, der jedoch im Mittelfeld so gut spielte, dass er nicht mehr als Rechtsverteidiger spielt.“

Confed Cup verschleierte DFB-Problem

Vor allem der Confed-Cup-Sieg der DFB-Elf im Jahr 2017 beschönigte laut Eberl die Lage. „Wir gewannen das Turnier mit jungen Spielern, quasi der zweiten Nationalmannschaft. Also hat jeder erwartet, dass es einfach so weitergehen wird. 2018 war dann die erste große Überraschung, dass es das eben nicht tun wird.“ Andere Länder hätten in der Zeit einen besseren Job gemacht – Frankreich, Spanien, Italien und speziell England. Nun müsse man im deutschen Fußball wieder aufwachen und neue Wege gehen. „Wir müssen über die Strategie, wie wir junge Spieler entwickeln, nachdenken. Vor 20 Jahren gab es 100.000 toptalentierte Spieler in Deutschland. Jetzt haben wir nur noch 50-40.000, weil es mittlerweile so viele Dinge abseits des Fußballs gibt. Es werden also weniger Spieler und damit müssen wir umgehen“, so Eberl.

Ein Problem ist, dass seit 2000 zu sehr auf kreative Spieler gesetzt wurde. „Wir hatten Innenverteidiger und jeder dachte: Okay, die sind groß, schnell, das reicht. Aber jeder Verein schaute nur auf die fußballerischen Fähigkeiten, Mentalität und Charakter wurden dabei kaum noch beachtet“, kritisiert Eberl. „Das Resultat: Wir haben tolle und technisch starke Spieler, sprechen aber die ganze Zeit von Mentalität. Wir haben in den letzten 15 Jahren vergessen, diese speziellen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und jetzt haben wir ’nur‘ Fußballer.“

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(Photo by THILO SCHMUELGEN/POOL/AFP via Getty Images)

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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