Hertha | Bobic: „Es liegt an Dardai, wie lange er Trainer ist“ – Verteidigung des Transfersommers

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News | Hertha BSC ist mit sechs Punkten aus sechs Spielen enttäuschend in die neue Saison gestartet, doch Fredi Bobic verteidigt den eingeschlagenen Weg und mahnt zur Geduld. Herthas Geschäftsführer Sport spricht über den vergangenen Transfersommer und die Zukunft von Trainer Pal Dardai.

Bobic: Dardai kann „noch zehn Jahre“ Hertha-Trainer sein

Es war ein einmal mehr enttäuschender Saisonstart für Hertha BSC. Der Hauptstadtverein hat sich nach zwei Chaosjahren für einen Neuanfang entschieden – 2021/22 soll die Saison im stabilen Mittelfeld enden. Doch selbst dieses eher zurückhaltende Saisonziel wird vom bisherigen Eindruck bedroht. Hertha hat vier seiner sechs Ligaspiele verloren, nur gegen die Aufsteiger aus Bochum und Fürth gewinnen können. Besonders das 0:5 in München und die jüngste 0:6-Pleite bei RB Leipzig rücken den Saisonbeginn in ein schlechtes Licht – Hertha stellt aktuell die ligaweit schlechteste Defensive.

„Die ersten drei Spiele waren ärgerlich, die musst du nicht alle verlieren“, gab Fredi Bobic (49) im kicker zu. „Dann kamen zwei Spiele, die du gewinnen must.“ In Leipzig habe man laut Bobic sehr deutlich gesehen, dass Hertha noch nicht so gefestigt sei. Trotz des ernüchternden Saisonstarts mahnt Bobic für den neu eingeschlagenen Weg zur Geduld. „Wir sind gerade dabei, eine neue Entwicklung anzustoßen“, erklärt Herthas neuer Geschäftsführer Sport. „Das geht nicht mit Fingerschnipsen, das braucht Zeit.“

Bobic wolle bei Hertha Kontinuität schaffen, weshalb es mit Trainer Pal Dardai (45) trotz vieler Spekulationen weitergehen soll. „Weil er es sich einfach verdient hat, nachdem er Hertha in einer sehr schwierigen Situation vor dem Abstieg gerettet hat“, erklärte Bobic. „Wir haben gesagt, wir gehen gemeinsam in die Saison und ziehen sie durch.“ Bobic bekräftigt noch einmal, dass Dardai alle Möglichkeiten habe, auch langfristig Trainer der Hertha-Profis zu bleiben. „Ich habe es ihm persönlich gesagt und ich sage es jetzt auch öffentlich: Es liegt an Pal Dardai selbst, wie lange er Trainer ist. Das können sogar zehn Jahre werden.“ Es läge immer an der Arbeit, die jemand macht.“

„Wie weit haben diese Spieler Hertha gebracht?“

Eben jener Trainer Dardai sprach letztens davon, dass es einen Umbruch in Herthas Mannschaft gegeben hätte. Wenige Monate zuvor warnte er vor dem anstehenden Transfersommer, keinen „Umbruch nach einem Umbruch“ zu bewältigen. Bobic erkennt in den über 20 Spielerwechseln im Sommer jedoch keinen Umbruch. „Es ist normal, dass mehr als Spieler kommen und gehen. Das ist bis auf Bayern München in jedem Sommer bei fast jedem Bundesliga-Klub so“, so der 49-Jährige.

Mit Matheus Cunha (22), Dodi Lukebakio (23) und Jhon Cordoba (28) hat Hertha seine drei besten Scorer aus der Vorsaison abgegeben. Mit Javairo Dilrosun (23) ist ein weiterer Offensiv-Individualist gegangen. Auf die Frage, ob dies nicht ein radikaler Ansatz sei, reagiert Bobic gereizt. „Entschuldigung, aber hab‘ ich was verpasst? Wie befriedigend waren die letzte Saison und die davor? Wie weit haben diese Spieler Hertha gebracht?“, fragt der Manager. „Genau das ist doch der Punkt: Du kommst hierhin, siehst eine Mannschaft, in der etwas Grundlegendes nicht zu funktionieren scheint, und fragst dich, was das größte Problem ist.“

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Die Antwort auf diese Frage sei laut Bobic „Mentalität“ gewesen. „Die totale Hingabe und Bereitschaft, ihre individuelle Qualität ins Team zu investieren.“ Das Ziel sei gewesen, eine Mannschaft zu bauen, in der die Spieler gerne das Hertha-Trikot tragen, den Verein als Chance begreifen, und erfahrene Spieler dazuzuholen, welche das verlorene „Leadership“ ausfüllen. Darüber hinaus sei es laut Bobic die Vorgabe gewesen, einen Transferüberschuss im Sommer zu erwirtschaften und gleichzeitig „in die Substanz der Mannschaft zu investieren. Das ist gelungen.“ Hertha stünde nun trotz der wirtschaftlichen Pandemie-Folgen finanziell „sehr gut“ da.

Bobic: „Die Gesamtentwicklung ist wichtig“

Bobic wurde allerdings für weit mehr als „nur“ Transfers geholt. Zusammen mit Personen wie CEO Carsten Schmidt (57) soll Bobic Hertha transformieren. „Es geht darum, eine neue Kultur zu schaffen, ein gewisses Selbstvertrauen zu entwickeln, Schärfe auch im Handeln, wie man Ziele erreichen möchte – und die Mitarbeiter zu begeistern, dafür an ihre Leistungsgrenzen zu gehen“, so Bobic.

Hierbei sei auch noch eine gewisse Skepsis im Vereinsumfeld zu spüren. „Das ist menschlich. Veränderung geht aber nicht ohne Einschnitte. Eine Kultur muss sich jedoch immer von innen heraus verändern, die kann man nicht als Doktrin verordnen“, erklärte der Ex-Frankfurt-Manager. „Deshalb bin ich froh, dass viel Aufbruchsstimmung zu spüren ist. Ein Verein ist immer von den Ergebnissen der ersten Mannschaft abhängig. Aber die Gesamtentwicklung ist wichtig“. Bobic schaue daher nicht nur von Wochenende zu Wochenende. „Die Bundesliga-Tabelle ist bedeutsam, aber sie ist nicht alles.“

Vor der Länderspiele sollte Hertha gegen den SC Freiburg jedoch wieder punkten, ansonsten könnte die Bundesliga-Tabelle auch wieder einen höheren Stellenwert einnehmen.

Foto: IMAGO

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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