Bundesliga | TSG Hoffenheim: Wie Hoffenheim unter Hoeneß zurück an die Spitze fand

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Spotlight | 2:1 gewann Hoffenheim am Samstagnachmittag das Derby in Freiburg und rückte auf Platz vier der Bundesliga vor. Der Höhenflug kommt mitnichten zufällig, sondern ist das Ergebnis cleverer Personalplanung. Davor ging es für die TSG aber erstmal abwärts.

Wenig Konstanz und fragwürdige Ergebnisse – Die kurze Ära Schreuder

Als sich alle schon mit dem 1:1-Unentschieden im badischen Derby zwischen Freiburg und Hoffenhein angefreundet zu haben schienen, hatte die TSG doch noch eine allerletzte Pointe parat: U21-Europameister David Raum (23) brachte einen Eckball in die Mitte, den Bayern-Leihgabe Chris Richards (21) in der 94. Minute wuchtig zu seinem allerersten Bundesligator einköpfte. Da Raum selbst bereits in der dritten Minute seinen Debüttreffer im deutschen Oberhaus erzielte, sprang Hoffenheim mit diesem Ergebnis an Freiburg vorbei auf Platz 4.

 



 

Zusammen mit den Breisgauern, Union Berlin und Mainz 05 gehört die TSG Hoffenheim zu den positiven Überraschungen dieser Bundesligasaison und ist auf dem besten Weg, sich erstmals seit 2019/20 wieder für Europa zu qualifizieren. Damals, in der ersten Saison nach Julian Nagelsmann (34), tat man sich schwer, an dessen Stil anzuknüpfen. Nagelsmanns ehemaliger Co-Trainer Alfred Schreuder (49) stellte sich nicht als die erhoffte Wunschlösung heraus. Wenngleich er doch für einige Highlights sorgte, wie den ersten Bundesligasieg der Hoffenheimer in München (2:1) oder ein 2:1 am letzten Spieltag vor der Winterpause gegen Borussia Dortmund, so war der Fußball, den die Mannschaft spielte, eher bieder und unkreativ.

Bisweilen tendierte die TSG zu manchem gar fragwürdigen Ergebnis: Den Münchenern unterlag man im Heimspiel 0:6. Hätten die Gästefans nicht mit Anti-Hopp-Bannern für den Eklat der Saison gesorgt, man hätte das Gefühl bekommen können, der Rekordmeister wäre in der Lage gewesen, auch noch vier weitere Tore nachzulegen. Zudem verlor Hoffenheim 0:3 gegen Hertha BSC. Nach einem 2:2 gegen Fortuna Düsseldorf am 30. Spieltag zog der Verein die Reißleine und entließ Schreuder. Mit einem Interims-Trainerduo aus Marcel Rapp (42) und Matthias Kaltenbach (36) erreichte man aufgrund eines fulminanten 4:0 in Dortmund noch Platz 6 und die Europa League.

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Personalprobleme und doppeltes Pokalaus – Hoeneß‘ schweres erstes Jahr

Die Wahl des neuen Trainers war eine durchaus kreative: Sebastian Hoeneß (39). Gerade hatte er die U23 des FC Bayern in einem äußerst dramatischen Saisonfinale überraschend zu ihrer ersten Drittligameisterschaft geführt, als die TSG auf ihn aufmerksam wurde.

Auch für Hoeneß verlief die Debütsaison eher holprig. Trotz eines 4:1 am 2. Spieltag gegen den ehemaligen Arbeitgeber, ergaben sich früh in der Saison Personalsorgen. Unter anderem zog sich Ermin Bičakčić unmittelbar vor dem Münchener Anschlusstreffer im Zweikampf mit Leroy Sané einen Kreuzbandriss zu. Außerdem erwischte Andrej Kramarić eine hartnäckige COVID-19-Infektion und fiel ebenfalls längere Zeit aus.

Hoffenheim Europa League

Photo by Ronald Wittek – Pool/Getty Images

National lief die TSG auf Platz 11 ins Ziel, scheiterte im Pokal überraschend bereits in Runde 2 an Greuther Fürth. International war gegen Molde Schluss, nachdem Munas Dabbur im Hinspiel einen Elfmeter auf das mögliche 4:1 vergab, die Norweger noch ausgleichen und das Rückspiel in Sinsheim 2:0 gewinnen konnten.

Unterm Strich war es eine enttäuschende Saison für die TSG, die 2018/19 mit Nagelsmann noch Champions League spielte. Vereinzelt kamen Fragen auf, ob Hoeneß nicht vielleicht zu unerfahren für die Bundesliga ist. Doch Alexander Rosen (42) hielt an ihm fest – und wurde beloht. Nicht zuletzt, weil der Verein sich personell sehr intelligent verstärkte.

Toptransfers und Variabiliät – Hoffenheim auf dem Weg zurück zur Topmannschaft

Vergangenen Winter lieh man Chris Richards aus. Im Sommer kam Angelo Stiller (20) ablösefrei. Beide gehörten in der Münchener Meistersaison 2019/20 zu den Leistungsträgern unter Hoeneß. Auch der Angriff wurde verstärkt. Andrej Kramarić hatte mit 20 Saisontoren elf mehr als der zweitplatzierte der internen Torjägerliste, Ihlas Bebou. Deshalb überwies Hoffenheim im Februar eine halbe Million Euro nach Rennes für Georginio Rutter (19).

Die Rechnung ging auf: Bebou steht inzwischen bei fünf Saisontoren, Rutter bei vier. Kramarić mag zwar „nur“ deren zwei auf dem Konto haben. Dafür ist der kroatische Nationalspieler diese Saison in gestalterischer Rolle tätig. Ligaweit haben nur Florian Wirtz (8) und Thomas Müller (11) mehr Assists als Kramarić (7).

So gewann die TSG fünf ihrer letzten sechs Bundesligaspiele, erzielte dabei 15 Tore. Auch im Pokal setzte man sich souverän gegen Kiel durch. Die Störche um Ex-Interimstrainer Marcel Rapp wurden mit einem satten 5:1 zurück in den Norden geschickt. Dazu kommt der jüngste Sieg im badischen Derby und Platz 4 in der Bundesliga.

Nach mehreren Jahren ohne Konstanz scheint im Breisgau wieder etwas zusammenzuwachsen. Mit etwas Glück führt es sie wieder dorthin, wo sie unter Nagelsmann schon waren.

Photo by Simon Hofmann/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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