Topserie des FC Augsburg: Was man hat, das hat man!

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Der FC Augsburg galt für viele Bundesligafans vor dieser Saison als Abstiegskandidat Nummer 1. Es hieß, dass der FCA vom 1. Spieltag an um jeden Punkt kämpfen muss. Das wissen die Fuggerstädter offenbar selbst auch sehr gut und betonten bereits in der Vorbereitung, wie wichtig eine akribische Vorbereitung ist und wie hart diese Saison – erneut – werden kann. Und die Saison begann erwartet schwierig. 

Der Aderlass im Sommer war erneut hoch. Mit Dominik Kohr, Raul Bobadilla und Paul Verhaegh verließen drei Top- und Führungsspieler den Klub, der Alternativen finden musste.. Die Topneuzugänge hießen Gregoritsch, Cordova und Heller, insgesamt war der Transfersommer nicht besonders spektakulär.

Befürchtungen werden wahr

In der Rückrundentabelle der Saison 2016/17 wurde der FC Augsburg mit 20 Punkten 12., aber Teams wie die Hertha, Wolfsburg oder Leverkusen, die große Ambitionen haben, waren in dieser Zeit schlechter. Man befürchtetet einen schwierigen Start und bekam diesen dann auch. Das Pokalspiel in Magdeburg wurde mit 0:2 verloren und die Hoffnungen auf Zusatzeinnahmen durch diesen Wettbewerb verschwanden schnell aus den Köpfen.

(Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Umso wichtiger sollte das Spiel gegen den HSV sein, der ebenfalls eher in der unteren Tabellenregion zu verorten war. Der FC Augsburg verlor aber den Bundesligaauftakt mit 0:1 in Hamburg und die Kritiker fühlten sich bestätigt. Trainer Manuel Baum zeichnete aus, dass er in dieser Phase die nötige Ruhe behielt und an seinem Plan festhielt. Das Spielsystem wurde im Sommer etwas überarbeitet, der Bobadilla-Ersatz intern mit Finnbogason und einer flexibleren Ausrichtung dahinter (Cordova, Heller, Gregoritsch) gelöst. Diese Veränderungen benötigen natürlich eine gewisse Zeit.

Last-Minute-Schlüsselerlebnis

Am 2. Spieltag schon Druck zu haben, ist nicht ideal für das erste Heimspiel der Saison. Doch als Finnbogason in der ersten Minute die Führung für den FCA gegen Gladbach erzielte, schienen diese Bedenken wie weggewischt. Augsburg „überfiel“ Gladbach und dominierte die ersten Minuten, war sehr präsent in den Zweikämpfen. Allerdings kassierte man bereits nach 7 Minuten den Ausgleich, der ein Dämpfer war. Die Borussia dominierte daraufhin, erzielte die Führung, spielte weiter nach vorne, ehe man das Spiel wieder aus der Hand gab.

Lange konnte der FC Augsburg das aber nicht nutzen. Baum nutzte seine Offensivoptionen, brachte Heller und den jungen Cordova um neuen Schwung zu kreieren. Der Killerinstinkt fehlte über einen gewissen Zeitraum, doch kurz vor dem Ende erzielte Cordova das 2:2. Dieses Tor setzte Energie frei, das Stadion feierte den Treffer natürlich frenetisch. Das 2:2 kurz vor dem Ende, in einem Spiel, in dem man über den gesamten Verlauf gesehen sogar hätte gewinnen können, war womöglich eine Initialzündung für die kommenden Spiele.

3 Spiele, 9 Punkte

In der Tat funktionierte plötzlich viel mehr. Am 3. Spieltag gastierte ein leicht angeschlagener 1. FC Köln in Augsburg. Alfred Finnbogason lieferte ein herausragendes Spiel ab und schoss den Effzeh mit einem Dreierpack aus dem Stadion. Mit 4 Punkten aus 3 Spielen wurde der katastrophale Start abgewendet, die Situation im Verein besserte sich. Man fuhr nach Frankfurt und gewann auch dort, diesmal mit 2:1. Es deutete alles darauf hin, dass Augsburg gerade dabei ist, einen Lauf zu haben.

(Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Das nächste Heimspiel gegen RB Leipzig in der englischen Woche ging man schon ganz anders an als die ersten Spiele der Saison. Gegen ein durchrotiertes RB setzte man Nadelstiche, konnte sich aus dem Pressing, das nicht lückenlos funktionierte, befreien. Dem FCA war anzumerken, dass man weiß, dass dieses Spiel gewonnen werden kann. Augsburg gewann durch einen Treffer von Gregoritsch mit 1:0 und steht jetzt bei 10 Punkten aus 5 Spielen.

Stuttgart, Dortmund, Pause

Wie lange dieser Lauf, diese Selbstverständlichkeit so weitergehen kann, weiß man in Augsburg nicht. Klar ist, dass Trainer Manuel Baum seine Mannschaft zurzeit nicht besonders verändern muss, lediglich kleine Anpassungen sind notwendig. Der Kern der Mannschaft hat sich gefunden, Baum rotiert wenig, aber effektiv. Der Gegner weiß nicht, auf welches Personal man sich einstellen muss. Finnbogason, Caiuby, Heller, Cordova, Gregoritsch, Schmid, Ji, Parker und Koo sind offensive Optionen.

Die nächsten beiden Gegner der Augsburger sind am kommenden Wochenende der VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz-Arena, ehe Augsburg Borussia Dortmund empfängt. In Stuttgart ist alles möglich und wenn der Lauf weitergeht, wer weiß, ob nicht auch der BVB gefährdet werden kann? Danach ist die Länderspielpause, die den Rhythmus vielleicht etwas gefährden könnte. Klar ist aber, dass niemand dem FCA die bisher erreichten Punkte wieder wegnehmen kann.

Frei von Sorgen? Abwarten

Nun ist es aber so, dass 10 Punkte natürlich nicht für den Klassenerhalt reichen. 33-37 Punkte sind eine Marke, die definitiv erreicht werden sollte. Augsburg verfügt über Qualität, aber selbst die unbedeutendsten Kleinigkeiten können die Form beeinflussen und bei einer solchen Mannschaft ist eine Negativserie ebenfalls jederzeit möglich wie eine positive Serie. Verliert man vor der Länderspielpause gegen Dortmund, kann man nicht mit dem ganzen Kader dieses Spiel aufarbeiten.

Nach der Pause geht es nach Hoffenheim, dann kommt Überraschungsaufsteiger Hannover. Unwahrscheinlich ist eine Abkehr von den positiven Ergebnissen also nicht. Natürlich hat der FC Augsburg gezeigt, dass man die Qualität hat um auch Topteams zu gefährden. Ob das im Endeffekt auch für die Rettung reicht, wird davon abhängen, ob man große Verletzungssorgen und lange anhaltende Krisen vermeiden kann. Aber: Was man hat, das hat man eben.

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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