Trainer gesucht? Mögliche Wenger-Nachfolger

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Nach der 1:5-Niederlage des FC Arsenal in der Königsklasse beim FC Bayern München fühlen sich die Kritiker des derzeitigen Trainers Arsene Wenger wieder bestätigt: Ein Trainerwechsel muss her. Und in der Tat mehren sich die kritischen Stimmen, Wenger selbst scheint zurzeit zu zweifeln und eine Veränderung könnte dem Verein guttun.

 

Zurzeit befindet sich der Klub in einer extrem wichtigen und gleichzeitig schwierigen Phase. Die Konkurrenten in der Premier League konnten in den letzten Jahren gute Trainer verpflichten. Außerdem arbeiten sie sukzessive an einer Weiterentwicklung des Kaders und einer klaren Spielidee. Nun läuft der Vertrag von Arsene Wenger zum Saisonende aus und nicht erst seit dieser Saison wünschen sich einige Anhänger des FC Arsenal eine Veränderung. Wenger ist sich selbst offenbar noch nicht sicher und der Vorstand soll zumindest zwiegespalten sein, auch wenn die Meinung von Wenger immer noch überwiegend hoch sein soll.

Die Situation ist insgesamt knifflig. Sowohl im Falle einer Verlängerung als auch im Falle eines Abgangs von Wenger könnten Probleme auftreten. Der Franzose konnte die Mannschaft in den letzten Jahren nicht besonders weiterentwickeln. Er versuchte einiges, so zog sich die Mannschaft beispielsweise im Etihad-Stadium zurück und spielte auch in der Königsklasse immer wieder etwas abwartender. Aber die wengersche DNA des direkten, schnellen Kombinationsfußballs, der teilweise spektakulär anmutet, aber in entscheidenden Phasen nicht immer zum Erfolg führt, da die Mannschaft mitunter zu verspielt ist, konnte man nicht komplett zum Erliegen bringen. Konter wurden zu umständlich ausgespielt, in der Defensive wurde die aufkommende Hektik zum Unsicherheitsfaktor. Die Mannschaft besitzt eine gute taktische Ausrichtung, die unglücklicherweise relativ alternativlos ist.

 

Fehlende Weiterentwicklung, keine Spielidee?

Gegen kompakte Abwehrreihen tut man sich immer wieder schwer, öffnet Lücken für Konter oder riskiert zu viel. Auch deswegen schafft es die Mannschaft nicht in der Liga um den Titel mitzuspielen. Zudem kritisieren die Fans, dass nicht alle Schwachpunkte innerhalb des Kaders konsequent behoben werden. Häufig werden nur 1B-Lösungen verpflichtet um das Problem zu kaschieren, aber nicht zu lösen. Eine Weiterentwicklung im fußballerischen Bereich wäre gerade jetzt zu dem Zeitpunkt wichtig, an dem sich die Premier League in einem Wandel befindet. Doch wer könnte diesen Wandel herbeiführen? Hier gibt es einige Kandidaten im Überblick.

 

Eddie Howe – Der moderne Engländer

Howe beendete seine Karriere 2007 mit 30 Jahren aufgrund anhaltender Kniebeschwerden vorzeitig. Im Januar 2009 übernahm Howe interimsweise den Trainerposten in Bournemouth, führte den Viertligisten zum Klassenerhalt und im darauffolgenden Jahr in die 3. Liga. Nach einem kurzen Intermezzo beim FC Burnley kehrte Howe im Oktober 2012 aus familiären Gründen zum AFC Bournemouth zurück. Dort begann die Erfolgsgeschichte: Bournemouth stand auf einem Abstiegsplatz, erreichte aber dank 17 Partien ohne Niederlage die Playoffs und letztendlich als Vizemeister den Aufstieg in die 2. Liga.

(Photo IAN KINGTON/AFP/Getty Images)

Nach einem Jahr in Liga 2, als man sich auf Platz 10 etablierte, gelang der Aufstieg in die Premier League, sogar mit dem Meistertitel, nachdem man den FC Watford am letzten Spieltag der Saison 2014/15 noch überholen konnte. In der vergangenen Saison wurde die Klasse gehalten und auch in dieser Spielzeit können die Cherries gut mithalten. Zurzeit steht man 6 Punkte vor dem Abstiegsplatz. Howe gilt als moderner Trainer und hat einen guten Draht zu seinen Spielern. Er versucht mit Bournemouth im Rahmen der Möglichkeiten attraktiven Fußball anzubieten, der sich vom teilweise praktizierten „Kick and Rush“-System der individuell schwächer besetzten Mannschaften abhebt.

Fazit: Eddie Howe wurde von den britischen Medien häufiger mit dem FC Arsenal in Verbindung gebracht werden. Er ist jung,  lässt attraktiven Fußball spielen und kennt die Liga. Zudem könnte er innovative Methoden im Klub etablieren. Howe wäre eine logische Lösung, die offensichtlich auch vom Vorstand abgesegnet werden würde. Ob er schon in der Lage ist ein großes Team zu betreuen weiß vorher natürlich niemand, ein allzu großes Risiko geht man aufgrund seiner bisherigen Vita bei einer etwaigen Verpflichtung allerdings auch nicht ein.
Wahrscheinlichkeitsgehalt: 70-75 %

 

Laurent Blanc – Derzeit ohne Anstellung

Der Franzose blickt auf eine herausragende Spielerkarriere zurück. Er spielte unter anderem für den SSC Neapel, Inter Mailand, den FC Barcelona und Olympique Marseille. Als Nationalspieler gewann er die Welt- und Europameisterschaft, als Trainer wurde er viermal französischer Meister und zweimal Pokalsieger. Besonders einprägsam war seine erste Trainerstation bei Girondins Bordeaux, als er Meister wurde und in der Königsklasse phasenweise herausragende Auftritte zeigte. So besiegte seine Mannschaft den FC Bayern gleich zweimal in der Saison 2009/10.

Blanc ließ gerade in Bordeaux einen Fußball spielen, der für den Gegner extrem anstrengend war. Aus einer soliden Defensive heraus wurden Nadelstiche gesetzt. Die Mannschaft war bei ruhenden Bällen extrem gefährlich und das präzise Konterspiel sorgte zudem für Gefahr, sodass die Mannschaft variabel und unberechenbar war. In Paris musste Blanc mit seiner Mannschaft das Spiel dominieren und selbst aktiv werden, weniger reagieren als noch in Bordeaux. Die Mannschaft wirkte insgesamt gut, Blanc wurde dreimal Meister mit dem Hauptstadtklub. Die letzten Prozentpunkte in der Champions League konnten allerdings nicht herausgekitzelt werden.

Fazit: Laurent Blanc wird in den Medien nicht wirklich mit dem FC Arsenal in Verbindung gebracht. Dabei passen die Vorzeichen eigentlich relativ gut. Er hat Erfahrung mit einem Spitzenteam, kann seinen Stil den Gegebenheiten anpassen, war zumindest national immer erfolgreich und sollte überdies nach einem Jahr Pause genügend Energie haben und Eindrücke gesammelt haben, um diese gewinnbringend einzusetzen. Blanc ist womöglich mehr als nur ein Außenseiterkandidat, sofern der Trainerposten in London frei wird.
Wahrscheinlichkeitsgehalt: 40-50 %

 

Leonardo Jardim – Aufstrebend in Monaco

Jardim konnte seine ersten Erfolge in der Primeira Liga bei Sporting Braga feiern.  Er führte die Mannschaft überraschend auf Platz 3 und durchbrach die Phalanx der Topklubs in Portugal. Dort blieb er allerdings nur eine Saison, ehe er nach Griechenland zu Piräus wechselte. Wiederum nach nur einem Jahr schloss er sich Sporting an, die er erneut nach nur einer Saison verließ und die Nachfolge von Claudio Ranieri beim AS Monaco antrat. Er hat die Mannschaft weiterentwickelt und viele junge Spieler integriert. Bernardo Silva, Lemar und Mbappe machten alle einen Schritt nach vorne, das gesamte Team spielte besser.

 

Leonardo Jardim

Zu Beginn seiner Amtszeit konzentrierte er sich darauf die Defensive zu stabilisieren und Monaco zeigte insbesondere im internationalen Wettbewerb gute Leistungen, war schwer zu schlagen und konnte die Favoriten ärgern. Außerdem waren die Ergebnisse in der Liga wirklich konstant, die Qualifikation für die Königsklasse wurde perfekt gemacht und die Offensive funktionierte besser. Jardim hat aus Monaco also einen Titelkandidat gemacht, der Paris SG in der Liga angreifen kann.

Fazit: Jardim ist nun bereits in seiner dritten Saison beim AS Monaco und das Leistungsoptimum scheint nicht mehr weit zu sein. Sollte es der Mannschaft gelingen in dieser Saison die Meisterschaft zu gewinnen, könnte der Portugiese sich eine neue Herausforderung suchen. Zudem drohen Spielerverluste, denn sowohl Fabinho und Bakayoko als auch die herausragenden Offensivtalente sind heiß begehrt. Sollte es Anzeichen für einen Abschied geben, wäre Arsenal in der Tat eine logische Option.
Wahrscheinlichkeitsgehalt: 45-50 %

 

Massimiliano Allegri – Der erfolgreiche Italiener

Seinen ersten größeren Verein trainierte Allegri ab 2008, als er von Serie-A-Klub Cagliari Calcio verpflichtet wurde. Man erreichte einen absolut zufriedenstellenden Mittelfeldplatz und nach einer weiteren Saison wechselte Allegri zum AC Mailand. Er führte Milan prompt zum ersten Meistertitel seit 7 Jahren. Doch die Entwicklung in Mailand war nicht nur positiv, im Januar 2014 trennte sich der Klub nach einer Niederlage gegen Sassuolo von ihm. Im Sommer 2014 wurde Allegri Nachfolger von Antonio Conte bei Juventus Turin und führte die Mannschaft auf Anhieb zum Double in Italien.

Allegri kann sich wunderbar an die Gegebenheiten beim jeweiligen Verein anpassen. Er lässt zumeist attraktiven, häufig aber auch kontrollierten, disziplinierten Fußball spielen und findet besonders bei Juventus eine gesunde Mischung in der Rotation. Außerdem bindet er junge Talente erfolgreich ein. Sein Führungsstil macht sich bezahlt, denn die Mentalität innerhalb der Mannschaft ist gut, die Spieler vertrauen ihm und international gehört Juventus zurzeit zu den besten Mannschaften. Seit dem vergangenen Herbst wird Allegri häufiger mit Arsenal in Verbindung gebracht. Allerdings scheinen die Spekulationen, unter anderem aus der „Metro“ nicht besonders gehaltvoll zu sein.

Fazit: Der Italiener ist ein Trainer, den man sich durchaus beim FC Arsenal vorstellen könnte, jedoch betonte er erst kürzlich, dass er sehr glücklich in Turin sei und wies damit die Spekulationen erstmal zurück. Doch das könnte auch das typische, mediale Geplänkel vor einem anstehenden Wechsel sein, mit Juventus hat er national in jeder Saison die Favoritenrolle inne, beim FC Arsenal könnte Allegri etwas aufbauen und die Mannschaft erst wieder an die Spitze führen – eine vielleicht verlockende Aufgabe.
Wahrscheinlichkeitsgehalt: 40 %

 

Ronald Koeman – Der variable Niederländer

Ronald Koeman beendete 1997 seine aktive Karriere und begann als Trainer erste Erfahrungen zu sammeln. Er hatte Stationen in den Niederlanden und trainierte unter anderem Benfica und Valencia. In der Premier League sammelte Koeman Erfahrungen in Southampton und jetzt steht er beim FC Everton unter Vertrag. Koeman war schon als Spieler taktisch hervorragend ausgebildet und beschäftigte sich mit den Entwicklungen im Fußball. Er versuchte auch als Trainer alle Neuerungen in sein Konzept einfließen zu lassen.

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Beim FC Southampton und auch jetzt in Everton zeigt er über weite Strecken, dass seine Spielidee durchaus in die Premier League passt und er aus einer Mannschaft einiges herausholen kann. Koeman zeichnet sich durch variablen, laufintensiven und eher offensiv ausgerichteten Fußball aus, bei dem auch innerhalb eines Spiels jederzeit das System angepasst werden kann. Seine Flexibilität und seine Erfahrung könnten für Arsenal entscheidend sein.

Fazit: Ronald Koeman wird ebenfalls häufiger genannt, wenn man nach Nachfolgekandidaten für Arsene Wenger sucht. Allerdings scheint es derzeit nicht sehr wahrscheinlich zu sein, dass er den FC Everton bereits nach einem Jahr verlässt. Dafür müssten das Angebot, die „Macht“ im Verein und die finanziellen Mittel seinen Vorstellungen entsprechend und die „Toffees“ müssten zudem gesprächsbereit sein. Dennoch könnte der Niederländer eine Lösung sein, über die zumindest diskutiert wird.
Wahrscheinlichkeitsgehalt: 35-40 %

 

Roger Schmidt – Außenseiter aus Deutschland

In der Saison 2011/12 ließ Schmidt mit dem SC Paderborn aufhorchen. Er verspielte mit der „grauen Maus“ die Relegation um den Bundesligaaufstieg am letzten Spieltag. In folge dessen wurde RB Salzburg auf den deutschen Trainer aufmerksam und verpflichtete ihn zur Saison 2012/13. Schmidt leitete die Geschicke in Salzburg für zwei Spielzeiten, bis er nach Deutschland zurückkehrte und zu Bayer 04 Leverkusen wechselte.

Leverkusen versprach sich viel von Schmidt, aber konstant spielte seine Mannschaft nicht. Die Spielidee Schmidts ist klar. Er will den Gegner unter Druck setzen und mit aggressivem Pressing Ballverluste erzwingen. Leverkusen verlebte also 2 1/2 Jahre mit Höhen und Tiefen und einigen Problemen. Allerdings gelang es Schmidt immer wieder die Mannschaft wieder zu stabilisieren. Die Hauptkritikpunkte sind sicher die partielle Beratungsresistenz, womöglich fehlende Erfahrung, ein teilweise zu stures Festhalten an seinem Konzept, das er selbst als alternativlos empfindet und zuletzt die immer wiederkehrenden Defensivprobleme, die häufig aus individuellen Fehlern resultieren und nicht abzustellen sind.

Fazit: Roger Schmidt wurde in den vergangenen Wochen mehrfach mit dem FC Arsenal in Verbindung gebracht, allerdings von eher zweifelhaften Quellen wie dem englischen „Express“ oder dem „Daily Mirror“. Ein Abschied von Bayer Leverkusen scheint im Sommer durchaus denkbar zu sein, aber ob Schmidt der Aufgabe bei den „Gunners“ gewachsen ist, darf durchaus bezweifelt werden, auch wenn seine Spielphilosophie grundsätzlich erfolgsvorsprechend sein könnte.

Wahrscheinlichkeitsgehalt: 15-20 %

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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