Victor Lindelöf: Uniteds neuer Topverteidiger

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Manchester United hat mit dem schwedischen Nationalspieler Victor Lindelöf den ersten großen Transfer für die kommende Saison bekanntgegeben. Dafür mussten die „Red Devils“ 35 Millionen Euro an den portugiesischen Klub Benfica überweisen. Mit Rojo, Bailly, Smalling, Jones und Aushilfsweise Blind hat der Klub von José Mourinho bereits eine gute Verteidigung, Lindelöf gehört aber zu den aufstrebendsten Verteidigern in Europa und könnte auf Anhieb einen Stammplatz erlangen.

Der 1,87m große Rechtsfuß, der ebenfalls im defensiven Mittelfeld und als Rechtsverteidiger eingesetzt werden könnte, wurde beim schwedischen Verein Västeras ausgebildet, wechselte 2012 zur B-Mannschaft von Benfica. Dort erlebte er nun 5 gute Jahre, entwickelte sich zu einem Spitzenspieler und war zuletzt unangefochtener Stammspieler bei den Portugiesen.

Durchbruch bei der U21

Dabei hätte die Geschichte von Victor Lindelöf ganz anders verlaufen können. Vor der U21-Europameisterschaft 2015 spielte Lindelöf noch in der B-Mannschaft von Benfica, spielte noch keine Rolle in der Profimannschaft. Vor Turnierstart gehörte Lindelöf nur zum erweiterten Kader der Schweden, profitierte von der Verletzung von Emil Krafth im Trainingslager. Was dann folgte, ist unglaublich. Lindelöf überzeugte in der Vorbereitung, avancierte zur Stammkraft bei den Schweden und war maßgeblich am überraschenden Titelgewinn bei der Europameisterschaft beteiligt. Lindelöf wurde sogar in die Mannschaft des Turniers gewählt, schaltete mit seinen Verteidigerkollegen im Finale eine portugiesische Mannschaft mit Bernardo Silva, William Carvalho und Raphael Guerreiro aus, die zuvor Deutschland mit 5:0 bezwingen konnte.

(Photo by JONATHAN NACKSTRAND/AFP/Getty Images)

Lindelöf spielte damals noch als Rechtsverteidiger, stabilisierte die Defensive und bildete mit Milosevic, Helander und Augustinsson eine Abwehrreihe, die in 5 Spielen nur 4 Gegentore kassierte und bereits zum Auftakt überraschend Italien schlug. Im Spiel gegen Italien war außerdem der Schlüsselmoment für Lindelöf. Nach einem Platzverweis von Milosevic wurde er für Larsson eingewechselt, fügte sich nahtlos in das Defensivkonstrukt ein und blieb in der Mannschaft. In der darauffolgenden Saison nahm er den Schwung auch mit zu Benfica, wo er 15 Ligaspiele und 4 Einsätze in der Königsklasse absolvierte. Man baute ihn geduldig auf, ließ ihn immer mehr spielen und in der abgelaufenen Saison war Lindelöf unersetzlich, spielte über 4000 Minuten für den Klub.

Eine echte Verstärkung

Auch wenn Lindelöf mit seinen 22 Jahren und 1 1/2 guten Spielzeiten noch nicht unglaublich erfahren ist, wird er Manchester United verstärken. Lindelöfs Spielstil passt nach England, der Verteidiger ist robust, führt seine Zweikämpfe konsequent und bringt alles mit, um sich unter Jose Mourinho weiterhin positiv zu entwickeln. Der Schwede ist stark im Kopfball, sowohl defensiv als auch offensiv, besitzt trotz seiner Größe einen ordentlichen Antritt und verhält sich im Defensivzweikampf häufig sehr clever. Lindelöf weiß, wie man einen Gegner im Laufduell bearbeitet, ohne dabei die Grenzen zu überschreiten. Auch sein Umgang mit den Medien ist für sein Alter bereits erstaunlich clever. Seine Aussagen wirken durchdacht, er weiß ganz genau, welche Auswirkungen bestimmte Sätze auf die Fans, auf den Verein, auf die grundsätzliche Berichterstattung in den Medien haben.

Zudem löst Lindelöf viele Gefahrensituationen mit einer unglaublichen Fairness. Er kassierte in der vergangenen Saison lediglich eine gelbe Karte in 47 Spielen, greift nur selten zu Fouls. Seine Antizipation ist gut, sein Passspiel und seine Dynamik ebenfalls beachtlich für einen Innenverteidiger. Das kommt auch von seiner Flexibilität und der Zeit als Rechtsverteidiger, unter anderem bei der U21. Ebenfalls positiv anzumerken ist, dass Lindelöf kaum mit Blessuren oder gar ernstzunehmenden Verletzungen zu tun hatte. Er wird zum Trainingsstart bei 100 % sein und versuchen sich so schnell wie möglich in England zu akklimatisieren.

Auf Anhieb Stammspieler?

Nachdem vor einigen Jahren mit Nemanja Vidic und Rio Ferdinand erfahrene Größen der United-Innenverteidigung abgetreten sind, hoffen die Fans natürlich wieder auf eine solch namhafte, konsequente und durch Kontinuität beeindruckende Innenverteidigung. Der talentierte Bailly könnte mit Lindelöf in der Zukunft ein zumindest sehr gutes Duo in der Innenverteidigung bilden, Smalling, Jones und Rojo werden um ihre Plätze kämpfen müssen, sofern nicht noch jemand abgegeben wird. Auch Lindelöf hat noch Luft nach oben und muss noch an sich arbeiten, das ist mit 22 Jahren aber nicht ungewöhnlich. Die Ansätze im Aufbauspiel müssen verfeinert werden, der linke Fuß muss noch besser geschult werden.

(Photo by PATRICIA DE MELO MOREIRA/AFP/Getty Images)

Zudem sollte der Innenverteidiger, der sogar von Zlatan Ibrahimovic („Er macht großartige Dinge, übernimmt schon jetzt große Verantwortung“) gelobt wurde, seine Stärken im Kopfball noch gewinnbringender einsetzen, mehr Tore nach ruhenden Bällen erzielen. Auch hierfür bringt er die nötige Qualität mit, muss aber noch an Timing und Präzision im Offensivkopfball arbeiten. Lindelöf selbst hat große Ziele, will Stammspieler bei Manchester United werden – und das möglichst schnell. Vielmehr noch, er hat den Anspruch zu den besten Innenverteidigern der Welt zu gehören und bei einer optimalen Entwicklung und einer guten Förderung unter Mourinho ist dieses Ziel keinesfalls unerreichbar. Die 35 Millionen Euro scheinen auf den ersten Blick jedenfalls sehr gut investiert zu sein.

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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