Spotlight

BVB | Was im Titelkampf für Borussia Dortmund spricht

16. Januar 2019 | Spotlight | BY Manuel Behlert

Die Winterpause in der Bundesliga neigt sich dem Ende und vor allem zwei Mannschaften haben große Chancen auf den Titelgewinn. Eine davon ist Borussia Dortmund, der Herbstmeister, der eine sehr gute Hinrunde spielte, nachdem man im Sommer die richtigen Schlüsse zog. Ist der BVB reif für den Titel?

Gute Heimauftritte sorgten für Selbstvertrauen

Zu Beginn der Saison merkte man Borussia Dortmund an, dass sich die neue Mannschaft noch finden muss. In Fürth zog man denkbar knapp in die 2. Pokalrunde ein, die Auswärtsauftritte in Hannover (0:0) und Brügge (1:0-Sieg) waren alles andere als gut. Lucien Favre betete Spiel für Spiel diverse Verbesserungsmöglichkeiten herunter, allerdings deutete man in Dortmund schon zu diesem Zeitpunkt an, wohin die Reise gehen könnte. Denn die Heimauftritte sorgten dafür, dass Dortmund den Glauben an die eigene Stärke wiedererlangte. Siege gegen Leipzig (4:1), Frankfurt (3:1), Nürnberg (7:0) und Monaco (3:0) sorgten in der Frühphase der Saison für eine breite Brust.

Und davon profitierte der BVB enorm. Die Spieler gingen mit einem enormen Selbstverständnis an die Aufgaben heran, konnten auch schwierige Spiele wie das 4:3 gegen den FC Augsburg für sich entscheiden. Die Neuzugänge schlugen ein, die Veränderungen von Lucien Favre trugen Früchte und alles war im Lot. Highlights wie das 4:0 gegen Atletico Madrid oder der turbulente 3:2-Sieg gegen den FC Bayern sorgten zusätzlich für Euphorie bei den “Schwarzgelben”. Dass man am Ende mit 6 Punkten Vorsprung vor dem Rekordmeister aus München Herbstmeister wurde, geriet aufgrund der insgesamt sehr positiven Gesamtentwicklung zur Randnotiz. 

Der Rückrundenstart ist entscheidend

In der Winterpause tat sich bei Borussia Dortmund nicht besonders viel. Das Trainingslager in Marbella wurde wie gewohnt abgespult, Lucien Favre trat mit einer gesunden Mischung aus Konzentration, Akribie und der nötigen Lockerheit auf. Mit Leandro Balerdi wurde ein Spieler verpflichtet, der für die Zeit des Akanji-Ausfalls den 4. Mann in der Innenverteidigung geben kann, Potenzial für die Zukunft mitbringt und im Sommer den Kaderplatz von Toprak einnehmen kann. Abgegeben wurde bisher nur Sebastian Rode, weitere Abgänge sollen zum jetzigen Zeitpunkt nicht folgen. 

(Photo by ALEJANDRO PAGNI / AFP)

Entscheidend wird sein wie Borussia Dortmund in die Rückrunde startet. Zeigt man zu Beginn Schwächen, dann könnte der FC Bayern seine Chance wittern. Spielt der BVB aber schon direkt gegen RB Leipzig mit der nötigen Konzentration und gewinnt seine Spiele, auch die folgenden gegen Hannover 96, Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim überzeugend, wird das Selbstvertrauen noch einmal steigen. Doch das Programm ist hart, zwischenzeitlich steht auch noch das Pokalspiel gegen Bremen auf dem Programm, nach dem Duell mit Hoffenheim wartet Tottenham in der Champions League. In diesen Wochen werden die Weichen für die Rückrunde gestellt, der BVB scheint aber gut gerüstet zu sein. 

Man muss nicht von der Meisterschaft reden um sie zu gewinnen

Die bisherigen Aussagen der Bosse und Spieler der Borussia, wonach man die Gesamtentwicklung im Blick habe und nur von Spiel zu Spiel denke, können zwar durchaus als Understatement abgetan werden, dennoch sind sie klug. Denn: Dortmund muss nicht unbedingt Meister werden. Sicher will jeder Spieler im Kader einen Titel gewinnen, aber nur weil man davon redet, erhält man keinen Extrapunkt. Der Fokus auf die nächste Aufgabe und nicht auf ein Resultat im Mai ist auch mental wichtig für Dortmund. Die Basis für eine gute Rückrunde wurde gelegt, niemand wehrt sich gegen den Titelgewinn, aber ein 2. Platz nach einer guten Saison wäre keine Katastrophe für den Klub.

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Der ganz große Druck herrscht also nicht und auch auf die Kampfansagen aus München reagiert man in Dortmund gelassen. Man hat das Gefühl, dass in Dortmund wieder etwas zusammenwächst, Mannschaft, Trainerteam und Verantwortliche eine Einheit bilden. Jeder sagt, was der andere denkt, Berater Matthias Sammer hat zudem einen positiven Einfluss. Der BVB – und das ist im Vergleich mit dem FC Bayern wohl ein Vorteil – hat eine Phase der Umstrukturierung nicht nur schnell vollzogen, sondern sie ist auch gelungen. Unabhängig davon, dass man auch in den kommenden Transferperioden viel Arbeit erledigen muss. 

Diese Faktoren sprechen für Borussia Dortmund

Die Unbekümmertheit: Auch wenn Borussia Dortmund über erfahrene Spieler wie Roman Bürki, Lukasz Piszczek, Axel Witsel oder Marco Reus verfügt, die für eine überragende Mischung sorgen, sind es die jungen Spieler, die einfach nur Spaß am Fußballspielen haben wollen, die ein entscheidender Faktor im Titelkampf sein könnten. Jadon Sancho, Achraf Hakimi, Jacob Bruun Larsen, Dan-Axel Zagadou  – diese Spieler sind mitverantwortlich für die gute Hinrunde und spielten konstant auf einem hohen Niveau. Sollten Sancho & co. ihr Niveau halten und weiter einfach nur Fußball spielen, dann wird Dortmund schwer aufzuhalten sein. 

(Photo PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Die Offensive um Reus: Mit 44 Toren in 17 Spielen stellt Borussia Dortmund die mit Abstand beste Offensive der Liga. Und Paco Alcacer kam später zur Mannschaft, spielte nicht häufig von Beginn an und hatte immer wieder mit kleinen Problemen zu kämpfen. Marco Reus als Antreiber, Initiator und Abschlussspieler, ein Jadon Sancho als blitzschneller Dribbler und vor allem auch verschiedene Formationen und Varianten sorgen dafür, dass der BVB in nahezu jedem Spiel und gegen nahezu jeden Gegner Lösungen findet und Tore erzielen kann.  

Das Konzept des Trainers: Lucien Favre zu verpflichten war – neben der Zusammenstellung des Kaders – ein Schlüsselfaktor für den BVB. Favre legt viel Wert auf ein sauberes Aufbauspiel, auf eine gute technische Ausbildung seiner Spieler, Kreativität im Kreieren von Chancen und auf taktische Flexibilität. Noch konnte Favre nicht alle seine Vorstellungen umsetzen und der Kader entspricht sicher auch noch 100 %ig  den Vorstellungen des Trainers, aber mit dem vorhandenen Material kann er, wie man bisher sehen konnte, sehr gut arbeiten. 

Die Optionen von der Bank: Borussia Dortmund hat es sehr gut verstanden die Qualität auf den Kaderpositionen 12-18 zu verstärken. Akanji und Diallo sind ein gutes Duo in der Innenverteidigung, mit Toprak, Zagadou und Balerdi stehen gute Alternativen zur Verfügung. Auch Hakimi schlug sofort ein und ist mittlerweile eher als Stammspieler zu sehen, im Mittelfeldzentrum sind Dahoud und Weigl die Alternativen zu Delaney und Witsel und offensiv kann ohnehin ordentlich rotiert werden, bedenkt man alleine die Jokertore eines Paco Alcacer. Der BVB ist für alle Wettbewerbe gut gerüstet – sofern man von den ganz großen Verletzungssorgen verschont bleibt. 

Der Hunger auf Titel: Nachdem der FC Bayern München in den letzten Jahren quasi ein Titel-Abo besaß ist der Hunger des BVB auf einen Meistertitel enorm groß. Dieser Hunger, die bisher angesprochenen Faktoren und die Tatsache, dass der FC Bayern durchaus auch ein wenig schwächelt, könnten der Borussia in die Karten spielen. 

Wo bestehen Zweifel? Natürlich war die Hinrunde von Borussia Dortmund beeindruckend und die Ausbeute besser als man es sich vorgestellt hat. Aber: Der BVB wurde von den ganz großen Verletzungssorgen verschont. Zudem ist nicht klar, ob die jungen Spieler, die in der Hinrunde so viel Freude bereiten konnten, ihr Niveau auch in der Rückrunde, wenn viele entscheidende Spiele in mehreren Wettbewerben anstehen, in dieser Form halten können. Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal, die Begegnungen in der Rückrunde werden immer wichtiger, das Niveau wird immer höher. Ob Dortmund schon jetzt in der Lage ist sich entsprechend zu fokussieren und Punktverluste zu vermeiden, weiterhin enge Spiele für sich zu entscheiden, bleibt abzuwarten. Zudem ist der Start in die Rückrunde, wie bereits angesprochen, alles andere als einfach. Borussia Dortmund hat in dieser Spielzeit jedenfalls gute Chancen – und das einzige Team, das die Meisterschaft noch komplett in der eigenen Hand hat… 

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.


Ähnliche Artikel