Leverkusen. Drei Jahre, zwei Klubs, zwei Kontinente – und am Ende wieder die Nummer 19 an der BayArena. Moussa Diaby ist zurück bei Bayer Leverkusen. Der Klub bestätigte den Transfer am Dienstagnachmittag, wenige Stunden vor dem Ende des Transferfensters. Der 27-jährige Franzose kommt von Al-Ittihad aus Saudi-Arabien und unterschrieb einen Fünfjahresvertrag bis 2031. Die Ablöse liegt übereinstimmenden Berichten zufolge bei knapp 30 Millionen Euro plus Boni.
„Mit Moussa Diaby haben wir einen großartigen Stürmer zurück in die Bundesliga geholt“, sagte Geschäftsführer Simon Rolfes. Mit seinem Tempo und seinen Dribblings werde er dem Angriffsspiel zusätzliche Qualität verleihen – und er sei „eine Bereicherung für die ganze Bundesliga“.
Verkauft für 55, zurückgeholt für knapp 30
Die Zahlen erzählen die Geschichte fast von selbst. 2019 hatte Leverkusen Diaby für 15 Millionen Euro von Paris Saint-Germain geholt, auf Empfehlung seines damaligen Trainers Thomas Tuchel. In vier Jahren kam er auf 172 Pflichtspiele, 49 Tore und 47 Vorlagen. 2023 verkaufte Bayer ihn für 55 Millionen Euro an Aston Villa – damals ein Rekord.
Es war der Sommer vor der Meistersaison. Diaby erlebte Leverkusens erste Meisterschaft und die ungeschlagene Liga-Saison 2023/24 nicht mehr mit. In Birmingham blieb er ein Jahr, mit zehn Toren und neun Vorlagen in 54 Spielen, dann zog Villa ihn 2024 für rund 60 Millionen Euro an Al-Ittihad weiter. Zwei Jahre später kauft Leverkusen ihn für etwa die Hälfte dessen zurück, was der Klub einst kassierte.
Der Deal hing an Ritsu Doan
Dass der Transfer überhaupt zustande kam, lag an einer Kette von Zufällen. Al-Ittihad wollte Diaby nur abgeben, wenn vorher ein Ersatz für die rechte Außenbahn feststand. Der auserkorene Nachfolger war Ritsu Doan von Eintracht Frankfurt, der am Montag unmittelbar vor der Unterschrift stand – und dann aus privaten Gründen absagte.
Damit brach in Dschidda ein Streit aus. Laut übereinstimmenden Berichten gab es innerhalb der Klubführung unterschiedliche Auffassungen, ob Diaby ohne Ersatz gehen dürfe. Der Franzose saß zu diesem Zeitpunkt bereits in Leverkusen und wartete auf seine Freigabe. Wenige Stunden vor Transferschluss lenkte Al-Ittihad ein und unterschrieb die Dokumente.
Es war nicht das erste Mal, dass dieses Muster einen Diaby-Wechsel gefährdete. Bereits im Winter hatte er sich mit Inter Mailand auf eine Leihe mit Kaufoption von rund 35 Millionen Euro verständigt – und Al-Ittihad blockierte, weil kein Nachfolger da war. Diesmal ging es gut aus. Knapp.
Was Diaby für die Rückkehr aufgibt
Bemerkenswert ist der finanzielle Schnitt. In Saudi-Arabien verdiente Diaby laut Medienberichten einen zweistelligen Millionenbetrag netto pro Jahr. In Leverkusen sollen es rund sechs Millionen Euro brutto sein, mit Prämien nach oben offen. Möglich wurde der Wechsel erst, als sich beide Klubs auf eine Abfindung für den Spieler einigten – neben der Ablöse der größte Knackpunkt der Verhandlungen.
Sportlich war die Zeit in Dschidda durchwachsen. Diaby wurde 2024/25 saudischer Meister und Pokalsieger, kam in 52 Pflichtspielen aber nur auf acht Tore bei 27 Vorlagen. Sein Vertrag lief noch bis 2029. Der Wunsch, zurück nach Europa zu gehen, war spätestens seit dem Inter-Flirt öffentlich.
„Simon hat immer den Kontakt zu mir gehalten“, sagte Diaby zu seiner Rückkehr. Als die Anfrage kam, habe er „keine Sekunde gezweifelt“. Mit Bayer 04 Titel anzustreben sei „ein ganz großes Ziel“.
Leverkusens Deadline Day: rechte Seite komplett neu
Diaby ist Teil eines größeren Umbaus. Am selben Tag machte Leverkusen Guela Doué von Racing Straßburg offiziell – mit bis zu 37,5 Millionen Euro inklusive Boni ein neuer Vereinsrekord. Der Rechtsverteidiger und der Rechtsaußen bilden damit eine komplett neue rechte Seite. Im Gegenzug wurden Jeanuel Belocian (Racing Santander) und Arthur (Werder Bremen) verliehen.
Der Handlungsdruck war da. Leverkusen hatte die Saison mit einem 2:3 beim Aufsteiger Elversberg begonnen. Diabys Ankunft erlaubt zudem eine taktische Korrektur: Ibrahim Maza, zuletzt auf dem Flügel eingesetzt, kann zurück auf seine bevorzugte Position im Zentrum.
Der Sommer der Rückkehrer
Diaby reiht sich in ein Bundesliga-Muster dieses Sommers ein. Niclas Füllkrug und Eren Dinkci kehrten zu Werder Bremen zurück, Christopher Nkunku zu RB Leipzig, Ellyes Skhiri zum 1. FC Köln. Fabio Vieira wurde am Deadline Day vom Hamburger SV fest verpflichtet, Borna Sosa ging per Leihe nach Köln. Spieler, die die Liga in Richtung größerer Gehälter verließen, kommen zurück – teils zu Konditionen, die vor drei Jahren undenkbar gewesen wären.
Ob die Rechnung für Leverkusen aufgeht, entscheidet sich auf dem Platz. Am Samstag gegen Union Berlin könnte Diaby zum ersten Mal seit Mai 2023 wieder in der BayArena auflaufen.

