Jahresawards 2022: Was war der Transfer des Jahres?

Erling Haaland feiert sein 1:0 für Manchester City im EFL Cup gegen Liverpool.
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Das Fußballjahr 2022 neigt sich dem Ende entgegen, also ist es Zeit für die Jahresawards. In sieben Kategorien lassen wir das Jahr noch einmal Revue passieren. Den Anfang macht der Transfer des Jahres. 

Wie gewohnt traf die 90PLUS-Redaktion eine Vorauswahl auf Basis einer internen Punktevergabe. Herausgekommen sind die drei nominierten Spieler in der ersten Kategorie, dem Transfer des Jahres. 2022 gab es zahlreiche spannende Transfers und Spieler, die das Spiel eines Teams bereichert und deutlich verbessert haben. Zu nennen wäre da Gabriel Jesus (25), der Arsenal mit seinem Willen, seinen Qualitäten im Pressing und nicht zuletzt mit seinen Torbeteiligungen auf ein neues Level hievte. Bruno Guimaraes (24) war ein Schlüssel zum stetigen Aufstieg von Newcastle United, weil er ein strukturgebendes Element im Mittelfeld darstellt. Ausgewählt wurden aber drei andere Spieler, die nun genauer vorgestellt werden.



Erling Haaland (Borussia Dortmund -> Manchester City)

Die Kritiker waren laut – er ließ sie schnell verstummen. Die Erwartungen waren enorm – er hat sie bereits übertroffen. Schon jetzt sehen die 60 Millionen Euro, die Manchester City für Erling Haaland an Borussia Dortmund überwies, wie ein Schnäppchen aus.

Selbst die größten Superlative werden den Leistungen des Norwegers in seinen ersten sechs Monaten auf der Insel nicht gerecht. Und das, obwohl viele daran zweifelten, dass solch ein Spieler unter Pep Guardiola funktionieren würde. Er funktioniert nicht nur. Das einzigartige Paket aus Physis, Dynamik und Eleganz hat das ohnehin schon maschinenartige Offensivspiel der Cityzens durch seine Präsenz und pfeilschnellen Läufe in die Tiefe auf ein neues Level gehievt. Gleichzeitig stellt er den Vollstrecker dar, den ManCity in den letzten Jahren – zumeist in der Königsklasse – so verzweifelt vermisste.

Haalands Bilanz nach 25 Pflichtspielen: 30 Tore und vier Vorlagen. Alleine in der Premier League hat der Norweger, der sich bereits im Ligapokal eindrucksvoll von der WM-Pause zurückmeldete, 18 Treffer nach erst 14 Spielen vorzuweisen. Die beste Premier-League-Saison aller Zeiten – der Rekord für die meisten Treffer steht bei 34 (Andy Cole 1993/1994 und Alan Shearer 1994/1995). In 42 statt 38 Spielen wohlgemerkt.

Die Art und Weise wie Haaland ohne jegliche Anpassungsphase und trotz des großen Wirbels um seine Person in der Premier League von Tag eins performte, machen seine Verpflichtung schon jetzt zu einer der besten in der Geschichte der Premier League. Und zum idealen Kandidaten für unsere Jahresawards.

Chris McCarthy 

Kvicha Kvaratskhelia (Dinamo Batumi -> SSC Neapel)

In Zeiten, in denen gefühlt auch mal für durchschnittliche Spieler eine dreistellige Millionensumme nicht nur gefordert, sondern auch bereitwillig gezahlt wird, ist gutes Scouting umso wichtiger. Talente müssen sich früh gesichert werden, um sich gegen finanziell stärkere Konkurrenz durchzusetzen. Die SSC Napoli hat im vergangenen Sommer gleich mehrfach ein extrem gutes Gespür für genau solche Deals bewiesen.

Während es genügend Klubs gibt, die auf altbekannte Gesichter aus den Top-5-Ligen setzen und dafür dann auch stattliche Summen bieten, hatte man am Fuße des Vesuvs durchaus kreative Lösungen parat. Den 21-jährigen Kvicha Kvaratskhelia verpflichteten die Italiener für gerade mal rund 10 Millionen Euro. Die Konkurrenz dürfte sich extrem darüber ärgern, denn diese Summe gilt mittlerweile angesichts seiner ersten Hinrunde in der Serie A als Mega-Schnäppchen. Einen derart seltenen Spielertypen, der auch noch auf diesem hohen Niveau Leistung erbringt, ist in diesem Preissegment eigentlich nicht zu finden. 18 Scorer (acht Tore und zehn Vorlagen) in 17 Spielen in der Champions League und der Serie A sprechen eine deutliche Sprache: Der Transfer des trickreichen Linksaußen war bislang ein voller Erfolg.

Beim Transfer spielte aber auch der Ukraine-Krieg eine große Rolle, da „Kvaradona“, wie der Georgier mittlerweile schon genannt wird, im Frühjahr noch für Rubin Kazan spielte, bevor es ihn nach dem Kriegsbeginn in sein Heimatland zu Dinamo Batumi zog. Napoli handelte dann extrem schnell, um den Deal einzutüten, bevor die Konkurrenz reagieren konnte. Ein Coup, der dem stolzen Klub nicht nur sportlichen Erfolg einbrachte, sondern in Zukunft vermutlich auch eine riesige Ablösesumme, wenn sich Interessenten melden.

Damian Ozako

Randal Kolo Muani (FC Nantes -> Eintracht Frankfurt)

Viele Klubs haben Randal Kolo Muani (24) gescoutet, als dieser beim FC Nantes für Furore sorgte. Mit dem französischen Klub, der eher im Mittelfeld beheimatet ist, gewann er 2022 den Coupe de France und war ein essenzieller Bestandteil des Teams. Seine unorthodoxe Spielweise führte dazu, dass der Spieler nur schwer in eine Schublade zu stecken war. Das musste aber auch nicht passieren, denn sein ganz besonderes, individuelles Gesamtpaket spricht für sich. Dass es Eintracht Frankfurt gelungen ist, diesen Spieler ablösefrei zu verpflichten und sich gegen viele Konkurrenten durchzusetzen, lässt sich als Meisterstück bezeichnen.

Schon vor der Saison prognostizierten wir, dass Kolo Muani auch in Frankfurt zum absoluten Unterschiedsspieler werden könnte. Dass er so schnell so gut und so wichtig wird, hing aber mit vielen Faktoren zusammen. Einerseits hat der Angreifer eine Umgebung vorgefunden, die ideal für ihn war. Er hatte schnelle, technisch versierte und kluge Mitspieler, die ihn perfekt in ihr Spiel integriert haben. Zusammen mit anderen Neuzugängen verschmolz er zu einer homogenen Offensive, die häufig für Begeisterung sorgte. Fünf Tore und zehn Vorlagen alleine in der Bundesliga sprechen für sich. Zudem wurde Kolo Muani Nationalspieler, lief sogar im Endspiel der WM 2022 auf. Und deswegen ist er zurecht einer der Kandidaten auf den Transfer des Jahres bei den Jahresawards 2022.

Manuel Behlert 

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