Bayer 04 Leverkusen hat im Sommer 2026 mehr Geld ausgegeben als jeder andere Bundesligist: 157 Millionen Euro. Selbst nach Einnahmen von 119,85 Millionen bleibt ein Minus von 37,15 Millionen – und ein Kader, der mit fünf Neuzugängen zwischen 23 und 30 Millionen Euro komplett neu aufgestellt wurde.
Es ist der zweite Umbruch innerhalb von zwölf Monaten. Mit Carles Martínez übernahm zum 1. Juli 2026 ein Trainer, der eine Mannschaft erbt, die zwei Vorgänger zusammengekauft haben – und die im selben Sommer erneut zerlegt wurde. Alejandro Grimaldo, Piero Hincapié, Exequiel Palacios und Matěj Kovář sind weg. Zusammen brachten sie 82,5 Millionen Euro ein.
Transferbilanz Bayer Leverkusen 2026
| Posten | Wert |
|---|---|
| Transfereinnahmen | 119,85 Mio. € |
| Transferausgaben | 157,00 Mio. € |
| Saldo | –37,15 Mio. € |
| Zugänge gesamt | 19 |
| Abgänge gesamt | 17 |
| Teuerster Zugang | Guéla Doué (30,00 Mio. €) |
| Teuerster Abgang | Piero Hincapié (40,00 Mio. €) |
| Marktwert der Zugänge | 245,50 Mio. € |
| Durchschnittsalter der Zugänge | 21,6 Jahre |
| Kaderwert | 480,95 Mio. € |
| Kadergröße / Ø-Alter Kader | 29 Spieler / 26,1 Jahre |
| Legionäre | 21 (72,4 %) |
| Cheftrainer | Carles Martínez (seit 1. Juli 2026, Vertrag bis 2028) |
Bilanzdaten: Transfermarkt, Stand 3. September 2026.
Die wichtigsten Punkte
- 157 Millionen Euro Ausgaben sind der höchste Wert der Bundesliga – mehr als Bayern und Dortmund.
- Fünf Zugänge kosteten zwischen 23 und 30 Millionen Euro.
- Piero Hincapié brachte 40 Millionen von Arsenal, Kerim Alajbegović 32 Millionen von Juventus.
- Der 18-jährige Alajbegović kam im selben Fenster für acht Millionen aus Salzburg – und ging für 32.
- Mit 21,6 Jahren sind die Zugänge fast fünf Jahre jünger als der bisherige Kader.
Alle Zugänge mit Ablösesumme
| Spieler | Alter | Position | Abgebender Verein | Ablöse |
|---|---|---|---|---|
| Guéla Doué | 23 | Rechter Verteidiger | RC Straßburg (FRA) | 30,00 Mio. € |
| Afonso Moreira | 21 | Linksaußen | Olympique Lyon (FRA) | 29,50 Mio. € |
| Moussa Diaby | 27 | Rechtsaußen | Al-Ittihad (KSA) | 28,00 Mio. € |
| Miguel Gutiérrez | 25 | Linker Verteidiger | SSC Neapel (ITA) | 26,00 Mio. € |
| Facundo Medina | 27 | Innenverteidiger | Olympique Marseille (FRA) | 23,00 Mio. € |
| Kennet Eichhorn | 16 | Defensives Mittelfeld | Hertha BSC | 9,00 Mio. € |
| Kerim Alajbegović | 18 | Linksaußen | RB Salzburg (AUT) | 8,00 Mio. € |
| Luca Erlein | 19 | Rechter Verteidiger | TSG Hoffenheim | 2,00 Mio. € |
| Ndjicoura Bomba | 18 | Mittelstürmer | CS Bamako (MLI) | 1,50 Mio. € |
Die Zugänge im Detail
Guéla Doué (RC Straßburg, 30,00 Mio. €)
Position: Rechter Verteidiger
Der teuerste Neuzugang der Bundesliga-Saison auf einer Außenverteidigerposition. 30 Millionen Euro für einen 23-jährigen Franzosen aus der Ligue 1 sind eine Summe, die kein anderer deutscher Klub für diese Position aufgerufen hat. Zusammen mit Gutiérrez auf der linken Seite hat Leverkusen 56 Millionen Euro allein in die Außenverteidigung investiert.
Afonso Moreira (Olympique Lyon, 29,50 Mio. €)
Position: Linksaußen
Fast 30 Millionen für einen 21-jährigen Portugiesen. Moreira ist der Prototyp der neuen Leverkusener Linie: jung, teuer, aus einer Topliga, mit maximalem Weiterverkaufspotenzial. Die Bayer-Verantwortlichen haben in diesem Sommer keinen einzigen Spieler über 27 verpflichtet.
Moussa Diaby (Al-Ittihad, 28,00 Mio. €)
Position: Rechtsaußen
Die Rückkehr. Diaby prägte zwischen 2019 und 2023 den Leverkusener Angriff, ehe ihn der Weg über England nach Saudi-Arabien führte. Mit 27 Jahren ist er der älteste Zugang des Sommers und der einzige, der die BayArena bereits kennt. Für einen Kader mit 21,6 Jahren Zugangs-Durchschnittsalter ist er das dringend benötigte Gegengewicht.
Miguel Gutiérrez (SSC Neapel, 26,00 Mio. €) und Facundo Medina (Olympique Marseille, 23,00 Mio. €)
Der Ersatz für Grimaldo und Hincapié, Position für Position. Gutiérrez übernimmt die linke Seite, der argentinische Innenverteidiger Medina die Zentrale. 49 Millionen Euro für zwei Defensivspieler – finanziert durch die 55 Millionen, die Grimaldo und Hincapié gemeinsam einbrachten. Leverkusen hat hier eins zu eins getauscht.
Kennet Eichhorn (Hertha BSC, 9,00 Mio. €)
Position: Defensives Mittelfeld
Neun Millionen Euro für einen 16-Jährigen – der jüngste Spieler, für den in diesem Sommer in der Bundesliga eine Ablöse geflossen ist. Eichhorn kam vom Zweitligisten Hertha BSC und ist eine Investition, die frühestens in zwei, drei Jahren Ertrag bringt.
Wer Leverkusen verlassen hat
Piero Hincapié (FC Arsenal, 40,00 Mio. €)
Der größte Verkauf. Die Leihe des 24-jährigen Ecuadorianers nach London wurde für 40 Millionen Euro fest gemacht. Mit ihm verlor Bayer den Abwehrchef – ersetzt durch Medina für 23 Millionen, also mit 17 Millionen Gewinn.
Kerim Alajbegović (Juventus Turin, 32,00 Mio. €)
Der bemerkenswerteste Vorgang des Sommers. Leverkusen holte den 18-jährigen Linksaußen für acht Millionen Euro von RB Salzburg – und verkaufte ihn im selben Transferfenster für 32 Millionen an Juventus. **24 Millionen Euro Gewinn, ohne dass Alajbegović ein Pflichtspiel für Bayer bestritten hätte.** Es ist die profitabelste Einzeltransaktion der gesamten Bundesliga-Transferperiode.
Exequiel Palacios (Ipswich Town, 22,50 Mio. €) und Alejandro Grimaldo (Atlético Madrid, 15,00 Mio. €)
Zwei Leistungsträger der Meistermannschaft von 2024 sind weg. Palacios ging für 22,5 Millionen nach England, Grimaldo mit 30 Jahren für 15 Millionen zu Atlético Madrid. Mit ihnen verschwindet ein erheblicher Teil der Erfahrung, die diesen Kader bislang zusammenhielt.
Weitere Abgänge
Torwart Matěj Kovář brachte fünf Millionen Euro von der PSV Eindhoven, Ernest Poku drei Millionen Leihgebühr von Beşiktaş, Alejo Sarco 800.000 Euro von Sporting Gijón. Francis Onyeka wurde für 750.000 Euro Leihgebühr an Aufsteiger Elversberg abgegeben, wo er zu den Offensivstützen zählt – nachzulesen in unserer Transferbilanz des SV Elversberg. Auf Leihbasis gingen zudem Jeanuël Belocian (Racing Santander), Abdoulaye Faye (Celta Vigo), Noah Mbamba (Lorient), Farid Alfa-Ruprecht (Hertha BSC), Axel Tape (Levante) und Issa Traoré (Trenčín). Andrea Natali wechselte zu AZ Alkmaar, Torwart Jonas Omlin kehrte nach seiner Leihe zu Borussia Mönchengladbach zurück.
Carles Martínez und die Aufgabe seines Lebens
Carles Martínez ist 42 Jahre alt, seit dem 1. Juli 2026 im Amt und hat einen Vertrag bis 2028. Der Spanier ist damit der dritte Cheftrainer in Leverkusen innerhalb von zwölf Monaten – und übernimmt eine Mannschaft, die nicht seine ist.
Das ist der Kern seiner Aufgabe. Neun Spieler kamen gegen Ablöse, fünf davon für mehr als 23 Millionen Euro. Keiner von ihnen wurde von Martínez selbst ausgesucht, jedenfalls nicht über die gesamte Planungsphase hinweg. Gleichzeitig gingen mit Hincapié, Grimaldo und Palacios drei Spieler, die die Struktur der vergangenen Jahre trugen.
Was er bekommt, ist auf dem Papier beeindruckend: 480,95 Millionen Euro Kaderwert, der zweithöchste der Liga, dazu zwölf A-Nationalspieler. Was fehlt, ist Erfahrung im Verbund. 21 Legionäre bei 29 Spielern bedeuten außerdem, dass ein erheblicher Teil der Mannschaft sich sprachlich und kulturell erst finden muss.
Auffällig ist die Prioritätensetzung. 56 Millionen Euro flossen in die Außenverteidigung, 23 in die Innenverteidigung, 57,5 in die Offensivflügel – aber nur neun in das zentrale Mittelfeld, und die für einen 16-Jährigen. Nach dem Abgang von Palacios ist das die dünnste Position im Kader.
Analyse: Der teuerste Umbau der Liga
157 Millionen Euro Ausgaben sind mehr, als Bayern München und Borussia Dortmund in diesem Sommer investiert haben – und Leverkusen hat damit nicht nachgelegt, sondern ersetzt. Für jeden verkauften Leistungsträger kam ein teurerer Nachfolger.
Der Alajbegović-Deal zeigt, wie gut das im besten Fall funktioniert: acht Millionen rein, 32 Millionen raus, im selben Fenster. Bei Hincapié und Medina lief es ähnlich, wenn auch weniger spektakulär. Leverkusen verdient Geld an Spielern, ohne dass sie spielen müssen.
Das Risiko: Ein Kader mit 21,6 Jahren Zugangs-Durchschnittsalter und drei Trainern in zwölf Monaten braucht Zeit, die ein Klub mit 480 Millionen Euro Kaderwert selten bekommt. Und 37 Millionen Euro Minus sind selbst für Bayer eine Zahl, die sportlichen Ertrag verlangt.
Prognose: Wo landet Bayer Leverkusen?
Unsere Einschätzung: Platz 3 bis 6.
Leverkusen ist der Klub mit der größten Spannweite zwischen Kaderwert und Erwartbarkeit.
Dafür spricht die Substanz. 480,95 Millionen Euro Kaderwert liegen deutlich über Frankfurt (288,25), Hoffenheim (280,95) und Stuttgart (379,70). Fünf Zugänge für zusammen 136,5 Millionen Euro bedeuten Qualität auf praktisch jeder Position. Mit Diaby kehrt ein Spieler zurück, der die Liga kennt.
Dagegen spricht alles andere. Der dritte Trainer in zwölf Monaten, neun neue Spieler, drei abgewanderte Leistungsträger und ein zentrales Mittelfeld, das nach dem Palacios-Abgang praktisch unbesetzt ist. Mannschaften in dieser Situation brauchen eine halbe Saison, um zu funktionieren – und in dieser Zeit werden Punkte liegen gelassen, die am Ende zur Champions League fehlen.
Realistische Bandbreite: Platz 3 bis 6. Nach oben ist Platz 3 realistisch, sobald sich die Neuzugänge gefunden haben. Ein Angriff auf Bayern ist bei diesem Umbruch nicht zu erwarten. Nach unten droht das Verpassen der Champions League – bei 157 Millionen Euro Investitionsvolumen wäre das eine echte Krise.

