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90PLUS » Mainz 05 Transfersommer 2026: Wie aus 20 Abgängen ein Plus von 2,98 Millionen wurde
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Mainz 05 Transfersommer 2026: Wie aus 20 Abgängen ein Plus von 2,98 Millionen wurde

90PLUS Redaktion
05.09.26, 11:49
90PLUS Redaktion
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Mainz 05 players attack during an energetic summer football training match

Der 1. FSV Mainz 05 hat im Sommer 2026 den unauffälligsten Transfermarkt der oberen Tabellenhälfte hingelegt – und dabei ein Plus von 2,98 Millionen Euro erwirtschaftet. Neun Millionen Euro Ausgaben stehen 11,98 Millionen Euro Einnahmen gegenüber.

Bemerkenswert daran ist nicht die Höhe, sondern die Verteilung. Nur vier Spieler kosteten überhaupt eine Ablöse, dafür verließen 20 Spieler den Klub. Mainz hat nicht umgebaut, sondern ausgedünnt – und die wenigen Neuen gezielt auf Positionen gesetzt, an denen Urs Fischers Mannschaft Substanz verloren hatte.

Transferbilanz auf einen Blick

Posten Wert
Transfereinnahmen 11,98 Mio. €
Transferausgaben 9,00 Mio. €
Saldo +2,98 Mio. €
Zugänge gesamt 14
Abgänge gesamt 20
Teuerster Zugang Stefan Posch (4,00 Mio. €)
Teuerste Abgänge Krauß und Veratschnig (je 3,50 Mio. €)
Marktwert der Zugänge 41,60 Mio. €
Durchschnittsalter der Zugänge 25,9 Jahre
Kaderwert 164,20 Mio. €
Kadergröße / Ø-Alter Kader 26 Spieler / 27,9 Jahre
Legionäre 15 (57,7 %)
Cheftrainer Urs Fischer (seit 7. Dezember 2025, Vertrag bis 2028)

Bilanzdaten: Transfermarkt, Stand 3. September 2026.

Die fünf wichtigsten Punkte

  • Mainz gab nur für vier Spieler Ablöse aus – zusammen neun Millionen Euro.
  • Mit 27,9 Jahren stellt der FSV einen der ältesten Kader der Liga.
  • Eric Martel und Ransford Königsdörffer kamen beide ablösefrei – zwei der wertvollsten Zugänge kosteten nichts.
  • Elf A-Nationalspieler bei nur 26 Kaderspielern: die höchste Quote der bisher analysierten Klubs.
  • Die Einnahmen verteilen sich auf sechs kleine Verkäufe – kein einziger überstieg 3,5 Millionen Euro.

Die Zugänge mit Ablöse

Spieler Alter Position Abgebender Verein Ablöse
Stefan Posch 29 Innenverteidiger FC Como (ITA) 4,00 Mio. €
Fabio Gruber 23 Innenverteidiger 1. FC Nürnberg 3,50 Mio. €
Sota Kawasaki 24 Defensives Mittelfeld Kyoto Sanga (JPN) 1,00 Mio. €
Sheraldo Becker 31 Linksaußen CA Osasuna (ESP) 500 Tsd. €
Eric Martel 24 Defensives Mittelfeld 1. FC Köln ablösefrei
Ransford Königsdörffer 24 Mittelstürmer Hamburger SV ablösefrei
Alexander Schwolow 34 Torwart Heart of Midlothian (SCO) ablösefrei
Maximilian Kinzig 22 Torwart FSV Mainz 05 II intern aufgerückt

Neuzugänge im Porträt

Stefan Posch (FC Como, 4,00 Mio. €)

Position: Innenverteidigung
Der teuerste Zugang und einer von zweien, die dieselbe Position besetzen. Die Leihe des 29-jährigen Österreichers aus Como wurde für vier Millionen Euro fest gemacht. Posch ist damit die erfahrene Hälfte einer runderneuerten Innenverteidigung – notwendig geworden durch den Verkauf von Andreas Hanche-Olsen nach Chicago und den Abgang von Maxim Leitsch nach Vertragsende.

Fabio Gruber (1. FC Nürnberg, 3,50 Mio. €)

Position: Innenverteidigung
Die jüngere Hälfte desselben Umbaus. 3,5 Millionen Euro für einen 23-jährigen Zweitliga-Innenverteidiger sind eine klare Wette auf Entwicklung. Zusammen mit Posch hat Mainz damit 7,5 der neun investierten Millionen in eine einzige Position gesteckt.

Eric Martel (1. FC Köln, ablösefrei)

Position: Defensives Mittelfeld
Der wertvollste Transfer des Sommers – und er kostete nichts. Der 24-Jährige verließ Köln nach Vertragsende und hinterließ dort eine Lücke, die der FC mit gleich drei Spielern schließen musste. Kurioserweise ging der Wechsel in beide Richtungen: Mainz verkaufte im selben Fenster Tom Krauß für 3,5 Millionen Euro nach Köln, wo er unter anderem Martels Rolle übernehmen soll. Die Gegenseite dieses Tauschs beschreiben wir in der Transferbilanz des 1. FC Köln.

Ransford Königsdörffer (Hamburger SV, ablösefrei)

Position: Mittelstürmer
Der zweite ablösefreie Coup. Der 24-jährige Angreifer verstärkt eine Offensive, aus der mit Nelson Weiper und William Bøving zwei Spieler verliehen wurden. Dass Mainz für einen Stürmer dieser Kategorie keinen Cent zahlen musste, ist der eigentliche Gewinn dieses Sommers.

Sota Kawasaki (Kyoto Sanga, 1,00 Mio. €) und Sheraldo Becker (CA Osasuna, 500 Tsd. €)

Zwei Ergänzungen für zusammen 1,5 Millionen Euro. Kawasakis Leihe aus Japan wurde fest gemacht, Becker kam mit 31 Jahren aus Spanien und bringt Bundesliga-Erfahrung aus seiner Zeit bei Union Berlin mit.

Die Abgänge

Tom Krauß (1. FC Köln, 3,50 Mio. €) und Nikolas Veratschnig (RB Salzburg, 3,50 Mio. €)

Die beiden größten Verkäufe, beide zum selben Preis. Krauß‘ Leihe nach Köln wurde fest gemacht, der 23-jährige Rechtsverteidiger Veratschnig ging nach Salzburg. Zusammen machen die beiden fast 60 Prozent der Mainzer Einnahmen aus.

Arnaud Nordin (Stade Rennes, 2,20 Mio. €) und Andreas Hanche-Olsen (Chicago Fire, 1,75 Mio. €)

Zwei weitere Millionen-Abgänge. Nordins Leihe nach Frankreich wurde permanent, der norwegische Innenverteidiger Hanche-Olsen wechselte mit 29 Jahren in die MLS. Sein Abgang erklärt, warum Mainz gleich zwei Innenverteidiger holte.

Weitere Abgänge

Ben Bobzien brachte eine Million Euro von Dynamo Dresden, Lasse Rieß 30.000 Euro Leihgebühr von Fortuna Düsseldorf. Ablösefrei gingen Torwart Daniel Batz zu Borussia Mönchengladbach, Niklas Tauer zum TSV Havelse und Maxim Dal zu Greuther Fürth. Maxim Leitsch verließ den Klub nach Vertragsende, Marco Richter wurde freigestellt. Auf Leihbasis wechselten Nelson Weiper (Sturm Graz), William Bøving (1. FC Nürnberg), Hyun-seok Hong (FC Midtjylland), Kasey Bos (Excelsior), Daniel Gleiber (Saarbrücken) und Konstantin Schopp (TSV Hartberg). Armindo Sieb kehrte nach Ablauf seiner Leihe zum FC Bayern zurück und wurde dort direkt weiterverkauft – nachzulesen in der Transferbilanz des FC Bayern.

Urs Fischer und sein Kader

Urs Fischer übernahm am 7. Dezember 2025 und hat einen Vertrag bis 2028. Der 60-jährige Schweizer, in Deutschland vor allem durch seine Jahre bei Union Berlin bekannt, arbeitet in Mainz mit einem Kader, der zu seinem Profil passt wie kaum ein anderer in der Liga.

26 Spieler, 27,9 Jahre Durchschnittsalter, elf A-Nationalspieler – das ist eine fertige Mannschaft, keine Baustelle. Fischer hat in seiner Karriere selten mit großen Etats gearbeitet, dafür regelmäßig aus kompakten, erfahrenen Kadern mehr herausgeholt, als deren Marktwert erwarten ließ. Genau diese Aufgabe stellt sich in Mainz erneut.

Der Transfersommer folgt dieser Logik konsequent. Statt in die Breite zu investieren, hat Mainz den Kader von 20 Spielern befreit und nur dort nachgelegt, wo es wirklich nötig war: zwei Innenverteidiger nach dem Hanche-Olsen-Verkauf, zwei defensive Mittelfeldspieler nach dem Krauß-Abgang, ein Stürmer, ein Torwart. Kein einziger Zugang war Luxus.

Die Kehrseite: Mit 26 Spielern ist der Kader klein, und mit 27,9 Jahren wird er in den kommenden Jahren geschlossen älter. Zugänge wie Schwolow (34) und Becker (31) lösen aktuelle Probleme, bauen aber keinen Wert auf.

Bewertung: Ein Sommer der leisen Töne

Mainz hat genau das getan, was ein Klub mit 164,20 Millionen Euro Kaderwert und ohne europäisches Geschäft tun sollte: nichts riskiert. Ein Plus von 2,98 Millionen Euro bei gleichzeitig gezielter Verstärkung von vier Positionen ist solides Handwerk.

Der eigentliche Wert dieses Sommers steckt in den ablösefreien Zugängen. Martel, Königsdörffer und Schwolow kosteten zusammen null Euro und dürften einen erheblichen Teil des Zugangs-Marktwerts von 41,60 Millionen Euro ausmachen. Wer so einkauft, braucht keine großen Verkäufe.

Das Risiko liegt in der fehlenden Substanz nach oben. Kein Mainzer Zugang kostete mehr als vier Millionen Euro, und der teuerste Verkauf brachte 3,5 Millionen. In einer Liga, in der Hoffenheim 66 und Frankfurt 40 Millionen Euro investierten, bedeutet das: Mainz wird sich sportlich nicht einkaufen, sondern erarbeiten müssen.

Wohin führt die Saison für Mainz 05?

Unsere Einschätzung: Platz 10 bis 15.

Nach dem ersten Spieltag steht der FSV im Mittelfeld – dort, wo ihn die meisten auch am Saisonende erwarten.

Für eine ruhige Saison spricht die Erfahrung. Elf Nationalspieler in einem 26-Mann-Kader mit fast 28 Jahren Durchschnittsalter bedeuten: Diese Mannschaft weiß, wie Bundesliga funktioniert. Urs Fischer hatte ein halbes Jahr Zeit, sie kennenzulernen, und bekam mit Martel und Königsdörffer zwei sofort einsatzfähige Zugänge, ohne dass Ablöse geflossen wäre. Der Kaderwert von 164,20 Millionen Euro liegt im gesicherten Ligamittelfeld.

Dagegen spricht die Kadergröße. 26 Spieler bei 20 Abgängen bedeuten wenig Puffer, und mit Weiper und Bøving wurden zwei Offensivoptionen verliehen. Fällt Königsdörffer aus, wird es im Sturm schnell dünn. Auch das Alter ist mittelfristig ein Thema: Ein Kader dieses Zuschnitts hat kaum Wiederverkaufswert.

Realistische Bandbreite: Platz 10 bis 15. Nach oben ist die einstellige Platzierung möglich, wenn die neue Innenverteidigung sofort greift. Nach unten schützt die Erfahrung – ein Abstiegskampf wäre bei diesem Kader eine echte Enttäuschung.

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