Alphonso Davies | Der Rohdiamant des FC Bayern – Großes Talent, noch größere Erwartungshaltung

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18 Jahre jung, schnell, trickreich und vermutlich eines der größten Talente seines Jahrgangs: Alphonso Davies ist das neue Juwel beim FC Bayern. Sein Talent ist unumstritten, doch die Erwartungshaltung ist umso größer. Und das hat auch einen Grund.

Alphonso Davies und die Hoffnung des FC Bayern

Davies bekommt den Ball nahe der Mittellinie auf linksaußen, mit dem rechten Fuß zieht der die Kugel blitzschnell auf seinen linken, ein kurzer schneller Antritt und er ist am ersten Gegenspieler vorbei. Mit Tempo geht er auf die nächsten beiden Verteidiger zu. Einer deckt außen ab, einer innen. Davies zieht an, der erste Verteidiger geht mit, doch dann stoppt der kanadische Nationalspieler plötzlich ab und zieht den Ball mit der Hacke hinter seinem rechten Fuß zurück. Der Außenverteidiger kommt aus dem Tritt. Nun zieht Davies nach innen, nur um im letzten Moment einen Haken zu schlagen und zwischen den beiden Defensivspielern hindurch zu maschieren. 

Von derartigen Situationen gibt es von Davies auf  YouTube Videos zu Genüge, viele seiner Eins-gegen-Eins-Aktionen erinnern stark an den jungen Franck Ribéry. Schnell, trickreich, immer für eine Überraschung gut. Genau deswegen wurde das 18-jährige Talent auch zum FC Bayern geholt. Er soll dort einer der Nachfolger der berühmt berüchtigten Flügelzange „Robbery“ werden. So unbestritten sein Potenzial auch ist, die Erwartungshaltung an ihn ist groß, zu groß? 

Mit 18 Scorerpunkten aus 33 Spielen im Jahr 2018 tritt Davies am 1. Januar 2019 offiziell beim deutschen Rekordmeister seinen Dienst an, seit Ende November trainiert er schon mit den Profis. Viel zu hören über den Wunderknaben ist in diesen Tagen nicht, der Fokus liegt schon auf dem Wintertransfermarkt. Dennoch soll der kanadische Neuzugang schon in der Rückrunde den einen oder anderen Akzent setzen, die Sehnsucht nach mehr Tempo in der Offensive und nach einem würdigen Nachfolger von Robben und Ribéry ist groß an der Säbener Straße.

Davies ist der neue Mann für die Flügel beim FC Bayern

Ob unter den Münchner Fans oder beim Verein selbst: Fällt der Name Alphonso Davies, wird klar, welche Hoffnungen mit dem Turbodribbler verbunden sind. Der Grund dafür liegt vor allem in der mangelhaften Transferpolitik der letzten ein bis zwei Jahre auf den Flügeln. Die Nachfolge von Robben und Ribéry wurde immer wieder vertagt, deren Verträge immer wieder verlängert. Douglas Costa spielte eine herausragende Hinrunde, um dann Stück für Stück in der Versenkung zu verschwinden. 

Nur einer konnte und kann sich bisher als würdiger Nachfolger erweisen: Kingsley Coman. Derzeit ist er der vielleicht wichtigste Spieler von Trainer Niko Kovac, doch auch er hat ein großes Handicap: Seine Verletzungsanfälligkeit. Die Rückrunde der letzten Saison verpasste er fast komplett aufgrund eines Syndesmosebandrisses, die Hinrunde dieser Saison ebenfalls. Ist er fit, da sind sich vermutlich alle Experten einig, kann Coman eines der prägenden Gesichter des FC Bayern der nächsten Jahre werden, wie es zuvor Ribéry oder auch Robben war. 

(Photo credit should read ROBYN BECK/AFP/Getty Images)

Doch fehlt es im Kader dann immer noch an einem zweiten Flügelstürmer. Serge Gnabry, der sich in dieser Hinrunde mehr als ordentlich entwickelt hat, ist ein ganz anderer Spielertyp, ein Abschlussspieler, der auch zentral hinter den Spitzen oder sogar in der Spitze selbst agieren kann. So wurden im Sommer zahlreiche Namen für einen potenziellen Transfer gehandelt. Besonders im Fokus: Anthony Martial von Manchester United. Am Ende verpflichteten die Münchner niemanden und man ging mit vier Flügelstürmern in die Saison, von denen alle vier verletzungsanfällig und zwei über ihrem Zenit sind.

Gleichzeitig tütete der FCB den Deal mit Davies für den Winter ein. Spätestens nach der Verletzung von Coman und der zwischenzeitlichen Krise beim FC Bayern wurde die Sehnsucht nach mehr Tempo auf den Außen immer größer. Tempo, das Davies ohne jeden Zweifel mitbringt. So wuchs schon vorab eine Erwartungshaltung an einen jungen Spieler aus der MLS, der Davies eigentlich gar nicht gerecht werden kann. Vielmehr sollte er als einer gesehen werden, der in der Rückrunde zu seinen ersten Einsätzen kommt und ab der nächsten Saison Teil des großen Umbruchs beim deutschen Rekordmeister wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Die Rückkehr von Coman und die Form von Gnabry sind das Glück für Davies

Nun kann Davies von Glück reden, dass sich der FCB mittlerweile etwas stabilisiert hat. Das hat auch einen bestimmten Grund. Der lang verletzte Coman ist wieder zurück, ebenso der in dieser Saison grandios aufspielende Thiago. Zudem hat sich Gnabry in den letzten Partien zu einem echten Starter entwickelt, sodass das Münchner Spiel derzeit endlich wieder das so wichtige Attribut des Tempos beinhaltet. Bleiben beide unverletzt und können ihre zuletzt gezeigte Form bestätigen, wird Davies, so wie eigentlich geplant, im Hintergrund peu à peu an die Mannschaft herangeführt werden können.

Schon bei Davies‘ Vorstellung schrieben wir: 

Der FC Bayern tut gut daran, Davies Zeit zu geben. Gleichzeitig muss man ihm aber auch das Vertrauen schenken und ihn in der Rückrunde schon sukzessive heranführen, ihm Einsatzzeiten geben […] Es wird insbesondere bei seinen ersten Einsätzen nicht alles funktionieren können. Dem Hype, der um seine Person entfacht wird, kann er in dieser Form wohl auch nicht gerecht werden. Aber auch das ist nicht schlimm.

Gibt man ihm aber die nötige Zeit in München, kann er dem deutschen Rekordmeister in Zukunft viel Freude bereiten. Der Verein und auch Davies selbst werden hoffentlich wissen, mit der großen Erwartungshaltung umzugehen. Denn er ist nicht der neue Heilsbringer, noch nicht.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Nico Scheck

Aufgewachsen mit Elber, verzaubert von Ronaldinho. Talent reichte nur für die Kreisliga, also ging es in den Journalismus. Seit 2017: 90PLUS. Manchmal: SEO. Immer: Fußball. Joga Bonito statt Catenaccio.

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