Aus Belgien in die große Fußballwelt? 3 vielversprechende Talente aus der JPL im Porträt

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Der belgische Fußball hat zumindest auf Vereinsebene derzeit keine allzu große Bedeutung im Fußball. Jedoch gelten belgische Talente gerade in den letzten Jahren als sehr vielversprechend, zahlreiche Spieler haben den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft und immer mehr Topvereine in Europa schicken ihre Scouts in die Jupiler Pro League. 

Wir stellen drei Spieler vor, die in Kürze den Schritt in eine größere Liga und zu einem größeren Klub gehen könnten.

Leander Dendoncker (22, Anderlecht)

Seit 2014 gehört Leander Dendoncker zum Profi-Aufgebot des RSC Anderlecht, sein Vertrag läuft noch bis 2021. Der zentrale Mittelfeldspieler kommt aus der eigenen Jugend und hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend weiterentwickelt, spielte bisher viermal für die belgische Nationalmannschaft. In der Vergangenheit gab es immer wieder Gerüchte über einen Wechsel, unter anderem wurden der FC Everton und Atletico Madrid mit ihm in Verbindung gebracht. Anderlecht forderte dem Vernehmen nach eine Ablösesumme von fast 40 Millionen Euro, ein Transfer kam nicht zustande.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Dendoncker sammelte bereits Erfahrungen im Europapokal, konnte sich in dieser Saison in der Königsklasse mit dem FC Bayern und Paris Saint Germain messen und ist unangefochtener Stammspieler. Im Vergleich zur letzten Saison, als er häufig mit Youri Tielemans im Mittelfeld spielte, ist er etwas mehr defensiv eingebunden, muss häufiger strukturelle Aufgaben übernehmen und kann sich nicht mehr so häufig in der Offensive ausleben. Zum Vergleich: In dieser Saison gelang ihm nur ein Scorerpunkt in 35 Pflichtspielen, letzte Saison erzielte der Mittelfeldspieler 6 Treffer, war vor allem bei Distanzschüssen sehr gefährlich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist aber, dass Dendoncker auch häufig in der Innenverteidigung eingesetzt wird, dort absolvierte er in dieser Saison nur ein Pflichtspiel weniger als im Mittelfeld.

Der 22-jährige übernimmt in dieser Saison mehr Verantwortung und hat sich zu einem Führungsspieler entwickelt. Seine Passgenauigkeit in der Champions League lag bei beeindruckenden 89 %, aber auch für seine läuferische Qualität ist der Belgier bekannt. Er verfügt über eine gute Technik und Übersicht und ist ebenso ein hervorragender Arbeiter im Mittelfeld, der viel Lücken schließt und mit seiner Spielintelligenz im defensivtaktischen Bereich für Stabilität sorgt. Dendoncker hat reelle Chancen auf einen Platz im WM-Kader und könnte mit guten Auftritten dort seinen Wert noch einmal steigern. Sollte ein Verkauf im Sommer zustande kommen wird der RSC Anderlecht viel Geld einnehmen, das ist sicher.

Hassane Bandé (19, KV Mechelen)

Der 19-jährige Hassane Bandé aus Burkina Faso ist wohl die Entdeckung der Saison in der belgischen Liga. Im Sommer 2017 verpflichtete der KV Mechelen den offensiven Außenspieler direkt aus seiner afrikanischen Heimat – und das sollte sich auszahlen. Mit bisher 12 Toren und 2 Vorlagen in 27 Pflichtspielen hinterlässt Bandé in seiner Debütsaison einen hervorragenden Eindruck und das sorgte auch dafür, dass er im November für die Nationalmannschaft Burkina Fasos debütieren konnte. Seine furiose Entwicklung blieb auch Ajax Amsterdam nicht verborgen, die sich bereits Anfang Dezember dessen Dienste sicherten – für etwas mehr als 8 Millionen Euro.

Bandé ist ein Flügelspieler, der absolut das Zeug zum Publikumsliebling hat. Er ist schnell, dribbelstark, sucht gerne den Abschluss, sieht aber auch die besser postierten Mitspieler. Seine Technik ist mindestens solide, im 1-gegen-1 ist er nur schwer zu stoppen, aber in seinem ersten Jahr in Europa gibt es logischerweise noch Dinge, die nicht vollumfänglich funktionieren. Mitunter ist der 19-jährige noch zu verspielt, dreht eine Pirouette zu viel um seine Gegenspieler und riskiert so Ballverluste. Der Schritt zu Ajax dürfte der richtige sein. Die Eredivisie verfügt über mehr Niveau, der Abstand ist aber auch nicht zu groß. Sollte die Entwicklung von Hassane Bande normal verlaufen, dann dürfte Ajax nur ein Zwischenschritt sein.

Sander Berge (20, KRC Genk)

(Photo by Trond Tandberg/Getty Images)

Der 1,93m große defensive Mittelfeldspieler Sander Berge wechselte im Januar 2017 aus Oslo von Valerenga nach Genk und kostete seinerzeit 2 Millionen Euro. Kurze Zeit später debütierte Berge bereits für die norwegische Nationalmannschaft, seine Karriere in Genk nahm fortan so richtig Fahrt auf. Schon jetzt zählt Berge mit 20 Jahren zu den spannendsten Spielern der Jupiler Pro League, auch wenn er in dieser Saison aufgrund eines Muskelrisses, den er sich Ende Oktober zugezogen hat, nur 13 Pflichtspiele absolvieren konnte. Ein genaues Datum der Rückkehr ist zurzeit noch nicht bekannt.

Dementsprechend dürfte ein Wechsel im Sommer auch kein großes Thema sein, Berge muss sich erst einmal wieder auf das Niveau von vor der Verletzung bringen und dann wieder konstant seine guten Leistungen abrufen. Bis 2021 ist Berge noch an den KRC Genk gebunden und bei einem weitgehend normalen Karriereverlauf dürfte es klar sein, dass er diesen Vertrag nicht erfüllen wird, vorzeitig zu einem größeren Klubs wechselt und den nächsten Schritt geht.

(Photo by DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images)

Zu den Qualitäten des 20-jährigen zählt neben dem Kopfballspiel vor allem das Passspiel und seine Technik. Für einen so großen Spieler wirkt Berge sehr elegant, löst sich häufig clever aus Pressingsituationen und kann daraus resultierend öffnende Pässe spielen. Er ist sehr ballsicher, weil er seine Physis gewinnbringend einsetzen kann, kann dadurch das Spiel beruhigen, den Ballbesitz halten und das Tempo bestimmen. Ausbaufähig sind vor allem die offensiven Komponenten, sein Abschluss ist verhältnismäßig schwach, auch seine Offensivkopfbälle könnten noch präziser und erfolgreicher sein. Insgesamt hat Berge aber definitiv alle Anlagen um eine gute Karriere hinzulegen – sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft.

 

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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