Brighton | Tariq Lamptey – The next big thing?

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Spotlight | Mit gerade ein mal 19 Jahren ist Tariq Lamptey von Brighton & Hove Albion bereits einer der aufregendsten Spieler der Premier League. Wir gehen dem Grund nach.

  • Tariq Lamptey erlebt bei Brighton seinen Durchbruch
  • Ausbildung beim FC Chelsea
  • Lamptey kann für England oder Ghana spielen

Lamptey wechselt nach zwölf Jahren Chelsea

Ende Januar 2020 ging es plötzlich ganz schnell, nach zwölf Jahren im Verein war Schluss. Tariq Lamptey (19), der talentierte Rechtsverteidiger aus der eigenen Jugend, stellte den Chelsea FC nach zwölf Jahren vor vollendete Tatsachen. Er werde den in sechs Monaten auslaufenden Vertrag nicht verlängern und sei sich bereits mit zwei Vereinen über einen Anschlussvertrag einig.

Grund für diesen Entschluss war die mangelnde Perspektive auf Spielpraxis bei den Blues. Trainer Frank Lampard (42) gab auf der Position des rechten Verteidigers einem anderen Talent den Vorzug: Reece James (20). Am letzten Tag des Winter-Transferfensters 2020 wechselte Lamptey schließlich für lediglich drei Millionen Euro an die Südküste zu Brighton & Hove Albion. „Es war keine leichte Entscheidung für mich. Ich war bei Chelsea seit ich ein kleiner Junge war. Alle meine Freunde waren hier. Doch ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war, den nächsten Schritt zu gehen. Brighton möchte offensiven Fußball spielen, genau das, was ich auch möchte. Dazu haben mir die Gespräche mit dem Trainer sehr imponiert”, sagte Lamptey unlängst in einem Interview mit Sky.

Chelsea stimmte dem Abgang zu, ohne Rückkaufoption. Ein Entschluss, der im Westen Londons allmählich bereut wird.

(Photo by Kate McShane/Getty Images)

Lamptey drängt sich bei Brighton auf

Da Lamptey erst für die Saison 2020/21 als fester Bestandteil des Spieltagskaders eingeplant war, stand er vor der coronabedingten Pause kein einziges Mal im Aufgebot der Seagulls. Das lag nicht am fehlenden Niveau, sondern viel eher daran, dass Trainer Graham Potter (45) ihn nicht als klassischen Außenverteidiger sah. Lamptey schien eher ein Wingback in dem von Potter favorisierten System mit drei Innenverteidigern und je einem Schienenspieler auf beiden Außenbahnen zu sein. Dieses System wollte Potter aber erst zur neuen Saison und vor allem nach der Rückkehr des nach Leeds verliehenen Innenverteidigers Ben White (22) etablieren.

Nach dem Restart 2019/2020 konnte sich Potter jedoch nicht mehr dagegen wehren, Lamptey aufzustellen. Zu stark war die Entwicklung. “Tariq hat sehr stark gespielt, gerade defensiv, was eigentlich nicht seine Stärke ist, verglichen mit der Offensive. Er wird defensiv immer besser und besser”, sagte der Trainer auf einer Pressekonferenz und setzte ihn fortan als Rechtsverteidiger in der Viererkette ein. Seitdem stand er mit der Ausnahme von zwei Spielen jedes Mal in der Startelf.

 

Lamptey: Der Prototyp eines modernen Außenverteidigers

Nachdem Lamptey in der letzten Saison sein Talent bereits andeutete, ist die aktuelle Saison noch einmal eine Steigerung. Seine Leistungen sind herausragend, wenn nicht gar elektrisierend. Als rechter Wingback im 3-4-1-2 von Potter blüht er noch mehr auf. Seine beiden größten Stärken, das Tempo und das Dribbling, kommen hierbei voll zur Geltung.

In Phasen erinnert er mehr an einen Jadon Sancho (20) von Borussia Dortmund als an einen Außenverteidiger, so offensivfreudig präsentiert er sich. Durch diese Spielweise gehört er, sowohl was die Dribblings als auch das Ziehen von Foulspielen angeht, bereits jetzt zu den besten Außenverteidigern der gesamten Premier League. Über die gesamte letzte Saison gesehen stand er mit 4,06 Dribblings pro 90 Minuten auf Platz vier dieser Statistik, gefoult wurde er 2,61-mal pro 90 Minuten, was sogar Platz eins unter den Außenverteidigern bedeutete.

Vor allem auf den ersten fünf bis zehn Metern ist er einer der schnellsten Spieler der gesamten Liga. In seiner neuen Mannschaft war er in der Rückrunde mit 35,9 km/h auf Platz drei, was die Spitzengeschwindigkeit anging. Dazu kommt, dass Lamptey die Fähigkeit besitzt, Chancen für seine Mannschaft zu kreieren. Gegen Chelsea FC im ersten Spiel der Saison hatte er 82 Ballkontakte, gewann sieben Zweikämpfe und hatte acht Ballaktionen im gegnerischen Drittel, darunter sechs Läufe in den Sechzehnmeterraum. Nahezu jeder Angriff lief über seine Seite.

(Photo by John Sibley – Pool/Getty Images)

Defensiv besticht Lamptey vor allem durch seine Giftigkeit und sein gutes Timing bei Grätschen. Dadurch macht er seine körperlichen Defizite, die er aufgrund seiner geringen Größe (1,64 Meter) gegen nahezu jeden Gegner hat, mehr als wett. Durch seine Geschwindigkeit kann er auch eigentlich schon enteilte Gegner nahezu problemlos abfangen. In dieser Hinsicht erinnert er sehr an Alphonso Davies (19) vom FC Bayern München. Auch sein Stellungsspiel und seine Antizipation sind bereits sehr gut ausgebildet: In der abgelaufenen Saison fingen pro 90 Minuten nur zwei Spieler mehr Zuspiele des Gegners als Lamptey ab.

Lamptey: Schlüsselspieler und Trainerliebling

Obwohl er ihn letztendlich ziehen lassen musste, war sein ehemaliger Trainer Lampard nach seinem ersten (und einzigen) Einsatz bei Chelsea hin und weg: “Ich hatte schon den jungen Lamptey gesehen, als ich meine Trainerabzeichen gemacht habe, da ich viele Stunden in der Akademie zusammen mit der Jugendmannschaft verbracht habe. Ich habe ihn viel trainieren sehen und ich weiß, dass er eine noch höhere Qualität als rechter Flügelverteidiger hat. Er hat die Geschwindigkeit, einen tiefen Körperschwerpunkt und kann an jedem Gegner vorbeigehen. Natürlich muss er noch an Details arbeiten, aber die Grundlagen sind hervorragend.”

Von diesen Grundlagen profitieren nun Brighton und Trainer Potter. Der 45-Jährige hat Brighton von einer “Kick and Rush”-Mannschaft zu einem der ansehnlicheren Teams der Premier League entwickelt. Der Saisonstart bestätigte den Trend, die Niederlagen gegen Chelsea und Manchester United waren äußerst unglücklich. Die Mannschaft hat ein neues spielerisches Level erreicht. Das liegt auch Lamptey, der ein absoluter Schlüsselspieler ist. Nach drei Spieltagen hat er drei Vorlagen auf dem Konto und zahlreiche Gegner, ob offensiv oder defensiv, zur Verzweiflung getrieben.

Vor dem Sieg gegen Newcastle am zweiten Spieltag geriet Potter ins Schwärmen: “Er ist so schnell, er ist eine ständige Bedrohung für die gegnerische Abwehr. Dazu wird er auch defensiv immer stärker. Er ist einfach ein unglaublicher Spieler. Ich führe viele Einzelgespräche mit ihm, er möchte sich immer weiter verbessern und mehr lernen. Es ist so erfrischend, mit ihm zu arbeiten.”

(Photo by LINDSEY PARNABY/POOL/AFP via Getty Images)

Lamptey für England oder Ghana?

Schon bald wird sich Lamptey entscheiden müssen, für welche Nationalmannschaft er in Zukunft auflaufen möchte. Durch seine Eltern könnte er neben England auch für Ghana auflaufen. Gerade auf die Meinung seines Vaters hört der junge Außenverteidiger sehr: “Wir sehen uns jedes Spiel zu Hause nochmal an und besprechen jede Aktion, jede Entscheidung, die ich auf dem Feld getroffen habe. Dabei sind wir sehr kritisch, wir finden viele Sachen, die ich besser hätte machen können. Er ist eine großartige Hilfe und Stütze für mich. Ich weiß, wie viel meine Eltern auf sich genommen haben, um mich auf meinem Weg zu unterstützen. Das versuche ich ihnen das nun zurückzugeben. Ich möchte sie glücklich machen.”

Angesichts der großen Konkurrenz mit Spielern unter 23 Jahren auf seiner Position im englischen Team, wie zum Beispiel Trent Alexander-Arnold (21), Reece James (20), Max Aarons (20), Kyle Walker-Peters (23), James Justin (22), Ainsley Maitland-Niles (23), Jonjoe Kenny (23) und Aaron Wan-Bissacka (22) wird es für Lamptey keine leichte Entscheidung. Potter will keinen Einfluss nehmen: “Es geht um ihn und seine Familie und was das Richtige für ihn ist. Welche Entscheidung er auch trifft, ich werde ihn dabei unterstützen, seine Ziele zu erreichen.”

In Brighton wird man jedenfalls hoffen, länger in den Genuss dieses aufstrebenden Talents zu kommen als der FC Chelsea. Macht Lamptey so weiter, wird sich nämlich schon bald die nächste Karriere-Entscheidung auf Klubebene anbahnen. Gerüchten zufolge steht er sogar schon beim FC Bayern auf dem Zettel.

Von Lukas Heigl

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(Photo by Alex Pantling/Getty Images)

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