Die große Bundesliga-Vorschau (6/6): VfB Stuttgart, RB Leipzig und Mainz 05

Vorschau

Am heutigen Freitag, den 24. August startet endlich auch die Bundesliga in die neue Spielzeit. Der amtierende Meister FC Bayern München empfängt zum Auftakt in der heimischen Allianz Arena die TSG 1899 Hoffenheim, vorab liefern wir zu allen 18 Mannschaften die obligatorische ausführliche Vorschau auf die neue Saison. 

 

Im abschließenden sechsten Teil beschäftigen wir uns mit dem VfB Stuttgart, RB Leipzig und dem FSV Mainz 05! 

Teil 1 (Schalke, Freiburg, Leverkusen)

Teil 2 (Nürnberg, Dortmund, Bremen)

Teil 3 (Bayern, Wolfsburg, Düsseldorf)

Teil 4 (Frankfurt, Hoffenheim, Hertha)

Teil 5 (Gladbach, Hannover, Augsburg)

 

VfB Stuttgart

(letzte Saison: 7. Platz)

Die Schwaben starteten als Aufsteiger in die Saison 2017/18 und waren ambitioniert. Doch unter Hannes Wolf verlief nicht alles nach Plan, sodass der junge und talentierte Trainer beurlaubt wurde. Die Entscheidung Tayfun Korkut als neuen Cheftrainer zu engagieren wurde sehr kritisch beäugt, selbst die eigenen Fans gingen reihenweise auf die Barrikaden. Korkut, der zuvor nicht gerade mit Glanzleistungen auf sich aufmerksam machen konnte, fand aber schnell einen Weg die Mannschaft zu stabilisieren und spielte mit dem VfB eine sensationelle Rückrunde. Entsprechend groß sind die Erwartungen auf die neue Spielzeit,  zumal das Transferfenster der Stuttgarter absolut vielversprechend verlief.

 

Die Transfers des Sommers 

Zugänge: Hans Nunoo Sarpei, Jan Kliment (Leihende), David Kopacz (ablösefrei, Dortmund U19), Marc-Oliver Kempf (ablösefrei, Freiburg), Daniel Didavi (4 Mio. Euro, Wolfsburg), Gonzalo Castro (5 Mio. Euro, Dortmund), Borna Sosa (6 Mio. Euro, Zagreb), Nicolas Gonzalez (8,5 Mio. Euro, Argentinas), Pablo Maffeo (9 Mio. Euro, Manchester City)

Abgänge: Carlos Mane, Dzenis Burnic, Jacob Bruun Larsen, Takuma Asano (Leihende), Matthias Zimmermann (ablösefrei,Düsseldorf), Orel Mangala (Leihe, HSV), Roberto Massimo (Leihe, Bielefeld), Ailton (Leihe, Braga), Julian Green (200.000 Euro, Fürth), Jean Zimmer (900.000 Euro, Düsseldorf), Jerome Onguene (2 Mio. Euro, RB Salzburg), Daniel Ginczek (14 Mio. Euro, Wolfsburg)

Können die hohen Erwartungen erfüllt werden?

Nach der starken Rückrunde 2017/18 träumt man bei den Schwaben natürlich von den vergangenen, großen Zeiten. Der VfB will sich weiter stabilisieren, zur oberen Tabellenhälfte angehören und sukzessive in Richtung Europa schielen. Das Transferfenster war gut, Problempositionen in der Spitze und der Breite wurden erkannt und die Mannschaft entsprechend verstärkt. Michael Reschke stellte wieder einmal unter Beweis, dass er im Scouting über die nötigen Mittel verfügt um spannende Spieler zu verpflichten. Gerade auf Maffeo, Sosa und Gonzalez können sich die Fas des VfB freuen. Natürlich ist der Verlust des physisch starken Ginczek nicht einfach aufzufangen, aber der Kader gibt in der Offensive einiges her, die Möglichkeiten um die Entlastung auf mehreren Schultern zu verteilen sind gegeben.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Die neu gewonnene Breite, auch auf den Verteidigerpositionen und die Zeit, die Korkut in der gesamten Vorbereitung hatte, sind möglicherweise entscheidende Faktoren für eine gute Saison 2018/19. Allerdings ging der Auftakt im DFB-Pokal schief. Ohne WM-Gewinner Pavard und mit einigen leichtsinnigen Fehlern verlor der VfB mit 0:2 in Rostock und muss sich für den Rest der Saison auf die Bundesliga konzentrieren. Diese Niederlage beim Drittligisten könnte sich aber schnell als notwendiger „Schuss vor den Bug“ herausstellen, die Sinne der Spieler weiter schärfen. Denn davon auszugehen, dass es einfach so weitergeht wie in der Rückrunde, wäre riskant.

 

Individuelle Klasse und viele Talente

In dieser Transferperiode merkte man, dass der VfB Stuttgart die Kaderplanung sehr gut durchdacht hat. Mit Gonzalez, Maffeo, Kopacz und Sosa wurden Talente verpflichtet, die den nächsten Schritt gehen sollen, Castro bringt vor allem die notwendige Erfahrung mit, Kempf soll sich in Stuttgart weiterentwickeln, Didavi wieder zu alter Stärke zurückfinden. Mit Pavard in der Abwehr, Castro und Gentner im Mittelfeldzentrum und Gomez im Angriff stehen genügend Führungsfiguren auf dem Platz, zudem darf man von Spielern wie Erik Thommy, der sich in der Rückrunde als sehr gute Ergänzung entpuppte, noch konstantere und bessere Leistungen erwarten.

Die Schwaben haben ein extrem spannendes Team und viele Möglichkeiten. Insua, der auf links eine sehr gute Saison spielte, hat Konkurrenz dazugewonnen und wird angespornt, zudem stehen im Mittelfeld mehr Entlastungsmöglichkeiten zur Verfügung. Und in der Offensive kann Korkut auf verschiedene Elemente bauen. Gonzalez ist ein technisch versierter Spieler, Gomez ein Abschlussstürmer, Donis bringt Tempo mit und Thommy und Akolo sind gerade über die Außenbahnen sehr gefährlich, können gute Hereingaben in den Strafraum bringen. Zudem soll Didavi die Kreativität erhöhen.

Natürlich hätte Tayfun Korkut gerne noch eine Ergänzung für die Außenbahnen verpflichtet, Carlos Mané, der zuletzt geliehen war, galt als heißer Kandidat. Der Portugiese, der in Stuttgart mit extremen Verletzungssorgen zu kämpfen hatte, sollte erneut ausgeliehen werden. Aber Sporting wehrte sich dagegen, wollte den Spieler nur verkaufen. Möglicherweise kommt am Ende der Transferperiode aber doch noch Bewegung in diese Personalie, denn Sporting steht vor der Verpflichtung eines neuen Spielers für eben jene Position, wodurch Mane unter Umständen doch noch einmal auf den Markt kommen wird.

Player to Watch: Pablo Maffeo

In der vergangenen Saison spielte beim VfB Stuttgart zumeist Andreas Beck auf der Position des Rechtsverteidigers. Diese Zeiten könnten nun ein Ende haben, denn mit Pablo Maffeo wurde ein enorm starker Spieler für diese Position verpflichtet. Maffeo kommt von Manchester City, war zuvor an den FC  Girona verliehen und zeigte seine Klasse in der spanischen Liga. Bereits 2013 wechselte der Rechtsverteidiger aus der Jugend von Espanyol in die Akademie von Manchester City, dort hat er in der ersten Mannschaft aufgrund der Konkurrenzsituation (Walker, Danilo) aber keine großen Chancen auf regelmäßige Einsätze. Das wusste auch Michael Reschke und hat die Gunst der Stunde genutzt.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Auch wenn Manchester City sich eine Rückkaufklausel gesichert hat, kann man Maffeo definitiv als eine Art Königstransfer bezeichnen. Er ist technisch sehr gut ausgebildet, kann die Offensive antreiben und behält gleichzeitig die defensive Stabilität bei. Natürlich muss er noch an der ein oder anderen Schwäche arbeiten, konstanter spielen, aber insgesamt ist er ein Gewinn für den VfB und für die Bundesliga. Die Schwaben statteten Maffeo mit einem Vertrag bis 2023 aus, schenken ihm das Vertrauen und werden ihn aller Voraussicht nach als Stammspieler einplanen. Mit einem erfahrenen Beck in der Hinterhand geht man dabei auch kein Risiko ein.

 

90PLUS-Saisonprognose

Die Vorzeichen beim VfB stehen gut. Der Kader wurde sinnvoll ergänzt, die Vorbereitung unter Tayfun Korkut verlief weitgehend gut, auch wenn das Pokalspiel verloren ging. Der Trainer des VfB hat seine Vorstellung noch einmal vertiefen können und setzt sich große Ziele für die kommende Saison. Ob es für Europa tatsächlich schon reichen kann wird auch von der Konstanz und den Verletzungsproblemen abhängig sein. Klar ist jedenfalls, dass die Qualität auf dem Papier höher ist als in der Vorsaison. Platz 7-10 sollte am Ende realistisch sein.

 

RB Leipzig

(letzte Saison: 6. Platz)

Die letzte Saison verlief für die „Roten Bullen“ nicht gerade nach Wunsch. Sportliche Enttäuschungen, Chaos abseits des Platzes, das letztendlich in der Trennung von Trainer Hasenhüttl mündete, und hohe Ausgaben schmälern den am Ende völlig akzeptablen sechsten Platz in der Bundesliga doch sehr. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass der Verein erst zwei Saisons in der Bundesliga verbracht hat und auch die meisten Spieler noch sehr jung sind und einige Entwicklungsschritte zu gehen haben. Die kommende Saison, die letzte Saison vor Julian Nagelsmann, steht nun in gewisser Weise unter dem Motto „Übergang“. Große Ziele haben Ralf („allmächtig“) Rangnick und Co. aber dennoch.

Die Transfers des Sommers

Zugänge: Nordi Mukiele (Montpellier, 16 Mio. €), Matheus Cunha (Sion, 15 Mio. €), Marcelo Saracchi (River Plate, 12 Mio. €), Marius Müller, Atinc Nukan, Massimo Bruno (alle Rückkehr nach Leihe)

Abgänge: Naby Keita (Liverpool, 60 Mio. €), Bernardo (Brighton & Hove, 10 Mio. €), Benno Schmitz (Köln, 1,5 Mio. €), Philipp Köhn (Salzburg, 900.000 €), Anthony Jung (Bröndby, 800.000 €), Dominik Kaiser (Bröndby, ablösefrei), Fabio Coltorti (vereinslos)

Back to the roots

Nachdem Abgang von Ralph Hasenhüttl regierte in Leipzig lange Zeit die Ungewissheit, selbst die Spieler wussten zum Trainingsauftakt, der aufgrund der Europa League Qualifikation recht früh angesetzt wurde, nicht, wer denn ihr Trainer sein würde. Nach einigem Hin und Her wurde dann aber doch eine Lösung präsentiert, die allerdings kaum noch jemanden überraschte: Sportdirektor Ralf Rangnick übernimmt die Mannschaft für eine Saison als Interimstrainer, bevor, und das war eine deutlich größere Überraschung, Hoffenheims Noch-Trainer Julian Nagelsmann das Amt ab dem 1.Juli 2019 übernimmt. Assistierte wird Rangnick von Jesse Marsch, der zuvor als Cheftrainer der New York Red Bulls arbeitete und nun den Sprung nach Europa wagt. Die Benennung von Marsch ist dabei ein logischer Schritt, um Rangnick nicht zu überfordern, der unterdessen natürlich auch noch weiterhin die Rolle des Sportdirektor ausfüllt.

(Photo by Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images)

Sportlich bedeutet die Ernennung von Rangnick zu Trainer nichts anderes als die Rückkehr zu den Wurzeln des Spielstils, den Leipzig verkörpern will. Was das heißt? Ein sehr offensiver Ansatz, der auf einem sehr hohen Pressing und Gegenpressing und der Fokussierung auf dem Gewinn des (spätestens) zweiten Balls beruht und ein schnelles Umschalten mit dem Torabschluss (idealerweise) innerhalb der ersten acht Sekunden nach dem Ballgewinn zum Ziel hat – als grobe Skizze.

Unter Hasenhüttl rückte Leipzig ein wenig davon ab, zu Gunsten einer größeren Absicherung und vermehrten Krafteinsparungen, was angesichts der vielen Spiele auch absolut verständlich war, aber sicherlich auch einige Punkte gekostet hat, zumal es damit auch einige Probleme gab. Darauf wird sich Rangnick mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einlassen. Als Perfektionist hängt er sehr an seiner Philosophie und wird keine Kompromisse zulassen (was sich nicht zuletzt auch in der Einhaltung der selbstauferlegten Regeln bei Spielertransfers zeigt). Man darf also durchaus gespannt sein auf das Leipziger Spiel, es könnte spektakulär werden!

Zwei Mannschaften

Wie schon im vorherigen Abschnitt beschrieben, ist Rangnicks angestrebtes Spiel sehr kräftezehrend und dürfte demzufolge auch die Spieler im hohen Maße belasten. Um größeren personellen Schwierigkeiten und Engpässen vorzubeugen, muss der Kader also dementsprechend breit aufgestellt sein. Da Rangnick aber glücklicherweise auch höchstselbst für die Kaderplanung verantwortlich ist, kann er diesen auch ganz nach seinen Vorstellungen zusammenstellen und trägt selbst die Verantwortung dafür, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht. Um dieser Aufgabe, genauer gesagt den drei Aufgaben (Liga, Europa League, Pokal), gerecht zu werden, hat Rangnick den Plan zwei Mannschaften mit sehr gutem Niveau aufzustellen, sodass alle Wettbewerbe gleichermaßen gut bespielt werden können.

Die Basis dafür liefert natürlich der Kader der abgelaufenen Saison, der ja auch weitestgehend erhalten geblieben ist. Mit Naby Keita wurde nur ein Leistungsträger abgegeben und dieser finanziert nun auch die Verbreiterung des Kader. Ein Musterbeispiel für die Transferstrategie (junge Spieler holen, weiterentwickeln, teuerer verkaufen, mehrere junge Talente holen, weiterentwickeln, …) des Vereins. Mit den Verpflichtungen von Nordi Mukiele und Marcelo Sarrachi wurden zudem die Außenverteidier-Positionen, die in der abgelaufenen Saison, speziell nach dem Ausfall von Marcel Halstenberg, zu schwach und zu dünn besetzt waren. Außerdem verstärkt Matheus Cunha den Angriff und bietet damit eine weitere Alternative für den Angriff. Darüber hinaus sollen noch bis zu zwei weitere Spieler bis zum Ende des Transferfensters verpflichtet werden, um je Position auf gutem Niveau doppelt besetzt zu haben. Gefahndet wird nach einem offensiven Flügelspieler und einem zentralen Mittelfeldspieler. Als Kandidaten werden Ademola Lookman, der bereits in der abgelaufenen Saison auf Leihbasis bei den Bullen spielte und überzeugte, und Sebastian Rudy, der eine Ausnahme von der Transferregel werden könnte, gehandelt. Allerdings deuten die neuesten Medienberichte darauf hin, dass der Wechsel von Rudy nach Leipzig geplatzt ist. Die beiden fehlenden Elemente müssen noch hinzugefügt werden, ansonsten ist der Kader komplett und gut besetzt.

Player to watch: Matheus Cunha

Im Fall von RB Leipzig fällt die Wahl des „Player to watch“ alles andere als einfach, schließlich könnte fast die halbe Mannschaft an dieser Stellen genannt werden, egal ob nun Upamecano, Konnte, Sarrachi, Mukiele, Laimer oder Augustin. Wir haben uns an dieser Stelle aber für Sommerneuzugang Matheus Cunha entschieden. Der 19-jährige Brasilianer, der vor drei Monaten sicherlich nur den absoluten Experten ein Begriff gewesen ist, kam für eine stolze Ablöse von 15 (!) Millionen Euro vom FC Sion nach Leipzig, was für reichlich Verwunderung sorgte. Auch bei Betrachtung der Leistungsdaten des Stürmer wussten viele nicht so recht, was man davon halten sollte, schließlich sind zehn Tore und acht Assists in 29 Spielen in der deutlich schwächeren Schweizer Liga nicht dermaßen herausragend. Doch angesichts des Alters von nur 19 Jahren und der Tatsache, dass es seine erste Saison in Europa war, ist das schon beeindruckend.

(Photo by Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images)

Seine Ansätze in Leipzig waren bisher definitiv vielversprechend. Vor allem sein wunderschöner Treffer in der Europa League Qualifikation gegen Häcken dürfte den Zuschauern im Gedächtnis bleiben. – eine nette Kostprobe seiner tollen Anlagen. Und auch in der regulären Saison darf man einiges von Cunha erwarten. Mit seiner Schnelligkeit und seiner beeindruckenden Ruhe und Präzision im Abschluss könnte er eine sehr gefragte Alternative im gut besetzten Angriff der „Roten Bullen“ werden und vor allem auch Top-Torjäger Timo Werner deutlich entlasten. Er passt perfekt in das Profil, das sich Ralf Rangnick von einem Stürmer erwartet und wurde genau deshalb auch vom Sportdirektor Rangnick verpflichtet.

Die 90PLUS-Saisonprognose

RB Leipzig hat sich viel vorgenommen für die kommende Saison und scheint auch die richtigen Schlüsse aus der abgelaufenen Saison, die etwas unter die Kategorie „gezahltes Lehrgeld“ fällt,  gezogen zu haben, um diese Ziele zu erreichen. Der Kader wurde gut verstärkt, die Schwachstellen und Engpässe der abgelaufenen Saison wurden ausgebessert und die geplanten weiteren Neuzugänge würden ihn zusätzlich abrunden. Mit Ralf Rangnick sitzt zudem die Verkörperung der Philosophie auf der Bank, sodass der Verein wieder zu seinen ursprünglichen Werten zurückkehren wird. Die Saison dürfte also viel mehr als nur ein „Übergangsjahr“ vor Julian Nagelsmann sein.

Platz 4 bis 7 in der Liga erscheint realistisch zu sein, darüber hinaus dürfte auch das Viertelfinale in der Europa League mehr als realistisch sein.

 

FSV Mainz 05

(letzte Saison: 14. Platz)

Mainz 05 hatte eine schwierige letzte Saison hinter sich. Zu Beginn mussten die Nullfünfer zwei Niederlagen gegen die Aufsteiger Hannover und Stuttgart hinnehmen und es wurde direkt klar, dass es für sie nur um den Klassenerhalt geht. Nach einem kurzen Zwischenhoch mit sieben Punkten aus den Spielen gegen Hertha, Wolfsburg und dem HSV fand sich Mainz auf dem zehnten Rang wieder. Dies war dann auch die beste Platzierung in der gesamten Saison. Anschließend holte Mainz nur noch einen Sieg in der Hinrunde (1:0 gegen glücklose Kölner), rutschte in den Tabellenkeller und überwinterte auf dem 15. Platz. In der Rückrunde zeigten die Nullfünfer teilweise äußerst biederen Fußball und waren akut abstiegsgefährdet. Obwohl sich Mainz mittlerweile auf dem Relegationsrang wiederfand, hielten die Bosse an Trainer Sandro Schwarz fest. Diese Maßnahme sollte sich im Saisonendspurt bezahlt machen. Mit engagierten Auftritten und starken Leistungen konnte der FSV letztendlich die Klasse halten und darf sich auf eine weitere Bundesligasaison freuen. Highlights waren der 3:0-Heimsieg gegen Leipzig und der entscheidende 2:1-Auswärtssieg in Dortmund am vorletzten Spieltag.

Die Transfers des Sommers

Zugänge: Jean-Philippe Mateta (Lyon, 8 Mio), Pierre Kunde (Atlético Madrid, 7,5 Mio), Moussa Niakhaté (Metz, 6 Mio), Aarón Martín (Espanyol, 3 Mio Leihgebühr), Phillipp Mwene (Kaiserslautern, ablösefrei), Ridle Baku (Mainz II, ablösefrei), Jannik Huth (Sparta Rotterdam, Leih-Ende), Gaëtan Bussmann (Freiburg, Leih-Ende), Besar Halimi (Bröndby, Leih-Ende), José Rodríguez (Maccabi Tel Aviv, Leih-Ende)

Abgänge: Abdou Diallo (Dortmund, 28 Mio), Yoshinori Muto (Newcastle, 10,7 Mio), Suat Serdar (Schalke, 10,5 Mio), Jonas Lössl (Huddersfield, 2,5 Mio), Kenan Kodro (Kopenhagen, 1,6 Mio), Nigel de Jong (Al Ahli, ablösefrei), Leon Balogun (Brighton & Hove, ablösefrei), Marin Sverko (Karlsruhe, Leihe), Devante Parker (Mainz II)

Mainzer Umbruch

In dieser Saison wird man ein neues Mainz sehen, denn mit Abdou Diallo (22), Suat Serdar (21) und Yoshinori Muto (26) haben drei unangefochtene Stammspieler den Verein verlassen. Die Verkäufe der drei Leistungsträger sowie weiterer Spieler haben dem Verein sehr viel Geld eingebracht, das in neue Spieler investiert wurde. Mit Jean-Philippe Mateta (21) und Moussa Niakhaté (22) hat Mainz zwei hochbegabte Spieler aus Frankreich geholt, die sehr gute Chancen auf regelmäßige Einsätze von Beginn an haben dürften. Beide Spieler sind zwar noch etwas unausgereift und müssen sich erst einmal an die neue Liga und das neue Umfeld gewöhnen, aber sie könnten die nächsten Spieler sein, die später von Topklubs umworben werden. Mit Pierre Kunde (22) hat Mainz clever auf den Abgang von Serdar reagiert und einen ähnlich polyvalenten Spieler verpflichtet, sodass Schwarz nun wieder viele taktische Optionen hat. Im Pokalspiel gegen Aue (3:1) stand darüber hinaus noch der junge spanische Linksverteidiger Aarón Martín (21) in der Startaufstellung. Die 05er haben es also trotz einiger schmerzhafter Abgänge geschafft eine interessante Mannschaft zusammenzustellen. Schlagen alle Neuzugänge ein, dürften sie vermutlich stärker einzuschätzen sein als noch im vergangenen Jahr.

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Stabilisation als wichtiger Faktor

Nach der ersten vollständigen Schmidt-Saison, in der die Nullfünfer auf dem sechsten Tabellenplatz landeten, erfolgte ein Bruch, der bis heute anhält. Die Mannschaft wirkte nicht mehr über die volle Saison gefährlich und konnte nur noch selten überraschen. Schon 2016/17 gerieten sie in akute Abstiegsgefahr und retteten sich nur aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber Wolfsburg vor der Relegation. Letzte Saison waren es immerhin schon drei Punkte, die sie vom 16. Rang trennten. Alles andere als den Klassenerhalt als Ziel auszugeben, wäre naiv und genau so taten es die Mainzer. Die Hoffnung besteht allerdings darin, dass sie eine ruhigere Saison verleben und fußballerisch wieder zulegen können. Sie wollen als Mannschaft wieder stabiler werden und konstanter ihre Leistung abrufen. Nur vereinzelt gute Leistungen zu zeigen, reicht nicht mehr. Das könnte aufgrund des jungen Kaders aber schwierig werden. Außerdem kann man damit rechnen, dass Sandro Schwarz den Fokus mehr auf die Offensive ausrichten wird. Die war in der vergangenen Saison zu schwach und ließ die Defensive deutlich zu oft im Stich.

Player to Watch: Jean-Philippe Gbamin

Der 22-Jährige Ivorer ist die zentrale Figur im Mainzer Spiel. Er geht jetzt in seine dritte Bundesligasaison und soll wieder so prägend wie letzte Saison agieren. Gbamin fühlt sich im defensiven Mittelfeld am wohlsten, aber hat auch schon in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld gute Leistungen gezeigt. Er ist der mit Abstand technisch beste Fußballer der Mainzer und eindeutig der Dreh- und Angelpunkt. Die Defensive dirigiert er und die Offensive treibt er an. Ohne ihn ist Mainz direkt viel schlechter aufgestellt. Gbamin macht eindeutig den Unterschied aus. Er hatte zuletzt viele lukrative Angebote vorliegen, aber Mainz wollte nicht noch einen Leistungsträger ziehen lassen. Dieser Umstand wurde dem Ivorer mit einem neuen Vertrag zu verbesserten Konditionen bis 2023 versüßt. Er dürfte nun der Topverdiener sein. Nach dem Abgang von Nigel De Jong (33) steigt er auch in der Hierarchie weiter nach oben und soll auch seine Leaderqualitäten zeigen. Gbamin soll auch dem jungen und talentierten Ridle Baku (20), der schon in der vergangenen Saison aus der Jugend hochgezogen wurde, Unterstützung im Mittelfeld geben und für Stabilisation sorgen. Gut vorstellbar, dass der 22-Jährige nach der kommenden Saison für viel Geld zu einem Topklub wechselt.

(Photo by Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

 

90Plus-Saisonprognose

Mainz hat das Potenzial wieder ansehnlicheren Fußball zu zeigen. Sandro Schwarz hat sich in seiner ersten Bundesligasaison hier und da schwer getan, aber letztendlich gezeigt, dass er ein guter Trainer ist und das Vertrauen des Vorstands zurückgezahlt.  Sollten die Neuzugänge einschlagen und etablierte Spieler in Form kommen, könnte Mainz eine ruhigere Saison als noch in den vergangenen zwei Jahren bevorstehen. Ein Platz im gesicherten Mittelfeld sollte machbar sein, aber mehr auch nicht. Die Nullfünfer müssen zusehen, dass sie in der kommenden Spielzeit endlich wieder konstant Leistung abrufen. Zeigt die Mannschaft wieder ihr lethargisches Gesicht aus großen Teilen der vergangenen Rückrunde, könnte der Klassenerhalt allerdings sehr schnell in Gefahr geraten.

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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