Der FC Bayern vor dem Umbruch: Der Kader und mögliche Transferziele in der Defensive

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In Teil 1 dieses Artikels wurde über die aktuelle Situation beim FC Bayern München berichtet. Dieser Artikel baut auf dem ersten Teil auf und wird sich mit der Kadersituation befassen. Zudem werden erste potenzielle Neuverpflichtungen auf der Torhüterposition und in der Abwehr beleuchtet. 

Es ist also definitiv nicht planbar, dass man in der Zukunft zahlreiche Toptalente aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft befördern kann. Zudem hat es zurzeit nicht den Anschein, als würde einer der Spieler aus der 2. Mannschaft oder der U-19 die nötige Qualität mitbringen um beim FC Bayern in der 1. Mannschaft Fuß zu fassen. Natürlich können sich Spieler in diesem Alter schnell entwickeln und jederzeit einen Sprung machen. Aber verlassen kann man sich darauf nicht. Interessante Namen gibt es dennoch. Gerade dem 18-jährigen Timothy Tillman wird eine große Zukunft vorhergesagt. Man muss nun geduldig sein und den nächsten Entwicklungsschritt bei ihm abwarten.

 

Der kleine Kader

Der FC Bayern ging mit einem relativ kleinen Kader in diese Saison. Für den nach Dortmund abgewanderten Mario Götze wurde kein Ersatz in der Offensive verpflichtet, vielmehr legte man Wert auf die Variabilität einzelner Spieler. Mit Renato Sanches holte man sich ein langfristiges Projekt in die Mannschaft, Mats Hummels sollte zur Optimierung der Innenverteidigung dienen. Der Abgang von Holger Badstuber im Winter dünnte den Kader ebenfalls aus. Auch wenn Badstuber eine lange Verletzungshistorie hatte, war es zumindest riskant mit nur drei Innenverteidigern in die Rückrunde zu gehen. Die Personaldecke ist auf vielen Positionen nicht darauf ausgerichtet, zahlreiche Ausfälle zu verkraften.

Variable Spieler sind gut und auch wichtig, aber das Risiko einen ungelernten Spieler in einem wichtigen Spiel auf eine elementare Position zu setzen, ist auf diesem Niveau eigentlich zu groß. Das Fehlen eines Backups für Robert Lewandowski wurde häufig thematisiert. Auch wenn es nicht einfach ist einen Spieler zu verpflichten, der viele Spiele auf der Bank sitzt – versuchen muss man es trotzdem. Thomas Müller sollte diese Position bekleiden. Ein Spieler, der sich alleine im Zentrum nicht besonders wohl fühlt und in den letzten Monaten unter Guardiola schon Formprobleme hatte. Diese Probleme haben sich zu einer handfesten Krise entwickelt. Und dieser Müller sollte einen überragenden Lewandowski in der Königsklasse gegen Real Madrid ersetzen.

 

20+3 Spieler sind zu wenig

Zumindest hätte ein Spieler im Kader stehen können, der Robert Lewandowski ähnlich ist. Thomas Müller ist das nicht. Er ist ein komplett anderer Spielertyp, der gegen Real alleine verloren war. Er hatte keine Bindung zum Spiel, konnte aber nicht wirklich ausgewechselt werden. Andere Vereine sind auf solche Situationen zumeist besser vorbereitet. Carlo Ancelotti ist bekannt dafür, dass er kein Freund von großer Rotation ist. Doch der Fußball hat sich verändert, ist intensiver geworden und die vielen Spiele fordern die Spieler mehr. Es besteht zumindest das Risiko von steigenden verletzungsbedingten Ausfällen. Und dass der FC Bayern einen verhältnismäßig alten Kader mit einigen anfälligen Spielern hat, ist ebenfalls klar.

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Betrachtet man den jetzigen Kader des FC Bayern, so stellt man fest, dass er über 23 Spieler verfügt. Dazu gehören der 3. Torhüter Tom Starke und die jungen Fabian Benko und Niklas Dorsch, die keine besondere Rolle spielen. Übrig bleiben 20 Spieler. Damit ist nicht einmal jede Position doppelt besetzt. Sicherlich helfen flexible Spieler, die auf mehreren Positionen eingesetzt werden können, aber wenn man bei 3 Ausfällen bereits einen Jugendspieler oder einen 3. Torhüter auf die Bank setzen muss, dann ist das ein Zeichen dafür, dass der Kader zu klein ist. Natürlich ist es immer kompliziert mit einem größeren Kader zu haushalten, gerade wenn alle Spieler fit sind. Aber man sollte eher darauf ausgerichtet sein, dass dies nur selten der Fall ist.

 

Die schwierige Kaderzusammenstellung

Es ist trotzdem kompliziert, einen Kader zusammenzustellen, bei dem jede Position ausreichend in der Spitze und der Breite besetzt ist, ohne, dass es frustrierte Spieler gibt. Dafür ist nun einmal eine größere Rotation und eine höhere Leistungsdichte innerhalb des Kaders notwendig und dafür muss Geld investiert werden. Geld, das der FC Bayern durchaus hat. Niemand fordert, dass der FC Bayern einen 30-Mann-Kader zusammenstellt, aber die Lücken müssen gefüllt werden, denn es gibt einige sichere und weitere zumindest mögliche Abgänge im kommenden Sommer.

Geht man davon aus, dass Benko und Dorsch keine Rolle im Kader spielen und Tom Starke seine Karriere beendet, bleiben noch 20 Spieler übrig. Xabi Alonso und Philipp Lahm beenden ihre Karriere, Niklas Süle und Sebastian Rudy wechseln zum FC Bayern. Holger Badstuber hat offenbar keine langfristige Zukunft mehr, Medhi Benatia wird in Italien bleiben und Kingsley Coman langfristig verpflichtet. Es bleibt dabei, es stehen 20 Spieler im Aufgebot für die nächste Saison. Die Leihe von Gianluca Gaudino läuft aus, aber dieser Spieler wird ebenfalls keine Rolle spielen. Hinzu kommen mögliche Abgänge von Douglas Costa und Sven Ulreich, der wieder mehr spielen möchte. Sollten beide den Verein verlassen, bleiben 18 Spieler übrig. Überdies scheint Juan Bernat ebenfalls unzufrieden zu sein, auch er könnte zumindest ein Kandidat für einen Transfer sein. Im schlimmsten Fall steht man also bei 17 Spielern.

 

1-2 Neuzugänge reichen wohl nicht

Die Kaderplanungen müssen also nun schon in vollem Gange sein, diese Entwicklungen müssen berücksichtigt werden. Mit Rudy wurde ein flexibler Spieler geholt, der in Hoffenheim eine hervorragende Saison spielt. Er ist ein guter, ablösefreier Ergänzungsspieler, der definitiv auf seine Einsätze kommen wird. Gegen diesen Transfer ist nichts einzuwenden. Auch Niklas Süle ist vor allem perspektivisch ein guter Griff. Der Abwehrspieler kann von den anderen Innenverteidigern lernen und wird zum Einsatz kommen, gerade weil Hummels & co. nicht verletzungsfrei bleiben werden. Einigkeit bei der Besetzung der vakanten Positionen scheint es aber noch nicht zu geben.

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Joshua Kimmich soll offensichtlich Philipp Lahm ersetzen. Dadurch fiele natürlich eine Option im Mittelfeld weg. Ob Kimmich der richtige Mann ist, bleibt abzuwarten. Bisher spielte er als Rechtsverteidiger in der Nationalmannschaft solide, gegen meist individuell schwächere Gegner. Eine Konstanzmaschine wie Lahm zu bekommen ist zurzeit allerdings auch unmöglich. Ob sich der FC Bayern allerdings mit der Personalie Kimmich einen Gefallen tut, darf angezweifelt werden. Seine besten Spiele absolvierte er im Defensivzentrum, seine Fähigkeiten passen dort auch deutlich besser. Kimmich besitzt eine gute Antizipation, ist laufstark, dynamisch und seine langen Bälle sind bereits jetzt zumindest gut.

 

Baustellen im Kader

Trotz Süle und Rudy sollte also noch, je nach Zahl der weiteren Abgänge, über 2-4 Spieler nachgedacht werden. Womöglich sind einige Aussagen auch in taktischer Hinsicht getroffen worden. Wird man nämlich durch ganz Europa posaunen, auf welcher Position man Spieler sucht, dann hat das den Effekt, das potenzielle Verkäufervereine bei Verhandlungen um die Dringlichkeit der Personalie wissen und etwaige, bereits hohe Summen noch einmal zu optimieren versuchen. Vielleicht will man den jungen Spielern, in diesem Falle Kimmich, auch frühzeitig das Vertrauen aussprechen.

Neben einem Ersatztorhüter bei einem Ulreich-Abgang, einem Linksverteidiger, falls Bernat gehen sollte und einem Rechtsverteidiger, sofern die Kimmich-Aussagen in taktischer Hinsicht getätigt wurden, muss zumindest über einen zentralen Mittelfeldspieler nachgedacht werden. Renato Sanches ist wie erwähnt ein langfristiges Projekt, der an vielen Schwächen arbeiten muss. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei ihm in Zukunft sogar eine Leihe in Frage kommt. Aber man muss einen Verein finden, der einen ähnlichen Spielstil auf zumindest gutem Niveau praktiziert. Über die Position der Außenspieler wurde bereits ausführlich gesprochen, dort müssen in den kommenden 2 Jahren eher 3 Spieler verpflichtet werden, denn Costa kokettiert mit einem Abschied und Ribéry und Robben spielen nicht mehr ewig. Einen Sturmbackup zu finden wird schwierig, aber man muss es auf der Liste haben und alles mögliche versuchen.

 

Kandidaten für das Tor

Die einfachste Personalie im Tor des FC Bayern ist Christian Früchtl. Der 17-jährige trainierte bereits häufiger bei den Profis mit und gilt als sehr talentiert. Mit seinen 1,93m besitzt er das Gardemaß für einen Torhüter und seine Entwicklung ist bereits weit fortgeschritten. Der in Bischofsmais geborene Torhüter laboriert zurzeit an einem Syndesmosebandriss, wird aber im Laufe der Vorbereitung zur Mannschaft stoßen können. Der U17-Nationalspieler (6 Einsätze) wird der Ersatz von Tom Starke und als 3. Torhüter wohl permanent mit dem Profiteam trainieren. Einsätze in der Jugend oder in der 2. Mannschaft wird es für ihn trotzdem geben, Spielpraxis wird benötigt.

Im Falle eines (durchaus realistischen) Abganges von Sven Ulreich wird also ein 2. Torhüter benötigt. In den letzten Wochen nannte die Presse einige interessante Namen, die mehr oder weniger realistisch sind. Ein Kandidat soll Rene Adler sein. Der Vertrag des 32-jährigen läuft im Sommer aus und es wird spekuliert, dass der HSV sein hohes Gehalt reduzieren will. Ob Adler dazu bereit ist, bleibt abzuwarten. Adler fiel zuletzt häufiger aus und es kann durchaus sein, dass er selbst mit dem Gedanken spielt, noch einige ruhigere Jahre zu verleben, das könnte er in München.

Ein weiterer Name, der diskutiert wird, ist Salvatore Sirigu. Der Italiener ist zurzeit von Paris an Osasuna verliehen und hat noch ein Jahr Vertrag in Frankreich. Der FC Bayern soll über den 30-jährigen nachdenken, ob Sirigu allerdings die zweite Geige spielen möchte, ist unklar. Eher unrealistisch ist hingegen André Onana, der zuletzt von den Bayern gescoutet worden sein soll. Der 21-jährige sollte die Ambitionen besitzen in Amsterdam dauerhaft zu spielen und sich für einen größeren Verein als Stammtorhüter zu empfehlen.

 

Potenzielle Verstärkungen in der Verteidigung

Sollte der FC Bayern in Erwägung ziehen einen Rechtsverteidiger zu verpflichten, gibt es einige spannende Kandidaten. Der Markt ist auf dieser Position nicht einfach, die Toplösung Carvajal ist nicht zu bekommen, Bellerin verlängerte kürzlich und wird sehr teuer und auch der FC Barcelona sucht wohl einen Spieler auf dieser Position. Die Tatsache, dass eine Neuverpflichtung wohl ein ähnliches Projekt/Risiko wie Kimmich wäre, könnte ebenfalls ausschlaggebend für eine etwaige Entscheidung pro Kimmich sein.

(Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Joao Cancelo vom FC Valencia ist definitiv ein interessanter Name. Der 22-jährige Portugiese absolvierte in dieser Saison 34 Spiele für die Spanier und könnte den nächsten Schritt machen. Er steht aber ebenfalls im Fokus des FC Barcelona. Auch Nelson Semedo, der zurzeit für Benfica spielt, sollte diskutiert werden. Die portugiesische „O Jogo“ berichtete vor einigen Wochen, dass der deutsche Rekordmeister am 23-jährigen interessiert sei. Semedo ist offensiv ausgerichtet, schlägt gefährliche Flanken und besitzt ein hohes Tempo. Außenseiter sind Elseid Hysaj vom SSC Neapel, der zuweilen etwas unkonstante Djibril Sidibe aus Monaco und Rick Karsdorp, der zuletzt offensichtlich von Scouts des Vereins beobachtet wurde. Er hat aber erst kürzlich bei Feyenoord verlängert.

 

Der Fall Juan Bernat

Sollte sich Juan Bernat dazu entscheiden, den Verein im Sommer zu verlassen, muss auch auf der linken Seite gehandelt werden. Bernats Frustration ist nachvollziehbar, denn in dieser Saison war er keinesfalls schlechter als David Alaba, der aber dennoch in vielen Spielen den Vorzug bekam. Es kann nicht Bernats Anspruch sein, regelmäßig auf der Bank zu sitzen, wenngleich Alaba in großen Spielen zumindest defensiv kaum große Fehler fabriziert. Alaba läuft seiner Form von 2013 insgesamt aber definitiv hinterher und vielleicht wäre ein Abgang von Bernat die Chance um den Konkurrenzkampf neu auszurufen und den Österreicher anzuspornen. Gerüchte über einen Neuzugang auf dieser Position gibt es allerdings noch nicht, der Markt gibt auch nur begrenzt etwas her. Wahrscheinlicher ist, dass Bernat zumindest noch ein Jahr in München bleibt.

 

In Teil 3 wird das Mittelfeld und allen voran die Offensive unter die Lupe genommen. Hierbei wird auch eine mögliche fußballerische Entwicklung für die Zeit ohne Ribéry und Robben eine Rolle spielen, weitere Baustellen im Kader beleuchtet und natürlich werden wieder potenzielle Neuzugänge diskutiert. 

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

Alle Kommentare


  • Räikkönen11 sagt:

    Hi.
    Ein sehr guter Artikel. Ich fände es allerdings schön, wenn auch Namen fallen würden, die noch nicht durch die Medien gingen und eher von dir persönlich kommen. Zur Situation: ich würde auf jeden Fall ein zweiten Torhüter mit internationaler Erfahrung besorgen. Bei dem aussenverteidigern würde ich Kimmich die Chance geben (Rafinha ist ja uch noch da) und wenn es nicht klappt im Winter wen besorgen.(Wenn möglich)

  • Manuel Behlert sagt:

    Das wird im dritten Teil eher der Fall sein.. ;)


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